Verfasst von: Eva | 18/07/2009

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Verfasst von: Eva | 10/06/2011

Astrologie ohne Horoskope ist besser

Obwohl ich mich schon lange nicht mehr mit Astrologie befasse und sie als das, was sie vorgibt, zu sein, längst verworfen habe, ist mir dennoch erst vor kurzem klar geworden, warum Astrologie doch ein gutes Werkzeug zur Selbsterkenntnis sein kann.

Es geht dabei um Resonanz. Es ist Humbug, zu glauben, dass die Grafik eines Geburtshoroskops tatsächlich etwas mit dem betreffenden Menschen zu tun hat. Das hat sie nicht und alle halbwegs seriösen Untersuchungen dazu bestätigen das auch. Aber man kann dennoch viel lernen, wenn man sich mit Astrologie beschäftigt. Es geht nicht darum, sich von einem Astrologen sagen zu lassen, wie man ist, sondern es geht dabei um die Beschäftigung mit Astrologie an sich. Wenn man genug Bücher darüber gelesen hat, findet man so ziemlich alle Seinszustände, die ein Menschenleben beinhalten kann.

Das wurde in frühen Zeiten, als die Astrologie entwickelt wurde, gut erkannt. Sie war damit tatsächlich die Vorläuferin der Psychologie – es gab zu jeder Zeit Menschen, die das Leben ergründen wollten. Heute nennt man das Wissenschaft, doch zur Zeit der Entstehung der Astrologie war die Menschheit noch weit entfernt davon, Wissenschaft im heutigen Sinn zu betreiben. Vor allem wurde mystisches Denken heran gezogen, um Phänomene zu erklären, für die es sonst keine andere Erklärung gab.

Es ist nicht schlüssig, dass zu einer Zeit, als die Menschen noch glaubten, die Erde sei eine Scheibe und die Sonne würde sich um die Erde drehen, ihre Beobachtungen der Gestirne besser gewesen sein soll als heute. Der Glaube an den Zusammenhang von Gestirnen und Menschenschicksalen unterscheidet sich nicht sonderlich von Kartenlegen, Runenwerfen oder Kaffeesatzlesen.

Jedoch waren Menschen immer dieselbe Spezies – früher wie heute. Insofern sind frühe Beobachtungen, wie Menschen sind, welche Eigenschaften sie haben und welche Charakterzüge, auch heute genau so aktuell wie damals. Nur das System, in das diese Beobachtungen eingebettet waren, war ein anderes. Sich selbst zu erkennen – die heute so moderne Selbsterfahrung – war seit jeher ein Bestreben der Menschen.

Die Suche nach den Zusammenhängen von Ereignissen im eigenen Leben und darüber hinaus im Leben an sich, ist nichts Neues. Sie hat es immer gegeben. Wer sich lange und ausgiebig mit Astrologie und den unendlich vielen Konstellationen befasst, die dort beschrieben sind, wird sich zwangsläufig in etlichen davon wieder finden. Allerdings ist es nur dann echte Selbsterkenntnis, wenn man sein „Geburtshoroskop“ selbst deutet. Denn dann geschieht es aufgrund der inneren Resonanz, die bestimmte Beschreibungen auslösen.

Kein Außenstehender, auch wenn er noch so einfühlsam und sensitiv sein mag, wird jemals die innere Resonanz eines anderen Menschen genau nachspüren können. Somit bleiben Horoskopdeutungen von anderen immer oberflächlich und zufällig. Je allgemeiner die Aussagen aber sind, umso eher wird ein Mensch den Deutungen zustimmen, insbesondere, wenn er sich selbst nicht gut kennt (was anzunehmen ist, wenn er sich von anderen erklären lassen möchte, wie er ist).

Sich selbst zu verstehen, ist ein tiefgehender Prozess, der aus vielen Erkenntnissen besteht. Es hat nichts damit zu tun, einer vermeintlichen Autorität Glauben zu schenken, welche aus einem Horoskop heraus zu lesen vermeint, wie man ist. Dies bedeutet nur, ein Selbstbild zu übernehmen – vielleicht ein anderes als das bisherige – aber von Selbsterkenntnis ist das weit entfernt. Genau so weit wie der Mensch von sich selbst entfernt ist, der daran glaubt.

Wer sich jedoch intensiv selbst mit Astrologie befasst und sich in seinem Geburtshoroskop zu erkennen versucht, wird automatisch nur jene Deutungen vornehmen, die in ihm starke Resonanz erzeugen. Und damit kann er sich tatsächlich selbst erkennen. Denn Astrologie ist so angelegt, dass man ALLES aus jedem Horoskop heraus lesen kann. Ein Horoskop ist so ein komplexes Gebilde, dass jede Eigenschaft, jedes Problem und jeder Charakterzug in den Konstellationen gefunden werden kann. Und damit kann Astrologie tatsächlich zum Werkzeug für Selbsterkenntnis werden.

Astrologie bietet natürlich keine Lösungen für Probleme an. Aber um Lösungen geht es bei Selbsterkenntnis auch nicht. Jeder kann nur gemäß seinen Anlagen, Fähigkeiten und damit seinem Potenzial entsprechend leben. Und wer dies tut, lebt sich selbst und versucht nicht zu sein wie andere oder Vorgaben zu entsprechen, denen er nicht entsprechen kann. Damit lösen sich viele Probleme von selbst auf.

Wer begriffen hat, dass er sich einer Krücke bedient hat, um zu sich selbst zu finden, wird diese Krücke irgendwann auch wieder fallen lassen. Wer allerdings die Krücke nicht als Krücke erkennt, bleibt davon abhängig.

Verfasst von: Eva | 07/06/2011

Empathie

Dieser Begriff ist ein Modewort und mir gefällt der altmodische Ausdruck „Einfühlungsvermögen“ weit besser. Es ist ziemlich einfach, herauszufinden, ob ein Mensch in hohem Grad oder nur marginal darüber verfügt.

Erzähle jemand einfach ein seelisches Problem, das dich belastet und warte seine Reaktion ab. Hört er dir aufmerksam zu und zeigt Anteilnahme, dann ist er bei dir. Er bewertet nicht und er beurteilt deine Gefühle nicht, sondern nimmt wahr, dass es dir schlecht geht und begegnet dir mit Mitgefühl, respektiert dein Leiden und versucht nicht, es klein zu machen. So eine Reaktion zeigt von Einfühlsamkeit, weil hier deine Gefühle geachtet werden und in den Gefühlen unterscheiden wir Menschen uns nicht allzu sehr voneinander. Um die Ursachen geht es dabei kaum, denn es gibt Dinge, die treffen den einen sehr tief und den anderen kaum. Dies hängt mit so vielen Faktoren zusammen, dass dies ein Außenstehender nicht einfach sofort nachvollziehen kann. Aber ein Mensch, der einfühlsam ist, fragt nicht nach den Ursachen, sondern er reagiert darauf, wie du dich fühlst.

Dabei ist es völlig egal, ob er selbst schon mal in einer ähnlichen Lage war oder nicht. Denn jeder Mensch hat andere innere und äußere Ressourcen und eine andere Vorgeschichte. Er nimmt einfach Anteil.  Mitgefühl ist keine Reaktion des Verstehens, sondern des Fühlens.

Es gibt aber sehr viele, die ganz anders reagieren. Sie gehen wie selbstverständlich von sich und ihren Ressourcen aus und denken in erster Linie nach dem Motto: „Ich würde an deiner Stelle dies und das tun.“  oder „Das ist doch gar nicht schlimm, ein Unsinn, so darauf zu reagieren.“ Diese Menschen sehen dich nicht, sie sehen nur sich selbst. Sie leben meist in einer ganz anderen inneren und äußeren Situation und gehen von dieser aus. Sie würden vielleicht tatsächlich mit dem, worunter du leidest, kein Problem haben, aber dafür mit ganz anderen Situationen, mit denen du keins haben würdest, kämen sie überhaupt nicht klar. Doch soweit denken diese Menschen nicht.

Und dann gibt es noch diejenigen, die mit genau denselben Problemen, worunter du leidest, auch sehr leiden würden, aber daran überhaupt nicht denken. Sie versuchen sich nicht vorzustellen, wie das für sie selbst wäre, sondern sie sind eben nicht in dieser Lage und reagieren völlig verständnislos. Diese Menschen leben in einem Kokon der Sicherheit, über dessen Rand sie niemals blicken (wollen).

Sich auf andere Menschen einzulassen, ihnen mit Mit- und Feingefühl zu begegnen, setzt voraus, dass wir dem anderen in seinem Sein Respekt zollen. Dass wir ihm weder unsere Sichtweise überstülpen noch unsere Ressourcen andichten oder uns als Experten für das Leben anderer aufspielen. Wir können ihm hilfreich nur mit Empathie begegnen. Einen Menschen zu verstehen, bedeutet, ihn in seinem inneren Bezugsrahmen zu verstehen und nicht in unserem eigenen.

Verfasst von: Eva | 31/01/2011

Personenzentrierte Gesprächsführung

Seit kurzem beschäftige ich mich mit dem geistigen Nachlass von Carl Rogers. Er hat die personenzentrierte Gesprächsführung entwickelt, die – obwohl sehr hilfreich für Menschen – eher einer Haltung, einer Lebensphilosophie entspricht als einer „Therapierichtung“. Bislang wusste ich nicht, dass diese Haltung eine ist, die ich mir selbst in vielen Jahren erarbeitet habe. Daher bin ich hoch erfreut, dass es – ohne das ich es wusste – für diese Einstellungen schon einen Namen gibt: die personenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers.

Bezeichnend ist das völlige Fehlen von Techniken und dass dahinter auch keine Methode steht. Es ist  – wenn man so will – ein In-Verbindung-Treten mit Menschen in aufrichtiger, einfühlsamer und wertschätzender Weise. Dadurch erfährt dieser Mensch vielleicht zum ersten Mal, von einem anderen Menschen vollständig angenommen zu werden. Darin besteht das Hilfreiche.

Wir leben alle in einer Zivilisation, in der so eine Haltung nicht oft anzutreffen ist. Ganz im Gegenteil geht es eher um die Frage, was man ist als darum, wer man ist. Schon in frühester Sozialisation wird uns beigebracht, dass wir für erwünschtes Verhalten belohnt und für unerwünschtes negative Sanktionen zu erwarten haben. Was eigentlich das Natürlichste sein sollte – sein Kind bedingungslos zu lieben – kommt zu kurz. Geprägt wie wir alle sind, mit einem oft großen Rucksack an Ge- und Verboten im Gepäck, ersetzt Schein Sein.

Rogers hat entdeckt, was wir alle brauchen, auch noch im Erwachsenenalter und ganz besonders, wenn wir es zu selten erlebt haben: bedingungslose Annahme, um weiterwachsen zu können. Der Mensch als soziales Wesen ist von Anbeginn seiner Existenz vollständig von Beziehungen abhängig. Er kann nicht aus sich selbst heraus ohne Zuwendung und menschliche Wärme aufwachsen. Er braucht andere Menschen, mit denen er sich verbunden fühlt und denen er vertrauen kann, dass sie ihm als Mensch Wert beimessen. Ohne ein Mindestmaß davon, würde er zugrunde gehen. Der grausame Versuch mit Babys, die nur Nahrung und körperliche Versorgung bekamen, zeigte, dass sie bald die Nahrung verweigerten und starben.

Doch das Mindestmaß alleine genügt nicht, um das eigene Potenzial zu entfalten. Dafür braucht es Selbstvertrauen und das Gefühl, dass das, was in uns ist, gut ist, wie es ist und sein darf. Wenn nun oft genug die soziale Rückmeldung kommt, dies sei nicht der Fall und man müsse so und so sein, um akzeptiert zu werden, wenn Annehmen nur nach  Bedingungen erfahren wird, kann sich der Mensch nicht entfalten. Die Gesellschaft tut ihr Übriges dazu, denn dort findet sich eine Art Normmensch, von dem man nicht allzu weit abweichen darf. Umso weniger traut man sich das, je früher man darauf geprägt wurde.

Die personenzentrierte Gesprächsführung ist nun eine Möglichkeit, das Vermisste neu zu erfahren. Wer sich von anderen angenommen fühlt – und zwar auch in seinen Schwächen, Ängsten, vermeintlichem Fehlverhalten und Problemen – der lernt langsam, aber sicher, sich selbst damit anzunehmen. Wer sich aber selber annehmen kann, wie er ist, verändert seine Einstellung zu sich selbst. Er fängt an, sich zu sich selbst hin zu entwickeln, ein Prozess der Selbstwerdung wird in Gang gesetzt.

Man kann sich seiner inneren Zusammenhänge, Probleme und Fehlhaltungen nicht bewusst werden, wenn man sie nicht versteht. Doch üblicherweise bedeutet „nicht verstehen“ sehr oft: missinterpretieren und abwerten. Die gelernte Haltung, man müsse anders sein, man dürfe diese und jene Gedanken, Gefühle und Eigenschaften nicht haben, weil man dafür abgelehnt wird, führt dazu, sie tief zu internalisieren. Wem nun aber ein Mensch begegnet, der in aufrichtiger und in einfühlsamer Zuwendung wertschätzend zuhört, nicht verurteilt, bewertet oder banalisiert – erlebt etwas, das ein großes Gegengewicht zum bislang nicht Erfahrenen darstellt.

Lernfähig ist jeder Mensch, solange er am Leben ist. Auch wenn die Basis der Kindheit schwer wiegt – im Guten ebenso wie im Schlechten – bedeutet das nicht, dass sie unveränderbar ist. Wo ich mich wirklich aussprechen darf, wo ich keine Angst davor haben muss, dass mein Gegenüber mich ablehnt, meine Probleme für ihn zu schwer sind oder ich mich lächerlich machen könnte – dort kann ich ich selbst sein. So wie ich in diesem Augenblick bin. Ich muss nicht wachsam auf kleinste Nuancen im Blick oder der Körpersprache meines Gegenübers achten, um dem Moment der Verurteilung oder Ablehnung rechtzeitig zu entgehen, sondern ich darf mich ganz offen mitteilen.

Es erzeugt ein Gefühl der Verbundenheit, ein Wahrgenommenwerden und zugleich Sich-Wahrnehmen als reale Person in all ihren Facetten. In solchen Momenten wird die Verbindung zum inneren Selbst hergestellt.

Dass dies kein Prozess ist, der von heute auf morgen stattfinden kann, ist wohl für jeden einsichtig. Lange geübtes Verhalten und tief sitzende Einstellungen lösen sich nicht über Nacht auf. Jedoch kann ein Schritt genügen, um Mut zu fassen, sich auf den Prozess der Selbstwerdung einzulassen.

Menschen werden in allererster Linie von ihren Erfahrungen geformt. Weit weniger als von rein intellektuellen Erkenntnissen oder bloßem Wissen. Was wir erleben, bestimmt unsere Sichtweise und unser Weltbild. Gefühle steuern und lenken unsere Existenz.  Es ist unmöglich, sie durch reines Denken tiefgreifend zu verändern. Natürlich ist Wissen ein hohes Gut und hilfreich in vielen Bereichen des Lebens, doch was nicht innerlich erlebt wurde, bleibt abstrakt.

Einem Menschen in seelischer Not, dem ein mitfühlender und authentischer Mitmensch voller Anteilnahme zuhört, ist mehr geholfen als durch jegliche Psychotechniken oder Lösungsvorschläge, die aus den Wertmaßstäben oder der Routine des „Beraters“ stammen. Ich wage sogar zu behaupten, dass selbst in letzterem Fall auch in erster Linie die Zuwendung, das Interesse und das „Kümmern“ Effekte bewirkt – und viel weniger die Techniken oder Vorschläge an sich.

Denn es ist in gewissem Sinn eine entmündigende Herangehensweise, die dem Notleidenden nicht zutraut, er könne eigene Entscheidungen treffen und sich aus sich selbst heraus weiter entwickeln. Während bei der wertschätzenden einfühlsamen Anteilnahme „nur“ die Bedingungen dafür geschaffen werden, Mut zu fassen, sich auf sich selbst zu besinnen und seine Möglichkeiten zu erkennen. Wie ein Gärtner, der nicht bestimmt, welche Blume aus dem Samen wird, der aber das beste Klima für ihre Entfaltung bereitet.

Verfasst von: Eva | 01/01/2011

Neuer Hausgenosse

Ich habe eine neue Mitbewohnerin: Katze ‘Chili’. Sie ist eine kleine Maine Coon:

Verfasst von: Eva | 20/12/2010

Nachteile astrologischer Sichtweisen

Da ich derzeit erkältet bin und ziemlich viel Zeit hatte, brannte mir nun doch ein Thema auf der Seele, worüber ich schreiben möchte. Es geht um Astrologie.

Ich habe mich ja selbst recht intensiv einige Jahre lang damit befasst und war angetan davon. Ich hätte schwören können, dass Geburtshoroskope sehr viel aussagen und ein echter Beitrag zum Verständnis von Menschen sein können. Ich habe mich natürlich nicht nur mit meinem eigenen Horoskop beschäftigt, sondern auch mit vielen anderen, weil ich eine sehr empirische Ader habe und einfach so nichts glaube. Und gerade durch die treffenden Entsprechungen – nicht nur in meinem eigenen Horoskop, sondern auch in denen anderer – wurde ich immer mehr darin bestätigt, dass Horoskope äußerst aussagekräftig sind.

Ich denke, soweit kann mich jeder, der sich ernsthaft mit Astrologie befasst, verstehen und meine Aussagen nachvollziehen – weil es ihm ebenso ergangen ist bzw. ergeht. Was vielleicht nicht jeder verstehen wird, ist, dass das Ganze trotz allem ein großer Irrtum ist. Den man aber nur erkennen kann, wenn man wirklich offen bleibt und sich nicht fixiert.

Denn – je mehr man in die ‘astrologische Sichtweise’ driftet, umso sicherer wird man darin, Menschen danach zu „erklären“, was man in deren Horoskopen findet. Aber dahinter steht Glaube – und nicht Wissen (es sei denn, man bezeichnet das angelernte Wissen mit all seinen Regeln als echtes Wissen – was aber nicht stimmt, denn es sind nur gelesene oder gehörte Informationen, die man innerlich abspeichert, die man aber weder beweisen noch erklären kann). Man glaubt an das System und deshalb wendet man es auch beständig an. Mit diesem System lässt sich aber ALLES erklären, weil es eben so ein vielschichtiges System ist.

Und eines spielt noch gewaltig mit: Menschen, die sich selbst sehr nahe sind, gibt es nur wenige in unserer Gesellschaft. Viele neigen daher dazu, Aussagen über sich selbst zu glauben, weil sie dem wenig entgegen setzen können. So kommt es, dass sie sich dann selbst nach diesem System „erklären“ und nicht durchschauen (ebenso wenig wie der gläubige Astrologe, der die Erklärungen liefert), dass sie einfach dankbar für ein System sind, das ihnen Orientierung bietet. Dieses hat jedoch nichts mit ihrem individuellen Menschsein zu tun, weil Horoskope fiktive Annahmen sind. Weder stimmt der Himmelsstand so, wie das Horoskop berechnet wird, noch stimmt die Grundannahme „Wie oben so unten“ (sie ist eine uralte Annahme wie vieles, das früher zur Erklärung von Zusammenhängen heran gezogen wurde und im Bereich der Philosophie angesiedelt).

Aber wer daran glaubt, begibt sich gedanklich und seelisch in dieses System und damit stellt es für ihn eine reale Struktur dar. Menschen suchen nach Strukturen und Ordnungen, in die sie Begebenheiten einordnen können. Das liegt in unseren Gehirnen und ist überall zu beobachten. Dabei hilft nicht nur Astrologie, sondern auch Enneagramme, Typenlehren, Klassifizierungen von psychischen Störungen usw.

Astrologie ist somit nur eines von vielen Systemen, mit dem sich Menschen zu erklären versuchen, was ist. Ob sich nun jemand seinen Jähzorn (der vielleicht gar nicht erklärt werden kann!) durch Widder-Betonungen erklärt oder durch den Typus des Cholerikers, ist zweitrangig. Am wichtigsten ist, dass Erklärungen gefunden – und oft genug damit konstruiert – werden.

Was bringt das? Es bringt in erster Linie das Gefühl, eine Erklärung zu haben. Auch wenn diese überhaupt nicht stimmt. Menschen sind nicht unbedingt darauf gepolt, zu den wahren Ursachen von Begebenheiten durchzudringen, sondern den meisten reicht es, Erklärungen zu haben, die sich stimmig anhören – um sie zu glauben. Weil es eben in der menschlichen Natur liegt, Erklärungen zu suchen. Für die meisten ist es unerträglich, im praktisch luftleeren Raum zu leben und keine Ahnung zu haben, warum etwas ist, wie es ist. Dies erzeugt Angst und macht alles unberechenbar. Daher kommt die Offenheit – und auch große Begeisterung – für Erklärungen, die uns Berechenbarkeit bieten.

Jeder wird es schon erlebt haben, wie hilflos man sich fühlt, wenn man etwas nicht versteht, das aber das eigene Leben stark berührt. Wir wollen es (uns) erklären. So hielten es schon vor langer Zeit Naturvölker – und so halten es wir auch noch jetzt. Denn wir tragen ja dasselbe genetische Erbe in uns. Ebenso wie die Mythologie baut die gesamte Wissenschaft darauf auf, Dinge zu erklären. Es geht nicht immer um die richtigen Erklärungen, es geht aber immer darum, Zusammenhänge zu suchen.

Die Wissenschaft hat noch längst nicht alle Zusammenhänge gefunden. Das schmälert zwar nicht ihre Erfolge, aber sie ist nicht allwissend. Aber sich deshalb von ihr abzuwenden und alte Wissensstände zur (wieder neuen) Wahrheit zu erheben, wird der menschlichen Entwicklung nicht gerecht. Es mag sein, dass Menschen in Urzeiten vieles unbelastet von Spezialwissen in ihrem großen Zusammenhang gedeutet und teilweise erkannt haben, aber sie wussten auch sehr vieles noch nicht, was wir heute wissen. Diesen Wissenstand daher als dem heutigen überlegen anzusehen, ist Vergangenheitsglorifizierung. Noch dazu einer Vergangenheit, die man selber nie erlebt hat und in die man jede Menge Idealvorstellungen projizieren kann.

In einem berechenbaren, durchschaubaren Leben zu leben, ist nicht nur einfacher, sondern es ist Grundvoraussetzung, um überhaupt ohne ständigen Stress leben zu können. Und wie alles hat dies auch seine Kehrseite. Denn viele nehmen nicht die Mühe auf sich, lebenslang weiter zu fragen, ihren Horizont zu erweitern, um immer mehr zu verstehen – sondern sie geben sich auf einer bestimmten Stufe damit zufrieden, was sie dort finden.

Das ist der Sicherheit förderlich. Denn jede Öffnung für Neues kann das Althergebrachte zerstören. Und damit die Orientierung. Das geschieht nicht nur in Kreisen Astrologiegläubiger, sondern auch in allen anderen. Seien es sehr religiöse Menschen, die keinerlei Zweifel zulassen, seien es Vorurteile und Schubladendenken, welche die eigene Weltsicht beruhigend strukturieren oder die unhinterfragte Konformität mit vielen Dingen, die bei näherer Betrachtung alles andere als sinnvoll ist.

Die ideale Entwicklung wäre es wohl, sich in vielen Dingen zu versuchen, sich vieles anzusehen und auszuprobieren, um sich danach eine klare Meinung davon zu bilden – die aber weiterhin für neue Erkenntnisse offen bleibt. Normalerweise ist das aber nicht so. Menschen leben ab einem bestimmten Alter in ihren Systemen, die sie kaum mehr verändern (wollen).

Ein Mensch, der andere Menschen nicht einschätzen kann, der Schwierigkeiten hat, sie zu verstehen – einschließlich sich selbst – wird in Astrologie ein willkommenes System sehen, das ihm dabei hilft. Aber Astrologie hilft nicht dabei, sich selbst oder andere besser zu erkennen, sondern eher dabei, einzuordnen. Und zwar in ein fiktives System. Die allermeisten werden das Fiktive aber nicht hinterfragen, sondern sich damit zufrieden geben. Sobald wir an das System glauben, tricksen wir uns selber aus und sehen überall Entsprechungen, während wir das, was dagegen spricht, übergehen.

Man kann durch die Beschäftigung mit Astrologie jedoch auch einiges lernen und das habe ich selbst erlebt: sie macht offener für die Unterschiede zwischen Menschen und erweitert den oft viel zu engen Blickwinkel. Allerdings nur grundlegend – und niemals speziell. Denn Astrologie sagt nichts über einzelne Menschen durch ein Horoskop aus. Wer diesem Glauben anhängt, traut es sich selbst nicht zu, Menschen zu erfassen und zu verstehen – ohne Einordnung bzw. ohne „Anleitung“. Er nähert sich ihnen nicht offen und setzt Gefühl und Verstand ein, sondern sobald er deren Horoskop kennt, völlig voreingenommen davon. Ab diesem Zeitpunkt ist alles, was diesen Menschen betrifft, Teil des Systems. Insofern ist es einschränkend und schafft künstliche Ordnungen. Wer mit anderen Menschen verbunden sein möchte, muss solche Systeme weit von sich weisen, da sie nicht Verbindung, sondern fiktive Einordnung bringen.

Sich selbst kann man nur von innen heraus erkennen – keinesfalls nach Lehrbüchern oder Systemen. Und entsprechend dazu trifft das auch auf andere zu.

Verfasst von: Eva | 03/12/2010

Pause oder Schluss

Ich habe nun seit Juli 2007 an diesem Blog geschrieben. Es wurden 136 Artikel (was im Schnitt etwa zwei pro Woche ausmacht). Alles, was ich geschrieben habe, schrieb ich mit Herzblut und aus Überzeugung. Und es ist nicht so, dass ich keine Lust mehr hätte, damit weiter zu machen.

Aber ich kann nur ein bestimmtes Kontingent von Aktivitäten in meinem Leben ohne negativen Stress unterbringen. Und demnächst werde ich etwas Neues beginnen, auf das ich mich schon sehr freue. Als ehemalige Betroffene eines Burnouts (würde ich meinen schlimmsten Feinden nicht wünschen) weiß ich nur zu gut um die Falle des „Zuviel“.

Daher möchte ich meinen Blog nun stilllegen bzw. nur mehr ganz sporadisch schreiben. Da ich keine Anhängerin von jahrelanger Planung bin (das würde mich zu sehr festlegen auf die Entscheidungen der Gegenwart – die sich jedoch mit der Zeit und fortschreitender Entwicklung ändern können), ist das nun mein momentaner Entschluss. Abwechslung und Vielfalt sind mir sehr wichtig, aber ich lebe sie lieber phasenweise hintereinander als alles auf einmal.

Ich danke allen, die hier gelesen haben, für ihr Interesse.

Verfasst von: Eva | 27/11/2010

Die Gesellschaft sind wir

Alles dreht sich um Geld, Status, Macht und Leistung, niemand hat Zeit, die Scheidungsrate steigt ins Unermessliche, Jugendliche laufen Amok und Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. So oder ähnlich wird von vielen über unsere Gesellschaft geklagt, die sie durch ihre Unmenschlichkeit krank macht.

Jedoch wird dabei nur selten die Frage gestellt: was oder wer ist die Gesellschaft? Ist sie etwas, das aus dem Nichts entsteht und uns alle beeinflusst, gegen die wir machtlos sind und deren Regeln wir uns beugen müssen? Haben sich ein paar „Obere“ ausgedacht, wie sie zu laufen hat und kaum jemand anderer hat  Mitspracherecht? Bestimmt sie unser Leben, weil wir dazu gezwungen werden – oder lassen wir uns davon bestimmen?

Es gibt eine recht ernüchternde Antwort: Die Gesellschaft sind wir!

Es ist sehr einfach, sich über die Gesellschaft als ‘abstraktes Etwas’ zu beschweren als würde sie nur außerhalb unser selbst existieren. Das erinnert mich stark an die von Generation zu Generation immer wieder von Neuem geäußerte Klage über die ‘heutige Jugend’.  Die sich aber auch nicht selbst aufgezogen hat! Es ist nun mal eine unbequeme Tatsache, dass die Gesellschaft, in der wir leben, aus uns allen besteht. Und jeder Einzelne trägt seinen Teil dazu bei, wie sie ist. Im Guten wie im Schlechten.

Wer mehr Menschlichkeit möchte, muss bei sich damit anfangen. Der Anteil der eigenen Verantwortung wird meist übersehen. Dies zeigt sich schon in Kleinigkeiten: wer mürrisch aus dem Haus geht, wird kaum jemand finden, der ihm zulächelt. Wer sich über die Abgase entrüstet, muss sein Auto seltener benützen. Wer die Geschäftemacherei deprimierend findet, muss auf Dinge verzichten, die er nicht wirklich braucht. Wer den Jugend- und Schönheitswahn für krankhaft hält, muss selbst eben anders leben.

Aber das alles ist unbequem. Viele hoffen, dass sich die Verhältnisse wie von Zauberhand irgendwann zum Besseren verändern werden – oder reagieren verbittert, wenn das nicht geschieht. Denn mit der Veränderung sollen am besten die anderen anfangen – um dann irgendwann wieder mitzuschwimmen. Die einzige Möglichkeit, die Gesellschaft zu verändern, ist aber jene, die jeder hat: nach seinen eigenen Werten so gut wie möglich zu leben. Das ist sozial nicht einfach. Viele hält Gewohnheit, Bequemlichkeit und die Angst, gegen den Strom zu schwimmen, davon ab. Die meisten Menschen sind zu Konformisten erzogen worden und bleiben es ein Leben lang.

Es sei denn, es geht ihnen dermaßen schlecht, dass sie keine andere Wahl mehr haben als auszubrechen. Der Punkt kommt aber meist erst dann, wenn alles nicht mehr auszuhalten ist. Wie oft zeigen Menschen einander nur die wünschenswerte Fassade und jeder versucht, es dem anderen gleich zu tun. Der eine nimmt an, es ‘muss so sein’, weil alles andere den Normen zuwiderlaufen würde – und der andere denkt genau dasselbe. Eine verrückte Situation. Dennoch gang und gäbe und kaum jemand stellt es ernsthaft in Frage.

Warum nicht? Weil immer die Gefahr besteht, durch zu viel Menschlichkeit angreifbar zu werden. Es sein zu lassen, bietet so viel Sicherheit, dass nur die wenigsten davon abrücken wollen oder können. Natürlich kann man damit argumentieren, dass Menschen eine soziale Spezies und ‘Herdenwesen’ sind. Aber wenn daraus etwas entsteht, das alles andere als wirklich sozial ist, läuft einiges schief. Es können nicht immer die anderen sein, die sich ändern müssen, sondern jeder kann das nur für sich tun.

Die Ursachen dieses Konformitätsstrebens finden sich nur allzu oft in der eigenen Geschichte und Erziehung. Der Unterschied zwischen einem erwachsenen Menschen, der es von klein auf erlebt hat, in seinen Gefühlen und seinem Selbstausdruck ernst genommen zu werden und mit Wertschätzung auf die Erfordernisse der Gesellschaft hingeführt wurde, um darin zu bestehen – und einem, der wie selbstverständlich an die vorherrschenden Normen angepasst wurde – ist sehr groß. Während der eine viel leichter zu sich stehen kann und sich nicht an Normen orientiert, die ihm sinnlos oder schädlich erscheinen, hinterfragt der andere diese niemals und kennt nichts anderes, als sich anzupassen.

Diese Menschen machen die Mehrheit aus. Alle suchen sie Autoritäten, die ihnen sagen können, wie man zu leben hat. Jeder noch so unsinnige Modetrend, jede noch so absurde Lebensphilosophie findet begeisterte Anhänger. Echte Reflexion darüber findet viel zu selten statt. Menschen sind leider oft wie Lemminge, die demselben hinterher rennen, ohne dass es ihnen bewusst ist. Daher haben viele, die sich als Autoritäten gut verkaufen, ein leichtes Spiel. Man denke nur an den gegenwärtigen Esoteriktrend, der stellenweise absurder kaum mehr sein kann und der Millionen von Menschen gleich einer Gehirnwäsche beeinflusst. Nahezu unglaublich, was sich Menschen einreden lassen. Das geschieht, wenn die Sehnsucht nach mehr Gerechtigkeit und Geborgenheit im Leben ins Extrem der rationalen (aber im Grunde auch der gefühlsmäßigen) Blindheit führt.

Ein bewusster Mensch lebt mit seinem Verstand und seinen Gefühlen. Nur beides zusammen führt zu Ganzheitlichkeit. Theorien, die aus Vereinfachungen und Behauptungen bestehen, als Wahrheit zu akzeptieren, weil es sich gut anfühlt, hat weder mit Verstand noch mit authentischen Fühlen zu tun. Viel eher mit der Suche nach Erlösung von den Härten des (eigenen) Lebens.

Aber es gibt auch einen anderen Weg. Es ist der lange Prozess der Selbstfindung, der wirkliche Freiheit und echtes Selbstbewusstsein bringt. Doch die schnelle Lösung, die vorübergehende Erleichterung bringt, ist besser zu verkaufen. Und so wird eine Autorität gegen die nächste eingetauscht, anstelle echter persönlicher Entwicklung. Fast-food gibt es nicht nur zu essen, sondern auch für die Seele. Dass sich dadurch nichts wirklich verändert, Menschen wieder nur irgendwelchen anderen folgen, die vorgeben, sie wüssten Bescheid, ist eine unendliche Fortsetzung früher Abhängigkeit. Der dabei sehr oft auftretende Snobismus ist nicht besser als das Statusdenken in anderen Bereichen. Die Form ist eine andere – alles andere dasselbe.

Verfasst von: Eva | 13/11/2010

Intuition und die inneren Eltern

Gibt man in Google ‚inneres Kind’ ein, erhält man über 200.000 Seitenergebnisse, bei ‚innere Eltern’ sind es gerade etwas über 300. Obwohl beide untrennbar miteinander verbunden sind, liegt der gesellschaftlich verbreitete Fokus sehr stark auf dem inneren Kind. Dieses resultiert aber aus den realen Eltern (die später zu inneren werden) und ich halte es für sinnvoll, beide gemeinsam zu betrachten.

Es gibt eine Unzahl Bücher über die „Heilung des inneren Kindes“: liebevolle Selbstzuwendung soll die frühen Verletzungen heilen. Wem aber nicht bewusst ist, wie tief sitzend auch die Einstellungen sind, die wir von unseren frühen Bezugspersonen übernommen haben (und die oft bis weit ins Erwachsenenalter immer wieder von diesen Personen verstärkt wurden), sieht nur einen Teil des Gefüges. Man kann das innere Kind nicht heilen, ohne sich auch die inneren Eltern bewusst zu machen. Sie bestimmen unser Wertesystem, auch jenes, das wir auf uns selbst anwenden.

Einige Beispiele:
Der Frau, die sich darüber beklagt, wie kalt und dominant ihre Mutter war, die aber automatisch mit scharfer Zunge alles und jeden ohne Milde kritisiert, ist sich nicht bewusst, dass sie nicht nur die alten Gefühle des Kindes in sich trägt, sondern auch die harten Urteile der Mutter fortsetzt.
Dem jungen Mann, dem von klein auf vermittelt wurde, dass nichts mehr zählt als Sicherheit und der sein Leben lang sein eigenes Potential beruflich nur innerhalb der Grenzen lebt, die ihm der erstbeste ‘sichere’ Arbeitsplatz bietet, ist ebenso wenig bewusst, dass er sein Wertesystem nicht selbst geschaffen hat, sondern in jenem seiner Vorgeneration lebt.
Die Kollegin, die als Kind ganz besonders viel Lob bekam, wenn sie altklug auftrat, wirkt heute noch oberlehrerhaft (und wundert sich oft über die ablehnenden Reaktionen) und der heutige Pensionist, dessen Familie allen Fremden mit höchstem Misstrauen begegneten, ist sein Leben lang fremdenfeindlich geblieben.

Wir hinterfragen diese Einstellungen sehr selten. Wir identifizieren uns mit ihnen und sagen im Brustton der Überzeugung „Das ist meine Meinung“, obwohl das eigene Ich, der erwachsene Mensch, der wir heute sind, meist noch nie darüber nachgedacht hat, ob das tatsächlich seine Meinung ist oder sie nur früh durch Nachahmung erworben und lebenslang behalten wurde.

Diese Einstellungen können vollkommen in Ordnung sein – oder aber ziemlich lebensfeindlich. Meistens ist ein Teil davon das eine und der Rest das andere. Die Entscheidung darüber, was aber wirklich unsere Meinung ist, kann jedoch nur das erwachsene Ich treffen. Und es muss sie alleine treffen. Natürlich ist es wichtig und erweitert den Horizont, sich Informationen einzuholen – auch von anderen. Aber Entscheidungen, die nur aufgrund der Sichtweise anderer getroffen werden, basieren auf dem Ersatz der inneren Eltern durch neue – und kommen genau so wenig aus uns selbst heraus.

Es gibt hitzige Diskussionen von intelligenten Menschen, die leidenschaftlich an einer Sichtweise hängen, welche bei näherer Betrachtung nichts weiter ist als eine Wiederholung des früh Gelernten – oder wenn es sich um rebellische Charaktere handelt, des exakten Gegenteils davon. Denn so paradox es auch klingen mag, ist doch die Fixierung auf das Gegenteil der elterlichen Werte nichts weiter als eine fortgesetzte Rebellion, die mit bewusster Entscheidungen nicht das Geringste zu tun hat. Oft schaden bestimmte Sichtweisen dem Betroffenen selbst am allermeisten, aber an seiner Überzeugung prallt jedes noch so vernünftige Argument ab. Er hört auch gut gemeinten Einwänden nicht zu, sondern sieht darin nichts als einen persönlichen Angriff. Diese Menschen sind keine bewussten Erwachsenen im Hier und Jetzt, sondern leben geistig in der Vergangenheit.

Es gibt beliebte Ansätze, sowohl das innere Kind als auch die inneren Eltern auf einen Schlag zu verändern. Dazu zählen Affirmationen. Sie sollen schädliche, negative Sichtweisen durch positive ersetzen. Aber selbst wenn man sich diese Beschwörungsformeln mehrmals täglich über längere Zeit vorsagt, ändert das doch nichts daran, was sehr tief sitzt.
Ohne Bewusstwerdung und Auseinandersetzung mit dem früh Erlebten wird damit eine Beeinflussung durch die nächste ersetzt. Und das bedeutet, es darf sich nichts entwickeln bzw. nach-entwickeln, das Echte sich nicht heraus bilden. Affirmationen sind daher nur eine fortgesetzte Konditionierung, deren Effekt unter starkem Druck ohnehin zusammenbricht.

Wie oft sagen wir anderen oder uns selbst, ‚man’ muss, soll, darf oder kann nicht? In diesem Fall sprechen nicht wir als autonome Erwachsene, sondern es ist die Stimme der inneren Eltern. Und oft genug ist diese Stimme nicht allzu freundlich oder liebevoll. Sie verbietet uns zu leben, wie wir leben wollen und können, sie nötigt uns zu Entscheidungen, die wir unbelastet und frei nie so getroffen hätten. Wer darüber nachdenkt, was ‚die Leute’ sagen, wenn wir dies und jenes tun, tut dies, weil er das schon als Kind zu oft gehört hat. Und meist ist diese Stimme lauter als jene, die wirklich aus dem eigenen Inneren kommt und die wir Intuition nennen.

Über Intuition verfügt jeder Mensch. Sie spricht aus dem ureigenen Selbst heraus, beinhaltet eine unverstellte und feine Wahrnehmung, die aber leider im Laufe der Sozialisation meist von den vielfältigsten Ver- und Geboten überdeckt wird. Und unter vielen, die sie genau so verloren haben, trauen wir ihr immer weniger. Sie verschwindet aber nicht, denn oft weiß man sehr genau, dass man trotz aller guten Argumente ‚ein schlechtes Gefühl’ bei der Entscheidung hatte. Dennoch glaubten wir den Argumenten meist mehr als dem warnenden Gefühl.

Und das ist auch nicht verwunderlich. Denn solange wir uns nicht mit allem – also mit den inneren kindlichen Gefühlen und den übernommenen Werten ernsthaft und ehrlich auseinander setzen – geht innen sehr viel durcheinander. Unerfüllte alte Bedürfnisse nach Zuneigung, Anerkennung und Lob ebenso wie nie hinterfragte Glaubenssätze, die als unumstößlich gelten. Daher ist es sehr schwierig, sich auf die innere Stimme, sprich Intuition, zu verlassen, wenn doch so viele Stimmen durcheinander reden und man das eine nicht vom anderen unterscheiden kann.

Je ernsthafter jedoch bewusste Auseinandersetzung und Reflektion betreiben wird, je mehr an alten Beeinflussungen und Prägungen damit verwschwindet, umso klarer wird die innere Stimme. Sie ist ein Instrument der Orientierung wie es kein anderes für uns selbst zu sein vermag. Ab dem Zeitpunkt, wo wir ihr wirklich vertrauen, beginnt spirituelle Entwicklung. Wir sind mit unserem Kern verbunden und leben aus ihm heraus.

Dass man diesen Weg nicht durch Techniken, Affirmationen oder ‚erfolgversprechende’ Methoden abkürzen kann, begreift nur der, der ihn geht.

Verfasst von: Eva | 08/11/2010

Selbstdistanzierung

Passend zur Transaktionsanalyse mit ihren drei Ich-Zuständen bin ich auf das Thema Selbstdistanzierung gekommen. Zusätzlich angeregt dazu wurde ich von einer Auseinandersetzung, in der es sehr auffallend war, dass dieser Mensch keine Fähigkeit zur Selbstdistanzierung hatte.

Was ist Selbstdistanzierung? Ich verstehe darunter eine Art Vogelperspektive zu sich selbst. Das bedeutet, dass ich geistig auf Abstand zu meiner subjektiven Befindlichkeit gehe und diese (nein, nicht mit Objektivität, denn dazu ist kein Mensch fähig) quasi von außen betrachte. Das Gegenteil von Selbstdistanzierung ist somit Identifikation.

Bis zu einem gewissen Grad kann man das mit dem Schema der Transaktionsanalyse erklären: das Eltern- und das Kindheits-Ich sind unbewusste Zustände, während das Erwachsenen-Ich gewachsen, erarbeitet und damit ein bewusster Zustand ist. Wenn es nun weit genug gereift ist, kann es relativ sachlich die zwei anderen Zustände bei sich beobachten. Natürlich ist es niemandem möglich, sich ständig von seinen unbewussten Werturteilen und emotionalen Zuständen zu distanzieren, aber es ist keinesfalls unmöglich, dies nicht zeitweilig zu tun.

Auch wenn das nicht bedeutet, dass man die Werturteile oder Gefühle damit auflösen kann, denn niemand kann es verhindern, vor Aufregung in bestimmten Fällen zittrig zu werden, aber man kann – nahezu parallel dazu -  sich selbst mit einer anderen inneren Instanz dabei beobachten.

Natürlich ist das ein harmloses Beispiel und vermutlich kann jeder damit ganz gut leben, aber es gibt auch Zustände, mit denen es sich weit weniger gut lebt. Angstzustände zum Beispiel oder heftige Wutausbrüche. Aber auch Depressionen und Verzweiflung. Wie gesagt, lassen sich diese Zustände durch Selbstdistanzierung nicht direkt auflösen, aber die absolute Absorption wird dadurch verhindert. Und damit ist schon viel gewonnen.

Der Unterschied zwischen einem Menschen, der sich zu 100% mit seiner Verzweiflung identifiziert und einem, der auf einer bestimmten Ebene davon Abstand nimmt, sich praktisch wie einem guten Freund in seiner Verzweiflung betrachtet, ist himmelhoch. Ich würde sagen, im ersten Fall steht das unbewusste Ich vollkommen alleine da und nichts gibt ihm Halt – im zweiten Fall steht ihm das erwachsene Ich zur Seite. Obwohl es vom ‘Erwachsenen-Ich’ der Transaktionsanalyse nicht ganz erfasst wird. Denn alleine mit der Ratio funktioniert es nicht – es ist zwar etwas Geistiges, aber es geht über den reinen Verstand hinaus.

Viktor Frankl hat das sehr schön formuliert: “Der Mensch muß sich nicht alles gefallen lassen – auch nicht von sich selbst!“ Damit ist gemeint, dass trotz aller belastenden inneren Zustände etwas anderes dennoch bis zu einem gewissen Grad die Oberhand behalten kann, das nur dem Menschen eigen ist – das Geistige.

Um beim Beispiel mit dem guten Freund zu bleiben: Wenn ein Freund große Schmerzen hat und zu schreien beginnt, wird man wohl kaum auch schreien, sondern ihn zu beruhigen versuchen. Und das kann man in abgewandelter Form bei sich selbst auch tun! Man muss sich nicht voll und ganz allem überlassen. Frankl selbst schreibt, dass diese Fähigkeit bei Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt und trainiert ist und das glaube ich auch. Es gibt Menschen, die eine natürliche Begabung dafür zu haben scheinen und andere, die sich sehr schwer damit tun. Aber man kann es lernen und trainieren.

Es hat nichts mit dem Temperament eines Menschen zu tun. Auf keinen Fall sollte Selbstdistanzierung damit verwechselt werden, dass jemand sich quasi ‘zusammenreißt’ (was weniger gefühlsintensiven Charakteren leichter gelingt). Das ist etwas anderes und hat mit bewusster Entscheidung oft überhaupt nichts zu tun, sondern kann aus der Anstrengung, nicht das ‘Gesicht zu verlieren’, herrühren.

Selbstdistanzierung ist wie ein mitfühlender guter Freund (in sich selbst), der sich aber bis zu einem gewissen Grad auch abgrenzt. Dieser hat etwas von einem inneren Therapeuten und gleicht einem äußeren Therapeuten auch in vielem. Im besten Fall lernt man diese Fähigkeit von Kind an durch seine Bezugspersonen. Eine Mutter oder ein Vater, die verständnisvoll, aber doch mit einer gewissen Festigkeit und Stabilität auf die kleinen und großen Wehwehchen ihrer Kinder reagieren, bringen ihm automatisch bei, wie es später mit sich selbst umgehen kann. Denn nichts erschreckt ein angstvolles Kind mehr, als eine Bezugsperson, die selber Angst hat. So lernt es nie, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist. Ihm fehlt damit tatsächlich jeder Halt.

Viele erleben das aber leider selten so ideal. Das aggressive Kind, das angeschrien oder geohrfeigt wird, kann unmöglich lernen, mit seinen Aggressionen umzugehen, weil es dieser Bezugsperson genau so an Selbstdistanzierung fehlt. Das Kind macht sie wütend und sie wird selber unkontrolliert wütend. Solchen Kindern bleibt später nichts anderes übrig, als sich diese Fähigkeit selbst anzueignen. Zugegeben ist das kein leichter Weg, weil ja im Inneren ganz andere Muster aufgezeichnet sind, aber es ist möglich.

Eines der stärksten Motive dazu ist wohl Leidensdruck. Die meisten Menschen lassen sich erst dann auf Veränderung ein, wenn der Leidensdruck zu groß wird, um mit den alten Verhaltensweisen auszukommen. Ein zweites Motiv braucht es aber auch – und zwar Interesse an sich selbst. Diejenigen, die bei Leidensdruck nur erwarten, jemand anderer oder eine bestimmte Technik würde sie davon befreien, haben kein besonderes Interesse an sich selbst. Interesse bedeutet verstehen wollen und nicht das Unbequeme einfach auszuschalten.

Leider wird auch Interesse an sich selbst im Idealfall von klein auf gelernt – wenn das Kind echtes Interesse an seinem Wesen und Wohlergehen erlebt, wird es das als selbstverständlich verinnerlichen. Wer jedoch gelernt hat, dass schlimme Zustände einfach ‘abgestellt’ werden sollen, wird sie dieses Muster in sich tragen.

Es kann Jahre dauern und viele Rückschritte und Misserfolge beinhalten, ‘umzulernen’, denn nichts ist so hartnäckig wie früh Gelerntes. Je früher es gelernt wurde, umso weniger bewusst ist es, da Babys und kleine Kinder zu wenig in der Lage sind, zu reflektieren. Aber es muss auch nicht zum lebenslangen Schicksal werden, denn jeder kann lernen. Und das lebenslang.

Verfasst von: Eva | 07/11/2010

Internet-Foren

Es gibt sicherlich eine beinahe unendliche Anzahl von Foren im Internet. Angefangen von Themen wie Computer, Handwerken, Kochen, Gesundheit über Tiere bis hin zu Suizidforen gibt es praktisch alles. Unzählige Menschen – viele sehr jung, aber beileibe nicht alle – nützen diese Foren bei unterschiedlichsten Problemstellungen.

Ich möchte sie keineswegs verteufeln, denn wie alles haben sie ihre Vor- und Nachteile. Die zwei größten Vorteile sind wohl Information, Austausch und oft fruchtbare Diskussionen mit Menschen, die man ansonsten niemals kennen gelernt hätte und woraus sich hin und wieder auch reale Freundschaften ergeben können.

Foren für Themen wie Computer oder sonstige sachliche Fragen haben im Grunde kaum Nachteile. Man wendet sich meist mit einer bestimmten Frage an sie und erhält kompetente Antworten. Wo das Ganze jedoch längst nicht so gut funktioniert, sind Foren, in denen es um Lebensfragen geht. Und davon gibt es eine ganze Menge.

Es gibt Foren für Hochsensible, für ADHS, für Depressione, für Ängste u.dgl. mehr, in denen man sich anmeldet, um sich mit anderen, bei denen man diese Eigenschaften vermutet, darüber auszutauschen. An sich könnte das eine gute Sache sein, jedoch hat sie auch einen Haken – sie werden kaum jemals von in dieser Thematik kompetenten Moderatoren geführt. Zugleich sind die ‘Diagnosen’ oft selbst erstellt und stimmen gar nicht. Solche Foren nehmen aber den Charakter von Selbsthilfegruppen an und niemand kann mit Sicherheit sagen, wer nun wirklich von der Thematik, um die es geht, betroffen ist und wer sich nur für davon betroffen hält.

Daraus entsteht eine Dynamik, die in vielen Fällen das Positive des Austausches negativ überlagert: Das bunte Gemisch aus Laien stellt sich als zusammengehörig und gleichartig dar. Ratschläge (die sehr oft in Foren gegeben werden), können in Unkenntnis der echten Problematik völlig falsch sein. Und überall finden sich einige, die den Ton angeben, wodurch sie von der Mehrheit als besonders kompetent angesehen werden.

Das bedeutet, dass diese Foren weit weniger hilfreich sind als sie sich darstellen – im schlechtesten Fall können sie sogar ausgesprochen schädlich sein. Der Vergleich erinnert an den ‚Blinden’, der sich mit dem ‚Lahmen’ zusammentut und am Ende landen beide im Graben…

Forums-User sind meist gar nicht in der Lage, zu unterscheiden, wer von den anderen tatsächlich weit entwickelt ist und wer das nur von sich glaubt. Als Lösungen dargebotene Erfahrungen können durchaus nichts weiter als Facetten der eigenen Abwehr sein. Oft ist das einzige Kriterium, das als ‚Beweis’ für die hilfreiche Lösung steht, dass etwas das subjektive Wohlbefinden verbessert hat. Das subjektive Wohlbefinden kann sich jedoch vorübergehend auch durch völlig falsche Ansätze verbessern.

Die des Narzissten, wenn er plötzlich Erfolg hat und mehr Anerkennung bekommt, die des Abhängigen, wenn er einen neuen Partner gefunden hat, die des Neurotikers, wenn seine neurotischen Bestrebungen vorübergehend erfüllt werden. Das Fatale daran ist, dass solche ‚Lösungen’ an andere vorbildhaft weiter gegeben werden können und oft auch weiter gegeben werden. Esoterische Praktiken, die echte Problemen ost nur ausblenden, gehören ebenso zu beliebten ‘Lösungsvorschlägen’ wie einseitige Überzeugungen und unrealistische Weltsichten.

Schädlich wird es, wenn sich immer mehr zusammen finden, die ‚auf einer Linie liegen’ und einen ungesunden Weg durch gegenseitige Bestätigung hochstilisieren. Kritiker finden kaum mehr Gehör und werden ausgegrenzt, da es weit angenehmer ist, gemeinsame Harmonie zu empfinden als mit einer unbequemen Sichtweise konfrontiert zu werden.

Aus diesem Grund halte ich Internetforen, wo es um tiefergehende seelische Probleme geht, für den falschen Platz für Betroffene. Jeder, der sich ernsthaft mit seinen Problemen auseinander setzen möchte, sollte solche Foren nur mit allergrößter Vorsicht und gesunder Skepsis betreten. Sie vorübergehend zu nutzen, sich umzusehen, was andere zu erzählen haben, ein paar Erkenntnisse mitzunehmen, ist oft ganz gut und wenn sich ein schöner persönlicher Kontakt zu einzelnen anderen Usern abseits des Forums ergibt, umso besser. Wenn jedoch jemand jahrelang immer wieder versucht, seine Probleme über Foren zu lösen, dreht er sich offensichtlich nur im Kreis. Manche ‘Autoritäten’, die dort zu finden sind, sind selber schon über viele Jahre Mitglieder und leben nur allzu häufig ihre neurotischen Wünsche nach Überlegenheit aus, mit denen sie im realen Leben scheitern.

All das ist zu bedenken, wenn man sich darauf einlässt. Und es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: das Forum ersetzt oft reale Beziehungen. So hilfreich und praktikabel das vielleicht auch in einer bestimmten Lebensphase sein mag – es geht doch letztlich immer um das reale Leben, das gelebt werden muss und nicht um ein virtuelles. Ohne Begleitung durch eine spezifisch ausgebildete Ansprechperson, mit der auch über die ‚Internet-Wahrheiten’ reflektiert wird, können Foren für viele Menschen mit seelischen Problemen auf Dauer einen sehr schädlichen Einfluss haben.

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