Verfasst von: Eva | 18/07/2009

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Dieser Artikel ist eigentlich nur eine Ausweitung des letzten Gedankenanstoßes „Das Leben findet in der Gegenwart statt“. Ich bekam dazu ein E-Mail von einer Leserin, die meinte, sie wolle ja in der Gegenwart leben, aber sie wisse nicht, wie sie das anstellen soll. Danach folgte eine ziemlich lange Liste, warum es nicht möglich sei, da doch so vieles im Argen liege.

Genau das ist aber der Punkt, der dazu führt, dass wir eben nicht in der Gegenwart leben (können):

Egal, wie schlecht die Situation bewertet wird, sie ändert sich garantiert nicht dadurch, dass man mit ihr hadert.


Was ist, ist – eine Tatsache, um die man nicht herum kommt. Ob die Lage nun beglückend oder zutiefst frustrierend ist, ist dabei unerheblich. Akzeptanz bedeutet in gewissem Sinn eine Bestandsaufnahme – und ganz wichtig dabei – ohne Klagen und Jammern. So als würde man einmal die Situation nur rational ansehen. Was dabei passiert, ist Selbstdistanzierung, ein wenig so, als würde man sich von außen selber betrachten. Selbstdistanzierung ist wichtig, um sich einen klaren Überblick zu verschaffen.


Es ist natürlich nicht so, dass damit alle Probleme verschwinden, aber man richtet nicht den Fokus auf sie (was man bei Nicht-Akzeptanz in übertriebener Weise tut). Eine nicht akzeptierende Sichtweise bedeutet im Grunde, in der Frustration bzw. im Jammern hängen zu bleiben, weil es nicht so ist wie vorgestellt, aber zugleich nicht die Möglichkeiten auszuschöpfen, die in der Gegenwart vorhanden sind, um seine Lage zu verbessern.


Eine akzeptierende Sichtweise findet sich zuerst einmal damit ab, was ist und zieht damit die Energie von den Vorstellungen zurück in die Ist-Situation. Will man die gegenwärtige Lage verändern, braucht man diese Energie dringender als für den Kampf mit der Realität. Stellt sich das Gefühl der Akzeptanz ein und steigt der Energiepegel damit an, kann man ihn dazu nützen, zu überlegen, welche (oft nur kleine) Schritte man setzen könnte, um sich in der Realität besser einzurichten.


Es gibt den Begriff der „Selbstwirksamkeit“. Dieser bedeutet die Gewissheit, durch eigene Handlungen etwas bewirken zu können, selbst dann, wenn es schwierig wird. Das heißt nicht, dass man die Macht hat, alles zu steuern oder für jedes Problem die perfekte Lösung zu finden, aber es bedeutet auch nicht, dass man handlungsunfähig in die Welt geworfen ist und keinerlei Spielraum hat, sie im eigenen Rahmen zu gestalten. Man muss sich das nur bewusst machen. Wem das noch immer zu theoretisch ist, hierzu eine kleine praktische Übung: Sagen Sie sich regelmäßig den Satz „Ich nehme mein jetziges Leben an“ vor.

Da für mich momentan nicht die Zeit ist, lange Artikel zu bestimmten Themen zu verfassen, mir aber immer wieder Dinge bewusst werden, die ich für wichtig halte, habe ich beschlossen, die neue Kategorie „Gedankanstoß“ zu eröffnen, in der ich diese Gedanken in kurzen Artikeln niederschreibe bzw. zur Diskussion stelle.

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Es ist eine Binsenweisheit, die jeder kennt, aber an die sich kaum jemand hält:

Das Leben spielt sich in der Gegenwart ab.

Das ist eine Erkenntnis, für die ich selber sehr lange gebraucht habe. Solange mein Leben davon bestimmt war, die Gegenwart nur zu bewältigen und immer darauf zu hoffen, dass es irgendwann besser wird, wurde überhaupt nichts besser. Könnte ich heute dorthin zurück, würde ich meine Energie in die damalige Gegenwart investieren, um sie besser einzurichten. Denn es ist schade um die Zeit und Energie, die rein in die Zukunft fokussiert war. Hätte ich akzeptieren können, was ist und wie es ist, hätte ich mir dieses „Was-ist“ verschönern können.

Ich bin damit aber kein Einzelfall. Ständig erzählen mir Menschen, wie unzufrieden sie sind, weil dies oder das nicht so ist, wie sie es sich wünschen. Und damit meine ich nicht, dass jemand seine elementaren Bedürfnisse (wie ein Dach über dem Kopf, genug Nahrung etc.) nicht erfüllen kann, sondern es geht um Vorstellungen, die nicht erfüllt werden.

Wenn man das aus einer gewissen nüchternen Distanz betrachtet, ist es nahezu skurril: Man lebt in einem gedanklichen Gebäude von Vorstellungen und ist unglücklich/frustriert, weil die Realität diesem nicht entspricht. Das kann nicht nur Monate oder Jahre andauern, sondern sogar Jahrzehnte. Am Ende steht ziemlich sinnlose Lebenszeitvergeudung.

Ich spreche nicht davon, sich ein Ziel zu setzen und zu versuchen, dieses zu erreichen. Denn das ist etwas anderes. Um ein Ziel zu erreichen, muss man Schritt für Schritt in der Gegenwart etwas dafür tun. Man lehnt sie damit nicht in Bausch und Bogen ab, sondern nützt sie, um etwas zu erreichen, das einem sehr wichtig ist. Grundbedingung dafür ist, dass man ein konkretes Ziel hat. Wozu auch das Wissen um das Risiko gehört, dass man scheitern könnte – von dem man sich aber nicht davon abhalten lässt.

Die Klagen, die ich mehrheitlich höre, stammen jedoch nicht von Menschen, die sich ein Ziel gesetzt haben – sie haben gar keines. Sie sind unzufrieden, weil sie sich vor allem ein Lebensgefühl vorstellen (in Richtung pures Glück), aber nicht wissen, wie sie es anstellen sollen, dahin zu kommen. Dazu fantasieren sie sich dann alles Mögliche herbei. Sei es die ideale Beziehung/Partnerschaft, unerwarteter Geldsegen, die Bewunderung anderer – oder was auch immer einem dafür geeignet erscheint. Und fixieren sich unseligerweise so sehr darauf, dass sie noch unzufriedener werden, weil sie davon überzeugt sind, dass genau das in ihrem Leben fehlt, das sie glücklich machen würde.

Das Problem dabei ist, dass sie damit der Aufgabe ausweichen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Kann sein, sie haben das Erwachsenwerden etwas verschlafen und warten wie Kinder darauf, dass sie mit einem Berg Schokolade beschenkt werden, der sie zum Strahlen bringt. Wenn das nicht eintritt, verzweifeln sie. Was sie dabei vergessen: die einzig Leidtragenden sind sie selbst. Denn es ist völlig egal, ob sie die Verantwortung für ihr Leben übernommen haben oder nicht – sie haben sie. Und niemand anderer.

Immer dahin zu sehen, was man nicht hat, dafür aber kaum mehr wahrzunehmen, was man hat, ist die beste Garantie dafür, immer unzufrieden und unglücklich zu bleiben. Der Spielraum, den jemand in der Gegenwart hat, ist für die allermeisten um ein Vielfaches größer als er glaubt. Wer sich jedoch in der Vorstellung eines idealen, perfekten Lebens, das alle erdenklichen Vorteile, aber keine Nachteile beinhaltet, verfängt, kann ihn kaum wahrnehmen.

Auch wenn Bedürfnisse aus der Kindheit offen geblieben sind, das ideale Leben mitsamt der nötigen Geborgenheit, Anerkennung, Unterstützung – und letztlich Liebe – nie Realität war, gibt es leider keinen Anspruch darauf, dies später zu bekommen. Der einzige Weg, Mängel nicht sein Leben lang innerlich mitzuschleppen, ist, sich ihrer bewusst zu werden, sie zu betrauern und irgendwann damit abzuschließen. Um in der Gegenwart anzukommen und zu erkennen, dass wir es sind, die heute für uns verantwortlich sind.

Verfasst von: Eva | 10/05/2017

Wie bin ich – und warum? (Teil 1)

Ich möchte hiermit eine Art Fortsetzungs-Reihe beginnen. Mir liegt ein Thema schon lange auf dem Herzen – man könnte es grob zusammengefasst „Prägung“ nennen. Deren Auswirkung auf unser gesamtes Leben ist kolossal. Sie betrifft unser Selbstbild, unser Verhalten, unsere Entscheidungen und insbesondere unserer Probleme mit uns selbst. Erwachsen zu sein und eigenverantwortlich zu handeln bedeutet nicht, unsere Vergangenheit hinter uns zu lassen, weil wir glauben, sie hätte heute keinen Einfluss mehr auf uns, sondern vielmehr zu verstehen, wie sie auf uns weiter einwirkt. Das ist der allererste Schritt, sich von manch unseligen Nachwirkungen zu befreien.

Einleitung

Der Themenmix auf meinem Blog ist bisher aus einzelnen Themen entstanden, mit denen ich mich intensiv befasst habe, da ich selbst davon betroffen bin/war. Ich habe den Drang, Dinge, die mich persönlich (oder Menschen, mit denen ich in Beziehung stehe) betreffen, die ich aber nicht verstehen kann, zu ergründen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Hätte ich damals meinen Beruf frei wählen können, wäre ich vermutlich Psychoanalytikerin geworden. Allerdings war das in meinem Umfeld in etwa so realistisch, als hätte ich den Wunsch gehabt, Astronautin zu werden, weshalb ich wohl oder übel einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen habe. Ich konnte nicht frei entscheiden, weil ich diese Freiheit nie hatte. Man könnte auch sagen: Sie wurde mir nie gewährt.

Was ich dennoch nie aufgegeben habe, ist die Beschäftigung mit psychologischen Themen. Das war nur zum Teil eine intellektuelle Sache, denn enorm wichtig war und ist mir die Praxis, d.h. die Anwendbarkeit und der Nutzen für die eigene Entwicklung. Letztlich die praktische Umsetzung für ein besseres Leben.

Schon früh war mir bewusst – anfangs war es mehr Spüren als Wissen – dass in meiner Familie/meinem Umfeld einiges sehr schlecht gelaufen ist. Ich bin ein Kind der sogenannten „schwarzen Pädagogik“. Diese definiert sich über Erziehungsmethoden, die Gewalt, Bestrafung und Einschüchterung gutheißen. Einerseits war es „Normalität“, da ich ja nichts anderes kannte, andererseits gab es eine Menge Probleme in dieser sog. Normalität, die nicht zu übersehen waren.

Es soll nun aber nicht der Eindruck entstehen, dass alleine diese Erziehungsmethode viel Unheil anrichten kann – es gibt auch andere Erziehungsstile, die das tun. Aber darauf möchte ich erst in späteren Artikeln eingehen.

Fühlen oder Denken?

Man kann sich vieles ein-, aus- oder schönreden, aber man kann sich nichts „schönfühlen“. Und da ich ein ausgeprägter Gefühls- und Spürmensch bin, war mir der Weg, Dinge einfach umzudeuten, zu banalisieren oder wegzuschieben, versperrt. Jedenfalls hat es nie lange angehalten.

Da es in mir diese große Diskrepanz zwischen Spüren und Verstehen gab, sich so vieles unstimmig anfühlte, obwohl in meinem Umfeld betont wurde, ich würde mir etliche Probleme nur „einbilden“, zweifelte ich lange Zeit an meiner Wahrnehmung und versuchte, mich anzupassen. Das gelang mir aber nie, weil ich weder meine Wahrnehmung noch meine Gefühle unterdrücken konnte. Der Druck von außen brachte mich in eine Zwickmühle, der sich im Kern darauf reduzieren ließ: Glaube ich mir oder glaube ich den anderen? Keine einfache Sache, da ich nicht gelernt hatte, mir zu glauben.

Als Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener ist es so gut wie unmöglich, sich selbst zu glauben, wenn man einer Wand von Andersgesinnten gegenüber steht. Da uns sowohl das Selbstbild als auch das Selbstwertgefühl von unseren Bezugspersonen vermittelt wird, wir vom Anfang unseres Lebens an vollkommen abhängig von ihnen sind, übernehmen wir so gut wie alles von ihnen. Wir denken wie sie, wir verhalten uns wie sie  (oder wie sie es von uns verlangen), wir sehen sozusagen mit ihren Augen und hören mit ihren Ohren, übernehmen ihre Werte und Verhaltensweisen. Ganz einfach deshalb, weil wir von ihnen zu leben lernen.

Dies ist von der Natur so vorgesehen, darin sind wir allen höheren Säugetieren gleich. Aber auch wenn wir selbst im Grund nichts anderes sind als höchstentwickelte Säugetiere, sind wir doch anders, weil wir Fähigkeiten haben, die kein Tier besitzt. Dazu zählt ein im Vergleich zu Tieren höchst ausgeprägter Verstand (das intellektuelle Denken) und eine äußerst differenzierte Form der Kommunikation – das Vermitteln von Inhalten in Form von Sprache. Unser Leben ist insgesamt um vieles komplizierter als das von Tieren, da uns nicht nur unsere Instinkte leiten, sondern es kommt eine abstrakte Gedankenwelt hinzu, welche letztlich für uns genauso real sein kann wie die uns umgebende Realität selbst. Wir können uns damit gedanklich vollkommen „verrennen“, ohne es zu merken. Aber wir können auch eine weitere Fähigkeit, die uns von Tieren unterscheidet, einsetzen: die (Selbst)Reflexion.

Obwohl wir weiterhin körpersprachlich agieren und Gefühle ein wichtiger Bestandteil unseres Wesens sind,  liegt der Fokus der Menschen hauptsächlich auf dem Intellekt. Gefühle galten lange als nicht edle Regungen – dazu passt das weltbekannte Zitat des französischen Philosophen, Mathematikers und Naturwissenschaftlers René Descartes im 17. Jahrhundert „COGITO ERGO SUM“ („Ich denke, als bin ich“). Aber auch schon der antike griechische Philosoph Platon hielt Emotionen für eine Art Krankheit. Auch wenn die wissenschaftliche Psychologie und die Neurowissenschaften das mittlerweile ganz anders sehen, ist doch die Huldigung des Intellekts bis heute ungebrochen. Der Verstand gilt als weit hochstehender als Gefühle, mit ihm können wir klare, logische Entscheidungen treffen, er macht uns zu „vernünftigen“ Wesen.

Ist das wirklich so? Es ist geradezu paradox, dass nun gerade durch die Wissenschaft erkannt wird, dass der Verstand nur die Spitze des Eisbergs ist. Bahnbrechende Erkenntnisse dazu lieferte in erster Linie Sigmund Freud. Freuds Lehre sollte man allerdings nicht verabsolutieren und 1:1 auslegen, da sie – wie alle Lehren – ein Kind der Zeit war, in der er lebte. Doch grundlegend hat Freud etwas erkannt, das bis dahin kaum Aufmerksamkeit erhielt: das Unbewusste und wie es uns steuert. Dazu die grafische Darstellung des sog. „Eisbergmodells“:

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch – trotz Freuds Erkenntnissen und den Ergebnissen der Neurowissenschaften, welche in die gleiche Richtung gehen (Prozesse im Gehirn werden von unbewusst tätigen Neuronennetzen gesteuert) – scheint das im Selbstverständnis der Menschen noch nicht angekommen zu sein. Es gilt weiterhin die Sichtweise: der Verstand ist rational, alles andere irrational.

Die Rolle, die damit dem reinen Verstand zugeschrieben wird, ist allerdings eine große Illusion. Denn der Einfluss unbewusster Inhalte bewirkt, was wir denken, wie wir ausgerichtet sind, welche Werte wir vertreten und welche Ideale wir haben. Letztlich sind wir weit mehr vom Unbewussten gesteuert, als wir glauben. Um diese Tatsache auszublenden, werden wir ziemlich kreativ darin, Argumente zu erfinden, um unsere Haltung „logisch“ zu untermauern. So narren wir uns gedanklich selbst. Es gibt etliche Studien darüber, die belegen, dass sich der Mensch alles erklären möchte. Ungewissheit bedeutet Unsicherheit und daher ziehen wir es vor, lieber in Sicherheit zu leben. Auch wenn die Erklärungen völlig falsch sind, ist es beruhigender, in Scheinwelten zu leben, die uns schlüssig erscheinen, als zu akzeptieren, dass wir die Zusammenhänge gar nicht kennen.

Wir schließen uns Ideologien nicht nur an, weil wir sie für vernünftig und sinnvoll halten, sondern weil sie unseren unbewussten Motiven und Bedürfnissen entgegenkommen. Wobei die Übernahme von Ideologien selbst schon ein Bedürfnis signalisiert: Sicherheit in einem vorgefertigten Weltbild zu finden, an dem wir uns orientieren können. Da wir soziale Wesen sind, fällt es schwer, Orientierung in uns selbst zu finden. Es würde bedeuten, aus dem allgemeinen Konsens (in welcher Gruppe auch immer) auszuscheren. Wer aber nicht zu einer gewissen inneren Unabhängigkeit (wozu auch ein stabiles Selbstwertgefühl gehört) gefunden hat, schafft das nicht. Er kann bestenfalls zu einer anderen Gruppe (einem anderen Weltbild) wechseln, um das Spiel unter anderen Vorzeichen weiterzuführen.

Fortsetzung folgt

 

 

Verfasst von: Eva | 23/12/2016

Frohe Weihnachten

weihn2

Verfasst von: Eva | 10/02/2016

Gefühle und Verstand

Die Einstellung zu Gefühlen ist in unserer Gesellschaft zwiespältig. Einerseits ist ihr Wert ziemlich gering, andererseits wird ständig propagiert, jeder müsse ständig gut drauf sein (was ja viel mit Gefühlen zu tun hat).

Wir setzen vielmehr auf den Verstand, der praktisch mit Vernunft gleich gesetzt wird, obwohl das gar nicht der Fall ist. Der Verstand ist ein hochentwickeltes Werkzeug des Menschen zur (besseren) Lebensbewältigung und damit ein riesiger Wettbewerbsvorteil Tieren gegenüber, weil kein Tier über so einen komplexen Verstand wie der Mensch verfügt.

Jedoch ist der Verstand etwas vollkommen Neutrales, eben ein Werkzeug und er füllt sich nicht aus sich selbst heraus mit Inhalten. Ein Hochstapler kann seinen Verstand zu gänzlich anderen Zwecken einsetzen wie ein Universitätsprofessor, auch wenn beide gleich intelligent sind. Mit Vernunft hat beides nichts zu tun, das ist eine gänzlich andere Kategorie. Vernunft hat viel mit dem Erkennen und der klugen Einschätzung der Realität zu tun, lässt sich aber moralisch weder im positiven noch im negativen Sinn festmachen. Sowohl Hochstapler als auch Universitätsprofessor können vernünftig agieren.

In der Gesellschaft hält sich jedoch hartnäckig die Ansicht, dass der Verstand etwas ist, das „über“ den Gefühlen steht. Wie oft wird dem einen die Eigenschaft „rational“ und dem anderen „irrational“ zugeschrieben. Ich denke jedoch, dabei werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die Funktionsweise von Gefühlen ist anders als die des Verstands – ebenso besteht ein Unterschied darin, wozu beides gut ist. Gemeinsam ist ihnen jedoch – wie allem, das sich evolutionär entwickelt hat – dass sie dem Leben dienen und gleichermaßen zum Menschen gehören.

Die extreme Ausrichtung auf die Wichtigkeit des Verstands und die Vernachlässigung von Gefühlen hat aber für uns alle einen hohen Preis. Wir werden von klein auf in die Richtung sozialisiert, dem Denken gegenüber dem Fühlen den Vorzug zu geben. So wie wir bei uns selbst unangenehme Gefühle nicht mögen, mögen wir sie auch nicht bei unseren Kindern. Ein weinendes Baby versuchen wir mit Grimassen und Spielzeug „abzulenken“, um das Weinen zu stoppen. Schreit es zu viel und hat das keine nachvollziehbaren körperlichen Ursachen, werden wir ungehalten.

In den seltensten Fällen versuchen wir, das Kind nicht zu beeinflussen, nehmen es einfach nur in den Arm und begleiten es damit in seinem Schmerz, schenken ihm Geborgenheit und Nähe, um ihm beizustehen. Der stärkste Impuls ist: die Gefühle müssen aufhören. Und das betrifft alle Gefühle, welche kleine Kinder noch uneingeschränkter als Erwachsene ausleben: Wut, Trauer, Mitgefühl, sogar Freude.

Damit erziehen wir sie dazu, wozu wir erzogen wurden: Gefühle als etwas anzusehen, das in der Gesellschaft nur in geringem Ausmaß erwünscht ist. In letzter Konsequenz führt das zu ihrer Verdrängung. Die völlig falsche Annahme, die dahinter steht, lautet: Wenn Gefühle zurück gedrängt werden, lösen sie sich auf, sind sie praktisch weg. Doch das stimmt ganz und gar nicht. Gefühle „sind“, sie existieren und gehören zum menschlichen Wesen, ob wir das wollen oder nicht. Wer in ein System derart eingreift, indem er einem Teil dieses Systems das Recht abspricht, zu existieren (oder damit unnatürlich umzugehen), wird unweigerlich das gesamte System beschädigen.

Je mehr unterdrückte Gefühle in uns sind, umso stärker wirken sie sich auf unser Denken aus. Wir sind unfähig, frei und klar zu denken, weil Gefühle die Denkrichtung vorgeben. Damit sind wir praktisch gefühlsgesteuert, auch wenn es uns nicht bewusst ist. Nun ist der menschliche Verstand aber so schlau, dass er für seine Denkrichtungen „rationale“ Ursachen erfindet. Würde er das nicht tun, hätte er keine Erklärung und das ist etwas, das dem verstandesbetonten Menschen zutiefst unangenehm ist.
Ohne Erklärung hängen wir geradezu in der Luft und können uns nicht orientieren, verlieren die (vermeintliche) Kontrolle über die Situation. Somit sind falsche Erklärungen immer noch angenehmer als gar keine.

Jeder kennt die Situationen: Sind wir gut gelaunt, sehen wir die Welt positiv, sind wir schlecht gelaunt, negativ. Wir können uns das in der entsprechenden Situation immer auch sehr gut belegen. Positiv: es ist doch alles nicht so schlimm, es gibt so viel Positives. Negativ: es ist alles furchtbar, man braucht sich nur umzusehen, es gibt so viel Negatives.

In beiden Fällen spielt eine Menge verdrängtes Material mit, das aufgrund bestimmter Auslöser in der Gegenwart angesprochen wird. Jeder weiß, dass erfreuliche Erlebnisse uns nahezu in Euphorie versetzen und unerfreuliche uns niederdrücken können. Das ist zwar alles natürlich und normal, allerdings fällt die Euphorie oder Niedergedrücktheit umso extremer aus, je mehr sie Gefühle berührt, die wir verdrängt haben. Ein Mensch, der sich aufgrund seiner ungünstigen Sozialisation innerlich wertlos fühlt, wird auf Erfolg und Anerkennung mehr Wert legen als einer, der dieses Problem nicht hat. Umgekehrt wird ein Mensch, der viel Trauer oder Wut verdrängt hat, auf einen frustrierenden Auslöser in der Gegenwart weit dramatischer reagieren als einer, bei dem das nicht der Fall ist.

Kurz gesagt: Verdrängung lässt uns nicht angemessen auf die Gegenwart reagieren, weil zugleich innerlich etwas berührt wird, das uns sehr stark beeinflusst. Die Gründe dafür liegen ins uns, in unserer Geschichte, in dem, was wir erlebt haben und von dem wir fälschlicherweise glauben, weil es lange her ist, hätte es keine Bedeutung mehr. Das Gegenteil ist aber der Fall, denn alles Unverarbeitete existiert weiter, ganz egal, ob es uns bewusst ist oder nicht. Die Seele hat keinen Zeitbegriff.

Obwohl wir so gerne von uns behaupten, vernunftbegabte Wesen zu sein und uns selbstverständlich davon leiten lassen, ist das nichts als eine einzige Illusion. Auf Menschen trifft es nicht zu, auch nur halbwegs unbeeinflusst von inneren Befindlichkeiten zu denken.

Auch viele hochintelligente Köpfe gehen davon aus, dass die Lösung allen Übels auf der Welt nur vom Verstand abhängt. Was dabei heraus kommt, sieht man ja an allen Ecken und Enden, sodass die Hoffnung sehr gering ist, diese Strategie könnte aufgehen.

Unrecht haben sie dennoch nicht, denn der Mensch muss und kann nur das einsetzen, was er hat und sein schärfstes Werkzeug ist tatsächlich der Verstand. Aber mit dem Denken alleine wird es nicht gehen. Solange es von unbewussten Gefühlen gesteuert ist, wird die Richtung immer vorgegeben sein. Er muss seinen Verstand auch dazu einsetzen – viel mehr als das bisher üblich ist – sich selbst zu verstehen. Das würde wirklich Sinn machen. Ob es je dazu kommt, sei dahin gestellt, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Wenn nur halb so viel Energie in diesen Bereich gesteckt würde wie in die Weiterentwicklung der Technik, wäre schon viel gewonnen.

Was kann man aber konkret jetzt tun, um die Macht dieser unbewussten Gefühlen aufzuheben? Sie weiter zu unterdrücken, ja sogar zu negieren, kann nicht die Lösung sein, weil damit der alte Mechanismus aufrecht erhalten wird. Die beste Lösung wäre natürlich, überhaupt anders mit Gefühlen umzugehen und ihnen den Raum zu geben, der ihnen zusteht. Das ist aber gesellschaftlich gesehen nur ein frommer Wunsch, der sich – wenn überhaupt – erst nach langer Zeit langsam durchsetzen könnte, weil es ein komplettes Umdenken bedingen würde.

Es gibt dennoch für den Einzelnen einen Weg, sich Schritt für Schritt von auch sehr tiefliegenden, frühen Gefühlen zu befreien. So banal es klingt, so ungewohnt es für die meisten Menschen auch ist: wir müssen sie einfach fühlen.

Gefühle zu fühlen, bedeutet, sie zuzulassen – und sonst nichts. Die Betonung liegt dabei auf „sonst nichts“. Denn wir haben es alle verlernt, zu fühlen ohne zu denken. Ich weiß nicht, wie es Neurowissenschaftler definieren würden – vermutlich, dass der Ort der Gefühle im Gehirn ein anderer ist als jener des Denkens. Die praktische Auswirkung davon ist jedenfalls, dass Gefühle „reine Gefühle“ nur dann sind, wenn sie nicht ans Denken gekoppelt werden. Sollen sie ungehindert fließen, darf nicht das Denken dazu geschaltet werden. Denn einerseits ist dieses Denken ja von den Gefühlen beeinflusst und führt damit wieder in den oben beschriebenen Teufelskreis, andererseits nimmt es den Gefühlen den Raum weg, den sie brauchen.

Praktisch gesehen, ergäbe daraus folgende Situation:

  • Ich fühle mich niedergeschlagen (aufgrund einer mir bewussten Ursache oder auch nicht)
  • Ich fange NICHT an zu grübeln und interpretiere 1000fach den Auslöser als absolute Ursache, sondern
  • setze/lege mich in Ruhe hin und gehe ins Fühlen –
  • und zwar ohne zu denken.

Es ist zugleich unheimlich einfach und zugleich schwierig: Weil wir so sehr daran gewöhnt sind, immer zu denken, immer zu interpretieren und zu urteilen, braucht es Übung, bis wir dahin kommen, ohne Denken fühlen zu können. Mir haben dabei anfangs vor allem zwei „Tricks“ geholfen – der eine war, dass ich mir die Gedanken, die aufgekommen sind, auf einem weißen Zettel vorgestellt habe, den ich zusammengeknüllt und weg geworfen habe – der andere war, mich auf ein einziges Wort zu konzentrieren, um andere Gedanken damit zu verscheuchen. Das kann „ruhig“ oder „Ruhe“ sein oder „Ja“ usw. Ganz egal, welches Wort man nimmt, es sollte nur eines sein, mit dem man Offenheit und Widerstandslosigkeit verbindet.

Es funktioniert allerdings mit unterdrückter Wut ein bisschen anders: hier sollte man dem Drang nachgeben, zu zetern, zu schreien, ein Kissen zu werfen, aufzustampfen, 5 km zu laufen – was auch immer hilft. Denn Wut lässt sich nicht ruhig fühlen, sondern verlangt nach (körperlicher) Abreaktion, um sich entladen zu können. Reine Wut richtet sich jedoch nicht gegen etwas oder jemand, sondern sie ist einfach Wut, die man spürt. Auch hier sollte jedes Denken vermieden werden.

Das Fühlen kann sehr unangenehm oder schmerzhaft sein, der Körper kann zu kribbeln beginnen, die Atmung kann sich beschleunigen etc.. Allerdings stellt sich – soferne man das wirklich ohne Gedanken zulassen kann – im Nachhinein eine tiefgehendes Gefühl von Befreiung ein und zugleich steigt der Energiepegel. Danach ist das Denken wieder frei und klar. Und bringt zwar nicht immer – aber oft – neue Erkenntnisse mit sich. Sie stellen sich von ganz alleine ein, ohne dass man nach ihnen gesucht hat.

Dass man sich bei dieser Art des Umgangs mit Gefühlen aber nicht eine Sache von Minuten vorstellen soll, liegt auf der Hand. Es kann bei kleinen Beeinträchtigungen nur Minuten dauern, in aller Regel braucht es jedoch länger. Im Extremfall etliche Tage bis Wochen. Natürlich ist nicht gemeint, dass man tagelang 24 Stunden lang nur Gefühle zulässt, aber man sollte sich eben immer wieder die Zeit dafür nehmen, solange die Gefühle da sind. Und zwar genauso lange, bis man spürt (man spürt das sehr deutlich), da kommt nun nichts mehr nach, weil sich das Gefühl aufgelöst hat (weil es ausgelebt wurde). Es kann auch sein, dass man meint, man sei damit durch, aber nach einiger Zeit geht es doch noch weiter. Dann ist es eben so, denn am hinderlichsten ist Erfolgsdruck. Es sollte ein reines Zulassen sein, weder ein Wollen noch ein Drängen – absichtslos, erwartungslos. Auch kann es durchaus sein, dass wieder andere verdrängte Gefühle nachdrängen – es bedeutet nicht, dass man auf der Stelle tritt.

Wir vernachlässigen es zutiefst in unseren Gesellschaften, unseren Gefühlen Raum zu geben. Die Menschen übergehen sie, nehmen sich keine Zeit dafür und laufen dann wie tickende Zeitbomben herum. Doch wenn wir stundenlang vor dem Fernseher oder PC sitzen, haben wir dafür sehr wohl die Zeit. Es liegt daher nicht an der Zeit, sondern vielmehr daran, dass uns das niemand nahe gebracht hat.

Ich kann durchaus die Parallelen zu Meditation und innerer Achtsamkeit sehen. Vielleicht – oder sogar wahrscheinlich – ist es ein sehr ähnlicher Mechanismus, der hier wirkt. Nur braucht man keine Ideologie dazu, auch kein spirituelles Konzept (das schränkt ja wieder ein), weil es ohne all das genau so funktioniert. Es geht um die Trennung von Fühlen und Denken. Darauf kommt es an, wenn Gefühle ungehindert fließen sollen. Gefühle brauchen keine Gedanken, sie fließen am besten ganz von alleine ohne jede Beeinflussung.

Der Vergleich mit einer besonderen Energieform, die sie darstellen, ist sicher nicht verkehrt. Wenn wir diese Energie nicht zurückhalten und blockieren, kann sie sich „entladen“. Und wenn sie entladen ist, steckt sie nicht mehr in uns fest. Entsprechend ihrem Wesen lassen uns Gefühle natürlich viel spüren, während sie fließen. Das kann von Euphorie bis zu großen Schmerzen gehen. Doch so seltsam das auch klingen mag: selbst schmerzhafte Gefühle sind nicht in dem Sinn unangenehm, wie wir das von ihnen kennen, wenn wir dazu die schwärzesten Gedanken, (Selbst)Vorwürfe usw. parallel aufkommen lassen. Man kann es auf körperlicher Ebene ein bisschen mit Wehen vergleichen. Sie sind alles andere als angenehm und oft äußerst schmerzhaft, aber weil wir wissen, dass sie zu einer Geburt gehören, lassen wir sie zu, gehen mit. Würden wir sie blockieren, aufzuhalten zu versuchen, wären die Folgen katastrophal.

Zuletzt möchte ich noch einen Vergleich nennen, der vielleicht ein bisschen besser zum Verständnis beitragen könnte. Die Transaktionsanalyse hat ja ein Modell der Psyche des Menschen, das sie in Kindheits-Ich, Erwachsenen-Ich und Eltern-Ich einteilt.

Wenn wir Gefühle als dem Kindheits-Ich zugehörig sehen, wird schnell klar, dass die Gedanken dem Eltern-Ich entspringen. Es handelt sich also nicht um das klare und freie Denken des Erwachsenen. Das Eltern-Ich steht nicht nur für die Menschen, die unsere Eltern oder Bezugspersonen waren, sondern auch für unsere Kultur und Gesellschaft. Es beinhaltet alle Reaktionen der Umwelt auf uns in unserer Kindheit, die unsere Glaubenssätze formten und die Basis unserer heutigen Befindlichkeit sind.

Sobald wir nun von unangenehmen Gefühlen gesteuert werden, lassen wir die Vergangenheit wieder aufleben, indem wir nicht nur die alten Gefühle, sondern noch dazu die alten negativen Reaktionen darauf reaktivieren. Diese Reaktionen haben die „schlechten“ Gefühle aber ehemals erzeugt und wenn wir sie wieder und wieder abspulen, bleiben wir in derselben Schleife gefangen. Es müssen nicht dieselben Worte oder Handlungen sein, die uns damals zu schaffen gemacht haben – es geht vor allem darum, dass wir negativ denken. Denn das wiederholen wir. Würden wir uns jedoch in der Gegenwart so verhalten, wie es schon damals unsere Bezugspersonen tun hätten sollen – indem wir uns selber in unseren Gefühlen annehmen und begleiten, ohne sie uns auszureden oder sie stoppen zu wollen – können wir tatsächlich nachholen, was uns gefehlt hat und den „inneren Stau“ endlich auflösen.

Verfasst von: Eva | 08/01/2016

ESOTERIK – humorvoll

esoterik

 

 

 

 

Die Sehnsucht nach der heilen Welt
sie schafft dafür ein weites Feld
dass der Esoterik-Wahn
diesen Wunsch erfüllen kann

Deshalb stellt in hoher Zahl
sie Heilsverfahren uns zur Wahl
jeden, der dran glauben kann
zieht sie schnell in ihren Bann

In wiederholten Dialogen
mit diplomierten Astrologen
stellt sich mit der Zeit heraus
die Venus steht im 3. Haus

Channeling und Gläserrücken
können uns zutiefst entzücken
wer mit fremden Wesen spricht
befindet sich schon nah am Licht

Doch erst die Numerologie
sie macht uns glücklich wie noch nie
wir können nur durch sie erfahren
wie wir uns viel Unheil sparen

Um von Schwermut zu genesen
lassen wir die Aura lesen
und kennen wir uns nicht mehr aus
packen wir das Pendel aus

Sobald Feng Shui uns dazu rät
verschieben wird daheim das Bett
die Energie muss richtig fließen
wollen wir den Schlaf genießen

Schamanen sind die großen Weisen
mit denen wir am liebsten reisen
Trommeln, Rasseln, wilder Tanz
macht uns endlich wieder ganz

Doch darf man Reiki nicht vergessen
darauf sind viele ganz versessen
es schenkt uns neuen Lebensmut
Handauflegen tut uns gut

Doch weil wir nicht die Zukunft kennen
wäre noch Tarot zu nennen
und heißt die Karte dann ‚Der Narr‘
ist ohnehin gleich alles klar

Verfasst von: Eva | 01/01/2016

PROSIT NEUJAHR!

ALLES GUTE ALLEN LESERN MEINES BLOGS FÜRS NEUE JAHR! neujahr

Verfasst von: Eva | 20/12/2015

Einsamkeit

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In unserer Gesellschaft gibt es nicht mehr allzu viele Tabuthemen. Doch Einsamkeit gehört dazu. Auch wenn die Zahl einsamer Menschen stetig ansteigt, liegt ein Stigma darüber. Wer von sich sagt, er sei einsam, hat äußerst schlechte Karten und erntet dafür vor allem eines: noch mehr Ausgrenzung.

Es gibt eine Menge Ratgeber-Bücher mit etlichen Tipps dagegen, die garantiert wirken sollen, wenn man sich nur darauf einlässt. Kurz zusammen gefasst beinhalten alle in etwa dieselben Ratschläge:

  • denke positiv
  • werde kontaktfreudiger
  • suche dir eine Aufgabe, am besten ehrenamtlich, denn Helfen hilft auch dir selbst

Wie in allen Ratgeber-Büchern werden nach dem Gießkannenprinzip Rezepte angeboten, die für alle gültig sein sollen. Bedingung dafür ist nur, dass man alle Tipps ernsthaft befolgt.

Weder wird dabei hinterfragt, ob die Tipps für den Betroffenen überhaupt umsetzbar sind, noch werden Faktoren wie Persönlichkeit, äußere Umstände, Vorgeschichte oder die konkrete individuelle Lebenssituation berücksichtigt.

Das gleicht in etwa einem Arzt, der aufgrund der Tatsache, dass ein Patient Bauchschmerzen hat, eine Ferndiagnose erstellt, ohne ihn zu untersuchen und ihm genaue Anweisungen gibt, was er tun muss, um die Bauchschmerzen wieder los zu werden. Es ist ein bisschen wie die Computerlogik von „Wenn A, dann B“. Aber Menschen sind keine Computer und übertreffen sie bei weitem an Komplexität. Es ist völlig naiv, zu glauben, man könne sein Leben grundlegend mit einfachen Ratschlägen nachhaltig verbessern.

Zumeist sind die Autoren solcher Ratgeber-Bücher auch noch in der grauen Theorie unterwegs, weil ihr eigenes Leben ja ganz anders aussieht. Aber selbst wenn sie tatsächlich selber eine einsamere Phase überwunden haben und daraus nun ableiten, ihre Maßnahmen seien allgemeingültig und würden jedem helfen, sind sie damit auf dem Holzweg. Außer von einem gewissen Hang zum Missionieren zeugt das leider nur davon, dass sie ihre subjektiven Erfahrungen zum Dogma machen.

Abgesehen davon – mich wundert immer wieder, wie naiv solche Ratgeber sind – eine Anweisung à la „denke positiv“ oder „werde kontaktfreudiger“ ist ungefähr so sinnvoll, als würde man von jemandem verlangen, er solle denselben Geschmack wie man selbst haben, weil das von Vorteil sei. Der individuellen Person und ihrer ebenfalls individuellen Lage wird also nicht im Geringsten Rechnung getragen. Und ganz tot geschwiegen wird dabei unsere Konsumgesellschaft, die Einsamkeit sehr begünstigt.

Am schlimmsten ist aber die Behauptung, man sei selber daran schuld, wenn die Ratschläge nicht das gewünschte Ergebnis bringen. In diesem Fall wird einem kurzerhand unterstellt, man hätte sie nicht wirklich begriffen.

Im Grunde handelt es sich bei all diesen Ratgebern um Anhänger des derzeitigen Trends von „Jeder kann alles schaffen“ – unserer modernen Omnipotenz-Philosophie. Ich bin mir zwar zutiefst sicher, dass es auch für diese Menschen Bereiche gibt, in denen sie bei weitem nicht alles schaffen können, aber so weit denken sie wohl nicht darüber nach. Es wäre sehr erhellend für sie, einmal ordentlich an etwas zu scheitern, um dadurch zu erkennen, dass Allmachtsfantasien wenig mit der Realität zu tun haben. Aber natürlich verkünden sie ihre Tipps nur zu solchen Themen, an denen sie nicht gescheitert sind. Ihr Motto ist völlig daneben gegriffen: „Was für mich gilt, gilt auch für jeden anderen“. Die Verallgemeinerung eigener Lösungsmöglichkeiten dominiert zwar die Ratgeberszene in sehr vielen Bereichen, besser wird sie dadurch trotzdem nicht.

Da aber Einsamkeit ansonsten kaum thematisiert wird, bestimmen diese gleich geschalteten „Expertisen“ die öffentliche Meinung. Weil die meisten Menschen kaum über derartige Themen selbständig reflektieren, bilden sie sich ihre Meinung dazu aus dem, was es eben an Informationen gibt. Diese Theorien bleiben ja nicht nur in den Regalen der Buchgeschäfte oder in den Händen einzelner Ratsuchender, sondern sie kursieren auch im Internet und in diversen Massenmedien. Und damit werden sie über kurz oder lang zur öffentlichen Meinung.

Zwar glaube ich keinesfalls, dass die Ratgeber das bezwecken oder überhaupt nur ansatzweise darüber nachdenken, was sie bewirken, aber die bittere Erkenntnis ist nun mal, dass sie kräftig dazu beitragen, Einsamkeit zum Tabuthema zu machen.

Wenn Einsamkeit nämlich als eine Art selbstverschuldeter Zustand angesehen wird, ist das nicht verwunderlich. Wer gibt sich schon die Blöße, sich zu dieser Schuld zu bekennen? Also wird sie tot geschwiegen und soweit wie möglich gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Wenn noch dazu alle „todsicheren“ Tipps dagegen auch nicht geholfen haben, führt das auch noch zu Schamgefühlen über die (vermeintliche) eigene Unfähigkeit.

Daher kann ich jedem, der unter Einsamkeit leidet, nur die dringende Empfehlung geben: Entsorgt all diese Ratgeber-Bücher in der Mülltonne und glaubt nicht, was da geschrieben wird. Einfach, weil es nicht wahr ist. Setzt euch nicht selbst unter Druck, eure Situation durch diese Tipps verändern zu wollen/müssen, weil sie nämlich in sehr vielen Fällen gar nicht funktionieren können.

Es gibt drei Hauptgründe in unserer Kultur bzw. Gesellschaft für Einsamkeit, die mit der Verantwortung oder gar Schuld des Einzelnen wenig bis gar nichts zu tun haben:

  1. den Zerfall der Familienverbände durch Etablierung der Kleinfamilie
  2. die Wohlstandsgesellschaft, welche den Wert von Menschen nach Status bestimmt
  3. ein durch Medien und Werbung transportiertes „synthetisches Ideal“ von Menschenleben

zu 1)

Man mag es gut oder schlecht finden, aber die übliche Lebensform in unserer Kultur ist die der Kleinfamilie. Familienverbände mit mehreren Generationen gibt es kaum mehr. Wenn nun die Kleinfamilie zerbricht, steht man ziemlich alleine da. Und zwar in jeder Generation. Kinder wachsen oft ohne mehrere familiäre Bezugspersonen auf, Alleinerziehende tragen viel zu viel Verantwortung, die sie schwer überfordert und alte Menschen werden in Pensionisten- oder Pflegeheime abgeschoben, wenn sie nicht mehr ohne Hilfe alleine leben können. Ich bin keine Befürworterin der Großfamilie, weil sie auch viel Konfliktstoff und Einschränkung beinhaltet, aber es gibt leider auch keinen Ersatz dafür in unserer Gesellschaft. Man öffnet nach ihrem Wegfall nicht die Türen für andere Menschen, sondern man grenzt sich im sehr kleinen Verband ab. Das hat zur Folge, dass vielen Einzelnen nichts anderes übrig bleibt, als alleine über die Runden zu kommen. Das probateste Mittel dagegen ist der Aufbau einer neuen Kleinfamilie. Die Suche nach dem nächsten Partner ist die am meisten verbreitete Strategie. Dadurch wiederum werden Menschen immer einfacher austauschbar – man kann seine Abhängigkeit quasi von einem auf den anderen übertragen und entflieht dadurch der Einsamkeit.

zu 2)

Das führt dazu, dass der Status für Menschen extrem wichtig wird. Und zwar auf verschiedenen Ebenen je nach gesellschaftlichem Umfeld. Es ist im Grunde die Verherrlichung der Leistungsgesellschaft. Ob es sich dabei um die Höhe des Einkommens, die Anzahl der Luxusartikel, über die man verfügt oder um das Renommee handelt, das man öffentlich oder innerhalb einer bestimmten Gruppe genießt – wichtig sind vor allem diejenigen, die sich in der Hierarchie darin im oberen Bereich befinden. Es geht nicht darum, ob jemand menschlich wertvoll ist, ob er verantwortlich handelt oder einfach ein kluger Mensch ist. Wenn er gesellschaftlich „nichts darstellt“, ist er unwichtig. Das wiederum führt dazu, dass viele – gemäß ihren Möglichkeiten – danach streben, „etwas darzustellen“. Angefangen von teuren Autos, die das Ego aufwerten bis hin zu glänzenden Karrieren im privaten oder öffentlichen Bereich.

zu 3)

Uns hat es allen gut zu gehen. Das ist die Norm. Dass es längst nicht allen gut geht und sehr viele sogar ziemlich große Probleme mit dem Leben haben, wird schlicht und einfach negiert. Ein Ideal, das es kaum bis gar nicht gibt, wird trotzdem zur Norm erhoben und jeder versucht, so gut es geht, diesem zu entsprechen. Das hat die paradoxe Wirkung, dass es jedem, für den es unerreichbar ist, noch ein bisschen schlechter geht. Weil er offenbar nicht mithalten kann. Ich rede dabei gar nicht von Menschen, die offensichtlich diesem Ideal nicht entsprechen, sondern auch und vor allem von jenen, die von außen besehen durchaus diesem Ideal entsprechen, aber in Wirklichkeit weit davon entfernt sind. Je mehr wir uns gegenseitig über unsere wahre Befindlichkeit belügen, umso mehr beeinflussen wir andere darin, dasselbe zu tun. Denn Scheitern kratzt arg am Idealbild und wenn so viele damit scheinbar keine Probleme haben, würde Aufrichtigkeit bedeuten, sich in der Hierarchie unter sie zu begeben. Was wiederum negative (im besten Fall mitleidige) Reaktionen nach sich ziehen würde.

Auch wenn ich glaube, dass die Gleichberechtigung von Frauen eine absolut wichtige Sache ist, meine ich, dass wir uns darin viel zu viel vormachen. Denn archetypisch dem Weiblichen zugeordnete Werte haben in unserer Gesellschaft (wie in allen anderen übrigens auch) bis heute keinen hohen Stellenwert. Die Gleichberechtigung von Frauen hat sich in erster Linie darüber definiert, wie „gut“ wir auch in klassisch männlichen Bereichen sein können. Das ist natürlich wichtig, sollte im Grunde längst selbstverständlich sein. Aber die Welt ist dennoch von männlichen Werten bestimmt und auf sie ausgerichtet.

Wer alleine ist, ist selber daran schuld, wer erfolglos im Sinne von Status ist, ist eben rangmäßig unten und wer noch dazu alt und zunehmend hilflos wird, soll froh sein, dass er in einer der Anstalten, die dafür geschaffen wurden, von irgendwelchen fremden Menschen lebenserhaltend versorgt wird.

Und in dieser Gesellschaft werden Menschen, die einsam leben, verurteilt und müssen sich anhören, dass sie selber daran schuld sind. Wären sie doch nur positiver eingestellt und sich viel öfter vor dem Spiegel vorsagen „Ich liebe mich, ich schaffe das, …“. Ganz ehrlich gesagt – kann man diesem Schwachsinn noch weitere Worte zufügen? Ich glaube  kaum.

Verfasst von: Eva | 28/11/2015

Selbstwerdiung durch Entwicklung

Einmal kein so analysierendes Thema, sondern ein ganz persönliches. Eher eins, das auf einem Experiment basiert. Ich war als Kind künstlerisch sehr begabt. Echo gab es keins darauf. Ganz im Gegenteil wurde ich in eine Richtung gedrängt, die mir nur sehr wenig entsprochen hat. Ich habe mich zwar auch da zurecht gefunden, doch es hat nie wirklich gepasst. Mir war in jedem Job sehr schnell langweilig, ich hasse Routine und war immer aufs Kreative aus. Dazu gab es aber wenig Gelegenheit in meinem Berufsleben.

Seit einiger Zeit richte ich meine Energie wieder viel mehr auf das, wozu ich mich schon sehr früh hingezogen fühlte: auf das künstlerische (Er)Schaffen. Ob es sich um selbst gemalte Bilder, Wandbemalungen, Kunsthandwerkliches, Dekoratatives in meiner Wohnung oder ums Schreiben handelt – ich gehe immer mehr darin auf, je älter ich werde.

Was mich nun aber selber überrascht hat, war, dass ich zwar schon seit einiger Zeit Schmuck aus Fimo mache, der gut aussieht, aber es gibt auch Künstler, die wirklich tolle Figuren daraus machen. Da habe ich mich bisher noch nicht heran getraut. Ich dachte, ich wäre darin dilettantisch und könnte das nicht.

Ich habe heute als praktisch blutige Anfängerin einen Kopf geformt und bemalt. Spannend finde ich, dass ich es jetzt ohne jede Übung seit über 40 Jahren besser kann als damals. Und obwohl er nicht perfekt ist, finde ich, er sieht nicht nach Anfängerin aus.

Ich bin momentan ein bisschen erschlagen davon, was ich (noch immer) kann, obwohl es schon so lange her ist, dass ich als Kind aus Plastilin Tiere formte, die zwar ziemlich gut für mein damaliges Alter waren, die aber mangels Interesse und Aufmerksamkeit meiner Bezugspersonen völlig unter gegangen sind.

Mein Fazit daraus: Bleibt bei euren Talenten. Egal, ob sie honoriert wurden oder nicht. Sie sind das, was euch wirklich ausmacht und individuell macht.

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Verfasst von: Eva | 24/11/2015

Tiere als Lebensinhalt

DSCN1740 - KopieIch möchte vorausschicken, dass ich selber sehr tierliebend bin, zwei Haustiere besitze (Katze und Hund) und den Wunsch, mit Haustieren zu leben, sehr gut nachvollziehen kann. Die Gesellschaft eines Tieres kann eine große Bereicherung sein, macht im Idealfall erd- und naturverbunden und ist einfach eine schöne Sache, wenn die Umstände passen (ausreichend Zeit, finanzielle Mittel und ein Gespür für sie). Menschen haben selbst einen tierischen Kern und können zu ihren Haustieren Bindungen aufbauen.

Soweit so gut. Allerdings gibt es auch Menschen (gar nicht so wenige), die davon überzeugt sind, Tiere seien „die besseren Menschen“ und diese verherrlichen. Diese Menschen haben oft Probleme im sozialen Umgang, kaum Interessen und Tiere stellen für sie die Lösung dar. Es sind oft Leute, die stark zur Flucht vor Problemen und Konflikten neigen und sich lieber auf dem ungefährlichen Terrain der „Tierliebe“ bewegen. Hier haben sie die Macht, eine kleine Welt nach eigenen Regeln zu erschaffen.

Ihr Vergleich von Tieren und Menschen ist natürlich Unsinn, da Tiere keine Menschen sind und damit Äpfel mit Birnen verglichen werden. Verhaltensweisen von Tieren – zumeist domestizierten – können nicht jenen von „charakterlosen“ Menschen gegenüber gestellt werden, um daraus den Schluss zu ziehen, dass Menschen beleidigen, betrügen und enttäuschen, ein Tier würde das aber niemals tun. Diese Aussage drückt nicht aus, wie gut Tiere sind, sondern wie schlecht Menschen sind.

Der Grund, warum Tiere sich nicht so (schlecht) wie Menschen verhalten, ist aber einzig und alleine, dass Tiere dazu gar nicht in der Lage sind. Hochentwickelte Säugetiere können maximal mit zwei- bis dreijährigen Kindern verglichen werden, wenn denn schon unbedingt ein Vergleich zwischen Mensch und Tier sein muss. Kinder in diesem Alter sind jedoch ebenso unfähig, zu enttäuschen und zu beleidigen. Hätten Tiere dieselben Fähigkeiten wie Menschen, wären sie ja Menschen und dann nicht anders als diese.

Was in Wirklichkeit damit ausgesagt wird, ist eher, dass der Umgang mit Tieren bei weitem ungefährlicher und problemloser ist als mit Menschen: Sie sind „treu wie Gold“ und schenken  „bedingungslose Liebe“. Entgegen dieser realitätsfernen Annahme ist das aber nicht ihre Entscheidung, sondern beruht ausschließlich auf ihrem genetischen Programm. Menschliche Kinder unterscheiden sich davon nur wenig, sie lieben ihre Bezugspersonen ebenso bedingungslos – selbst wenn diese sie schlecht behandeln. Der Grund dafür ist ihre Abhängigkeit. Die starke Bindung dient dem Überleben, da sie alleine zugrunde gehen würden. Bedingungen können sie dafür nicht stellen.

Noch einmal: ich schätze das Zusammenleben mit Tieren und möchte es nicht missen. Schon als kleines Kind fühlte ich mich sehr zu ihnen hingezogen. Sie sind einfach ein Teil meines Lebens. Aber die Betonung liegt auf „Teil“. Ich fühle mich nicht von Menschen angezogen, deren Leben sich ausschließlich um ihre Tiere dreht. Abgesehen von den ersten Monaten, wo verständlicherweise der neue Hausgenosse im Mittelpunkt steht, ist es weit weniger natürlich, ihn zum Lebensinhalt zu machen. Es ist fast wie bei Müttern, deren gesamte Energie sich auf das Leben ihrer Kinder bis weit über die angemessene Altersgrenze bündelt. Tiere eigenen sich hervorragend dafür, weil sie immer abhängig bleiben. Und wenn sie sterben, kann man sich neue anzuschaffen, um dasselbe Spiel unendlich fortzusetzen.

Ich kenne tatsächlich Leute, die über die Kontakte zu anderen Hundehaltern hinaus keine anderen Beziehungen haben, sich praktisch für nichts anderes interessieren und ständig nur über die Befindlichkeit ihrer Tiere sprechen. Diese nehmen einen so zentralen Stellenwert in ihrem Leben ein, dass es kaum noch andere Inhalte und Interessen gibt. Alle Gespräche kreisen um diverse Futtersorten, Erziehungsmaßnahmen, Accessoires (wie Futterschüsseln, Halsbänder und Leinen mit besonderem Design) bzw. was der Hund wann und wie getan hat. Das eigene Leben wird um die Tiere herum ausgerichtet. Der gesamte Bekanntenkreis besteht aus anderen Hundehaltern mit ähnlicher Ausrichtung, echte persönliche Beziehung gibt es kaum. Wären sie gezwungen, ein oder zwei Jahre „hundelos“ zu leben, wären sie mit einer Leere konfrontiert, die sie wohl nur schwer ertragen könnten.

Insofern kann man nicht nur exzessives Arbeiten, ständigen Aktionismus, Alkohol oder Drogen, sondern auch Tiere dazu benutzen, um davon abzulenken, was im eigenen Leben nicht stimmt. Die absolute Extremform davon ist das sogenannte „animal hoarding“ – eine Art Messie-Syndrom in Bezug auf Tiere.

Man kann natürlich argumentieren, dass es doch eine relativ harmlose Abwehrstrategie ist, sein gesamtes Leben um Tiere auszurichten. Man kümmert sich doch liebevoll um sie und Tiere zu lieben, ist eine schöne Seite am Menschen. Doch dagegen spricht zweierlei:

Einerseits ist man keineswegs der große Tierliebhaber, als den man sich gerne sieht, denn mit dem Wohl von Tieren im Allgemeinen (wie es zum Beispiel aktive Tierschützer anstreben), hat man wenig am Hut. Üblicherweise nehmen solche Leute auch eher selten Hunde aus dem Tierheim auf, sondern kaufen sich Rassehunde nach ihrem Geschmack und fördern damit deren „Produktion“, während andere Hunde ein elendes Leben in Tierheimen oder Tötungsstationen fristen. Ich kenne auch kaum welche, die zumindest für Tierorganisationen regelmäßig Geld spenden, obwohl für ihre eigenen Tiere das Feinste gerade gut genug ist. Allzu groß ist ihre Sorge um die Tierwelt damit ja nicht gerade.

Andererseits reduzieren sie ihr eigenes Leben auf sehr wenig. Wer das tut, dem fehlt es an Wertschätzung sich selbst gegenüber – kurz gesagt an Selbstliebe. Und daher ist es nicht verwunderlich, wenn nur unverfängliche Kontakte zu anderen Tierhaltern existieren. Engen Kontakt hält er nur zu seinen Haustieren, die ihn „bedingungslos lieben“. Er kann mit Reibung und Meinungsverschiedenheiten kaum umgehen, fühlt sich davon in seinem Selbstwertgefühl bedroht, bleibt lieber auf der „sicheren Seite“ mit seinen Tieren, von denen keine Gefahr darin droht. Nur daraus schöpft er Sicherheit.

Was ich damit nicht sagen möchte, ist, dass ich das verurteile. Ein Tier, das gut behandelt wird, leidet nicht und es ist ihm egal, aus welchen Gründen es angeschafft wurde. Wenn ein Mensch nichts weiter mit seinem Leben anzufangen weiß, als um sein Haustier zu kreisen, dann schadet er sich damit in erster Linie selbst und niemand anderem. Woran mir jedoch liegt, ist die schiefe Optik zurecht zu rücken. Ich habe erlebt, dass solche Menschen auf andere herab blicken, die um ihre Authentizität kämpfen, sie für ihre Bemühungen um Aufrichtigkeit und Selbsterkenntnis als „versponnen“ ansehen, da sie meinen, „besser“ zurechtkommen, auch wenn es in Wahrheit nur Lebensflucht ist.

In unserer Gesellschaft bescheinigen sich leider allzu viele „Normalität“, die sich selber nicht durchschauen.

 

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