Verfasst von: Eva | 24/07/2009

Spiegelneuronen

Manche wissenschaftliche Erkenntnisse empfinde ich einfach als faszinierend. Besonders solche, die Dinge belegen, die zwar offensichtlich, aber dennoch bislang unerklärlich waren.

Ein Beispiel dafür ist die Entdeckung der sogenannten Spiegelneuronen (die auch als Simulations- oder Empathieneuronen bezeichnet werden). Sie wurden bei Affen im Tierversuch entdeckt. Es gibt im Gehirn Nervenzellen, die – während der Mensch einen Vorgang betrachtet, den er gar nicht selbst ausführt – dasselbe im eigenen Gehirn auslösen als hätte er den Vorgang selbst ausgeführt. Und das betrifft nicht nur Vorgänge, die dieser Mensch beobachtet, sondern auch Gefühle anderer.

Die körperliche Entsprechung von Mitgefühl? Es ist längst belegt, dass seelische Vorgänge auch mit körperlichen verbunden sind. Der amerikanische Arzt und Psychotherapeut Alexander Lowen begründete in den 50er-Jahren die bioenergetische Analyse. Dabei handelt sich um eine Körperpsychotherapie. Lowen erkannte, dass alles, was wir erleben, nicht nur gedanklich-seelisch gespeichert wird, sondern auch körperlich. Muskuläre Verspannungen, Körperhaltung und Atmungsmuster resultieren seinen Erkenntnissen nach vorwiegend aus kindlichen Prägungen.

Nicht nur die Seele wird davon geformt, sondern auch der Körper. Bioenergie – Lebensenergie – die nicht frei fließen kann, schlägt sich in körperlichen Blockierungen nieder. Werden diese Blockaden aufgelöst und kann die Energie wieder ungehindert fließen, verschwinden mit den seelischen auch die körperlichen Beeinträchtigungen. Dass eine bestimmte Art von Neuronen im Gehirn aber auch aktiv wird, wenn ein anderer Mensch etwas tut oder fühlt, wurde erst ca. 40 Jahre später entdeckt.

Die meisten Menschen spüren diese Reaktion als „Resonanz“. Wie die Forschungen ergaben, kann jedoch nur das in uns Resonanz erzeugen, das auch in uns angelegt ist. In Tests wurde nachgewiesen, dass Versuchspersonen nur mit bestimmten Gehirnaktivitäten auf das Bellen eines Hundes reagieren und nicht mit allen, die zum Beispiel auf Beißen reagieren. Beißen ist im menschlichen Repertoire angelegt, Bellen nicht (höchstens als Nachahmung) und kann daher nicht vollständig „nach- bzw. mitgefühlt“ werden.

Bei Autisten wurde eine stark verminderte Aktivität bestimmter Spiegelneuronen festgestellt. Ein Autist ist zwar intellektuell nicht beeinträchtigt, verfügt aber nur über äußerst geringe empathische Fähigkeiten. Er kann motorische Handlungen nachahmen und über eine hohe rationale Intelligenz verfügen, reagiert jedoch wenig auf Gefühle, weil diese in ihm auf zu wenig Resonanz treffen. Das bedeutet aber umgekehrt auch, dass Menschen, die über sehr starke Aktivitäten in den für Gefühle zuständigen Gehirnarealen verfügen, auch deutlich stärker und intensiver auf Gefühle anderer reagieren. Besonders hohe Einfühlsamkeit und das „Spüren“ von leisen Zwischentönen hat somit auch eine körperliche Entsprechung in unserem Gehirn.

Babys „trainieren“ von Anfang an mithilfe ihrer Bezugspersonen bestimmte Gehirnaktivitäten. Werden sie zu wenig beachtet und erleben emotionale Zuwendung nur im geringen Maß, weisen auch später ihre Gefühls-Spiegelneuronen eine geringere Aktivität auf. Dies muss aber nicht bedeuten, dass es lebenslang so bleibt, da man auch „nachlernen“ kann. Wird zum Beispiel in einer einfühlsamen Psychotherapie beständig Zuwendung erlebt und gespiegelt, erhöht sich auch die Aktivität dieser Neuronen.

Ein interessanter Artikel dazu:
ORF-Magazin

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