Verfasst von: Eva | 30/07/2009

Krisen und Veränderung

Niemand mag Krisen. Krisen sind unangenehm. Jeder lebt am liebsten krisenfrei. Krisen sind etwas, das sich niemand wünscht. Wir alle mögen es, wenn unser Leben im gewissen Sinn vorhersagbar verläuft und wir uns wohl und sicher fühlen. Herausforderungen suchen wir uns lieber selber als dass sie uns einfach treffen.

Aber das Leben fragt nicht danach, was wir uns erwarten und somit sind manche Krisen einfach unabwendbar.

Was sind eigentlich Krisen, was charakterisiert sie?
Etwas geschieht, das einen Bruch in der gewohnten Realität entstehen lässt und uns aus der inneren Balance bringt. Dazu kann es von heute auf morgen oder auch schleichend über längere Zeit kommen. Irgendwann ist es aber soweit und die Situation kippt. Wir kommen nicht mehr mit ihr zurecht.
Gewohnte Problemlösungsstrategien greifen nicht mehr. Wir wissen nicht, was wir tun sollen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, wie wir den Verlust wettmachen sollen.
Denn jede Krisen hat etwas mit Verlust zu tun. Dem Verlust eines geliebten Menschen, von Hab und Gut, materieller Sicherheit, der Gesundheit, Halt gebenden Überzeugungen usw.
Je tiefer die Krise geht, umso heftiger wirkt sie sich auf uns aus, kann Hoffnungslosigkeit hervorrufen oder sogar den Lebenssinn in Frage stellen.

Mehr oder weniger reagieren alle Menschen in so einer Situation nach einem ähnlichen Schema: Sie sind verwirrt und/oder geschockt. Sie wollen es nicht wahrhaben. Sie versuchen alles, um die Krisen doch noch abzuwenden. Sie wollen so weiter machen wie bisher und versuchen, die drohende „Niederlage“ wegzuschieben.
Aber wenn es sich wirklich um eine Krise handelt, gelingt das nicht und Verzweiflung kommt auf. Je nach Naturell und dem inneren Rüstzeug für den Umgang mit schwierigen Situationen kommt es zu Gereiztheit, Wut, Überspielen der Situation nach außen, Trauer, Selbstmitleid, Selbstvorwürfen, Realitätsflucht, tiefer Resignation – meist sogar zu einer Kombination aus einem Wechsel von mehreren dieser Elemente.

Wir sind in einer Situation, in der uns das Leben offenbar übel mitgespielt hat, wir haben dem vorerst nichts entgegen zu setzen. Selbst wer schon Krisen überwunden hat, steht oft vor einer gänzlich neuen Herausforderung und hat kein passendes „Rezept“ dagegen.

Es liegt dennoch immer im Bereich des Möglichen, Krisen zu überwinden, egal wie schwer sie auch sein mögen. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele von Menschen, die Unglaubliches gemeistert haben. Es kann lange Zeit in Anspruch nehmen und viel Durchhaltevermögen erfordern, aber jede Krisen kann zu einem neuen, oft sogar besseren, auf jeden Fall aber gereifterem Leben führen.

Wenn wir in heftigen Krisen glauben, sie gingen über unsere Grenzen, liegen wir damit gar nicht so falsch. Denn die bisherigen Grenzen müssen erweitert, das altgewohnte Selbstbild teilweise aufgegeben werden.

Jedoch läuft es sich auf ausgetretenen Pfaden leichter. Neue zu beschreiten, verlangt weit mehr Kraftaufwand. Forschungen von Neurobiologen weisen darauf hin, dass Strukturen im Gehirn verändert werden müssen, um neue synaptische Schaltungen zu erwirken. Das geschieht meist durch heftige Erschütterungen, die das alte Gleichgewicht zerstören. Erst die daraus entstehende Instabilität macht Veränderung möglich – aus dem Chaos entwickelt sich eine neue Ordnung.
Was wir bislang immer wiederholt haben, hat auch im Gehirn Spuren hinterlassen – wir fahren ständig auf derselben „Datenbahn“. Wie ein Zug, der entgleist und aus den Schienen springt, passiert in Krisen Ähnliches im Gehirn.
In der Folge erschließt sich uns bislang ungenutztes Potenzial. Das Potenzial war immer da – aber oft ist der einzige Weg, dahin zu kommen, eine heftige Erschütterung. Daher sollten Krisen nicht nur verteufelt werden. Sie fordern uns im wahrsten Sinne des Wortes heraus – heraus aus der Eingefahrenheit und hinein in neue Entwicklungen.

Eines möchte ich jedoch nicht unerwähnt lassen, da ansonsten der Eindruck entstehen könnte, jeder könne alle Krisen bewältigen und wem es nicht gelingt, der würde sich vielleicht weigern, die Chance anzunehmen. Diese Sichtweise beinhaltet auch einen Hauch von Arroganz – sei es, indem man eigene Krisen überwinden konnte und diese Fähigkeit auch für andere als selbstverständlich voraussetzt, sei es, indem man selber noch gar keine heftige Krise erlebt hat und nur von grauer Theorie spricht. Krisen sind deshalb so fordernd, weil sie auch die Gefahr beinhalten, an ihnen zu zerbrechen. Nicht alle Menschen haben die gleichen Ressourcen auf seelischer, sozialer und energetischer Ebene.

Daher kann ich sehr gut verstehen, wenn jemand bestimmten Krisen nicht gewachsen ist. Auch das gehört zur Lebensrealität und sollte nicht – für meine Begriffe herzlos – beiseite gewischt werden.

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