Verfasst von: Eva | 02/08/2009

Esoterik – schöne neue Welt?

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Ein Thema, das mich derzeit beschäftigt, weil mir sehr daran liegt, einen realistischen und guten Zugang zur Esoterikbewegung, die immer extremere Formen annimmt, zu finden. Ich zähle mich nicht zu jenen Menschen, die Esoterik in Bausch und Bogen verdammen, denn das wäre ein Übergehen der Bedürfnisse von Millionen von Menschen.

Was ich bei vielen aber vermisse, ist eine ausgewogene Sichtweise. Es gibt vielmehr strikte Gegner – oder völlig davon durchdrungene Befürworter. Ich gehe weder mit den einen noch mit den anderen konform

„Esoteriksüchtige“, die ihr gesamtes Leben auf ein magisches Weltbild ausgerichtet haben, erscheinen mir weltfremd und indoktriniert. Die Argumente von Esoterik-Gegnern, die alles ablehnen, was über das Greif- und Messbare hinaus geht, wirken auf mich kleingeistig. Im Grunde haben beide „Gruppierungen“ gemeinsam, dass sie von der Richtigkeit ihrer Sichtweise überzeugt sind und sich hauptsächlich mit anderen Menschen umgeben, die ihre Sichtweise teilen und bestätigen.

Wir sind keine unabhängigen Einzelgänger, sondern soziale Wesen. In gewissem Sinne sind wir „Herdentiere“ und neigen dazu, uns „Herdenführern“ anzuschließen und uns nach dem zu richten, was sie uns vorgeben. Wir tun das tagtäglich und in fast allen Bereichen unseres Lebens. Anders könnten wir das Leben gar nicht bewältigen.

Wir halten uns als Autofahrer an die Straßenverkehrsordnung, wir vertrauen die Behandlung unserer Körper Ärzten an, wir kaufen Lebensmittel im Supermarkt, wir setzen uns in ein Flugzeug oder einen Zug, wir lesen Wetterprognosen und richten uns danach, wir stützen unsere Ansichten auf wissenschaftliche Beweise, auch wenn wir persönlich keine Ahnung davon haben.
Wir können weder alles wissen noch verstehen, wir vertrauen einfach darauf.

Wer meint, sich sein Lebens- und Weltbild völlig selbständig geschaffen zu haben, sitzt einem naiven Trugschluss auf. Denn in erster Linie haben wir es erlernt und sind darin in sehr starkem Maß von unserer Kultur – aber auch von unserem frühkindlichen und weiterhin auch dem späteren Umfeld – beeinflusst. Und natürlich auch von unserem persönlichen Unbewussten mit all seinen nicht bewussten Motivationen.

Was wir weit mehr hinterfragen – besser gesagt, meist von vornherein nicht glauben – ist das, was unserem Weltbild widerspricht.
Viele große Entdecker waren Pioniere ihrer Zeit und wurden trotz ihrer grandiosen Erkenntnisse abgelehnt und verfolgt. Erst spätere Generationen erkannten ihren großen Geist.

Davon lässt sich aber nicht ableiten, dass jede vom Gewohnten abweichende Sichtweise eine große geistige Errungenschaft ist. Jedoch ebenso wenig, dass alles, was nicht dem derzeitigen Wissenstand entspricht, Einbildung ist.
Oft wird aber gerade damit argumentiert – und zwar von beiden Seiten. Über den eigenen Tellerrand wird selten hinaus gesehen, die Bereitschaft, sich mit den jeweils fremden Ansichten offen auseinander zu setzen, findet sich weder da noch dort.

Warum ist das so?

Ich meine, weil beides Extreme sind, die sich gegenseitig bedingen. Wer gänzlich unkritisch mit Esoterik umgeht, negiert so viel Reales, dass er diejenigen völlig vor den Kopf stößt, die mitten im Leben stehen. Wer wiederum alles von vornherein verleugnet, das über das Alltägliche und Sichtbare hinaus geht, reduziert das Leben auf rein Rationales.

Und genau das ist die Ursache dafür, dass sich der Esoterikmarkt so grandios entwickeln konnte.

Menschen wollen und brauchen den Glauben an etwas Höheres und das ist auch gut so. Wir haben alle eine Seele und auch über das rein Materielle hinaus gehende Bedürfnisse. Nicht nur die Esoterik-Anbieter, auch Psychologen, Therapeuten und Lebensberater haben immensen Zulauf von Menschen, die mit dem Leben nicht mehr zurecht kommen. Viele wissen nicht mehr, woran sie sich orientieren sollen in einer Welt, die so wenig Menschliches zu bieten hat.

Umdenken tut Not, wir brauchen eine menschlichere Gesellschaft!

Allerdings darf man eines keinesfalls außer Acht lassen: die Gesellschaft, wie sie derzeit ist, ist uns nicht von irgendjemand aufgezwungen worden, sondern wir alle haben dazu beigetragen – zweifelsohne sind wir ein Teil dieser Gesellschaft und die Summe der Einzelnen macht sie aus.
Die New Age-Bewegung kommt nicht von ungefähr, sie ist eine logische Folge der Konsum- und Leistungsgesellschaft. Wenn etwas zu sehr ins Ungleichgewicht gerät, verlangt es nach einem Gegengewicht.

These – Antithese (und hoffentlich letztlich) Synthese wirken auch hier. Kein Mensch kann wirklich zufrieden ohne Zuneigung, Geborgenheit und dem Gefühl, wertvoll zu sein, leben. Menschliche Verbundenheit und Wärme, Mitgefühl und Liebe sind essentiell mit dem menschlichen Sein verbunden.
Extreme Mängel bedingen extreme Bedürfnisse. Die Bedürfnisse unserer Vorgenerationen nach materieller Sicherheit und Versorgtheit waren verständlicherweise sehr stark. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren erlebten viele die Angst, verhungern zu müssen. Wen sollte es da wundern, wenn Wohlstand zum höchsten Ziel wurde? Umweltgedanken und seelische Feinheiten hatten keine Bedeutung, anderes war weit dringlicher. Und das auch zu Recht.

Doch der Mensch weiß selten, wann es genug ist. Einmal in Fahrt gekommen, rast der Zug immer weiter. Zum Umdenken kommt es erst meist erst dann, wenn die Katastrophe schon da ist.

Nie gab es so viele Menschen wie heute, die unter Depressionen leiden. Depressionen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Nie gab es so viele Sinnsuchende wie heute, die erkannt haben, dass Geld und Besitz alleine nicht glücklich macht.

Zeitgeistige Strömungen entstehen immer aus kollektiven Bedürfnissen. Nicht ein paar esoterische Gallionsfiguren haben dazu verführt, ihnen zu folgen, sondern das Bedürfnis nach ihren Angeboten ist kometenhaft gewachsen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Hierin unterscheidet sich die Esoterikszene durch nichts von den Marktgesetzen der Konsumgesellschaft.

Wenn eine Seite der Waagschale zu tief geht, geht ihre andere Seite im selben Maße hoch. Beide befinden sich im selben Abstand von Ausgeglichenheit. Eine überindustrialisierte und übertechnisierte Welt, die Bezugslosigkeit der Menschen gegenüber veralteten kirchlichen Konzepten, der Niedergang der Großfamilie und die Überwertigkeit des Rationalen gegenüber dem Emotionalen und Gefühlshaften führt dazu, dass nach der Befriedigung offen gebliebener seelischer und spiritueller Bedürfnisse woanders gesucht wird.

Man kann diese Bedürfnisse nicht abtun, sie sind ein elementarer Bestandteil menschlicher Existenz. Das Elend, das seelischer Hunger hervor ruft, steht dem durch körperlichen Hunger in nichts nach. Die Esoterikbewegung ist folgerichtig, verständlich und keine Erfindung einiger Spinner, an die sich zufällig immer mehr Menschen anschließen.

Was sie aber nicht bietet, ist ein tatsächliches ausgewogenes Leben. Das Pendel schwingt wieder zu weit aus. Es gibt weniger ein „sowohl-als-auch“, als ein „entweder-oder“. Menschen, die sich voll und ganz in allen Lebensbereichen und in jedem Gedanken den esoterischen Weltanschauungen verschreiben, sind keine Seltenheit mehr. Abhängigkeit und Identifikationen entsprechen denen früherer Generationen mit materiellen Werten.

Hier das eine Extrem – dort das andere. Das eine weit übers Ziel hinausgeschossen, das andere im Begriff dazu.
Schon heute gibt es genügend Fälle von Menschen, die in der Psychiatrie gelandet sind, weil sie durch umfassende Indoktrinationen mit esoterischen Lehren den Bezug zur Realität völlig verloren haben und in psychotische Zustände geraten sind. Leider wird das kaum zur Kenntnis genommen oder sie werden als unglückliche Einzelfälle angesehen. Es tut dem munteren Treiben der selbsternannten „Heiler“ und „Seelenspezialisten“ keinerlei Abbruch. Als selber vormals Suchende vollgesogen mit diversen „höheren Gesetzen“, die sie zu erkennen glauben, missionieren sie damit ohne zu zögern in narzisstischer Selbstüberschätzung andere Hilfesuchende.

Wirklich persönlich verantwortlich fühlt sich keiner. Denn sie alle verkünden ja nur höhere „Wahrheiten“ – die zwar in den allermeisten Fällen nicht von ihnen selbst stammen, aber dafür von irgendwelchen „Meistern“, denen man unbedingten Glauben schenkt. Oft genug wird nicht einmal überprüft, woher diese Lehren kommen – sie werden einfach unkritisch übernommen.

Die wenigsten sehen die Abhängigkeit, die daraus entsteht. Die absolute Orientierung an diversen Lehren wird kaum als Zeichen der Abgabe von Eigenverantwortlichkeit gesehen. Menschen lernen durch esoterische Überzeugungen nicht mehr Selbständigkeit, sondern sie schließen sich einfach einem anderen Wertesystem an.
Das teilweise auf Nicht-Anhänger dermaßen absurd wirkt, sodass sich manche die Frage stellen, wie es denn überhaupt möglich sein kann, dass intelligente erwachsene Menschen sich auf so etwas einlassen können.

Die Fähigkeit zur Differenzierung und Selbstreflexion scheint ihnen völlig abhanden gekommen zu sein. Nicht nur ihre Gedanken-, sondern auch ihre Gefühlswelt ist so absorbiert von den jeweiligen Theorien, dass man von außerhalb – und noch im Besitz eines gesunden Hausverstandes – die Reaktionen solcher Menschen kaum mehr nachvollziehen kann. Ihre Authentizität begründet sich auf vollständiger Identifikation mit bestimmten Weltbildern. Es scheint wie eine Sucht zu sein, in die man immer tiefer hinein gerät, bis man die sprichwörtliche Hand vor Augen nicht mehr sieht und in dieser Welt aufgeht.

Im Groben zusammen gefasst, gehen eingefleischte Esoteriker von folgendem Weltbild aus:

1. Sehr viele glauben an Reinkarnation – also das ständige Wiederkehren auf die Erde in anderer Gestalt – um das zu lernen, was sie in vorigen Leben noch nicht gelernt haben. Durch „Rückführungen“ kann man sich an frühere Leben erinnern und darin die Ursache heutiger „karmischer Probleme“ erkennen. Wer also vor 500 Jahren etwas angestellt hat, darf sich nicht wundern, wenn er heute dafür die Rechnung präsentiert bekommt…

Das bedeutet wiederum, dass alles selbst verschuldet ist, was wir im jetzigen Leben zu tragen haben. Wenn nicht in diesem Leben, dann in vorigen.

2. Was aber in der heutigen esoterischen Weltanschauung noch viel mehr verbreitet ist, ist die Ansicht, dass es unnötig sei, zu leiden. Leid ist reine Illusion – wie überhaupt das ganze Leben auf der Erde – denn wir sind alle göttliche Wesen, die aus höherem Bewusstsein bestehen. Wer leidet, sitzt einer Illusion auf, das Ziel ist die völlige Leidlosigkeit. Was wir erleben, ist nur Spiegel und existiert im Grunde gar nicht. Werden wir also überfallen, leben wir unser eigenes Durchsetzungspotenzial zu wenig und es begegnet uns von außen. Würden wir es angemessen leben, wären wir nicht überfallen worden.

3. Andere Menschen sind nur Spiegelungen unserer selbst und dazu da, um uns selber besser zu verstehen. Andere ändern sich, wenn ich mich ändere, von ganz alleine mit, ja, die ganze Welt ändert sich damit, was und wie ich denke und fühle. Alles ist machbar – und zwar für jeden. Es gibt darin keine Grenzen, höchsten hier auf der Erde ein paar physikalische, aber auch diese können manche Meister außer Kraft setzen.

4. Man kann Wünsche ans Universum schicken. Diese werden zumeist auch erfüllt.
„Ein wichtiger letzter Punkt, der nicht oft genug wiederholt werden kann. ‚Bestellungen beim Universum‘ ist nur eine andere Formulierung für ‚Ich erschaffe meine äußere Welt mit meiner inneren Welt‘ (Bärbel Mohr, Bestellungen ans Universum.)

Ob es sich dabei um einen pfeifenden WC-Kasten handelt, der ohne teuren Installateur das Pfeifen aufgeben soll, ob es das Wetter an einem bestimmten Tag sein soll oder ob ich mir den Traumpartner wünsche – alles wird geliefert. Es gibt nur eine Bedingung: ‚Man muss es sich aus kindlicher Freude heraus wünschen und nicht aus einem Mangel- oder Vermeidungsgefühl heraus. Denn das Universum denkt und fühlt mit.‘

5. Die Dualität wird abgelehnt. Wer weiterhin in der Dualität von „gut“ und „böse“ lebt, hat sich noch nicht weit genug entwickelt. Letztlich ist alles Eins, es gibt kein Oben und kein Unten, nichts „Gutes“ und nichts „Schlechtes“, alles ist (paradoxerweise!) gut wie es ist.

6. Es gibt eine Menge Wege, die Zukunft vorauszusagen. Tarot, Astrologie, Pendeln, Hellfühligkeit, Zukunftsträume, diverse Orakel und was es da noch alles geben mag, von dem ich keine Ahnung habe.

Das Verwirrende an all dem ist, dass darin auch viele Wahrheiten hinein gepackt sind. Andere können sich (müssen sich ja oft gezwungenermaßen) tatsächlich mir gegenüber anders verhalten, wenn ich mich ändere. Leiden stellt sich manchmal tatsächlich als Illusion heraus, wenn ich auf etwas Negatives so sehr fixiert war, dass ich alles durch diese Brille wahrgenommen habe. Wenn ich selbtbewusster und sicherer auftrete, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass gerade ich angegriffen werde. Wünsche können tatsächlich wahr werden ohne eigenes Zutun (zwar nicht oft, aber das gibt es einfach). Es gibt auch hin und wieder Träume, die dem entsprechen, was tatsächlich später geschieht und es gibt sicher auch einige (ganz wenige) Menschen, die hellfühlig sind. Dass alles ist, wie es ist, ist wohl jedem halbwegs normal intelligenten Menschen klar. Dass man allerdings nichts daran zu verändern braucht, weil alles gut ist, was ist, schon weniger. Es wäre ein Leben in völliger Verantwortungslosigkeit.

Doch so wird das von keinem überzeugten Esoteriker gesehen. Es werden absolute Gesetze daraus abgeleitet, die völlig überzogenen Allmachtsfantasien Nahrung geben. Das Ganze wird letztlich zu einer einzigen gedanklich konstruierten Scheinwelt, zur Spielwiese kindlich-magischen Denkens.

Leider fördert dies auch soziale Kälte, obwohl es den Anschein hat, das Gegenteil wäre der Fall. Andere, die nur als Spiegel meiner Gedanken angesehen werden, werden „weg gedacht“, wenn sie mir zu viel Mühe machen. Im besten Fall hinterfrage ich meine schädlichen Einstellungen, wende mich aber nicht dem anderen zu, der ja vielleicht tatsächlich in echter Not sein könnte. Man wirft sie am liebsten auf die „Metaebene“ zurück, damit sie sich mit ihren Problemen alleine auseinander setzen. Nur das führt zum Ziel höchster Bewusstheit.
Man begegnet nur mehr jenen frei und offen, die uns Positives spiegeln. Die Beziehungen innerhalb der Esoterikszene sind unverbindlich und vorübergehend. Man erlebt zusammen vielleicht ein intensives Wochenend-Workshop, wo Gefühle öffentlich ausgelebt werden, wird entsprechend dem Kodex damit „vollständig akzeptiert und liebevoll angenommen“ – und geht dann wieder seiner Wege. Tiefe menschliche Beziehungen – echte Bindungen – entstehen dadurch kaum. Das ist auch gar nicht nötig und wünschenswert, da sich seine Bedürfnisse jeder ohnehin nur selbst erfüllen kann.

Diese Ansichten und Überzeugungen erinnern sehr an den Roman des britischen Schriftstellers Aldous Huxley (1894 – 1963) „Schöne neue Welt“. Dort werden Menschen vom Embryonalstadium an manipuliert und soweit indoktriniert, dass sie letztlich jedes Bedürfnis nach kritischem Denken und Hinterfragen aufgeben. Sie verlieren die Fähigkeit zu autarkem Handeln und befinden sich in einer Gesellschaft, die von „ständigem Frieden, Freiheit und Stabilität“ bestimmt ist. Die Menschen verfallen durch Konditionierung einem künstlichen Wahn, echte Gefühle sind unerwünscht und beeinträchtigen die perfekte Harmonie.

„Jeder tut nur, was er kann, wozu er geboren ist, kein Scheitern, kein Leid, keine unerwiderte Liebe, kein Altern, kein vorzeitiger Tod. Doch dieses Leben muss erkauft werden gegen die Freiheit: wer frei sein will, der nimmt auch die damit verbundenen Nachteile in Kauf. Mond fragt John, ob er bereit sei, alle negativen Seiten menschlicher Freiheit hinzunehmen. Nach kurzem Überlegen bejaht John die Frage. Mond schickt auch ihn in die Verbannung.

Der Roman hat kein Happy End. Der Protagonist John erhängt sich am Ende, als ihn fühlend das Entsetzen packt.

Wo liegt das Schlechte und wo liegt das Gute der stetig anwachsenden esoterischen Bewegung?

Das Gute ist unzweifelhaft die Auflehnung gegen sinnentleerte Lebensentwürfe in einer rein technokratischen Welt.
Das Schlechte ist die Verabsolutierung abstruser Weltanschauungen und Lebensphilosophien sowie die damit einher gehende Reduzierung eigenständigen Denkens und echter menschlicher Gefühle.

Was würde zur Synthese (griech. Verknüpfung, Zusammenfassung) dieser beiden Ausformungen, die einander doch so gut ergänzen könnten, führen?

Meines Erachtens nur Bewusstwerdung und Reflexion – im Grunde Selbstbesinnung. Die wichtige Erkenntnis dessen, dass ein Individuum nicht unabhängig von der Gesellschaft existiert und dass jede Kultur ihre Sonnen- und Schattenseiten mit sich bringt, dass aber niemals alles schlecht oder alles gut ist. Die Bereitschaft, seinen eigenen Beitrag dazu zu leisten, indem jeder sich mehr auf seine Menschlichkeit durch Mitgefühl und Abkehr von übertriebenem Materialismus besinnt. Dies wiederum bedingt, an sich selbst zu arbeiten und sich eben nicht von den angebotenen Strömungen mitreißen zu lassen bzw. sich mit Haut und Haaren hineinzubegeben. Es kommt tatsächlich auf jeden Einzelnen an!

Darauf zu hoffen, dass von alleine alles besser wird, ist keine realistische Option. Je mehr Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Leben und den Einfluss, den sie in ihrem (wenn auch nur kleinen) Umkreis ausüben, übernehmen, umso mehr wird sich verändern.

Darunter verstehe ich nicht, zu missionieren (das würde wieder nur zu Manipulation und Unselbständigkeit führen), sondern es selbst zu leben.

Wir brauchen keine Missionare, keine selbsternannten Priester und „spirituellen Lehrer“. Spiritualiät kann niemals von außen, sondern nur von innen kommen. Alles andere ist reine Gefolgstreue und Schein-Entwicklung. Wir selber müssen zu unserer Menschlichkeit stehen, sie annehmen und ausdrücken.

Alles, was hilfreich ist auf diesem Weg, ist wirklich Gutes, alles, was davon weg führt, wird die Lage letztlich nur verschlimmern. Sich in Ideen von „heilen Welten“ zu begeben, mag entlastend und angenehm sein. Aber es wird der Lebensrealität nicht gerecht.

Ein Zitat Aldous Huxleys: „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, daß man sie ignoriert.“

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Responses

  1. Ein sehr gelungener, informativer und meines Erachtens nach objektiver Beitrag, Kompliment!

  2. Dankeschön für die positiven Rückmeldungen!

  3. gut gebrüllt, löwin.
    danke für den kompakten text. ich seh es genauso. ich mit mir und ich in der welt. innen und außen. das leben. ein kommunizierendes gefäß.
    veronika


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