Verfasst von: Eva | 24/08/2009

Glückskinder …

Es macht traurig und betroffen, zu lesen, wie sich jemand dazu aufschwingen kann, zu wissen, wie ein glückliches und leichtes Leben funktioniert.

Vor kurzem gab es einen Artikel über ein Glücks-Seminar. Der Anbieter schrieb über sich selbst, dass er immer schon ein Glückskind gewesen sei und sich seine Wünsche stets erfüllt hätten. Das richtige Wünschen hätte dazu geführt. Er hätte darin nur das selbstverständliche Glück gesehen, das ihm zustehen würde.

So einfach ist das. Und es gilt für jeden Menschen auf der Welt.

Für ein dermaßen naives Denken kann man zwar nichts, aber die Scheuklappen müssen schon riesengroß sein. Wer niemals etwas erlebt hat, das leidvoll war, hat auch keine Ahnung davon. Zudem muss er noch den Kopf gehörig in den Sand stecken, um nichts weiter wahrzunehmen als sich selbst.

Das Credo dieses Anbieters: Wenn es jemandem nicht gut geht, denkt er einfach falsch. Wir können alle Glückskinder sein.

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Wie denkt man sich das schön? Oft habe ich den Verdacht, dass Menschen, die so lebensferne Überzeugungen verbreiten, selbst sehr lebensfern sind. Und Mitgefühl wohl nicht gerade zu ihren Stärken gehört. Auch nicht Realismus. Es sind die Überzeugungen von völlig egomanisch orientierten Menschen, denen nur an ihrem eigenen Wohlgefühl liegt. Und diese Einstellung in ihren Seminaren an andere weitergeben.

Tun sie damit Gutes? – Das glaube ich nicht. Denn es macht gefühlsmäßig taub für alles, was nicht zum eigenen Wohlgefühl beiträgt. Und um anderes geht es diesen Menschen nicht.

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Responses

  1. Nun man kann trotzdem glücklich, oder sagen wir: zufrieden, erfüllt leben, wie andere auch, auch- oder gerade wenn man so einiges erlebt hat, denke ich. da weiß man oft vieles mehr zu schätzen. Dass „nur falsch denken“ ist natürlich irrig, weil wir Gründe haben, warum wir denken wie wir denken.

  2. Zufrieden und erfüllt kann man selbstverständlich trotzdem leben, wenn man – insbesondere dadurch, dass man einiges selbst schon überwunden hat – das Glück besonders schätzt.
    Ich mag es nur nicht, wenn das „trotzdem“ komplett negiert wird, weil es nicht gesehen wird.

    Die echte Leistung, Glück „trotzdem“ zu schätzen ist doch jene, dass man um das Glück und Unglück auf der Welt weiß. Und sich die Welt nicht nur schön denkt.

    Denn diese ganzen Autosuggestionen und Konstrukte mögen wohl ein gutes Gefühl von heiler Welt bewirken, die ich mir selbst herbei zaubern kann, aber sie lassen sich nicht auf alle Menschen in allen Situationen des Lebens übertragen. Davon gehen die Glücksverkünder aber aus. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass sie mit ihrer Weisheit sofort am Ende wären, wenn sie selber einmal ein heftiger Schicksalsschlag treffen würde.

    Denn sie propagieren Scheuklappen gegenüber der Realität. Damit bin ich nicht einverstanden. Denn damit beschuldigen sie jene, die keine „Glückskinder“ sind, unfähig dafür zu sein, dass sie es nicht sind. Würden sie doch nur „richtig“ denken, wären sie es. Ich sehe darin pure Selbstbezogenheit und Arroganz.

    Ich gehe keineswegs davon aus, dass Menschen keine Eigenverantwortlichkeit für ihr Leben haben. Aber der Spielraum kann auch unheimlich klein dafür sein. Einem hungernden Kind zu sagen, es solle positiv denken und damit wäre seine Situation glücklich, wäre wohl krankhaft realitätsfern.

    Aber Glücksverkünder setzen keine Grenzen. Ihre Ideologie ist absolut. Sie basiert nicht auf einer gesunden Wahrnehmung der Realität der Welt, sondern auf einer abgekapselten Scheinwelt, die sie sich schaffen, um sich nur selber ständig gut zu fühlen. Und diese Strategie verbreiten sie gegen gutes Geld. Ich kann mich dem nicht im geringsten anschließen.


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