Verfasst von: Eva | 01/09/2009

Liebe

Was für ein Begriff! Tausendfach missbraucht, tausendfach missverstanden, überstrapaziert für alles Mögliche an Gefühlseindrücken, Abhängigkeiten, Euphorien, Begehrlichkeiten, Bedürfnissen, Sentimentalitäten und dem Auffülleffekt innerer Leere.

Dabei ist Liebe etwas ganz anderes. Sie entzieht sich jedem Zugriff, sie ist ein Geschenk. Eines der kostbarsten Geschenke, die das Leben zu bieten hat.

lilebe

Liebe ist nicht Verliebtheit. Das ist nur ihre kleine Schwester. Sie sieht ihr ähnlich und sie fühlt sich ein wenig so an. Aber sie hat mit ihr nur wenig zu tun. Sie ist eine Vision.

Liebe ist keine Vision. Sie rührt an tiefsten Schichten der Seele. Kann nicht hervorgerufen, nicht forciert, nicht ausgehandelt, nicht geplant, nicht zurückgewiesen und nicht gelenkt werden.

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Responses

  1. Spricht mir aus dem Herzen und aus der Seele!

    Bis auf meine Überzeugung, dass Liebe sich – vielleicht – doch ein wenig lenken lässt. Ein ganz klein wenig…

  2. Lieber Michael,

    vielleicht hast du recht. Aber womit soll/kann man sie lenken? Man kann seine Reaktionen darauf lenken – ohne Zweifel. Aber direkt die Liebe lenken???

    • Liebe Eva,
      nein, die Liebe selbst lässt sich wohl wirklich nicht lenken. Die Reaktionen darauf schon eher – manchmal ;-).

      Vor allem dann, wenn das Gefühl der Liebe Konsequenzen hat. Zum Beispiel das Eingehen einer Liebesbeziehung. Dann ist meiner Meinung nach ein wenig Arbeit angesagt. Beziehungsarbeit. Um die Liebe als Basis der Beziehung zu erhalten. Ein Prozess, dessen Ergebnis offen ist, so wie fast alles im Leben. Entweder ist man bereit dazu, diese Arbeit zu leisten, durch Höhen und Tiefen hindurch, oder eben nicht, weil es einem vielleicht zu anstrengend erscheint.

  3. Beziehungsarbeit ist so wichtig und wird doch so oft nicht wichtig genommen. Da stimme ich völlig mit dir überein.
    Leider ist es aber vielen nicht bewusst, dass ihnen das eigentlich zu anstrengend ist und sie wollen die gute Beziehung ohne jegliche Arbeit daran. Und wenn’s schief geht, dann ist das große Drama da – oder auch nicht und man sucht sich einen neuen Partner, um dasselbe Spiel fortzuführen.
    Beziehungsarbeit funktioniert aber nur, wenn beide dazu beitragen – und wie oft ist das schon der Fall?

    • Es ist wohl tatsächlich oft so wie von Dir beschrieben. Entweder großes Drama oder neues Spiel – mit alten Vorzeichen. Und es gehören immer zwei dazu, auch das ist richtig. Aber manchmal, wenn auch nur manchmal, können ja auch beide dazu bereit sein. Das nennt sich dann wohl Glück…

    • Lieber Michael,
      ja, da gebe ich dir uneingeschränkt recht. Ein seltenes Glück – nicht unmöglich, aber eben nicht gerade das Übliche.

  4. Ich muss dabei immer wieder an folgendes Gedicht denken:

    Weil nicht sein kann

    Glücklich Liebende liegen einander
    auf verschwiegenen Zungen, sind sich
    lebenslange Erzählung
    keines Lauschers bedürftig

    Glücklich Liebende bauen kein Haus
    in Romanen Opern Gedichten
    Glücklich Liebende fliegen im Wind
    der haftet nicht an Papier.

    Glücklich Liebende tauchen
    zweisam auf ruhigem Kissen
    tief in ihre Kinderzeiten hinab
    pflücken sich Satz für Satz von den Lippen

    all diese hungrig vertanen Jahre
    – Umwege Irrwege falsche Spuren –
    vor diesem ersten Augenblick
    da sie einander füreinander erschufen.

    Glücklich Liebende scheuen wie Katzen
    das Wasser das Licht
    Amtlich beglaubigt statistisch erwiesen:
    Glücklich Liebende gibt es nicht.

    Ulla Hahn
    (aus „So offen die Welt“)

  5. Das nenne ich eine überraschende Wendung des Textes, der zuerst in eine ganz andere Richtung führt.

    Aber was die Statistik betrifft – nicht gerade die sicherste Beweisführung. Niemand weiß, ob er zu den 99% wahrscheinlichen oder zu den 1% unwahrscheinlichen Fällen gehört. 😉

    • Die Gedichte von Ulla Hahn sind meistens für eine Überraschung gut, und sie hat zu diesem Thema noch mehr auf Lager:

      Lotterie der Wünsche

      Alle nehmen teil. Ziehung
      ist jeden Tag. Du wachst
      morgens auf: das hattest
      du dir doch sicher gewünscht.
      Schon gewonnen!

      Du bewegst die Zehen: gelenkig
      bis rauf zum Hals zum Kopf: alles
      was drin war noch da
      und die Wörter dafür passen ziemlich genau.

      Alles gewonnen – in einem Nu! Du
      öffnest die Augen: diese Erregung der Netzhaut
      über die Sehnerven hin zum Sehzentrum des Großhirns!
      Im Zusammenspiel der brechenden Flächen
      von Hornhaut und Linse:
      dieses niedagewesene Bild deiner weißen Kommode
      umgekehrt auf deiner Netzhaut
      und das Bild vom Bild von der See und vom
      Vorhang (müsste mal wieder gewaschen werden)
      Du blinzelst zum Fenster, deiner Sehstäbchen
      Sehzapfen deines Sehpurpurs völlig gewiß:
      Sonne Schnee Regen, ist doch egal: Du hast
      deine klare Sicht: Hauptgewinn Volltreffer
      in jedem Augenblick (auch mit Brille)

      Manche haben sogar
      das Große Los gezogen: es liegt
      neben dir und – ja, es atmet, ist
      warm und sieht aus
      noch genauso wie gestern. Wenn du
      dir das nicht gewünscht hast!
      Und dann erst was losgeht
      wenn du es einlöst,
      das Große Los, und
      es dir die Sprach verschlägt …

      _________________________________________

      Die Liebe ist kein Engelchen mit Flügeln,
      kein dicker Säugling der mit Pfeilchen schießt;
      die Liebe ist ein Engel von vielen,
      die Gottes Rache aus dem Himmel stieß
      als sie wie er sein wollte: schön und
      grausam blind und allmächtig, nicht
      von dieser Welt zeigt sie seither
      in immer neuen Bildern das Gesicht
      des Würgeengels der nach seiner Peitsche
      die Herzen tanzen lässt bis er zuletzt
      die Taumelnden Gefallenen zu fällen
      den Fuß auf ihre armen Kehlen setzt,
      und dort verharrt, sich auf dem Absatz
      wendet sorgfältig, ohne Eile, hin und her.
      Mitunter soll es glücken zu entkommen
      der Freispruch heißt: ICH LIEBE DICH NICHT MEHR!!!

  6. Also das sind jetzt aber schon sehr sarkastische Gedichte. Das sagt aber über die Dichterin auch einiges aus.
    Das erste fand ich witzig, diese zwei sind mir zu – ich weiß nicht – da ist mir die Wortklinge zu wenig fein und der Inhalt geht zu sehr ins Zynische.
    Dürfte auch nicht zu den Allerglücklichsten gehören, die Ulla Hahn.

  7. Ich weiß nicht, ob und wie viel die Gedichte über die Dichterin aussagen und ob sie glücklich ist oder nicht. Halte sie aber für eine wichtige Lyrikerin und lasse Dir deshalb noch ein – wie ich finde – wunderschönes Sonett von ihr hier:

    IRRTUM

    Und mit der Liebe sprach er ists
    wie mit dem Schnee: fällt weich
    mitunter und auf alle
    aber bleibt nicht liegen.

    Und sie darauf die Liebe ist
    ein Feuer das wärmt im Herd
    verzehrt wenn’s dich ergreift
    muß´ ausgetreten werden.

    So sprachen sie und so griff
    er nach ihr sie schlug nicht aus
    und blieb auch bei ihm liegen.

    Er schmolz sie ward verzehrt
    sie glaubten bis zuletzt an keine Liebe
    die bis zum Tode währt.

  8. Ja, das gefällt mir wieder gut. Es ist zwar auch diese Ironie drinnen, aber diesmal ja umgekehrt. Sie glaubten nicht und doch war es so.
    Ich glaube, ich brauche immer ein bisschen ein Happy End. 😉

    LG
    Eva

    • Das ist für mich das Schöne an diesem Gedicht – es lässt reichlich Interpretationsraum…

    • Ja, jetzt weil du es sagst, fällt mir das auch auf. Vorher hab ich es eigentlich nur positiv gesehen. Und so spiegelt sich die Einstellung wieder einmal darin, wie wir etwas auffassen. Das Gute sticht mir schnell ins Auge, wenn es im Bereich des Möglichen liegt, das Negative nur, wenn es offensichtlich ist.

      LG
      Eva

  9. Liebe ist eine innere Haltung. Ist die seelische, psychische, die mentale Liquidität unserer Selbst.

    http://quickie.wordpress.com/

  10. Wenn man vom menschlichen Idealzustand ausgeht, kann ich dir zustimmen. Unser Selbst ist aber meist reichlich verschüttet und das liegt nicht alleine am Einzelnen, denn dieser wird ja geformt und geprägt von seinem Umfeld, in das er hinein geboren wird.

    Liebe wird wohl immer mehr zur Haltung, je verbundener wir mit unserem Selbst sind. Und das sind die meisten leider in unserer Kultur nicht.

    LG
    Eva


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