Verfasst von: Eva | 03/09/2009

Die liebe Heizung

heizIm wahrsten Sinne des Wortes unser Dauerbrenner. Ob sie nun bei Inbetriebnahme zischt oder brummt, nachts wie ein Hirsch röhrt, durch Klopfgeräusche, die an Hammerschläge auf Metall erinnern oder ob sie sich schlicht und einfach einer Raumtemperatur über 20 Grad verweigert – wir haben alles schon erlebt.

Verdächtigungen, dass vielleicht ein Psychopath ober oder unter einem wohnen könnte, der nachts mit dem Hammer auf die Heizungsrohre drischt, haben sich als gegenstandslos erwiesen. Also haben wir uns damit an die Hausverwaltung gewendet. Nach mehrmaligem Ignorieren von E-Mails, versprochenen, aber nicht erfolgten telefonischen Rückrufen, haben wir es letztlich doch irgendwann geschafft, unser Anliegen vorzutragen.

Die Erstreaktion war – wir würden uns das einbilden. Nachdem die Einbildung aber mehrere Personen betraf und wundersamerweise bei allen die gleiche war, kam es zur Zweitreaktion: wir wurden verdächtigt, die Heizung falsch zu bedienen. Da sich an jedem Heizkörper nur ein einziges Rad, das man nach links (weniger warm) oder rechts (wärmer) drehen kann, fühlten wir uns etwas irritiert. Welche unentdecken Geheimnisse mochten wir da übersehen haben?

Tja – trotz intensiver Betrachtung der Heizkörper und der Suche nach geheimen Rädchen oder Knöpfen und tagelangem Grübeln entdeckten wir nichts. Aus einem sehr einfachen Grund – es gab nichts zu entdecken.

Auf hilflose Neuanfrage bekamen wir des Rätsels Lösung: Wir sollten einfach „nicht so viel an den Knöpfen herum drehen“. Damit sich eine beständige Raumtempertur einstellen kann, seien die Heizkörper mit Thermostaten ausgestattet. Einmal auf die richtige Raumtemperatur gestellt, bräuchten wir danach nichts mehr zu verändern. Wenn jeder allerdings wie wild mal nach links oder rechts drehen würde, sei es kein Wunder, dass die sensible Heizungstechnik verrückt spielen würde.

Also veränderten wir nichts mehr. Die einzige Schwierigkeit war, dass die richtige Raumtemperatur nicht zu finden war. Mal war es bitterkalt, mal wie in den Tropen. Weder das Zischen noch das Klopfen hörte auf. Manche Positivdenker in der Anlage meinten, das Zischen sei schon etwas leiser geworden. Ich selbst konnte nichts dergleichen feststellen.

Eine Bewohnerin ist nachts einmal ausgerastet. Sie schrieb nach Mitternacht ein böses E-Mail an die Hausverwaltung, um sie an ihrem Leiden teilhaben zu lassen. „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie die halbe Nacht Schschschschschsch… und wieder Schschschschschsch… und dann nocheinmal Schschschschschsch hören? Ich dreh noch durch!“.

Das und noch etliche weitere hartnäckige Interventionen klopften die Hausverwaltung endlich weich. Die Installateursfirma wurde informiert. Nach zahlreichen Besuchen von Handwerkern in diversen Wohnungen (jedes Mal kamen andere, die nicht wussten, was derjenige, der vor ihnen da war, gemacht hatte), kam endlich die erlösende Erkenntnis: Zu- und Ableitung waren vertauscht montiert worden. Auf allen Seiten war die Erleichterung groß, das Ganze wurde in Ordnung gebracht. Damit waren wir das nächtliche Röhren los, auch die Hammerschläge – das Zischen jedoch nicht.

Es meldeten sich auch Bewohner, die mit maximal 20 Grad durch den Winter kommen mussten. Mit Babys und Kleinkindern nicht unbedingt die ideale Raumtemperatur, wenn man bedenkt, dass es in der Nähe der großen Glasflächen, durch die sich unsere Anlage auszeichnet, noch um einiges kälter war. Der ungebrochene Antrieb, uns weiter zu beschweren, zeigte tatsächlich nach einiger Zeit Wirkung. Ein Großaufgebot der leitenden Köpfe von Hausverwaltung und Installationsfirma besichtigte einige Wohnungen, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Allerdings kam rasch der Verdacht auf, dass uns damit bewiesen werden sollte, dass ohnehin alles in Ordnung sei. Denn anders kann man es kaum verstehen, wenn nach dem Öffnen der Wohnungstür, um die Truppe einzulassen auf der Stelle – noch halb im Flur – ein triumphierendes „Ich höre nichts!“ von der Vertreterin der Hausverwaltung kam.

Nach geduldiger Erklärung, dass das Zischen nicht die Lautstärke eines Wasserfalls habe, sogar tagsüber halbwegs erträglich sei, wenn es durch andere Geräusche überdeckt würde, jedoch vor allem nachts sehr störend sei, wurde das halbherzig zur Kenntnis genommen. Das Fatale an dem Zischen und Rauschen war zudem, dass es nicht ununterbrochen da war. Manchmal kaum hörbar, dann wieder unvermittelt sehr laut. Da wir nicht wussten, wie wir es aktiv hervorrufen konnten, wenn andere es hören wollten, kam ich auf die Idee, davon Videos zu drehen (selbstverständlich mit Ton).

Ich führte sie der Kontroll-Truppe verheißungsvoll vor. Was den Effekt hatte, dass penibel Datum und Uhrzeit der Dateien, die ich auf meinem Computer gespeichert hatte, notiert wurden, um das Ganze dem Fernwärmelieferanten in die Schuhe zu schieben. Die würden wohl mal zu viel Fernwärme schicken, dann wieder zu wenig – und daher kämen die oft starken Strömgeräusche.

Bis sich diese Illusion wieder auflöste, dauerte es eine Weile. Es wurde nämlich entdeckt, dass sich in der Heizungsanlage kein Ausgleichsregler befand. Endlich war das Heizungsdrama, das immerhin drei Jahre gedauert hatte, beendet! Wir überlegten schon, eine Magnum-Flasche Champagner zu köpfen, um darauf anzustoßen, dass wir uns nicht unterkriegen hatten lassen und es letztlich zum Erfolg geführt hatte.

Bis sich im Hintergrund ein sanftes Rauschen bemerkbar machte….

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