Verfasst von: Eva | 24/09/2009

Konstantin Wecker

Ich bin von Konstantin Weckers Musik, Texten und seiner Persönlichkeit hingerissen. Viele seiner Konzerte, die ich besuchte, waren echte Sternstunden und man hatte immer das Gefühl, sich selber näher zu kommen. Er ist für mich ein außerwöhnlicher Mensch, der große Leidenschaft, Feingefühl, Bodenständigkeit, Fantasie, Intelligenz und hohe künsterische Begabung in sich vereint. Die Bandbreite seines Lebens liegt nicht irgendwo in der Mitte, sondern sie reicht von ganz unten bis ganz oben.

Liedtexte:

Inwendig warm

Renn ned scho wieder vorbei,
drah di um!
Das Leben is zwar hart,
aber manchmal kriagn mas scho rum.
Die Welt mauerns zua,
und scho wachsen die Wänd zwischen uns.
Kriag ned a no a stoanas Herz,
und erfüll uns an Wunsch!

Laß di foin in irgendan Arm,
und mach d´Arm auf, wenn irgendwer foid.
So halt ma uns inwendig warm,
denn da draußn, da is oft so koid.

Die Engel tragn Schwarz,
und der Herrgott resigniert,
boid is uns as Türl zum Himmel
verbarrikadiert.
Die Bleamen, die Viecherl,
die rucka scho ganz eng zamm,
nur mir wolln a jeder für sich
sei Seligkeit haben.

Laß di foin in irgendan Arm,
und mach d´Arm auf, wenn irgendwer foid.
So halt ma uns inwendig warm,
denn da draußn, da is oft so koid.

EV: Inwendig warm (1984)

Kind warst du nie

Ein hartes Wort, ein scharfer Ton,
ein strenger Blick
verschließt Dein Herz, Du rennst davon
in Dich zurück.

Dann bist Du unversöhnlich, nur
mit Dir allein.
Wie kommt man denen auf die Spur,
die schweigend schrein.

Erst als Du ihn im Traum verfluchtest,
wurde mir klar,
daß Dir der Vater, den Du suchtest,
nichts als der erste war.

Du warst sein Spielzeug, sein Vergnügen –
Kind warst Du nicht.
Er mag vielleicht die ganze Welt belügen –
sich selber nicht.

Du müßtest ewig weiterschweigen,
wenn Du entfliehst,
jetzt soll er sich der Welt so zeigen,
wie Du ihn siehst.

Du bist verstummt, er hat´s befohlen,
Dein Herz läuft leer.
Wenn Du Dich nackt siehst, ganz verstohlen,
schämst Du Dich sehr.

Es fällt Dir schwer, Dich endlich wieder
schön zu sehen.
Wer fliegen will, muß sein Gefieder
mit Schmerz erstehen.

Ich muß noch lernen zu verstehen:
Ich bin nicht gemeint,
wenn es in Dir wie aus Versehen
und plötzlich weint.

Du warst nur Spielzeug, nur Vergnügen,
Kind warst Du nicht.
Man kann zur Not die ganze Welt belügen,
sich selber nicht.

Du müßtest ewig weiterschweigen,
wenn Du jetzt fliehst,
kannst Dich der ganzen Welt doch zeigen,
wie Du Dich siehst.

EV: Wenn du fort bist (1994)

Vom Sinn

Der Sinn vom Sinn …

Er ist amorph, er ist nicht leicht zu fassen.
Er ziert sich und verkleidet sich auch gern.
Am besten wär´ es sicher, ihn zu lassen
vielleicht im „Faust“ versteckt, als Pudels Kern,

in Philosophenseminaren, auf Kongressen
und fest versiegelt im gehobenen Gedicht.
Jedoch weil jeder so auf ihn versessen,
wird er gefunden, ob´s ihn gibt oder auch nicht.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Denn der Sinn liegt immer irgendwo drin.
Ja, wo ist er denn, wo bleibt er denn,
wo hat er sich versteckt?
Hat von Ihnen vielleicht jemand
den Sinn entdeckt?

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen.
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern – der Sinn.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Denn der Sinn liegt immer irgendwo drin.
Ja, wo ist er denn, wo bleibt er denn,
wo hat er sich versteckt?
Hat von Ihnen vielleicht jemand
den Sinn entdeckt?

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen.
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern – der Sinn.

Schön wär´s, Sätze zu schreiben, die bleiben,
obwohl sie nichts wollen und sollen.
Aber etwas drängt mich, engt mich ein und zwängt mich.
Existenzielle Schwere beschränkt mich.
Und dann hilft kein Fluchen, denn dann muss ich suchen,
muss in Sätzen wühlen, stecke knietief in Gefühlen,
leg mich auf die Lauer, werd´ kein bisschen schlauer,
und schon ist er hin – der Sinn.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn …

Ohne Hintergrund kreieren, mit Metaphern jonglieren,
mit servilen Barbieren über nichts bramarbasieren,
mit billigen Schmieren auf Bühnen brillieren,
trivialisieren, semantisch masturbieren,
ohne Rücksicht auf Gewinn und vor allem ohne Sinn …
Und auf einmal wird mir angst und bange:
Vielleicht tu´ ich das ja alles schon lange!

Darum suchen wir jetzt alle nach dem Sinn …

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen!
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern,
sich verstecken, Zähne blecken,
schlichte Herzen derb erschrecken,
in Kritiken schwadronieren, resümieren, reüssieren,
als Erleuchtung sich gerieren …
Helft mir doch – da geht er hin:
der Sinn.

EV: Am Flussufer (2005)

Im Namen des Wahnsinns

Im Namen des Wahnsinns:
Sie sind verhaftet,
Sie haben zu laut und zu weit gedacht!

Im Namen des Wahnsinns:
Sie bleiben umnachtet,
Sie brauchen nicht denken, Sie sind überdacht!

Im Namen des Wahnsinns:
Sie sind überführt,
Sie haben sich ab und zu selber gespürt!

Im Namen des Wahnsinns:
Sie haben gelacht, und
das hat ihnen auch noch Spaß gemacht!

Im Namen des Wahnsinns
wird jeder vernichtet,
der sich von innen etwas belichtet.

Ja, ja der Wahnsinn schleicht durch die Nacht,
denn uns hat der Wahn um den Sinn gebracht,
er hat einen Mantel aus Kälte an,
weil man Frierende besser regieren kann.

Ja, ja der Wahnsinn schleicht durch die Nacht,
und nennt sich Recht und nennt sich Macht,
verjagt die Sonne, löscht die Zeit
und stiehlt uns aus der Wirklichkeit.

Im Namen des Wahnsinns (1983)

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