Verfasst von: Eva | 14/10/2009

Beratungsmethoden

Wer sich mit menschlichem Verhalten lange und ausgiebig genug beschäftigt, liest naturgemäß viel darüber und lernt etliche Ansichten dazu kennen. Irgendwann kommt er an den Punkt, an dem für ihn die 500. Theorie über die Probleme von Menschen nur mehr eine von vielen ist und alle in einer unendlich langen Reihe nebeneinander stehen.

So ist das natürlich nicht bei jemand, der sich für eine Richtung entscheidet.

Jeder Mensch, der sich professionell darauf einlässt, mit Methoden zu arbeiten, wählt die Methode, die Richtung, die ihm selber am besten entspricht. Anders kann es gar nicht sein. Er muss eine Wahl treffen. Und diese Wahl kommt seinem eigenen Empfinden vom Leben – und damit seiner Geschichte – am nähesten. In jeder Verschreibung an eine Richtung steckt auch die Geschichte des Menschen, der sie wählt.

Ich konnte mich nie einer Richtung voll verschreiben. Ich habe zwar mit manchen sehr sympathisiert und mit manchen weniger bis gar nicht, aber es hat sich niemals eine Methode oder Richtung heraus kristallisiert, der ich mich verpflichten wollte. Ich gehe in vielem konform mit einigen Ansätzen, aber keiner erscheint mir vollständig.

Ich glaube nämlich nicht daran, dass sich das Leben in ein Schema zwängen lässt. Vielmehr sehe ich die verschiedenen Ansätze, das menschliche Leben zu erklären, als Betrachtungweisen von verschiedenen Blickwinkeln. So viele Spielarten von Leben es gibt, so viele Blickwinkel gibt es auch. Es ist spannend, was verschiedene Menschen denken. Man kann davon viel lernen.

Aber insgesamt gibt es sie nicht – DIE Methode. Einfach weil das Leben zu komplex ist. Jede Methode, die funktioniert, funktioniert vielleicht bei vielen, aber niemals bei allen. Am besten passt sie immer zu demjenigen, der sie entwickelt hat. Sie sind immer auch ein Spiegel der Befindlichkeit oder Erfahrungen ihres Erfinders. Daher können sie auch niemals zu 100% auf jemand anderen passen. Er müsste damit praktisch identisch mit diesem Erfinder sein. Und darum geht es auch in vielen Beratungen – sei es psychotherapeutische, esoterische, astrologische oder sonst eine der vielen Methoden, die sich etabliert haben. Der Hilfesuchende identifiziert sich bis zu einem hohen Grad mit demjenigen, der die Hilfe anbietet.

Wir suchen alle nach Ähnlichkeiten oder Ausgleich. Also nach dem, was wir von uns selbst kennen und das daher Übereinstimmung hervor ruft oder nach dem, was uns fehlt und das wir daher besonders schätzen.

Das betrifft auch die Wahl von Beratern. In letzter Zeit gehen die Ergebnisse von Forschungen immer mehr dahin, dass weniger die Therapiemethode für den Erfolg ausschlaggebend ist, sondern die Wahl des Therapeuten.

Allerdings liegt darin auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr – oft reicht es dafür aus, sich besser zu fühlen, an den Kern seiner Problematik kommt man damit aber nie.

Ich denke, dass vor allem „esoterische Behandlungen“ sehr stark nach diesem Muster funktionieren. Das liebevolle Setting, die Eröffnung einer Weltsicht, die eigene Probleme in einen anderen Rahmen stellt und ihnen damit einen gewissen Sinn abringt, kann dafür ausreichen, dass das subjektive Wohlbefinden steigt. Ohne dass an den Problemen auch nur das Geringste verändert wird.

Diese lösen sich dadurch natürlich nicht auf, werden aber durch Umdeutung umgangen. Dass bloßes Umdenken genügt, um Probleme zu lösen, glaube ich aber nicht.

Es ist zwar möglich, besser mit unlösbaren Problemen zu leben, wenn man erkennt, dass man sie hinnehmen muss – damit fällt der innere Widerstand weg – aber das gilt wirklich nur für unlösbare. Der verbreiteten Meinung, dass jedes Problem gelöst werden kann, kann ich nicht zustimmen. Manches lässt sich nicht lösen oder auflösen. Ein Verlust zum Beispiel, sei es der eines Menschen oder auch von eigenen Fähigkeiten (etwa durch Krankheit). In diesem Fall kann es nur das Ziel sein, damit umgehen und leben zu lernen. Das Problem bzw. seine Ursache aber kann nicht behoben werden.

Anders ist es bei lösbaren Problemen. Wer darauf mit Hinnehmen, Umdenken und Kompensation reagiert, nur um besser damit leben zu können, versagt sich damit die Chance auf eine weit bessere Lebensqualität. Oft geschehen Fixierungen auf eine einzige Methode und sie wird als Allheilmittel angesehen. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Ihre Begrenztheit wird dabei nicht gesehen. Es ist vollkommen unmöglich, aus einem Blickwinkel heraus alles zu erkennen. Und doch neigen viele zu dieser Überzeugung. Was einmal geholfen hat, muss immer wieder – und auch anderen – helfen. Ein Trugschluss, der aus dem Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit und Überschaubarkeit resultiert.

So wie wir für unseren Körper sorgen, indem wir bei Zahnweh zum Zahnarzt und bei Herzbeschwerden zum Kardiologen gehen, so vielfältig ist meiner Meinung nach auch unsere Psyche. Für bestimmte Probleme und Entwicklungszeiten passt eben vielleicht gerade eine Methode. Aber wer sich nur ihr verschreibt, läuft Gefahr, damit stecken zu bleiben. Er verlässt nie seine Position und und seine Sichtweise bleibt daher immer vom selben Blickwinkel abhängig. Er kann noch so viel Wissen anhäufen und immer besser und spezialisierter darin werden – aber er hat immer dieselbe Brille auf.

Der Blick durch manche Brillen scheint so faszinierend zu sein, dass es schwer ist, sie wieder abzulegen. Wer jedoch die Vielfalt des Lebens sucht, darf sich keine Brille aufsetzen. Nur so wird der Blick frei.

Himmel

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Responses

  1. Liebe Eva.

    Und noch einmal schätze ich einen Artikel von dir.

    Liebe Grüsse
    Anna

  2. Auch dafür danke!

    LG
    Eva


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