Verfasst von: Eva | 13/11/2009

Sekten und Psychogruppen

Ein Artikel, den ich für sehr wichtig halte:

Psychische Abhängigkeit / „Passung“ (Zentrum Bayern Familie und Soziales – Link)

Viele Menschen glauben, nur besonders labile oder unreife Personen seien für „Sekten“ anfällig. Dass auch völlig unauffällige Menschen in ihren Bann geraten, kann mit unterschiedlichen persönlichen Gründen zu tun haben. Diese beruhen auf mehr oder weniger unbewussten Bedürfnissen, Problemen oder Einstellungen, deren Entstehung bis in die Kindheit zurückreichen kann.

Die äußerlich kaum erkennbaren, für „Sekten“ anfällig machenden Motive beim Einzelnen sind dabei vor allem die Suche nach Einbindung und Zugehörigkeit, die Suche nach Halt und Klarheit, Wünsche nach persönlicher Aufwertung, Selbsterweiterung oder Einzigartigkeit sowie die Suche nach Neuem. In akuten Krisensituationen können diese persönlichen Gründe verstärkt zur Geltung kommen oder überhaupt erstmals in Erscheinung treten.

Wissenschaftliche Untersuchungen in den letzten Jahren haben ergeben, dass es sich im Falle eines Beitritts oder einer Mitgliedschaft bei einer so genannten „Sekte oder Psychogruppe“ in der Regel um eine „Passung“ handelt. Das heißt, die genannten Bedürfnisse, Probleme und Ängste dieser Menschen „passen“ (vielleicht auch nur vermeintlich) mit dem Angebot einer bestimmten Gemeinschaft zusammen. Sie glauben, dass sie dort ihren Meister oder Lehrer gefunden haben, oder dass sie dort eine Art wirkliche Familie erleben, oder dass dort alle ihre Fragen und Hoffnungen beantwortet und erfüllt werden.

In vielen Fällen kommt es dabei sogar zu einem für die Beteiligten befriedigenden Zusammenspiel, ob das nun von Außenstehenden als vernünftig angesehen wird oder nicht. Eine „Passung“ kommt darin zum Ausdruck, „dass ein enger Zusammenhang zwischen der Lebensorientierung bzw. der Persönlichkeit von Individuen sowie dem Angebots- und Anforderungsprofil von Gemeinschaften besteht, denen sie sich zuwenden.

Ebenso steht fest, dass innerpsychische bzw. soziale Labilität einen wichtigen Faktor bei allen biografischen Umorientierungen bildet. Von daher erscheinen die Interaktionen zwischen Individuum und Gemeinschaft als Teile eines Such- und Anpassungsverhaltens, das durch psychische Manipulation der Gruppe weder erzeugt noch ersetzt, wohl aber gelenkt werden kann.

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