Verfasst von: Eva | 01/02/2010

Regelwerk Seele?

Trotz meines großen Interesses an psychologischen Erkenntnissen und der unbestrittenen Wahrheit, dass die menschliche Seele bestimmten Naturgesetzen unterworfen ist, war ich nie bereit, zu glauben, dass ein Mensch nur das Produkt dieser Gesetze ist.

Es ist wichtig, diese Gesetze zu kennen, um vieles zu verstehen – insbesondere die Ursachen mancher Dinge, die ansonsten unerklärlich bleiben oder mit allerlei Missinterpretationen versehen werden. Dennoch ist ein Mensch weit mehr als die Summe von gesetzmäßigen Abläufen.

Vieles lässt sich nicht durch irgendwelche Gesetze erfassen oder passt auch gar nicht lückenlos dazu. Menschen sind unterschiedlich. Wir wissen nicht, warum manche Kinder sich aus elenden Zuständen zu aufrechten, integren Menschen entwickeln, während das Gros dazu nicht in der Lage ist. Wir wissen höchstens, was etwas begünstigen kann und gehen damit von Wahrscheinlichkeiten aus. Wahrscheinlichkeiten sind empirisch erhoben – durch Zählung und Messung.

Nun frage ich mich, wie man in sehr vielen Bereichen diese auf Wahrscheinlichkeiten beruhenden Ergebnisse ALLEN überstülpen kann. Wahrscheinlichkeiten bedeuten nicht, dass etwa 90% der Menschen gleich auf dasselbe reagieren, sondern etwas gänzlich anderes. (Statistisch) signifikante Ergebnisse beziehen sich auf eine Zahl, die knapp über der Zufallshäufigkeit beginnt. Es ist ein wackeliges Fundament, auf das sich etliche Theorien stützen. Dennoch haben sie ihre Berechtigung, weil wir derzeit keine besseren Möglichkeiten haben, etwas darauf zu prüfen, ob es wirksam ist oder nicht.

Doch es gibt auch eine Menge von Theorien, die überhaupt niemals auf Wirksamkeit überprüft wurden. Nicht einmal darauf, ob sie über der Zufallshäufigkeit liegen. Und oft werden gerade diese Theorien als „das Wahre“ schlechthin angepriesen. Meist genügt ein charismatischer Erfinder/Entdecker dieser Theorie, der aufgrund seiner Überzeugungskraft eine Vielzahl von „Jüngern“ um sich schart, die ihm ergeben seine Sichtweise abkaufen und fanatisch weiter verbreiten. Niemand fragt später mehr nach seriösen Grundlagen.

Typischerweise werden viele Erkenntnisse, die längst erforscht und belegt sind, dabei ausgeblendet. Wir wissen alle, dass ein Kind, das ständig von seinen Autoritätspersonen hört, es sei ungeschickt, sich auch tatsächlich als ungeschickt empfindet, OBWOHL DEM GAR NICHT SO SEIN MUSS. Hört jemand aber, er brauche nur eine bestimmte Methode anzuwenden und alles würde gut, meint er ebenfalls, es sei damit gut, AUCH WENN DEM GAR NICHT SO SEIN MUSS.

Er wurde früh manipuliert – und er wird jetzt wieder manipuliert. Dass einmal der Inhalt negativ war und das andere Mal positiv, macht zwar sehr wohl einen Unterschied im Empfinden aus, ändert aber nichts an der Tatsache der Manipulation. Beides basiert auf Einflussnahme. Ich drücke Knopf A und er ruft B hervor und wenn ich Knopf C drücke, ruft er D hervor. Davon leben sehr viele Ratgeber-Bücher!

Natürlich könnte man sagen, es ist besser, durch Beeinflussung ein positives Selbstbild zu haben als ein negatives. Beide Varianten funktionieren und jeder, der die Wahl hätte, würde das positive wählen.  Aber woher speist sich das Selbstbild in beiden Fällen? Aus Fremdeinflüssen.

Ich erachte das als keinen wahren Fortschritt. Wurde man früher entwertet und sucht sich später nur mehr Menschen, die voller Bestätigung sind, hängt das eigene Selbstbild immer noch an anderen. Die Abhängigkeit ist geblieben. Selbst Techniken wie „Stell dich vor den Spiegel und sage dir täglich 3x, dass du dich liebst“ halte ich für keine echte innere Veränderung. Man spannt sich damit nur selbst ein, um sich zu manipulieren.

Zu Hauf begeistern sich Menschen für jene, die sie zum Glücklichsein manipulieren. Natürlich ist das ein Ding der Unmöglichkeit, da echtes Glück sich weder manipulativ noch sonstwie hervor rufen lässt. Betrachten wir uns jedoch NUR als ein Sammelsurium aus „Gesetzen“, die wir befolgen müssen, um glücklich zu leben, lassen wir uns durch normierte Wege abspeisen. Auch wenn sie mit unserer persönlichen Individualität nicht viel zu tun haben.

Wer auf dieser seichten Welle das Glück sucht, ist gut beraten damit, sich den Manipulationen auszusetzen, die dazu beitragen, sich beständig sorglos und gut zu fühlen. Wer sich aber dem Leben mit allen Facetten stellen möchte und auch vor den extremen Fehlentwicklungen, die es ebenso gibt, nicht die Augen verschließen will, sollte tiefer in die Wahrheit eintauchen.

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