Verfasst von: Eva | 08/02/2010

Lösungsorientiertheit

Dies ist ein Begriff, der für alle möglichen Beratungsangebote als „Qualitätsmerkmal“ wie selbstverständlich angepriesen wird. Wohin man blickt – ein „lösungsorientierter Ansatz“ scheint das Non-Plus-Ultra zu sein.

Was ist darunter konkret zu verstehen? Dieser Begriff ist zu einem Schlagwort mutiert, das etwas ganz Bestimmtes beinhaltet. Worüber sich viele keine weiteren Gedanken machen. Lösungsorientiertheit besonders hervor gehoben, erzeugt die Assoziation: Es gibt für alles eine Lösung und wir haben die passende Technik dazu. Doch jeder sucht nach Lösungen, wenn er ein Problem hat. Auf seine Art. Es gibt keinen „nicht lösungsorientierten Ansatz“, es gibt höchstens gar keinen Ansatz.

Es existieren viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie man an Probleme heran gehen kann. Durch die Methoden, die als lösungsorientiert beworben werden, fühlt sich nicht jeder Mensch angezogen. Auch wenn es selbstverständlich Muster gibt, die Gesetzmäßigkeiten aufzeigen und an denen man sich allgemein orientieren kann, ist und bleibt doch jeder Mensch ein individuelles Wesen. Bei festgelegten Techniken geht es in gewissem Sinn immer um das Gießkannen-Prinzip. Techniken müssen davon ausgehen, weil sie grundlegend nach einem Schema erlernt und allgemein angewendet werden. Nicht alle reagieren aber auf dasselbe gleich. Das ist eine Tatsache, die wohl niemand ernsthaft in Frage stellen kann.

Der Individualität eines Menschen wird bei weitem nicht alles gerecht. Jeder Einzelne hat seine (meist lange und komplexe) Vorgeschichte und handelt nach seinen Möglichkeiten unter Einsatz seiner Fähigkeiten in den allermeisten Fällen ohnehin „lösungsorientiert“. Zwar mit mehr oder weniger Erfolg, aber das liegt ganz sicher nicht nur an der Unkenntnis der richtigen Technik.  Instruktionen, Technik- und Methodenorientierheit können für manche genau das sein, worauf sie positiv reagieren – während andere davon nicht profitieren.

Sie müssen angelaufene seelische Prozesse geradezu abwürgen, um sich in die Programme des Beraters einzufügen. Das Individuelle steht hier hinter der Technik zurück. An einem Leitbild ausgerichtete Beratung kann zwar durchaus mitfühlend, wertschätzend und zugewandt sein, aber im Zentrum steht niemals nur die Person, sondern sie steht im Kontext des entsprechenden Leitbildes. Alleine schon aus dem Grund, dass Alternativen nicht verfügbar – und einkalkuliert – sind.

Es ist daher ein ganz großer Unterschied, ob jemand einfühlsam andere entsprechend seiner Leitlinien lenken oder einfach nur mitfühlend begleiten möchte. Lenken ist per se nichts Schlechtes und manche verlangen geradezu danach. Es geht aber von der (von manchen gewünschten) Voraussetzung aus: Orientiere dich an meiner Theorie.

Wer Menschen jedoch einfühlsam auf ihrem ganz individuellen Weg begleiten möchte, hat eine andere Funktion. Er verschafft ihnen keine direkten Lösungen, sondern er ermutigt sie dazu, menschliches Vertrauen aufzubauen. Aus dem heraus sie – oft zum ersten Mal – dieses erfahren können. Daraus resultiert die Kraft,  ihren eigenen Weg auf ihre eigene Art gehen zu können.

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