Verfasst von: Eva | 01/03/2010

Eigenständig – oder lieber doch nicht?

Was ich einfach nicht nachvollziehen kann und was mir aufgrund meiner eigenen Persönlichkeit vollkommen fremd ist, ist die Tatsache, dass so viele Menschen ihren Weg durch Anleitungen anderer suchen. Da wird bewundert, was das Zeug hält – Eigenschaften wie Authentizität, Klarheit, liebevolle Haltung, durchschlagende Argumente usw. – werden geradezu verehrt. Damit drückt sich aber wohl eher ein eigener innerer Mangel daran aus.

Es ist zwar schön, wenn man andere Menschen bewundert, aber was sagt das im Grunde aus? Man findet ihre Eigenschaften gut. Möchte ich deswegen dieselben haben? Wie käme ich nur auf diese Idee? Ich bin ich und der andere ist er selbst. Weder möchte ich Klon von jemand anderem sein noch mein Leben an seinem Weg orientieren. Ich kann bewundern und mich an den Lebensgeschichten anderer freuen, doch drängt es mich nicht dazu, so zu sein wie diese.

Es gibt ein Sprichwort, das gut dazu passt: „Wer nur in den Fußstapfen anderer geht, hinterlässt keine eigenen Spuren.“

Ist das für viele so erstrebenswert? Brauchen sie den Glanz ihrer Vorbilder und Idole, um sich selbst als wertvoll zu empfinden? Ist es nicht traurig, wie sehr sich Menschen an Autoritäten klammern, um selbst ein wenig von dieser abzubekommen? Klar müssen wir alle lernen und an guten Vorbildern lernen wir auch viel. Aber niemals finden wir dadurch unseren eigenen Weg. Denn gerade diese Vorbilder sind Menschen, die wirklich ihren eigenen, individuellen Weg gegangen sind. Wir können ihnen nicht nacheifern, indem wir Plagiate von ihnen werden, weil sie selber nie Plagiate waren.

Solche Menschen sollten uns Mut dazu machen, unseren eigenen Weg zu finden – das wäre wirklich eine gute Vorbildwirkung. Wenn wir uns aber nur an ihre Ansichten und Weisheiten hängen, sind wir weit davon entfernt, es ihnen gleich zu tun. Ein völlig paradoxes Verhalten, das vielen nicht einmal auffällt.

Keine zwei Menschen haben genau dassselbe Potenzial und denselben Weg durchs Leben. Aber der Drang vieler geht dahin, von anderen zu erfahren, wie das eigene Leben „bestmöglich“ verlaufen sollte. Dass sie aber genau durch diese Forderung sich von diesen „Autoritäten“ und Vorbildern extrem entfernen, scheint ihnen nicht klar zu sein. Obwohl es doch auf der Hand liegt. Nachahmung ist vielleicht im Sinne ihrer Vorbilder, da diese sich dadurch in ihren Überzeugungen bestätigt fühlen, aber auch sie unterliegen damit einem Irrtum. Wer sich auf seinen Weg begeben möchte, darf sich nicht am Weg anderer orienteiren. Es reduziert die Vielfalt menschlichen Potenzials drastisch.

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Responses

  1. Hm… ich glaube, ich weiß worauf Du hinaus willst, doch ich würde es vielleicht etwas anders ausdrücken. Die ganze Evolution und Entwicklung des Menschen ist auf Nachahmung gemünzt, auf Vorbildern, auf Menschen, die etwas erreicht haben, was das Individuum auch für sich erklimmen möchte. Gäbe es dieses Streben nicht, wäre unsere Spezies wahrscheinlich schon vor sehr langer Zeit ausgestorben.

    Nichtsdestotrotz gibt sich der Mensch nicht mit dem Maximum seiner Vorgänger zufrieden. Er möchte stets mehr, er möchte sich weiter entwickeln, besser sein, als seine Vorbilder und die Generation seiner Eltern. Er läuft dadurch einerseits zwangsweise immer in die gleiche Falle, sich die Hände am gleichen Herd wie Milliarden vor ihn zu verbrennen. Andererseits lernt er daraus und nutzt die Basis seiner Vorläufer, sich über sie zu erheben.

    Was ich damit sagen möchte ich folgendes: Die wenigstens streben danach, einen Menschen zu duplizieren, wenn sie in seine Fußstapfen treten. Sie wollen es besser machen und werden deshalb an einem Punkt immer von ihrem Vorbild abweichen und sich als Individuum entwickeln. Dies mag unbewußt geschehen, doch der Prozess ist unausweichlich. Jeder Mensch ist einmalig und wirft seine eigenen schatten ^^

  2. „Die ganze Evolution und Entwicklung des Menschen ist auf Nachahmung gemünzt, auf Vorbildern, auf Menschen, die etwas erreicht haben, was das Individuum auch für sich erklimmen möchte.“

    Das sehe ich nicht ganz so. Entwicklung bedingt immer Neues, sonst bliebe es ja beim Alten. Gäbe es keine Vorreiter und Pioniere (was die meisten Vorbilder sind), gäbe es weit weniger Entwicklung. Gerade neuartige individuelle Schritte, die nicht in den Fußstapfen anderer erfolgen, sind oft bahnbrechend.

    Natürlich kann man auch etwas verbessern. Das wird ja auch mit vielem getan und ist wichtig.

    Allerdings gibt es auch eine Art „Heldenverehrung“, die sehr konservativ ist. Hier wird weder etwas verändert noch verbessert und damit keinerlei Entwicklung oder Korrektur angestrebt. Das geht aber in Richtung Absolutismus und weg vom Hinterfragen.

    Als Beispiel möchte ich nur diverse „esoterische Ratgeber“ nennen, wo Tausende darum bemüht sind, diese Aussagen als Sprachrohe wieder an eine Menge anderer weiter zu geben. Davon lebt im Grunde die gesamte Esoterikbewegung. Ginge es nur um die paar, die wirklich Neues aufgestellt haben, gäbe es diese Bewegung nicht.

    Die meisten übernehmen viel zu viel vollkommen unkritisch, identifizieren sich damit und machen daraus eine unveränderliche Überzeugung. So starke Beeinflussung halte ich aber immer für sehr gefährlich. Eigenständigkeit ist für mich der beste Schutz dagegen – sowohl im Denken als auch im Fühlen.

    Unkritische Menschen, die nicht mal merken, dass sie unkritisch sind, sind extrem leicht zu indoktrinieren.

    Liebe Grüße
    Eva


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