Verfasst von: Eva | 12/05/2010

Menschliche Entwicklung

Das ist zweifellos eine Forderung, die in unserer heutigen  Zeit sehr verbreitet ist. Ob in diversen Ratgeberbüchern, Ankündigungen von Workshops und Seminaren oder Werbungen für Ausbildungen in allen möglichen Bereichen, die damit zu tun haben (wollen) – jeder propagiert „Entwicklung“.

Entwicklung kann praktisch „gekauft“ werden. Doch nie und nimmer kann hinter einer derartig zeitgeistigen Massenbewegung das stehen, was sie vorgibt zu sein. Eher ist es eine Spielart der Fun-Gesellschaft mit ihren unzähligen Angeboten, das Wohlergehen des Einzelnen zu heben. Der Suchtcharakter, der damit verbunden ist, ist beiden gemeinsam. Und ebenso der Effekt, die innere Leere zu überdecken  – nur eben auf unterschiedliche Art.

Doch menschliche Entwicklung hat nichts mit zeitgeistiger Strömung zu tun. Es ist keine Modeerscheinung, auf die viele erfreut anspringen, weil sie sich davon angesprochen fühlen. Es ist eher die unendliche Fortsetzung, vor echter (Selbst)Erkenntnis zu flüchten. Es gibt keine Weiterentwicklung auf Rezept, sei es durch Methoden, bestimmte Techniken oder die richtigen Seminare. Wer das glaubt, hat nicht einmal ansatzweise begriffen, was es bedeutet, er selbst zu sein. Unsere Lebenserfahrung, Krisen, die wir durchlaufen haben, Freude und Leid, die wir erlebt haben, lässt uns reifen. Der Schlüssel liegt immer im Erleben, in der Tiefe der persönlichen Berührtheit davon, die unsere Sichtweise erweitert. Ohne persönliche Herausforderungen, die wir überstanden und aus denen wir gelernt haben, bleibt alles graue Theorie.

Derjenige, der sich wirklich entwickeln will, geht gezwungenermaßen in unserer Zivilisation einen streckenweise sehr einsamen Weg. Ja – er kann sich Hilfe holen, indem er sich immer wieder einzelne verständnisvolle menschliche Gegenüber sucht, denen er seine intimsten Sehnsüchte, Wünsche und Gedanken mitteilt, um sich nicht ganz alleine damit zu fühlen. Mitfühlende Anteilnahme ist sehr wichtig. Aber es ist auch ganz besonders wichtig, an wen er sich damit wendet. Denn wenn damit bestimmte schematische Weltanschauungen verbunden sind, die der „Mitfühlende“ vermitteln will, ist schon eine Bedingung an seine „Hilfe“ geknüpft, welche eine Richtung vorgibt.

Niemand kann irgendwo Anleitungen für sein Wachstum bekommen. Sobald er sich dies erwartet, ist er schon auf dem falschen Weg. Er kann philosophische Bücher lesen, sich in das Gebiet der Psychologie einarbeiten, um seinen Horizont zu erweitern. Das ist sicherlich gut und wichtig, auch wenn es nicht für jeden nötig ist. Er wird dadurch viele Informationen erhalten, aber letztlich nie Antwort auf seine eigenen Fragen. Denn er liest immer wieder nur die Antworten anderer. Seine eigene kann er nur durch und in sich selbst finden.

Dafür bedarf es aber des Mutes zu sich selbst. Und der Mut zu sich selbst bedeutet so gut wie immer auch den Mut, sich aus der haltgebenden Gemeinschaft heraus zu lösen. Wir müssen eine Zeit im Niemandsland verbringen, damit aus uns „Jemand“ werden kann. Diese Entwicklung kann vielleicht mit einfühlsamber Begleitung, aber nicht unter  Beeinflussung und Vorgaben statt finden. Wenn wir uns von innerer Enge befreien wollen, braucht es dazu Freiheit.

Daher wird es auch immer nur wenige geben, die diesen Weg gehen. Es bedeutet, die verinnerlichte Hand der imaginären Mutter/des imaginären Vaters, die uns führen soll, radikal los zu lassen. Um auf eigenen Beinen zu stehen und wirklich zu reifen.

Dazu sind gerade eben keine Gurus oder Lehrer notwendig. Denn diese sind im Prinzip nichts anderes als das, was wir ohnehin schon ein Leben lang hatten und nach deren Vorgaben wir lebten. Wenn wir uns mit unserem Kern – und damit mit unserem naturgegebenen Potenzial – verbinden wollen, müssen wir begreifen, dass niemand über uns steht und uns dazu Anleitung geben kann.

Ich bin nicht religiös eingestellt, finde aber dennoch manche Weisheit in Religionen. Eine dieser, die mir als ganz besonders weise erscheint, ist jene von Buddha:

„Glaube nicht an irgendetwas einfach nur,
weil du es gehört hast.
Glaube nicht an irgendetwas einfach nur,
weil viele darüber sprechen.
Glaube nicht an irgendetwas einfach nur,
weil du es in einem religiösen Buch geschrieben fandest.
Glaube nicht an irgendetwas
nur wegen der Autorität deiner Lehrer und der Alten.
Glaube nicht an Traditionen,
weil sie über viele Generationen überliefert worden sind.
Wenn du aber beobachtet und analysiert hast,
wenn du zu der Auffassung gelangt bist,
dass etwas vernünftig ist und zum Guten hinführt
und dem einzelnen und der Allgemeinheit nützt,
dann akzeptiere es und lebe dementsprechend.“

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