Verfasst von: Eva | 17/05/2010

Noch einmal zur Astrologie/Esoterik …

Manche wundern sich sehr, dass ich mich nach etlichen Jahren der Beschäftigung mit Astrologie – und sogar spannenden und guten Ergebnissen damit – wieder davon abgewandt habe. Es ist auch nicht einfach zu erklären, denn an sich bietet die Astrologie viele Erkenntnisse. Durch die Archetypen, d.h. durch die Beschreibung der Variationen menschlicher Seins- und Entwicklungszustände kann man tatsächlich sehr viel lernen. Es ist ein gänzlich anderer Blickwinkel als der wissenschaftliche (z.B. der Psychologie). Die Sichtweise, die damit eröffnet wird, ist bereichernd.

Jedoch gibt es ein großes „Aber“. Astrolgie darf nie zur dauerhaften Sichtweise werden. Denn das wäre eine Reduktion durch Verharren in einem bestimmten Stadium. Wenn man Astrologie jedoch als eine Station der eigenen Entwicklung sieht – die man durchläuft, um irgendwann darüber hinaus zu kommen, ist sie wertvoll. Mir fehlen jetzt die treffsicheren Worte, was ich damit meine, aber ich will es versuchen zu beschreiben:

Ab einem bestimmten Punkt fällt das astrologische Konstrukt – denn mehr ist es nicht als ein menschliches Konstrukt zur Schematisierung – als Orientierungshilfe weg, weil man es nicht mehr braucht. Dieser Punkt ist dann erreicht, wenn man nicht mehr mit analytischer Ausrichtung im Hinterkopf auf Menschen zugeht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes mit-fühlend (Das soll nun nicht heißen, dass man mit Astrologie nicht mitfühlend auf Menschen reagieren kann, aber das Schema schafft eine Distanz, die einordnet und auch einordnen will, um zu verstehen).

Es gibt jedoch jenseits dieses Verstehens ein anderes. Eins, das nicht aus der Summe der Einzelteile besteht, sondern aufs Ganze bezogen ist. Und wo Einordnung keine Rolle mehr spielt. Das Einordnen umgelegt auf die jeweilige individuelle Ebene bringt zwar einiges an Aha-Effekten, aber es erfasst Menschen nicht. So wie Astrologie in „einzelne Bereiche“ – sprich Konstellationen – zerlegt, genau so tut man es selbst, wenn man sie einsetzt.

Wissen um Zusammenhänge ist immer gut. Durch viel Wissen erweitert sich unser Horizont und modifiziert sich unsere Sichtweise. Genau so wie ich die Anwendung von Astrologie ohne breites Basiswissen in Psychologie immer für einseitig hielt, weil erst beides im Zusammenspiel eine ganz andere (und viel höhere) Qualität ergibt, genau so ist es aber eine neue Qualität, wenn man über beides hinaus geht.

Wer einen Menschen wirklich verstehen möchte, muss sich darauf einlassen, einige Schritte „in dessen Schuhen zu gehen“. Das bedeutet, ihn zu spüren, mit ihm in fühlende Verbindung zu gehen. Dies kann aber weder Astrologie noch Psychologie leisten. Nicht umsonst mag ich Viktor Frankls Lehre von allen bislang mir bekannten am meisten – sie geht von einer menschlichen Gesamtschau aus und bezieht das wirklich Individuelle mit ein. Mit der „Trotzmacht des Geistes“ drückt Frankl etwas aus, das weder in astrologischen noch psychologischen Schemata eingefangen werden kann. Es ist nur mehr im einzelnen Menschen begründet. Auf einer Ebene, die von beiden Sichtweisen nicht abgebildet wird und wofür es deshalb auch kein Schema mehr geben kann.

Und so geht es mir mit allen esoterischen (Heils)Lehren derzeit. Was auch immer sie an Stückwerk offenbaren, welche Weisheiten sie auch generell verbreiten – sie sind alle schematisch und gehen von einem „Wenn-dann“ aus. Dass das Individuum dieses Schema durchkreuzen kann, weil es darüber hinaus geht, ist nicht vorgesehen. Daher ist es auch unmöglich, zu sich selbst zu finden oder andere wirklich tiefergehend zu verstehen, indem man diese Raster anlegt. Denn genau das, was nicht mehr in den Raster passt, offenbart unsere Individualität.

Der Drang, sich (und andere) immer und überall in Schemata zu finden und zu erklären, ist verständlich und hilft beim geistigen „Ordnung-Schaffen“. Aber er geht irgendwann am Lebendigen vorbei. Menschen, die lebenslang an  Astrologie oder sonstigen esoterischen Weltanschauungen hängen bleiben, haben ihre Offenheit für weitere Entwicklungen verloren. Sie setzen dieses Stadium als absolut.  Es ist aber nicht einmal notwendig – ich möchte fast sagen, es ist nur ein Umweg, den manche brauchen. Wer sich nicht mehr davon lösen kann, bleibt darin stecken und erklärt diese Ebene fälschlicherweise zum Zenit der möglichen Erkenntnisse.

Daher tue ich mich auch schwer mit Menschen, die gerade Gefallen an esoterischen Sichtweisen finden und begeistert hinein stürmen. Ich kann sie zwar verstehen, aber ich teile ihre Anschauungen nicht mehr. Und möchte darüber auch nicht großartig diskutieren, weil das einfach nichts bringt. Dennoch wollte ich meine Gründe dafür – so gut ich kann – darlegen. Es ist nicht Intoleranz oder mangelndes Verständnis, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich etwas hinter mir gelassen habe, das für mich keinen Wert mehr hat.

Wem das nichts sagt, der wird sich davon auch nicht verletzt fühlen. Und diejenigen, die sich darüber Gedanken machen, haben sich diese wohl auch schon vorher gemacht. Meine Bedenken gehen nicht dahin, sich mit Astrologie/Esoterik zu befassen. Aber sie gehen dahin, dass es von viel zu vielen als „Endstadium der Entwicklung“ angesehen wird. Denn das ist dann wirklich ein Drama, wenn aus diesen Erfahrungen nichts Weiterführendes mehr gelernt wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: