Verfasst von: Eva | 12/06/2010

Kurzurlaub am Neusiedlersee

Da ich die Wettervoraussagen verfolge, habe ich mich Anfang dieser Woche ganz spontan dazu entschlossen, der Hitze in der Stadt zu entfliehen, indem ich kurzfristig drei Nächte im Seepark Weiden am Neusiedlersee buchte. So etwas geht natürlich nur in der Vorsaison. Diese hat allerdings ihre ganz großen Vorteile.

Die typische Gelsenplage war praktisch (noch) nicht vorhanden (nur zweimal hat mich eine Gelse gestochen), die Appartements waren innen sehr kühl, sodass ich schon nach der Klimaanlage Ausschau hielt (die aber nicht vorhanden war) – der durchgehende Fliesenboden vom Wohnzimmer bis ins Badezimmer war abends fast zu kalt, um barfuß zu gehen. Die Belegung der Anlage war angenehm locker, sodass es kein Getümmel von Touristen gab. Wildenten kamen neugierig bis zur Terrasse und auch der moderatere Preis für die Vorsaison war erfreulich.

Die Bahnfahrt von Wien nach Weiden war angenehm – es sind ja nur 50 Minuten. In dieser kurzen Zeit befindet man sich praktisch in einer anderen Welt. Sanfte Hügel mit Weingärten, überall Windräder zur Stromerzeugung – und Wasser, Wasser und noch mal Wasser! Der Neusiedlersee ist riesig groß. Er ist der größte Steppensee Österreichs mit 240 km2. Mit einer Länge von 36 km und einer Breite zwischen 6 und 14 km kann man nicht von einem Ende zum anderen sehen. Der Eindruck ist ähnlich dem Meer. Obwohl die maximale Tiefe nur 1,8 m beträgt, ist der See doch gefährlich, weil der Wellengang bei starkem Wind oft völlig unterschätzt wird. Ein Wetterumschwung kann binnen Minuten erfolgen und selbst gute Schwimmer können sich in der Größe dieses Gewässers verlieren.

Die Anlage, in der ich wohnte, lag jedoch nur an einem Seitenarm des Sees und dieser ähnelte eher einem Teich als einem See. Das Ufer war mit Sand aufgeschüttet, was sehr angenehm war, da zumindest bis in Schwimmtiefe das etwas gruselige Gehen im Wasser auf allerlei schlammigen Untergrund damit weg fiel. Ein „klarer See“ – wie es so viele davon in Österreich gibt – ist der Neusiedlersee natürlich nicht. Das Wasser ist bräunlich, sozusagen „naturtrüb“.

Aber es ist eine wunderschöne Gegend! Auch die Mentalität der Leute, die dort wohnen, ist ausgesprochen nett/ländlich. Nicht einmal passierte es mir, dass mich Kinder oder Jugendliche im Ort grüßten und freundliche Unterhaltungen hatte ich mehrmals täglich.

Die Rückfahrt wuchs sich allerdings zum Abenteuer aus. Es gab Schienenersatzverkehr vom nächsten Bahnhof bis zum übernächsten. Da es am Samstag Vormittag einen irren Verkehr in diese Richtung gibt (da ist ein riesiges Mode-Outlet-Center in Parndorf Anziehungspunkt für viele), hatte der Schienenersatzbus eine Verspätung von 30 Minuten und als er endlich im Bahnhof, von wo es direkt nach Wien gehen sollte, ankam, war natürlich kein Zug mehr da. Und es hieß wieder 30 Minuten warten. Das Ganze bei glühender Hitze von ca. 33 Grad im Schatten… Und als wir endlich im Zug saßen, war nach einiger Zeit Brandgeruch zu schnuppern. Wir hielten in einem kleinen Bahnhof, um das abzuklären – was uns aber eine weitere Verspätung von 20 Minuten bescherte. Jedenfalls sind wir danach in Wien – mit insgesamt über einstündiger Verspätung – wohlbehalten gelandet.

Dennoch – es war insgesamt ein sehr schöner Kurzurlaub, den ich jedem nur weiter empfehlen kann!

WEIDEN AM SEE

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Responses

  1. Da hast Du ja einiges erlebt.
    Und ich wieder was gelernt.
    Ich kenne ja einige regionaltypische Bezeichnungen für Stechmücken, aber von Gelsen hatte ich bislang noch nie gehört.

    Herzlicher Gruß
    Michael

  2. Lieber Michael,

    dann bist du eindeutig zu selten in Österreich. Denn hier sagt keiner ‚Stechmücken‘.
    Ich kann dir nur wärmstens das deutsch-österreichische Wörterbuch (gibt’s auch online: http://www.ostarrichi.org/woerterbuch.html?order=austrian) empfehlen. Das sorgt hier oft für sehr große Heiterkeit und ich glaube, auch dir wird es gefallen. 🙂

    LG
    Eva


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