Verfasst von: Eva | 05/07/2010

Über die Dummheit

Vor kurzem las ich einen sehr guten Artikel über Dumme und Kluge. Er war eher desillusionierend als dass er Freude ausgelöst hat. Die Klugen sind demnach meist die Dummen in unserer Gesellschaft.

Und wer sich umsieht (und klug genug ist), wird das bestätigt finden. Es gibt unheimlich viel Dummheit und viele sind damit äußerst erfolgreich. Unter Dummheit verstehe ich aber nicht die mangelnde Leistungsfähigkeit des Denkapparates, sondern den falschen Einsatz von selbigem.

Vielleicht kann man Dummheit mit einem Mangel an Tiefe gleichsetzen. Wer alles nur oberflächlich durchdenkt, zieht Schlüsse, die schon auf halber Strecke nicht mehr das halten, was sie versprechen. Vielleicht sollte man Dummheit als eine Art Kurz-Denken bezeichnen?

Zum Beispiel: ich sehe ein Problem, ich habe eine patente Lösung, die gleich einem Vorurteil dem Ganzen übergestülpt wird, es hört sich schlüssig an und ich sehe das als Lösung. Dem Ganzen fehlt zwar jegliche Differenzierung und jeder Weitblick, aber Intelligenz definiert sich in unserer Gesellschaft oft als die Fähigkeit, rasch schlüssige Lösungen parat zu haben. Hinterfragen, Analysieren, von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, kostet Zeit und ist damit ineffizient. Zumindest auf den ersten Blick. Und er zweite wird meist schon gar nicht mehr getan.

Es gibt eine Unzahl von Methoden und Techniken, die versprechen, alles ruck-zuck zu lösen, Probleme demgemäß schnell zu durchschauen und aus der passenden Schublade die adäquate Lösung heraus zu holen. So schnell die Lösung parat ist, so schnell verliert sich allerdings auch deren Wirkung. Doch wen interessiert’s – Hauptsache das Problem ist abgehakt und man kann einen schnellen Erfolg verbuchen.

Ich halte das für eine der schlimmsten Ausformungen menschlicher Dummheit. Es ist ganz bestimmt nicht der einfache Mensch, der vielleicht über wenig Bildung verfügt, dafür aber über einen ziemlich gesunden Hausverstand, den ich je als dumm bezeichnen würde. Es ist der gebildete – oder ungebildete (das kommt bei beiden gleichermaßen vor) –  der unfähig zu eigenständigem Denken ist.

Den großartigen Unterschied zwischen jemand, der nur das nachplappert, was er mal von jemand gehört hat oder dem, der nachplappert, was er mal gelesen hat, sehe ich nicht. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich an etwas halten, das nicht von ihnen selbst stammt und das sie in den seltensten Fällen selber hinterfragt haben. Nur wer wirklich nachdenkt und versucht, zu verstehen – der gehört nicht zu den Dummen.

Doch die meisten können oder wollen das nicht. Sie fühlen sich intelligent, wenn sie möglichst exakt etwas wiedergeben, das nicht von ihnen stammt. Wobei die Annahme gilt: je komplizierter, umso intelligenter.

Daher ziehe ich den österreichischen Ausdruck ‚gescheit’ dem Begriff ‚Intelligenz’ vor. Intelligenz kann überragend sein – doch wenn sie nur zum Reproduzieren und Anwenden von übernommenem Wissen führt, bleibt sie mechanisch und schablonenhaft. Sie reicht nicht aus, um etwas in seiner Gesamtheit zu erfassen und sie reicht noch weniger dafür aus, um auch nur einen Hauch von Weisheit zu beinhalten.

Somit sehe ich das Gegenteil von Dummheit nicht in Intelligenz, sondern in Weisheit.

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