Verfasst von: Eva | 23/08/2010

Positive Manipulation?

Eigentlich bin ich auf das Thema durch NLP gekommen. Ich habe mich damit allerdings nie ausgiebig beschäftigt, weil es mich in keiner Weise anspricht. Das, was ich darüber weiß, genügt mir, um es für mich als unpassende Methode der Problemlösung bzw. Weiterentwicklung anzusehen.

Denn Problemlösung hat für meine Begriffe so gut wie immer mit Weiterentwicklung zu tun – etwas will auf neue Weise gehandhabt werden, der alte Bewusstseinsstand reicht dazu nicht mehr aus – und NLP lebt von Manipulation. Zum Großteil oder vielleicht sogar insgesamt von positiver Manipulation, das will ich nicht bestreiten. Aber es ist wie so vieles, das auf dem gegenwärtigen Psychomarkt angeboten wird, auf rasche Erfolge ausgerichtet. Rasche Erfolge mögen in manchen Lebenslagen eine große Hilfe sein, aber in erster Linie sehe ich sie nur als eine Art ‚Erste Hilfe‘.

Wem es mit (Gedanken)Manipulation besser geht, der muss sie auch weiterhin aufrecht erhalten, um den Level zu halten. Und das gefällt mir daran nicht.

Leben erfolgt nicht nach Rezepten. Der Mensch als Gesamtheit – mit seinen Gedanken, Gefühlen, seiner Geschichte, seinen Reaktionen darauf, seinen Prägungen, individuellen Reaktionen und Fähigkeiten – kann sich nicht mit Standard-Rezepten weiterentwickeln. Trotz aller individueller Differenzierung bekommt doch jeder dasselbe: er wird (auf sein Glück hin?) manipuliert.

Über Auftragsmangel können sich ‚Psychotechniker‘ wahrlich nicht beklagen. Angefangen von astrologisch gefärbten ‚Lösungen‘ über strikte Verhaltenstherapie bis hin eben zu NLP werden die Angebote bereitwillig angenommen.

Krisen fordern uns aber dazu heraus, uns weiterzuentwickeln und damit nach neuen Lösungen zu suchen, die unseren Horizont erweitern. Niemandem kann und soll ein Vorwurf daraus gemacht werden, dass er sich helfen lassen möchte. Das ist menschlich und auch gut so. Wenn aber behauptet wird, dass der neue Bewusstseinszustand nur durch ein paar simple Techniken hervor gerufen werden kann, erzeugt das ein Gefühl des Unbehagens in mir. Menschen sind  zu einem sehr hohen Prozentsatz autoritätsgläubig. Hilfe wird oft nicht als Hilfe zur Selbsthilfe und begleitete Auseinandersetzung mit der Problematik verstanden, sondern als Darbietung von Lösungen mittels gewisser Techniken.

Manipulation ist also nicht nur etwas, das man anderen quasi aufzwingt, sondern auch etwas, nach dem viele sogar verlangen. Sie möchten geheilt, erlöst, geleitet, befreit oder zu ihrem Glück geführt werden. Dass sie dabei nur den Anweisungen anderer folgen, führt vielleicht ein Stück weiter, aber nicht weit genug. Alte Muster (und damit frühere Manipulationen/Prägungen)  werden durch neue Muster und Manipulationen ersetzt, die sich besser anfühlen. Die Sehnsucht nach dem ‚Allmächtigen‘, nach demjenigen, der besser weiß, was im eigenen Leben schief läuft als man selbst, ist sehr groß. Aber nach Hilfe zu suchen, bedeutet für einen wachsenden Menschen, in seinem Wachstum nach Unterstützung zu suchen. Und Wachstum entsteht nicht durch Manipulation, sondern durch wachsendes Bewusstsein, das sich in uns selbst entwickelt.

Wer auch immer aus welchen Gründen NLP und div. esoterische Techniken wählt, um sich besser zu fühlen, darf das natürlich und alles an Gutem, das ihm dadurch widerfährt, neide ich keinem Einzigen.

Wer sich aber auf die Reise nach seinem echten Selbst macht, nach dem, was ihn wirklich als individuellen Menschen ausmacht, nach seinen Fähigkeiten, Talenten und Eigenheiten – und vor allem, wessen Weg in echte Selbständigkeit führen soll – der ist mit Psychotechniken ganz schlecht beraten.


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Responses

  1. Hallo Eva,
    interessanter Artikel den Du hier schreibst. Manipulation ein uns ständig umgebendes Phänomen. Wir manipulieren, werden manipuliert bewusst oder unbewusst. Die Medien manipulieren, Konzerne über ihre Werbung, Politiker und letztlich ein jeder.
    Für sich gesehen dient es als Werkzeug um seine Ziele zu erreichen, ob ich nun meinen Partner oder mich selbst (über NLP, The Work….) manipuliere.
    Die Frage ist nur ob ich das eher unbewusst oder eben bewusst mache, ob ich schaden oder bereichern will. Ob ich mir schaden oder mich bereichern will. Diese Frage kann sicher nur über meine eigenen Wertvorstellungen bzw. meiner ethischen Auffassung beantwortet werden, eine Gratwanderung. Vor allem wenn es dabei um andere Menschen geht.

    Für mich ist Manipulation per se nicht negativ, sie hat halt nur einen negativen Beigeschmack weil sie oft missbräuchlich (negative Absichten) gehandhabt wird.
    Sie ist ein Werkzeug wo lediglich die Absicht das Ergebnis bestimmt, ähnlich einem Messer, ich kann damit töten oder mein Brot mit Dir teilen. Liebe Grüße, Olaf

  2. Hallo Olaf,

    natürlich ist Manipulation überall vorhanden. Allerdings sehe ich auch, dass – je bewusster man zu leben beginnt – einem auch das irgendwann bewusst wird.
    Positiver Einsatz von Manipulation – hm? Gibt es den wirklich? Ich weiß es nicht, weil mich dabei immer ein ungutes Gefühl beschleicht. Selbst wenn ich damit jemanden auf einen ‚guten Weg‘ bringen möchte und auch Erfolg damit habe, ist es doch oft so, dass wirklich nachhaltig nur das tatsächliche Verstehen und ein bewusster Entschluss ist.

    Beispiel: ich kann mit etwas, vielleicht einem Erlebnis, das mir sehr zu schaffen macht, nicht gut umgehen. Nun erfahre ich von Verhaltensweisen, die besser dafür geeignet sind und nehme sie an. In diesem Fall lasse ich die Manipulation zu, sie ist mir also selbst bewusst.

    Jedoch – wenn die Verhaltensänderung nicht von innen kommt, wenn da kein Prozess abgelaufen ist, der mich verändert hat, in dem ich neue Einstellungen und Verhaltensformen entwickle, ist das Ganze nur Oberflächenkosmetik. Von der viele fälschlicherweise annehmen, sie würde dieses inneren Prozesses nicht bedürfen (The Work ist ein Paradebeispiel dafür).

    Das halte ich für Selbstbetrug und keinen Zuwachs an Bewusstheit. Wie gesagt – wer damit zufrieden ist, der ist es eben und es reicht ihm. Er weiß meist gar nicht um den Unterschied zwischen echter Veränderung (die oft schwierig zu erarbeiten ist, denn Weiterentwicklung, wenn du willst ‚Reifung‘ braucht seine Zeit) und der nur durch andere oder von sich selbst aufoktroyierten Sichtweise.

    Bezüglich der tieferseelischen Lage sehe ich da aber einen riesigen Unterschied. Man kann sich selbst darauf trainieren, dass man sich ‚reif‘, ‚vernünftig‘ oder auf sonstwie positiv besetzte Art verhält, dass aber dies weniger aus innerer Selbstverständlichkeit heraus geschieht, weil man eben in seiner Entwicklung dort angekommen ist, sondern indem man sich nach Vorgaben verhält, ist oft gar nicht klar. Denn oberflächlich besehen scheint es ja dasselbe Ergebnis zu bringen.

    Und darin sehe ich die ganz große Gefahr von Manipulation – da ist nichts festes Inneres, das Orientierung bietet, sondern die Orientierung wird im Außen (in anderen) gesucht. Als vorübergehende Phase, wo man selbst nicht mehr fähig dazu ist, aus seiner inneren Orientierung heraus zu leben, absolut zulässig und oft ganz wichtig.

    Als Lebenshaltung jedoch ein Zementieren von unbewusster Lebensführung, welche innere Orientierung dauerhaft verhindert.

    Und wer gut manipulierbar ist, ist es ja zumeist nicht nur von positiven, hilfreichen Beeinflussungen, sondern auch von anderen. Vielleicht kam das in meinem Artikel nicht so klar durch – aber ich finde, wirkliche Entwicklung und authentisches Verhalten macht die Menschen im besten Sinne menschlicher und persönlich stärker, Manipulation – selbst wenn sie auf dasselbe abzielt – nimmt einen Teil der Eigenständigkeit und sucht mehr die schnelle Lösung, um Unangenehmem zu entkommen.

    Du schreibst, Manipulation ist ein Werkzeug, um eigene Ziele zu erreichen. Das meine ich auch. Und woher weiß ich immer so genau, ob die Ergebnisse für den anderen positiv oder negativ sind? Zumeist gibt man nur weiter, woran man selber glaubt, was man selber will und ‚gut‘ findet. Meinst du wirklich, darüber reflektieren viele? Selbst sehr gut gemeinte Beeinflussung kann bei jemand anderem langfristig gesehen alles andere als Gutes bewirken.

    LG
    Eva


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