Verfasst von: Eva | 27/09/2010

Alte Menschen sollten nicht mehr wählen dürfen …

Vor kurzem dachte der österreichische Politologe Peter Hajek – leider in einer österreichischen Tageszeitung, die ich als durchaus seriös sehe – an, das Wahlrecht von alten Menschen nach zehn Jahren Pension aufzuheben. Es würde sonst bei unserer demografischen Entwicklung bald eine Art „Rentnerdiktatur“ geben.

Abgesehen davon, dass dies den Grundsätzen jeder Demokratie widersprechen würde, finde ich die Idee einfach nur dumm. Wie muss ein Mensch denken, der sie zur Debatte stellt? Welche extremen Vorurteile laufen da im Hinterkopf mit?

Um von einer Herrschaft der Rentner zu sprechen, muss man annehmen, dass diese Gesellschaftsgruppe halbwegs homogen ist. Sie ist es aber genau so wenig wie alle anderen Altersgruppen. „Österreichweit liegt der Anteil der wahlberechtigten SeniorInnen bei fast 25 Prozent, bis 2030 wird der Anteil auf ein Drittel steigen. Pensionisten stellen damit die größte Wählergruppe dar … Wenn ein Drittel der Wählerschaft im pensionsfähigen Alter ist, dann ist das die bestimmende Wählerschaft, das ist wirklich eine Gefahr,“ sagt Politologe Peter Hajek.

Von welcher Gefahr spricht er? Dass senile, nicht mehr zeitgeistig orientierte Quasi-Greise bestimmen, welche Partei das Sagen haben wird und damit der „geistigen Elite zwischen 16 und 70 Jahren“ das Wasser abgraben? Dass Parteikommitees vor Wahlen noch öfter in Altersheimen mit Stimmzetteln anrücken werden als jetzt und unkritische Alte überreden, ihr Kreuzchen für sie zu machen? Dass Menschen, die nicht mehr im Arbeitsprozess stehen, nur mehr an die Höhe ihrer Pensionen denken und an sonst nichts?

Was für ein groteskes Szenario in diesem Kopf! Was Herr Hajek nicht bedacht haben dürfte, ist, dass sich in der Bevölkerung in jedem Alter die gesamte Bandbreite von demografischen Besonderheiten (abgesehen vom Alter) darstellt. Arme, Reiche, Gebildete, Ungebildete, Rechte, Linke, Land- und Stadtbevölkerung, Kinderreiche und Kinderlose, Kranke und Gesunde, Vordenker und Mitläufer usw. usw. Das ändert sich nämlich nicht durch das Älterwerden!

Ältere Menschen sind genau so heterogen wie junge Menschen. Ihnen das demokratische Grundrecht zu wählen ab einem bestimmten Alter zu entziehen, empfinde ich als Jugendwahn-verhaftet und unmenschlich. Genau so gut könnte man  auch verlangen, das Wahlrecht nur ab einem bestimmten Bildungsgrad oder finanziellen Status zu gewähren. Oder nach Geschlecht, „Rasse“ und Religion.

Seltsamerweise stört sich Herr Hajek nicht daran, dass er diese demografischen Unterschiede nicht berücksichtigt – und wir darin von einigen „Diktaturen“ beherrscht werden. Ich vermute, er hat sich an einem Klischee in seinem Kopf festgebissen und formt daraus nun seine Theorie. Als „Experte“ (von was auch immer) tituliert, erregt seine Meinung eine gewisse Aufmerksamkeit. Mag sein, es geht ihm in erster Linie nur darum…

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Responses

  1. Das ist nicht demokratiepolitisch bedenklich.
    Jeder, der heute dafür stimmt, dass das Gesetz durchgebracht wird, entzieht sich selbst lediglich das eigene Wahlrecht – ab einem bestimmten Zeitpunkt.
    Es wird keine Unterscheidung zwischen Gedankengut oder ethnischer Zugehörigkeit gemacht, denn es wird ausnahmslos alle einmal betreffen – womit völlige Gleichberechtigung in der Politik gewährleistet ist.
    Außerdem vergessen Sie zu erwähnen, dass das Wahlrecht erst 10 Jahre nach Pensionsantritt entzogen werden soll, womit den Pensionisten nicht gänzlich ihre politische Kraft geraubt wird.

  2. P.S.: Herr Hajek hat Politologie studiert und ist daher Experte FÜR Politikwissenschaften.

  3. Re: P.S.:
    Ich lese gerade, dass Herr Hajek selbst 69 Jahre alt ist – so viel zu den „Vorurteilen“…

  4. Ich möchte mir meine politische Kraft überhaupt nie rauben lassen, denn im Grunde käme es einer Entmündigung gleich.

    Es ist problematisch, dass Alter in unserer Gesellschaft immer negativer bewertet wird – aber bei diesem Vorschlag kämen noch pragmatische Dinge hinzu, die kaum lösbar wären.

    Was wäre mit Frühpensionisten, Selbständigen, Künstlern usw.? Also allen, die nicht mit 60 oder 65 in Pension gehen. Dürfen die dann immer wählen oder schon ab 45 nicht mehr?

    Zum Expertentum gehört für mich mehr als ein Studium. Und abgesehen davon glaube ich kaum, dass es für eine derartige Frage überhaupt einen ‚Experten‘ geben kann.

    Und zuletzt – Herr Hajek ist keine 69, sondern weit jünger (www.peterhajek.com).

    LG
    E.

  5. Einigkeit und Recht und Freiheit sind die ersten Wörter unserer Hymne! Mit der Entziehung des Wahlrechts gegenüber älterer Menschen würde man das Volk in seiner Hymne belügen!

    • Nicht nur das – es käme einer Entmündigung gleich. Zum Glück wurde diese unselige Idee seither nicht wieder aufgegriffen!
      LG
      Eva


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