Verfasst von: Eva | 24/10/2010

Burnout – aus der Balance

Vor kurzem sah ich eine Dokumentation über Burnout. Es wurde über verschiedene Lebensgeschichten berichtet, in deren Verlauf es zu einem Burnout kam. Obwohl die Personen sehr unterschiedlich waren und keine Geschichte der anderen glich, gab es doch eine deutliche Gemeinsamkeit bei allen: ihnen war die Balance abhanden gekommen.

Balance bedeutet Ausgeglichenheit. In einem ausgeglichenen Leben gibt es Zeit für Leistung, Zeit für Ruhe, Zeit für Spaß, Zeit für Alleinsein und Zeit für Gemeinsamkeit. Das richtige Ausmaß der Bereiche ist individuell so unterschiedlich wie es unterschiedliche Charaktere gibt. Dennoch sind Extreme auf Dauer für jeden schädlich.

In allen Fällen, die in der Doku vorgestellt wurden, entwickelte sich etwas zum Extrem hin, meist über viele Jahre hinweg. Die Energieressourcen reichten bei manchen sehr lange, doch am Ende stand das Burnout. Ausgebrannt – zu viel des Guten in einem Bereich, alle anderen zu sehr vernachlässigt, die inneren Speicher leer.

Vielfach ging es um beruflichen Erfolg, der wie eine Droge konsumiert wurde, zu immer höheren Leistungen antrieb und irgendwann in eine Sackgasse führte. Leben aber ist Vielfalt. Menschen brauchen Spannung und Entspannung, haben geistige, körperliche und seelische Bedürfnisse. All dies im Wechsel schafft ein buntes, reiches und vitales Leben.

In der letzten Ausgabe der Zeitschrift ‚Psychologie Heute‘ gab es einen Artikel über die sogenannte „Glücksfalle“ – die Jagd nach ständigem Glück macht zutiefst unglücklich. Man könnte genau so sagen, die Jagd nach ständigem Erfolg, nach ständiger Anerkennung, nach ständiger guter Laune, nach ständiger Leistung – aber auch nach ständiger Ruhe, nach ständigem Spaß, ständiger Gesellschaft macht letztlich unglücklich. Weil es einseitig ist.

Balance ergibt sich nicht dadurch, dass etwas, von dem man meint, nur dies sei wichtig, immer größeren Raum im Leben einnimmt. Auch wenn man es zur Perfektion darin bringt, bleibt es einseitig, wenn alles andere immer mehr verkümmert. Wer nicht auf seine Bedürfnisse hört, sie achtet und danach lebt, verliert immer mehr das Gleichgewicht. Viele erkennen das jedoch erst, nachdem sie Schiffbruch erlitten haben und einen hohen Preis dafür bezahlen.

Letztlich kommt es immer wieder auf dasselbe an – auf Selbstliebe. Wobei mit Selbstliebe keine narzisstische Selbstüberhöhung gemeint ist, sondern Achtung vor sich selbst als Mensch, der man ist. Mit all seinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten. Wer nur darauf schielt, was andere gut finden, orientiert sich nicht an seinem Inneren, sondern hängt einem Bild seiner selbst an, das er verwirklichen möchte.

Wir hätten schon alle eine innere Stimme, an der wir uns darin gut orientieren könnten – leider krankt es meist daran, dass wir sie so lange übergehen, bis wir sie kaum mehr wahrnehmen. Die einfache Frage, die man sich selbst stellen kann: „Fühlt sich das wirklich gut an?“ stellen sich die wenigsten.

Dies heißt keinesfalls, dass Erfolg oder Leistung schlecht ist – ganz im Gegenteil. Denn es gehört zu unseren Bedürfnissen, unsere Fähigkeiten und Talente adäquat zu leben. Dennoch ist es ein Unterschied, ob man sie als Ausdruck seiner selbst lebt oder ob man damit in erster Linie die Anerkennung anderer sucht.

Wie so oft spielt dabei auch unsere Prägung eine große Rolle. Anerkennung durch Erfolg und Leistung wird zum Surrogat dafür, nie als Mensch (Kind) bedingungslos angenommen worden zu sein. Sei es Desinteresse oder die Erfahrung, nur für Erfolge ‚geliebt‘ zu werden – diese Dinge wirken in Menschen auch später weiter. Wenn aus jemand erst ‚etwas werden muss‘, damit er ‚jemand ist‘, dann hängt sein gesamtes Selbstwertgefühl davon ab. Er erkennt nicht, dass er unabhängig davon jemand ist und immer war.


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