Verfasst von: Eva | 07/11/2010

Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse wurde ursprünglich ca. 1950 von Eric Berne begründet und von seinem Schüler Thomas A. Harris weiterentwickelt. Sie basiert auf der Psychoanalyse von Freud, bietet jedoch ein relativ leicht verständliches Modell menschlichen Verhaltens an.

In der TA wird von drei ‚Ich-Zuständen‘ ausgegangen, die in uns vorhanden sind:

Eltern-Ich

Kindheits-Ich

Erwachsenen-Ich

Das Eltern-Ich bildet sich ca. in den ersten sechs Lebensjahren und enthält alle Regeln, Ge- und Verbote sowie durch Beobachtung und Nachahmung übernommene Verhaltens- und Sichtweisen, die das Kind ursprünglich von seinen Bezugspersonen und seiner Umgebung ungeprüft angenommen hat. Diese Informationen werden als unbezweifelbare Wahrheiten im Inneren aufgezeichnet. Enthalten sie Widersprüche, werden auch diese aufgezeichnet. Merkmale: Klischeehafte Äußerungen, unreflektierte Anschauungen, automatische Werturteile, Stirnrunzeln, erhobener Zeigefinger usw.

Das Kindheits-Ich entsteht parallel zum Eltern-Ich von Geburt an. Es ist das innere Erleben all dessen, was in frühen Jahren erfahren und empfunden wurde. Da die kognitiven Fähigkeiten noch nicht ausgebildet waren, bestehen seine Reaktionen in erster Linie aus Gefühlen. Es beinhaltet sowohl Unterlegenheitsgefühle, Hilflosigkeit und Erfahrungen der Unterordnung (angepasstes Kindheits-Ich) als auch Kreativität, Spontaneität und Begeisterungsfähigkeit (natürliches Kindheits-Ich). Merkmale: weinerliche bzw. hohe Stimme, niedergeschlagene Augen, Hüpfen, Springen, Lachen usw.

Das Erwachsenen-Ich entspricht der Person, die in der gegenwärtigen Realität ihren Verstand bewusst einsetzt, sich aktiv Informationen beschafft und bewusst Entscheidungen trifft. Es prüft im besten Fall den Wahrheitsgehalt des Eltern-Ich und hinterfragt die Ursachen des Kindheits-Ich. Es ist gekennzeichnet von Sachlichkeit, Nachdenklichkeit, Abwägung und Analyse. Merkmale: aufmerksames Zuhören, Wertungen entstehen aufgrund von Reflexion, offene  direkte Kommunikation usw.

Die TA geht davon aus, das sich früh in der Kindheit eine bestimmte Lebensanschauung geformt hat und stellt folgende vier Möglichkeiten vor:

Ich bin nicht o.k. – Du bist o.k.
Diese Anschauung entwickelt sich durch die vollkommene Abhängigkeit des Kindes von Geburt an. Es ist auf andere angewiesen. Diese Sichtweise kann lebenslang bestehen bleiben und  später in Süchte, die Flucht nach Innen oder ein Leben in Fantasiewelten führen.

Ich bin nicht o.k. – Du bist nicht o.k.
Sind Eltern extrem gefühlskalt und versagt ihre Vorbildfunktion völlig, fühlt sich das Kind nicht in Ordnung und empfindet seine Bezugspersonen ebensowenig in Ordnung. Sie kann später zu schweren Depressionen und Suizidneigung führen.

Ich bin o.k. – Du bist nicht o.k.
Diese Einstellung ist nicht sehr verbreitet. Werden die Eltern vom Kind als Ursache des eigenen Missempfindens erkannt (Missbrauch, Gewalt) und es fühlt sich ohne diese deutlich besser, kann sich daraus diese Anschauung bilden.

Ich bin o.k. – Du bist o.k.
Die beste aller Lebensanschauungen wird niemand so einfach rein aus seinen Gefühlen entwickeln, sondern sie entsteht durch den Reifeprozess und Bewusstheit. Sie ist auf ein konstruktives Zusammenleben mit andern Menschen ausgerichtet und beinhaltet Toleranz und Akzeptanz seiner selbst und anderer.

Die TA geht von Transaktionen aus – wir reagieren auf einen Reiz mit einem unserer Ich-Zustände und unserer Lebensanschauung. Daraus ergibt sich wiederum für den anderen ein Reiz, auf den er dementsprechend reagiert. Die TA versucht durch Analyse dieser Reaktionen die Interaktion zu durchleuchten.

Es gibt demnach drei Transaktions-Grundformen:  parallel – überkreuz – verdeckt.

Parallele oder komplementäre Transaktionen finden statt, wenn die Interaktion entweder bei beiden von demselben Ich-Zustand ausgeht (Eltern-Ich zu Eltern-Ich, Kindheits-Ich zu Kindheits-Ich, Erwachsenen-Ich zu Erwachsenen-Ich) oder Person A agiert zum Beispiel mit seinem Eltern-Ich und spricht dabei das Kindheits-Ich des anderen an und Person B reagiert auch mit dem Kindheits-Ich. Die Kommunikation verläuft dabei meist ohne größere Probleme.

Überkreuz-Transaktionen erfolgen dann, wenn Person A zum Beispiel aus seinem Eltern-Ich das Kindheits-Ich des anderen anspricht, dieser jedoch mit einem anderen Ich-Zustand reagiert. Er könnte beispielsweise selbst mit seinem Eltern-Ich das Kindheits-Ich seines Gegenübers ansprechen oder aber auch mit seinem Erwachsenen-Ich das Erwachsenen-Ich des anderen. Hieraus ergeben sich zumeist Konflikte

Verdeckte Transaktionen sind oft schwer durchschaubar, da sie aus einem Haupt- und einem Nebenreiz bestehen. Die offene Transaktion könnte darin bestehen, dass Person A mit seinem Erwachsenen-Ich gerichtet auf das Erwachsenen-Ich des anderen agiert und dieser auch von diesem Ich-Zustand aus antwortet, zugleich findet jedoch auch eine verdeckte Transaktion des einen vom Eltern-Ich zum Kindheits-Ich statt (Beispiel: Person A sagt zu Person B „Dir ist ein Fehler unterlaufen“. An sich eine sachliche Feststellung. Schwingt jedoch ein leicht belehrender Ton mit, ist es eigentlich verdeckt das Eltern-Ich, welches das Kindheits-Ich des anderen anspricht).

Spiele

Eric Berne verfasste auch das Buch „Die Spiele der Erwachsenen“. Darin versucht er auf humorvolle Weise, wiederkehrende eingeschliffene Muster zu erklären. Sie beinhalten verdeckte Transaktionen, die immer wieder dasselbe Ziel verfolgen und deren Ablauf von unbewussten Motiven bestimmt wird. Menschen, die immer wieder aufgrund ihres ‚inneren Skripts‘ dasselbe Spiel spielen, erhalten verlässlich dafür auch immer wieder dasselbe Ergebnis. Dadurch fällt es leichter zu verstehen, warum manchen immer wieder dasselbe zu passieren scheint, obwohl sie meinen, nichts damit zu tun zu haben.

Dazu gehören auch Rollen. Das sog. Dramadreieck besteht aus Opfer, Retter und Verfolger. Viele Menschen haben eine Lieblingsrolle, jedoch kann jeder zwischen den Rollen wechseln. Das Opfer kann zum Verfolger werden, der Verfolger zum Retter.

Das Opfer sieht nicht ein, dass es für sich selbst Verantwortung trägt. Es scheint geradezu Bestätigung darin zu suchen, dass ihm nicht geholfen werden kann. Auch wenn es tatsächlich leidet, traut es sich selbst wenig zu und hält an seinem Opferstatus fest („Ich kann nichts dafür“).

Der Retter erwartet für seine Aufopferung und Hilfsbereitschaft Anerkennung bis hin zu Zuneigung und Liebe. Er rettet nicht aus bewusster Entscheidung heraus, sondern um dafür positive Rückmeldung zu bekommen. Retter trauen den anderen nicht allzuviel zu und suchen förmlich nach Opfern.

Der Verfolger will seine innere Unsicherheit und Unzufriedenheit damit kompensieren, bei anderen Fehler aufzudecken. Er wertet andere ab, um sich selbst aufzuwerten. Sehr oft wechselt das Opfer seine Rolle zum Verfolger – es attackiert jene, die Hilfsangebote machen und wertet sie feindselig ab.

Unterm Strich will die TA einen Beitrag zur Selbsterkenntnis über eigene Verhaltensmuster leisten, damit Beziehungen bewusster gestalten und autonomes Verhalten fördern (Grundeinstellung: “Ich bin ok.- du bist ok.!”). Obwohl es ein Modell ist, von dem Berne meint, es bedürfe keiner tiefschürfenden Erkenntnisse wie in der Psychoanalyse, glaube ich, dass man dies nicht unbedingt so sehen muss. Es ist ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis und kann auch sehr tiefgehende Reflexion auslösen.

Alles in allem halte ich es für eine gute Methode zur Selbsterkenntnis, mit der unbewusste Muster aufgedeckt werden können.

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