Verfasst von: Eva | 07/06/2011

Empathie

Dieser Begriff ist ein Modewort und mir gefällt der altmodische Ausdruck „Einfühlungsvermögen“ weit besser. Es ist ziemlich einfach, herauszufinden, ob ein Mensch in hohem Grad oder nur marginal darüber verfügt.

Erzähle jemand einfach ein seelisches Problem, das dich belastet und warte seine Reaktion ab. Hört er dir aufmerksam zu und zeigt Anteilnahme, dann ist er bei dir. Er bewertet nicht und er beurteilt deine Gefühle nicht, sondern nimmt wahr, dass es dir schlecht geht und begegnet dir mit Mitgefühl, respektiert dein Leiden und versucht nicht, es klein zu machen. So eine Reaktion zeigt von Einfühlsamkeit, weil hier deine Gefühle geachtet werden und in den Gefühlen unterscheiden wir Menschen uns nicht allzu sehr voneinander. Um die Ursachen geht es dabei kaum, denn es gibt Dinge, die treffen den einen sehr tief und den anderen kaum. Dies hängt mit so vielen Faktoren zusammen, dass dies ein Außenstehender nicht einfach sofort nachvollziehen kann. Aber ein Mensch, der einfühlsam ist, fragt nicht nach den Ursachen, sondern er reagiert darauf, wie du dich fühlst.

Dabei ist es völlig egal, ob er selbst schon mal in einer ähnlichen Lage war oder nicht. Denn jeder Mensch hat andere innere und äußere Ressourcen und eine andere Vorgeschichte. Er nimmt einfach Anteil.  Mitgefühl ist keine Reaktion des Verstehens, sondern des Fühlens.

Es gibt aber sehr viele, die ganz anders reagieren. Sie gehen wie selbstverständlich von sich und ihren Ressourcen aus und denken in erster Linie nach dem Motto: „Ich würde an deiner Stelle dies und das tun.“  oder „Das ist doch gar nicht schlimm, ein Unsinn, so darauf zu reagieren.“ Diese Menschen sehen dich nicht, sie sehen nur sich selbst. Sie leben meist in einer ganz anderen inneren und äußeren Situation und gehen von dieser aus. Sie würden vielleicht tatsächlich mit dem, worunter du leidest, kein Problem haben, aber dafür mit ganz anderen Situationen, mit denen du keins haben würdest, kämen sie überhaupt nicht klar. Doch soweit denken diese Menschen nicht.

Und dann gibt es noch diejenigen, die mit genau denselben Problemen, worunter du leidest, auch sehr leiden würden, aber daran überhaupt nicht denken. Sie versuchen sich nicht vorzustellen, wie das für sie selbst wäre, sondern sie sind eben nicht in dieser Lage und reagieren völlig verständnislos. Diese Menschen leben in einem Kokon der Sicherheit, über dessen Rand sie niemals blicken (wollen).

Sich auf andere Menschen einzulassen, ihnen mit Mit- und Feingefühl zu begegnen, setzt voraus, dass wir dem anderen in seinem Sein Respekt zollen. Dass wir ihm weder unsere Sichtweise überstülpen noch unsere Ressourcen andichten oder uns als Experten für das Leben anderer aufspielen. Wir können ihm hilfreich nur mit Empathie begegnen. Einen Menschen zu verstehen, bedeutet, ihn in seinem inneren Bezugsrahmen zu verstehen und nicht in unserem eigenen.

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