Verfasst von: Eva | 10/11/2013

Bewusste Lebensgestaltung

Meine Ausbildung in Systemischem Coaching geht dem Ende zu. In zwei Wochen ist das letzte Kurswochenende. Meine Diplomarbeit habe ich fertig und gestern bereits vor der Gruppe präsentiert – es ist zum Glück gut gelaufen, denn ich bin nicht unbedingt eine erfahrende Vortragende. 🙂

Das Thema „Bewusste Lebensgestaltung“, das ich gewählt habe, ist eines, zu dem ich einen persönlichen Bezug habe, das aber sicherlich auch etliche andere betrifft.

Vor ca. 10 Jahren befand ich mich in einer umfassenden Lebenskrise. Dafür gab es nicht nur eine Ursache, sondern es kam einiges zusammen und ich fühlte mich wirklich extrem schlecht, hatte keine Energie mehr und suchte verzweifelt nach „Energiequellen“. Eine davon war therapeutische Begleitung – sozusagen als situative Unterstützung. Aber außer der Erleichterung, mit jemandem über alles offen reden zu können und keine subjektiven Reaktionen und Ratschläge zu bekommen (wie das sehr oft bei persönlichen Bekannten/Freunden der Fall ist), half sie mir nicht weiter.

Die Wende kam dadurch, dass mir plötzlich klar wurde, dass ich ganz alleine einiges dazu beitragen konnte, meinen Energiepegel wieder zu heben. Das verlief relativ pragmatisch: Ich betrachtete nacheinander die vier Hauptbereiche meines Lebens

  • Beruf
  • Wohnen
  • Soziales
  • Freizeit.

Und hinterfragte ernsthaft, womit ich damit wirklich zufrieden war bzw. was mich belastete. Was letztlich dazu führte, dass ich begann, Schritt für Schritt Dinge zu verändern. Natürlich ging das nicht von heute auf morgen und auch von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es eine Weile.

Letztlich hat sich aber eine Menge getan. Ich nahm mir einen Hund, ein Jahr später bezog ich eine neue Wohnung, ich reduzierte meine Arbeitszeit, beendete soziale Beziehungen, die mir nicht mehr gut taten und widmete mich wieder mehr meiner kunsthandwerklichen/künstlerischen Begabung. Vor allem aber achtete ich ab da immer mehr darauf, wie und wo (bzw. in welcher Gesellschaft) ich mich wirklich wohlfühlte und verwarf immer öfter alles, was mir mehr Energie kostete als es brachte.

Nachdem ich damit durch war, stellte sich ein ganzes Lebensgefühl ein. Ich hatte mir damit echte Ressourcen geschaffen, da nagte nichts mehr ständig im Hintergrund, das ich übergehen musste, ich fühlte mich weitaus authentischer als vorher und vor allem hatte ich mir eine stabile Lebensbasis geschaffen, die mir bei zukünftigen Krisen (die im Leben ja doch nie ausbleiben) Halt gab. Die positive Wirkung übertraf meine anfänglichen Erwartungen um ein Vielfaches.

Und diesem Thema habe ich meine Abschlussarbeit gewidmet. Ich habe dazu einen Fragebogen entwickelt, der zur Selbstreflexion anregen und mehr Klarheit bezüglich der eigenen Zufriedenheit in den obigen Bereichen schaffen soll. Er bildet die Grundlage des begleitenden Coachings. Man kann gut einige der in der Ausbildung vermittelten Instrumente einsetzen, um dem Betroffenen zu helfen, eigene Ideen zu entwickeln – auch wenn er anfangs vielleicht überhaupt keine Möglichkeiten sieht.

Das ist ja der Hauptzweck von Coaching: dem Klienten zu helfen, eigene Lösungen zu entwickeln. Beeinflussung ist tabu, es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Dazu gibt es ein schönes Zitat von Peter F. Schmid, der an der Sigmund-Freud Universität in Wien lehrt und der damit Carl Rogers Personenzentrierte Psychotherapie zusammen fasst:

„Keiner weiß besser, was ihm gut tut und für ihn notwendig ist, als der Betroffene selbst. Wir können einander also nicht beibringen, was für uns gut ist. Nicht mit noch so ausgeklügelten Techniken. Aber wir können einander dabei unterstützen, es selbst herauszufinden.

Coaching ist keine Psychotherapie, auch keine Lebensberatung. Es ist einfach die Begleitung bei der Findung von umsetzbaren Lösungen. Ich finde das ziemlich gut, wenn der Coach das ernst nimmt und auch entsprechend agiert. Mir hätte es damals, als ich selber mühsam auf so vieles alleine kommen musste, sehr geholfen. Man trennt sich unglaublich schwer von eingefahrenen Sichtweisen, wenn einem niemand auf die Sprünge hilft. Zumindest kann dies den Prozess erheblich abkürzen.

In Zukunft möchte ich einen Gutteil meiner Zeit jedenfalls weiterhin diesen Gebieten widmen. Ob ich nun eine weitere Ausbildung mache oder ob ich direkt in einem sozialen Verein oder einer Institution als Coachin arbeiten werde, habe ich noch nicht entschieden. Mir liegt nichts daran, damit viel Geld zu verdienen oder mir einen neuen Beruf in Vollzeit aufzubauen. Mir liegt viel mehr daran, Menschen etwas weiter zu geben, das für sie hilfreich ist und Sinn macht.

Advertisements

Responses

  1. Mir gefällt dieser Artikel sehr gut. Ich würde mich für den von dir entwickelten Fragebogen interessieren. Gibt es eine Möglichkeit ihn zu lesen?


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: