Verfasst von: Eva | 02/01/2014

Heilslehren

Angeregt durch die rege Diskussion um „The Work“, hat die Diskussionsteilnehmerin Karin die Frage aufgeworfen „Wie sollten sich Menschen, die Teile einer universellen Wahrheit begriffen haben, verhalten?“

Ich möchte dieses Thema in diesem Artikel gesondert aufgreifen, weil ich es für sehr wichtig halte. Was geschieht, wenn jemand etwas begriffen hat, das „universell“ ist? Was geschieht in ihm und wie sollte er damit umgehen?

Karin fragt weiter: „Sollten sie besser schweigen, weil die Gefahr besteht, dass sich eine blinde Jüngerschaft um sie schart?
Was ist z.B. mit Mahathma Gandhi, der zum Heiligen hochstilisiert, eine unglaubliche Macht hatte?
Was, wenn er sich geirrt hätte?“

Ich habe mir gestern ein (gebrauchtes, anders war es nicht mehr zu bekommen) Buch über Amazon mit dem Titel „Guru Papers. Masken der Macht“ bestellt. Wenn alles glatt geht, habe ich es Ende nächster Woche. Ich glaube, dass es spannenden Input zu diesem Thema bieten könnte. Und falls es mir zusagt, werde ich es in meinem Blog als Zusammenfassung zur Verfügung stellen.

Auf die Schnelle kann ich mich zu Karins Fragen nicht äußern. Darüber muss ich erst länger nachdenken. Ich weiß zwar, was mich an vielen Heilslehren und -lehrern stört, aber die Frage umgekehrt gestellt „Wie soll man damit umgehen?“ ist eine neue Herausforderung.

Meine spontanen ersten Impulse dazu (sozusagen ein Brainstorming mit mir selbst):

Ich bin der Ansicht, dass ein erwachsener Mensch niemand brauchen sollte, der ihm sagt, wo’s lang geht oder wie er mit sich selbst umgehen soll. Anregungen, Denkanstöße und andere Sichtweisen sind wichtig und oft sehr fruchtbar, aber nicht als Wegweiser, sondern als Grundlage, sich eigene Gedanken darüber zu machen.

Ich glaube, dass wir im Informationszeitalter alle Möglichkeiten dazu haben, uns eine eigene Sichtweise zu erarbeiten. Allerdings bedingt das auch die Beschäftigung mit allem Möglichen, das den Menschen und seine Psyche betrifft und damit auch einen Zeitaufwand. Ich glaube aber, dass er sich lohnt. Wir können jede Menge Bücher lesen – am besten ganz unterschiedliche Richtungen, geschichtliche Ereignisse reflektieren usw. Besonders lohnend fand ich immer wieder, bei etwas, das mich selbst sehr ansprach, mich auch mit Kritiken und Gegenstimmen zu befassen. Fast unerlässlich halte ich überdies, sich ein grundlegendes Wissen über psychologische Erkenntnisse anzueignen. Man muss dabei nicht alles als gegeben hinnehmen, denn die Wahrheit hat niemand gepachtet, aber es hilft sehr dabei, seelische Mechanismen zu verstehen.

Ich meine damit aber nicht solche Bücher wie „The Work“, sondern Informationen von Psychologen, am besten auch von kritischen. Für mich war es faszinierend, einige Bücher von Freud zu lesen, auch wenn die damalige Zeit (die Gesellschaft, in der wir leben, spielt immer eine Rolle) ganz anders war als die heutige, aber ich habe auch vieles andere gelesen (Alexander Lowen – Bioenergetik, Peter Schellenbaum, Verena Kast, Alice Miller, Wolfgang Schmidbauer, Viktor Frankl, Carl Rogers, Eric Berne, Paul Watzlawick, Erich Fromm, Konrad Lorenz,…) und viele weitere von nicht so bekannten Autoren, von denen manche wirklich viel Wertvolles beinhalteten.

Mit der Zeit hat das meinen Horizont bezüglich dieser Themen gewaltig erweitert und dazu beigetragen, meine Sichtweise auszubauen. Es war sozusagen ein „Studium ohne Anleitung“, aber bestimmt nicht weniger intensiv als ein richtiges. Ich habe auch oft erlebt, dass vieles, das ich spürte, von anderen in Worte gefasst und erklärt wurde. Ich bin trotz allem Denken ein sehr pragmatischer Mensch und graue Theorie hat mich nie angesprochen. Ich musste es immer verstehen können und persönlich als wahr empfinden, was ich las. Sonst konnte ich nichts damit anfangen. Denn ich habe nichts einfach nur übernommen, sondern nur manchem zugestimmt.

Von Heilsverkündern habe ich mich instinktiv nie angezogen gefühlt. Ich habe zwar früher auch ein paar esoterische Bücher gelesen, aber etwas in mir hat mich immer gewarnt, mich da nicht ganz reinziehen zu lassen.

Wenn jemand behauptet, nehmen wir Eckhart Tolle als Beispiel: „Chi ist die Verbindung zwischen dem Unmanifesten und dem physischen Universum“, dann spricht mich das überhaupt nicht an. Es ist eine Behauptung, die ein „Chi“ als existent ansieht, obwohl kein Mensch wirklich wissen kann, ob das so ist. Für mich sind solche Aussagen subjektive Interpretationen, reine Philosophie bis hin zu Fantasie. Außerdem hat er das Chi nicht erfunden, sondern von anderen übernommen und einfach geglaubt, dass das so ist. Er kann genau so wenig wissen, ob das so ist, es ist eine rein menschliche Schöpfung. So eine Aussage kann ich also nicht verstehen, ich könnte sie höchstens übernehmen. Ich habe eine viel naturwissenschaftlicheren Zugang, auch wenn das bezüglich menschlichem Verhalten eine gewagte Aussage ist. Trotzdem sehe ich das so.

Er sagt natürlich auch andere Sachen, die ich verstehe und auch unterschreiben würde. Aber nur deshalb, weil ich das auch so sehe und erlebe, nicht, weil ER das sagt.

Vielleicht sind wir damit schon beim Punkt angelangt, um den es bei Heilslehren geht: Es gibt sehr viele Menschen, die sie als Gesamtpaket übernehmen – mit allen Behauptungen, die da aufgestellt werden. Weil ein paar wahre Dinge dabei sind, heißt das aber noch lange nicht, dass alles wahr ist. Vieles ist es nicht, sondern allerhöchstens Spekulation. Heilslehren sind immer geschlossene Systeme, jemand meint, ALLES zu verstehen und das Leben – nicht nur das, sondern auch jede spirituelle Dimension – durchschaut zu haben, am Zenit seiner menschlichen Entwicklung angekommen zu sein. So sehe ich das nicht. Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess und wer meint, er hätte nichts mehr dazu zu lernen, tut nichts anderes, als sich einzubilden, das sei so und schneidet sich damit von jeder Weiterentwicklung ab. Er bliebt auf einer bestimmten Stufe hängen, die sich bei Menschen, die nicht hängen bleiben, nach Jahren im Rückblick als das erweisen könnte, was sie meistens ist: der damalige Entwicklungsstand.

Ich denke zu solchen Aussagen wie über das Chi: das entspringt den Köpfen von Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Mich interessiert nur das Anwendbare, das Nachvollziehbare, das, wo ich spüre, ja – so ist es. Was jemand einfach sagt, das kann zwar durch Sprache, Überzeugungskraft und Auftreten auch sehr faszinieren (ich war vor sehr vielen Jahren sogar mal bei einem Vortrag von Dahlke über „Krankheit als Weg“ und selten hat mich jemand so in seinen Bann gezogen, der war ein begnadeter Redner), aber heute glaube ich das Ganze längst nicht mehr. Einfach weil es Spekulationen sind, die zwar unglaublich gut und schlüssig klingen, die aber weit entfernt von Wissen sind. Es sind nur Interpretationen, etwas, das man bestenfalls glauben kann, weil es sich sehr gut anhört.

Ich glaube aber an keine „Weltformel“, die jemand entdeckt zu haben glaubt und die er dann als Prediger verbreitet. Das geht immer in Richtung religiös gefärbter Sichtweisen. Aber man kann dort nichts beweisen, sondern nur glauben. Ich suche keine neue Religion, ich will mich – und damit automatisch auch die anderen Menschen – besser verstehen, will wissen, wie ich gut im Leben zurecht komme. Und zwar sowohl im Außen als auch im Inneren. Schön, wenn ich wieder etwas entdecke und begreife und mich damit wieder ein Stück weit besser verstehe. Da sind sicherlich eine Menge universeller Wahrheiten dabei, aber manche werden auch nur sehr subjektiv auf mich zutreffen.

Wenn ich etwas verbreiten möchte, dann die Hoffnung, dass man die Suche nie aufgeben soll, auch wenn es einem noch so schlecht geht und man sich nicht vorstellen kann, dass sich das je ändern wir. Es kann sich wieder ändern, nur darf man nicht aufgeben. Aber ich käme nie auf die Idee, jemand anderem zu sagen: DAMIT wirst du geheilt, wenn du das machst, wird dein Leben wieder glücklich. Wie käme ich dazu? Vermutlich würde er es ohnehin nicht verstehen, weil ich ja durch eigene Entwicklung dahin gekommen bin und falls der andere tatsächlich den selben Weg ginge, müsste er ja auch erst diese Entwicklung durchlaufen. Andernfalls würde er nur unkritisch etwas übernehmen. Ich halte viel von Therapie in Form von Hilfe zur Selbsthilfe, ich halte nichts von Anleitungen, denn diese entmündigen und verhindern eher Entwicklung als sie zu fördern. Anleitungen übergehen die Tatsache, dass jeder Mensch ein Individuum ist, das sich von mir unterscheidet.

Und zuletzt noch: wenn ich persönlich an etwas Religiöses glaube, dann ist das meine Privatsache, ich käme nie auf die Idee, damit andere zu missionieren, damit sie dasselbe glauben. Wie käme ich dazu? Was würde mir das bringen? Ich könnte mich damit höchstens als jemand empfinden, der unglaublich hoch entwickelt ist und dem sogar andere folgen. Aber das Bedürfnis habe ich nicht – ich freue mich über jeden einzelnen Menschen, der selbständig denkt.

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Responses

  1. Liebe Eva

    Danke für das spannende Thema. Ich kann nur von mir sprechen. Ich hab selbst sehr wenige Ängste über solche Dinge öffentlich zu diskutieren. Natürlich habe ich für mich eine Privatsphäre, was meine Spiritualität angeht. Spiritualität ist immer eine sehr persönliche Angelegenheit und muss es auch sein, weil wir mit unserer Geschichte, unserer lebendigen Gegenwart und unseren Zukunftswünschen eine eigene Wirklichkeit hinter der materiellen Wirklichkeit erblicken. Die Psychotherapie hat mir stark geholfen auf Kurs zu bleiben und meinen Weg auch in die spirituelle Richtung zu verfolgen.

    Am Ende der Reise angelangt, hab ich gemerkt, dass Spiritualität für mich in dieser reinen Wahrnehmung liegt und das eine körperliche Erfahrung ist. Alles andere würde mich nicht überzeugen, denn auch mich interessieren Heilslehren wenig. Ich muss es sehen, hören, riechen und fühlen können, sonst macht das keinen Sinn. Natürlich passiert es auf der Welt häufig, dass da fremde Wahrnehmungen von irgendwelchen „Meistern“ ungeprüft übernommen werden. Ist ja auch nicht verkehrt und dient als Schutz.

    Mir ist auch mittlerweile klar geworden, was mich von diesen verbinden Erfahrungen trennte: Es war letztlich die Angst vor dem Alleinsein, weil mir das Alleinsein lange den Boden unter den Füssen weggezogen hat.

    Ich hab das All-ein-sein ganz akzeptieren können und ich fühle es nun permanent, diesen höheren Sinn, die unendliche Verbundenheit, die innere Ruhe, den inneren Frieden, …

    Echte Heilung gibt es nur, wenn die Ängste überwunden werden können und wenn der Mut aufgebracht werden kann, bedingungslos der eigenen Wahrheit zu glauben und ihr zu folgen.

    So wie es momentan in der Therapielandschaft ausschaut, geht es in kleinen Schritten in diese Richtung. Natürlich braucht es noch sehr viel Zeit, bis der spirituelle Aspekt in die Therapie integriert ist.

    Echte Spiritualität kommt von ganz tief innen und ist reines Wahrnehmen mit unseren Sinnen. Für mich ist es diese wortlose Welt, die ewig existiert, die mit allem verbunden ist, keine Namen kennt und unglaublich befreiende Momente mit grosser Leichtigkeit generiert.

    Ich finde es sogar wichtig, dass Menschen über solche Erfahrungen sprechen, denn das Thema ist in Wirklichkeit tabu. Viele Menschen, die in eine Psychose geraten, machen solche intensiven Erfahrungen. Blöd ist nur, dass sie nicht verstanden werden und die Therapie nicht auf diese Inhalte eingeht. Die Psychose ist letztlich ein spirituelle Krise und es wird Zeit, das spirituelle Themen auf’s Tapet gebracht werden.

    Nochmals, es gibt keine Heilslehre, denn jeder findet letztlich zu einer ganz eigenen Spiritualität. Es bedarf dazu nicht mal Bücher. Der Weg ist wie oben beschrieben, seiner eigenen Wahrheit ganz zu vertrauen, durch das Alleinsein hindurch zu gehen und in dieser wortlosen Welt anzukommen, wo wir alle verbunden sind, wo es keine Zeit gibt, wo kein Mangel herrscht und wo wir uns sicher und getragen vom Leben fühlen.

    Mit lieben Grüssen
    Martin

  2. Ich bin nicht so die Theoretikerin, und denke oft in Bildern. Deshalb erlaube ich mir hier mal diesen Link vorzuschlagen:

    Dieses Bild von Frida Kahlo kommt mir zu dem Thema in den Sinn.
    Es heißt „Moses und der Schöpfungskern“
    Sie sagt dazu „…Was ich besonders deutlich und klar herausstellen wollte, ist, daß die pure Angst den Menschen dazu treibt, sich Helden und Götter zu erfinden oder vorzustellen.“

    Da sind sie alle vertreten. Von Hitler bis Gandhi.

    Einerseits gruselt es mich, andererseits war auch ich schon öfter froh, wenn wie Du schreibst „… vieles, das ich spürte, von anderen in Worte gefasst und erklärt wurde.“

    Ich würde mich auch sehr freuen andere Meinungen zu der Frage zu hören.

    LG Karin
    ach, und falls jemand eine Quelle kennt, in der angegeben ist wer alles im Einzelnen auf diesem Bild zu sehen ist,-ich wäre sehr dankbar dafür…

  3. Lieber Martin,

    danke für deinen offenen Beitrag. Ja – ich finde auch, dass jeder selber seinen Weg suchen sollte. Was immer du geschrieben hast, es ist nicht dasselbe, was ich empfinde oder denke. Aber das darf sein, jeder Mensch ist anders und ich habe einen anderen Zugang. Der allerdings auch von innen kommt.

    Nur mit einem bin ich gar nicht einverstanden: „Die Psychose ist letztlich ein spirituelle Krise“.

    Das glaube ich nicht, ich glaube viel eher, da steht ein Mensch schon so unter Druck, dass er wirklich im Kopf krank wird. Mir ist deine Sichtweise da zu verharmlosend. Die intensiven Erfahrungen, die er macht, entspringen seinen völlig außer Kontrolle geratenen Vorstellungen und sind wahnhaft. Mit deiner Interpretation kann ich wirklich nichts anfangen, sie erinnert mich eher an Dahlke mit seinem „Krankheit als Weg“.

    Ich habe mal eine Doku über Menschen gesehen, die durch extreme seelische Krisen tatsächlich einen Gehirnschaden davon getragen haben und zwanghaft ständig malen oder schreiben mussten. Das ist keine spirituelle Krise, das ist sehr schlimm für die Betroffenen, weil sie müssen, obwohl sie nicht mehr wollen und doch nicht aussteigen können.

    Bitte deute nicht Psychosen als etwas, das spirituell erklärt werden kann! Weißt du übrigens, dass die katholische Kirche auch heute noch Teufelsaustreibungen macht? Kein Witz – es ist so. Lies mal hier: http://www.theologe.de/theologe9.htm#Verdammt.

    So etwas kann man doch als erwachsener Mensch nicht gutheißen! Aber die sehen das auch als spirituelle Krise…

    Was ist für dich Spiritualität überhaupt? Was verbindest du damit und wie erklärst du diesen Begriff?

    Wir reden oft so locker über Begriffe, als würden alle das Gleiche darunter verstehen. Das ist aber oft ein großer Irrtum. Mich würde sehr interessieren, was du unter Spiritualität verstehst und was unter spiritueller Krise.

    LG
    Eva

  4. Liebe Karin,

    ein tolles Bild von Frida Kahlo! Die konnte wirklich gut malen, eine Gabe, die ich nicht genug hoch schätzen kann!

    Ich kenne leider keine Quelle, die angibt, wer da aller abgebildet ist. Mir persönlich wäre das auch nicht wichtig, weil es die Aussage ja nicht verändert, wer da aller gemalt wurde, aber wenn es dir wichtig ist, versuche es über Google – vielleicht kannst du dich so weiter hanteln und irgendwo eine Stelle finden, die das weiß.

    Ihre Aussage „daß die pure Angst den Menschen dazu treibt, sich Helden und Götter zu erfinden oder vorzustellen.” finde ich unheimlich klug und einsichtig. Ich sehe das ziemlich ähnlich.

    Dabei war diese Frau eine wirklich extrem Leidende. Und trotzdem verlor sie nie ihren kritischen Geist. Eine außergewöhnliche Frau!

    LG
    Eva

  5. Ich habe jetzt ein wenig Zeit mit Nachdenken – und Nachlesen – verbracht und verschiedene Auslegungen von Spiritualität zusammen getragen:

    – eine vom Glauben getragene geistige Orientierung
    – immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit, die dennoch erfahr- oder erahnbar ist (Erwachen, Einsicht, Erkennen) und die der Lebensgestaltung eine Orientierung gibt.
    – eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung
    – Suchen nach dem Heiligen

    Und ich muss sagen, dass das alles nicht mein Ding ist.

    Eine vom Glauben getragene Orientierung will ich nicht. Das fühlt sich für mich nach Ersatz-Orientierung an, weil man keine eigene hat.

    Ob es eine sinnlich nicht fassbare Wirklichkeit gibt, die zumindest erahnbar ist, ist mir auch viel zu schwammig. In erster Linie sehe ich meinen menschlichen Auftrag darin, mich als Mensch weiter zu entwickeln und was sich daraus ergibt, sehe ich dann jeweils nach der Weiterentwicklung/Reife.

    Ich habe auch keine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung. MIr kommt das eher als Ersatzbefriedigung vor, wenn man mit der Realität nicht zurecht kommt. Viel zu verkopft!

    Und nach dem Heiligen (was immer man darunter verstehen mag) suche ich schon gar nicht. Dazu bin ich nicht religiös genug.

    Aber ich habe auch eine Auslegung der „Humanistischen Psychologie“ gefunden, die mich sehr anspricht:

    „Die humanistischen Theorien in der Psychologie wurden maßgeblich von Abraham Maslow und Carl Rogers geprägt. Die Persönlichkeit entwickelt sich mit dem Ziel, sich selbst zu verwirklichen. Die eigenen Fähigkeiten und Talente sollen entwickelt werden, um das innere Potential zu realisieren. Das Streben nach Selbstverwirklichung ist zugleich der „Organisator“ all der unterschiedlichen Kräfte, deren Zusammenspiel ununterbrochen das erschafft, was eine Person ausmacht … Dieses angeborene Streben nach Selbsterfüllung und nach Realisierung des eigenen einzigartigen Potentials ist eine konstruktive leitende Kraft, die jede Person im Allgemeinen zu positiven Verhaltensweisen und zur Weiterentwicklung des Selbst bewegt.“

    Demnach bin ich eher – wenn man schon kategorisieren muss – eine Anhängerin der humanistischen Psychologie. In mir fühlen sich diese Aussagen äußerst stimmig an.

    Das innere Potenzial zu verwirklichen bedeutet für mich nichts anderes, als sich von Prägungen, Blockaden und Einschränkungen zu befreien, die das verhindern. Aber wo das Potenzial liegt und wie es sich ausdrückt, das kann man nur spüren. Und man spürt es auch unter Garantie: nämlich dann, wenn man sein Wesen authentisch ausdrücken kann.

    Um sein Wesen aber authentisch ausdrücken zu können, muss man sich von einschränkenden Vorstellungen, die oft nur Antwort auf frühe Mängel sind, befreien. Wie das jemand schafft, ist individuell verschieden, allerdings glaube ich, dass es allen hilft, seine Geschichte – und damit sich selber zu verstehen.

    Es gibt ja eine Menge Leute, die mit ihren Prägungen ein Leben lang weiter leben. Dass das so ist, ist an sich nichts Schlechtes, weil Prägung ja von der Natur her vorgesehen ist. Wir werden in ein Umfeld hinein geboren, durch das wir alles lernen. Ganz egal, wie destruktiv oder selbstschädlich das auch sein mag. Das ist einfach mit der menschlichen Natur verbunden. Ebenso mit der tierischen, denn darin unterscheiden wir uns von Tieren nicht.

    Wir lernen sozusagen unser Selbstbild von anderen, ebenso wie die Orientierung im Leben. Wenn uns die aber von selbst neurotischen Personen überliefert wird, befinden wir uns in derem System. Es ist sehr mühsam und aufwändig, irgendwann da wieder auszusteigen, bedeutet wirklich viel Arbeit an uns selbst, weil wir ja praktisch gegen unser genetisches Programm agieren. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, übernimmt er anfangs automatisch alles von seinen Bezugspersonen.

    Und das hinter sich zu lassen und zu einer neuen Sichtweise zu finden, ist meist Schwerstarbeit! Wir haben diese Brille aufgesetzt bekommen, ob wir wollten oder nicht. Und es macht in vielem auch Sinn. Wir lernen lesen und schreiben, profitieren von der vorherigen Generation und übernehmen deren Wissensstand.

    Aber – was nicht so klar ist – wir übernehmen genau so deren neurotische Einstellungen und Problematik. Kein Kind kann sagen, das übernehme ich und das nicht…

    Das nicht Lebensförderliche wieder abzulegen und zu einer neuen, gesunden Sichtweise zu finden, bedeutet, dass wir uns intensiv damit auseinander setzen müssen. Was an mir ist echt und was an mir ist Folge meiner frühen Prägung? Was davon finde ich für mich heute als erwachsenen Menschen noch immer gut, weil es mir entspricht, gut, und was davon finde ich schlecht, weil es mich irgendwie davon abhält, der/diejenige zu sein, der/die ich bin?

    Es ist aber sicher keine gute Lösung, sich in dieser Situation einem Führer anzuschließen, der vorgibt, was gut und schlecht (für mich bzw. für alle) ist. Das kann total ins Auge gehen, weil es – und da möchte ich allen widersprechen, die meinen, sie hätten in irgendwelchen Heilslehren etwas Hilfreiches gefunden – es war nur etwas Abwehrendes. Abwehr ist wichtig und lebenszugewandt, wenn sie Seele (noch) nicht anders kann. Aber wenn das als „Erlösung“ verkauft wird, heißt das nichts anderes, als dass Abwehr als Lösung verkauft wird.

    Alle Religionen der Welt bauen darauf auf. Auch die Esoterik, die zwar keine einheiltiche Organisation hat und wo beliebig unterschiedliche Glaubensinhalte vermittelt werden können, tut das.

    Es gibt immer zwei Wege durch Leid: Den der Abwehr und den mitten durch. Im ersten Fall fühlen wir uns sehr rasch davon erlöst, im zweiten nicht. Weshalb wohl auch der zweite nicht sonderlich beliebt ist.

    Abwehr ist aber keine Dauerlösung, es sei denn, wir machen uns total abhängig von diesen Techniken, Methoden oder Denk-Schemata.

    Was ich persönlich nicht ganz verstehe, ist, dass die Leute, die dem anhängen, so gar keine innere Warnstimme dagegen haben. Bei mir ist die ganz stark, aber ich bin auch ein sehr intensiv fühlender Mensch.

    LG
    Eva

  6. Liebe Eva

    In einem ganz grossen Bogen betrachtet ist Abwehr eine natürliche Reaktion gegen eine drohende Veränderung. Um da hindurch zu gehen braucht es einen starken Willen und einen starke innere Überzeugung. Wenige halte das Tal der Tränen auf Dauer aus und viele erliegen den verführerischen Angeboten der entsprechenden Szenen.

    Zur Psychose möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äussern, weil das den Rahmen dieses Blogs sprengen würde. Es ist mir in den Sinn gekommen, weil Menschen in der Psychose oft sehr intensive spirituelle Erfahrungen machen.

    Für mich ist Spiritualität die Wahrnehmung dieser wortlosen Welt, die öfters mal in Bildern zu mir spricht. Die Erfahrung kommt immer immer wieder und ich plane sie nicht. Sie überfällt mich. Manchmal schwebe ich, öfters ist es diese wortlose Verbundenheit, immer wieder ist es die Natur, die mir das Gefühl gibt, dass alles perfekt ist und manchmal ist es die bewusste Reise nach Innen, die von Tagträumen begleitet wird. Schwer zu sagen was Spiritualität ist. Es ist ebenso schwer zu sagen, was sie nicht ist. Auf jeden Fall ist es ein ganz persönliches Erleben, da bin ich mir sehr sicher.

    Liebe Grüsse
    Martin

  7. Mir geht es ähnlich, Martin, dass ich im Kontakt mit der Natur manchmal die Verbundenheit mit Allem, was da ist, spüre. Eine kurze Befreiung aus der Ichzentriertheit, oder besser, dem Spannungsfeld, das ich mal „Ich und die Anderen“ nennen möchte. Das sind Momente, in denen mein Herz ganz weit wird und friedlich und voller Glück. Das klingt jetzt ein bißchen kitschig, aber genauso erlebe ich es.
    Aber das sind eben Momente. Die meiste Zeit bin ich beschäftigt mit der großen Lebensaufgabe „Ich und die Anderen“.
    Wir sind soziale Wesen. Wir leben in Familienverbänden, Städten und Staaten. Wir wollen uns im anderen wiederfinden. Warum sonst sollten wir alle hier schreiben.
    Martin du schreibst in der „Work“ Diskussion: „Eigentlich müsste streng genommen jede Religion, Glaubensrichtung, spirituelle Szene oder esoterische Ausrichtung als solche abgelehnt werden. Jeder denkende, fühlende, handelnde und wahrnehmende Mensch hat letztlich seine ureigenen Glaubenssätze und Überzeugungen. Nur, bis die gefunden sind, rennt er bestimmten Richtungen hinter her, die ihm ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bieten.“
    Ja, und jeder Mensch hat seinen ureigenen Weg der Entwicklung.
    Die Frage, die ich mir (und Euch) aber stelle, sind „sprirituelle“ Lehrer nur als gefährlich und überflüssig zu betrachten?
    Ich für meinen Teil bin dankbar für Vorbilder, ich laufe allerdings auch nicht Gefahr die Verantwortung für mich selbst abzugeben

    viele Grüße
    Karin

  8. Liebe Karin,

    bei mir hat das Gefühl, mich mit allem verbunden zu fühlen (ich möchte das aber anders für mich ausdrücken – es ist ein Gefühl der vollkommenen Präsenz und Lebendigkeit, sozusagen ein Einssein mit mir selbst) nichts mit der Natur zu tun. Ich bin eigentlich gerne Stadtmensch, wenn ich in einem grüneren Eckchen wohnen kann.
    Da ich aber täglich mit meinem Hund draußen bin, oft auch im Wiener Prater oder der Lobau, bin ich natürlich relativ oft in der Natur. Ich brauche das, es hat aber nicht unbedingt damit zu tun, wie gut es mir geht.

    Solche Momente/Tage kann ich überall erleben, ob alleine oder mit anderen. Da ich alleine lebe und sozial wenig Einbindung habe, bin ich nicht so viel mit „Ich und die anderen“ beschäftigt, weil ich doch ziemlich viel Zeit mit mir alleine (bzw. mit meinen Tieren) verbringe. Aber ich liebe den geistigen Austausch – den man ja zum Glück auch virtuell ganz gut haben kann. Und ich habe auch Freunde, aber eben wenige.

    Ich kann dir deine Frage, ob spirituelle Lehrer überflüssig sind, nur von meiner Warte aus beantworten: da ich keine spirituellen Lehrer suche oder je gesucht habe, sind sie für mich überflüssig. Alles religiös Gefärbte spricht mich nicht wirklich an. Zudem ist das halt schon wieder etwas, das man glauben kann oder nicht, es ist nichts Greifbares für mich.

    Dass sie gefährlich sein können, glaube ich jedoch schon – siehe div. Sekten, wo Menschen komplett entmündigt werden. Dass vieles auch nicht so ist, wie es verbreitet wird, gefällt mir auch ganz und gar nicht. Der momentane „Superstar“ Dalai Lama spricht ständig von Frieden und Gewaltlosigkeit u.dgl. und wenn man über die Geschichte Tibets nachliest, schaut das Ganze doch sehr viel anders aus. 95% der Bevölkerung waren Leibeigene oder Sklaven, die Macht lag nur in den Händen der Klöster und Lamas. Bestrafungen wie Nase abschneiden oder Gliedmaßen abhacken waren an der Tagesordnung.

    Ich denke, der Mensch neigt sehr dazu, schöne Geschichten zu glauben, weil er haben möchte, dass sie wahr sind und kann damit ordentlich getäuscht werden.

    Vorbilder sind für meine Begriffe wieder etwas anderes, das müssen ja nicht spirituelle Lehrer sein. Wobei ich allerdings auch keine Vorbilder suche. Ich habe viele Biografien gelesen und es war eher so, dass mich manches deshalb sehr angesprochen hat, weil ich im Inneren Ähnlichkeiten spürte und es spannend fand, wie diese Menschen leben. Oder ich fand gar keine Ähnlichkeiten und fand auch das faszinierend. Dasselbe trifft auf Bücher zu, in denen Menschen ihre Einstellungen, Gedanken und Erkenntnisse veröffentlichen. Da ist manchmal viel Resonanz in mir dazu, manchmal kann ich damit gar nichts anfangen, manchmal denke ich nur „Was für ein Unsinn“.

    Es ist auch normal und es spricht nichts dagegen, wenn Menschen Halt und Sicherheit in gewissen Lehren finden. Aber wenn sie da hängen bleiben und nie weiter gehen, tritt Entwicklungsstillstand ein. Meist auch so eine umfassende Fokussierung darauf, dass keine eigenen Regeln im Leben mehr aufgestellt werden. Die Lehre wird nie in Frage gestellt, alles, was dort gesagt wird, ist vollkommen wahr und beeinflusst das gesamte Denken und Fühlen der Anhänger.

    Das widerspricht irgendwie einem selbständigen Leben, daher finde ich es nicht gut. Man kann die Massen gut lenken, solange ihre Mitglieder nicht eigenständig denken/fühlen. Und dann liegt es in der Hand des Gurus/Führers, wohin er sie lenkt. Der ist aber auch nur ein Mensch und kein Mensch ist perfekt oder vollkommen. Jeder lässt sich mehr oder weniger von Macht berauschen, der Erfolg kann leicht zu Kopf steigen. Vor allem – sie haben ja keine Kritik zu erwarten, wenn ihnen alle folgen, das halte ich für brandgefährlich, weil sie jeden Irrtum frei leben können und ihnen niemand entgegen tritt.

    Religionen sind dafür ein besonders gutes Beispiel, aber nicht nur. Ich weiß nicht, warum so viele Menschen das Bedürfnis haben, sich solchen Lehren anzuschließen und andere wiederum gar nicht. Also, woran das liegt.

    Denn ganz kann es auch nicht stimmen, dass man vielleicht nicht weit genug in seiner Selbständigkeit entwickelt ist, solange man so jemand nachrennt. Ich habe das nie gewollt, nicht mal als Jugendliche und ich kenne vereinzelt Menschen, die dazu auch überhaupt nicht neigen.

    LG
    Eva

  9. Liebe Karin

    Ich hab immer wieder mal wieder „Vorbilder“ gesucht bzw. Phasen gehabt, wo ich spirituell auf der Suche war. Jetzt wo ich sehr stark mit mir verbunden bin, hab ich gar nicht das Bedürfnis und mir fehlt auch nichts in dieser Richtung.

    Ich glaub an Gott, aber auf meine ganz eigene Art und Weise. Die Beziehung zu Gott ist sehr persönlich und da mag ich auch nicht öffentlich darüber sprechen. Gott ist nur ein Teil meiner Spiritualität. Viel näher sind mir diese wortlosen Momente, wo mich ein Schauer überkommt, ich leicht werde und fast schon schwebe. Die Erfahrung kann ich nicht mit Worten beschreiben und das ist auch gut so, denn Worte können neben dem Nutzen zu Kommunikation auch vieles zerstören.

    Wenn die Kinder von klein auf darin unterstützt würden, ihre Gedanken, Gefühle, Absichten und Wahrnehmung 100% ernst zu nehmen, bräuchte es keine spirituellen Leitfiguren, Gemeinschaften oder sonst was in der der Richtung. Kinder sind noch sehr verbunden mit der wortlosen Welt und ich glaub, die Gesellschaft zerstört da auf lange Sicht mehr als sie hilft aufzubauen.

    Letztlich mache ich keine Trennung zwischen dem realen Leben auf der Erde und meiner Hinwendung zur Transzendenz. Ich glaub sogar, das Gegenteil ist der Fall, denn je mehr ich mit beiden Füssen in der Realität stehe, umso stärker fühle ich mich mit allem verbunden. Auch das ist wieder eine ganz eigene Wahrnehmung, die bestimmt nur für mich so stimmig ist.

    Liebe Grüsse
    Martin

  10. Lieber Martin,

    ich bin auch davon überzeugt, dass Kinder alles haben, was sie später als Erwachsene wieder mühsam finden müssen, weil sie durch die Sozialisation den Zugang dazu verloren haben.

    „Ich glaub sogar, das Gegenteil ist der Fall, denn je mehr ich mit beiden Füssen in der Realität stehe, umso stärker fühle ich mich mit allem verbunden. Auch das ist wieder eine ganz eigene Wahrnehmung, die bestimmt nur für mich so stimmig ist. “
    Nein, Martin, das empfinde ich auch so. Das ist es, was ich mit „Präsenz“ meine – man ist wirklich da und nicht irgendwo in Vorstellungen gefangen.

    Hab heute erst wieder ziemlich spät Zeit, erwarte jetzt Gäste. 🙂
    LG
    Eva

  11. Meine Gäste sind zufrieden wieder abgezogen, wir haben zuletzt zwei Stunden Trivial Pursuit gespielt und beschlossen, zukünftig regelmäßig Spielabende zu veranstalten. Das tut zwischendurch sehr gut, ist eine nette Geselligkeit und macht viel Spaß.

    Ich kann da aber auch gleich wieder einen Bogen zum Thema Heilslehren spannen, denn wie aus anderen Artikeln ersichtlich, habe ich mich ja einige Jahre sehr intensiv mit Astrologie befasst, letztlich aber die ganze Sache mit den Horoskopen komplett verworfen.

    Man könnte Astrologie aber auch in gewissem Sinn als Heilslehre ansehen, nämlich insofern, als dahinter ja ein Glaubenssystem mit einer bestimmten Philosophie steht.

    Kein einziger Mensch, der dieses System bejaht, hat es selber erfunden oder ist durch eigene Erkenntnisse dahin gekommen. Es ist ein System, dem man sich glaubend anschließen kann – oder eben nicht.

    Da ich damals sehr auf Selbstsuche war, hat es irgendwann meinen Weg gekreuzt und ich fühlte mich davon angesprochen. Vor allem hat es meine analytische Seite herausgefordert, da ich nun mal ziemlich analytisch denke. Es war spannend, solange ich alles geglaubt habe, es hat sich für mich aber in dem Moment überlebt, als meine Zweifel den Glauben ausgehebelt haben.

    Mir ist auf einmal klar geworden, dass es fast irrwitzig ist, einen Menschen durch irgendwelche Grafiken verstehen zu wollen. Und in gewissem Sinn sogar Abwehr von echter Begegnung ist. Abgestoßen fühlte ich mich ab da vor allem von dem Übereifer vieler Anhänger, die sich so darauf fixiert hatten, dass sie nur mehr in diesen Bahnen denken konnten. Eine massive Einschränkung der eigenen Wahrnehmung.

    Aber noch etwas hat mich dazu bewogen, das Ganze fallen zu lassen: ich dachte mir, was brauch ich ein Theoriegebilde, das mir erklärt, wie ich bin oder wie andere sind, wenn ich doch ein Mensch mit allen Sinnen und einem gesunden Denkvermögen bin? Ich habe alles, um das selbst heraus zu finden, zu sehen, zu spüren, zu fühlen.

    Davon wird man durch Astrologie komplett abgehalten. Weil man sich ja in festgelegten Bahnen bewegt, die die eigene Orientierung ersetzen. Ich bin mir sozusagen meiner eigenen „Autorität“ bewusst geworden und brauchte ab da keine Lehren mehr als Orientierungshilfe.

    Das war ein qualitativer Sprung auf eine andere Ebene. Es ging nicht mehr darum, das Übernommene/Vorgegebene noch tiefer und noch besser zu verstehen und immer mehr Expertin darin zu werden, sondern darum, dass ich meine eigene Expertin für das Leben sein will.

    Aber ich habe auch von der Astrologie einiges mitgenommen, das ich als wertvoll erachte. Nicht ein Horoskop zu deuten (Gott bewahre!), sondern zum Beispiel, dass man erstens sehr viele verschiedene Bereiche und Seiten in sich hat, die sich teilweise auch widersprechen könnten, solange man sie nicht in Harmonie gebracht hat oder dass man auf ganz verschiedenen Ebenen Bedürfnisse hat (Energien) hat, die man ernähren muss.

    Wenn ich also über sehr analytisches Denken verfüge, braucht diese Seite ein Betätigungsfeld, wenn ich zusätzlich viel Humor habe, braucht auch der Nahrung, wenn ich dazu sehr tiefgehend bin, darf ich das auch nicht einfach „verhungern“ lassen, wenn ich auch über eine hohe Kreativität verfüge, muss ich die auch irgendwo ausdrücken, wenn ich sehr sensibel auf etliches reagiere, muss ich dem Rechnung tragen usw. usw.

    Für mich bedeutet das, „für sich selbst gut sorgen“. Und das kann man eigentlich nur, wenn man sich selbst wirklich gut kennt. Heilslehren gehen im allgemeinen nicht auf das wirklich Individuelle ein, meistens wird „Wahrheit“ (in Wirklichkeit sind es Thesen) verbreitet, die für alle gelten soll.

    Sich an sich selbst zu orientieren, bedingt aber entweder ein Elternhaus, das das von Anfang unterstützt hat (wie Martin auch sagte) oder eben nicht und dann hat man einen sehr langen Weg vor sich, wenn man das trotzdem irgendwann verwirklichen möchte.

    Solange man im Außen nach Orientierung sucht, ist man noch nicht auf diesem Weg. Klar hilft es, sich mit vielem zu befassen, weil ja niemand das Rad neu erfinden muss, aber auf keinen Fall kann es bedeuten, sich in ein geschlossenes Glaubenssystem zu begeben und dort zu bleiben.

    Sehr viele, die sich aber dorthin begeben, kommen nie mehr raus. Sie sind indoktriniert und weil sie sich nicht vorstellen können, ihre eigene Autorität zu werden, bleiben sie dabei.

    Ich las dazu mal in einem Buch von Viktor Frankl eine ebenso berührende wie erheiternde Geschichte. Es ging um eine Frau, die lange psychisch sehr beeinträchtigt war und jahrelang x-fach behandelt wurde, auch medikamentös und irgendwo in einem Aufwachraum war (leider habe ich die genauen Umstände nicht mehr in Erinnerung). Das ganze Ärztekollegium beugte sich erwartungsvoll über sie, als sie die Augen aufschlug. Sie sah sich um und alle hingen an ihren Lippen, was sie zuerst sagen würde. Sie sagte: „Leckt’s mich alle am Arsch.“ 🙂 🙂

    Auch so kann man „spirituelles Erwachen“ beschreiben. Denn das war es wirklich für diese Frau, die endlich erkannte, wie wahnsinnig sie unter dem Joch anderer gestanden hatte und sich nie auf sich selbst besonnen hatte. Trotz seiner wissenschaftlichen Denkweise und zweifellos hoch ausgebildeten Intelligenz war Frankl ein sehr bodenständiger Mann und man zerkugelt sich, wenn man das liest. Er hat die Reaktion der Frau übrigens selbst als positiv bewertet.

    LG
    Eva

  12. Liebe Eva,

    Das ist eine wunderschöne Geschichte 😀
    Ich habe beruflich viel psychisch Kranken zu tun, und frage mich oft ob es immer hilfreich ist, die gesamte Verantwortung für sich und sein Anderssein in die Hände von Professionellen zu legen.
    Ein bißchen was von dem Zitierten empfinde ich als sehr gesund.

    Liebe Gruß
    Karin

  13. Liebe Karin,

    es kann natürlich sein, dass die langjährige Behandlung diese Frau an den Punkt gebracht hat, irgendwann „auszusteigen“. Insofern war es zwar kein einfacher Weg und kein direkter Therapieerfolg, aber alles zusammen hat letztlich dazu beigetragen, dass sie aus ihrer inneren Misere raus kam.

    Es ist oft so, dass die Wende erst an dem Punkt „wo man nicht mehr kann“, eintritt. Weil man da selbst seine Abwehrstrategien und Muster nicht mehr aufrecht erhalten kann.

    So schlimm das auch sein mag – manchmal gibt es keinen anderen Weg. Daher halte ich alle Lehren, die im Grunde eigentlich nur die Symptome bekämpfen, für kontraproduktiv. MIt halbwegs erträglichen Symptomen kann man es das ganze Leben mehr oder minder gut schaffen, aber es kommt auch nie zu echter Befreiung, Lebendigkeit und Authentizität.

    Ich rede hier aber nicht von schweren psychischen Erkrankungen wie Psychosen, denn wenn es sich um eine echte Krankheit handelt, kann man das so nicht auflösen. Ich rede von an sich geistig gesunden Menschen, die aber einen Berg Neurosen angehäuft haben, meist verbunden mit einem brüchigen Selbstwertgefühl und vielen inneren Blockaden.

    Ich glaube nicht, dass man solche Blockaden durch noch so schöne Worte auflösen kann. Das ist zu wenig. Man muss damit in Kontakt kommen, man muss sie fühlen, um sich selbst zu begreifen.

    Wie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, sind es in Therapien meist gar nicht die Worte, die heilen, sondern die Beziehung zwischen Therapeut und Klient. Obwohl Rogers personenzentrierte Gesprächsführung nicht neu ist, möchte dennoch einen Auszug davon wiedergeben, denn ich finde, Rogers hat das schon früh erkannt:

    „Der Therapeut ist authentisch, d.h. er hat Zugang zu seinen eigenen Gefühlen und ist sich dieser auch bewusst. Er versucht, sich in den inneren Bezugsrahmen des Klienten einzufühlen und dessen Gefühle wahrzunehmen (Empathie). Der Klient erfährt so das Gefühl der bedingungslosen positiven Wertschätzung als das, was er in seiner menschlichen Gesamtheit ist.

    Es gibt keine Vorgaben oder Anweisungen seitens des Therapeuten, er belehrt und bewertet nicht, tröstet nicht und redet nicht über eigene Erfahrungen. Der Klient spricht über das, was er möchte, der Therapeut hört vor allem aufmerksam zu. Diesen Ansatz nennt man auch „nicht-direktiv“.

    Laut Rogers ist jedem Organismus die Tendenz zur Selbstaktualisierung inne: Alles Leben versucht, den für sich besten inneren Zustand zu erreichen. Indem nun der Therapeut den Klienten so annimmt, wie er ist, kann der Klient sein, wie er ist und somit alles, was er bisher unterdrückt und weggeschoben hat, erlebbar machen.

    Die bedingungslose positive Wertschätzung verspricht jedoch nicht den Anspruch auf „Kuscheltherapie“, denn der Therapeut versucht, seine Gefühle dem Klienten gegenüber wahrzunehmen und auch mitzuteilen. Diese können durchaus aggressiv oder traurig gefärbt sein, je nach dem, was der Therapeut wahrnimmt.

    Indem der Therapeut Gefühlswahrnehmungen ausspricht, passiert es oftmals, dass der Klient feststellt, dass es das ist, was er selbst auch schon fühlt, aber aus vielerlei Gründen bisher nicht ausgesprochen oder sich eingestanden hat.

    Gerade in der heutigen Zeit haben viele Menschen das Gefühl, funktionieren zu müssen. Im Beruf, in der Familie und in vielen anderen Bereichen wird erwartet, dass Regeln eingehalten werden – auch gegen die eigenen Vorstellungen. Gefühle wie Wut, Aggression oder Trauer, die sich daraufhin entwickeln, werden vom Klienten oft nicht wahrgenommen oder verdrängt, weil sie eben nicht „erwünscht“ sind. So entsteht langsam ein Leidensdruck, der oft lange nicht wahrgenommen wird und sich dann in Burnout-Syndromen oder Depressionen, Ängsten und Phobien Bahn bricht.

    Die Erfahrung, die der Klient in der Gesprächspsychotherapie macht, nämlich bedingungslos angenommen zu werden mit allen Stärken und Schwächen, einfach in seiner Gesamtheit als Mensch, kann den Heilungsprozess in Gang bringen.

    Im Laufe des Therapieprozesses setzt eine Veränderung ein, d. h. der Klient kann allmählich akzeptieren, was ist, und dies in seine Vorstellung vom eigenen Selbst integrieren. Das geschieht in eben jener wertungsfreien und annehmenden Beziehung zwischen Klient und Therapeut. „Es ist die Beziehung, die heilt…“ “

    Ich kann das nur unterschreiben, weil auch ich in einer Therapie vor etlichen Jahren diese bedingungslose Wertschätzung erlebt habe und durch dieses Erleben wusste ich auf einmal, wie es sich anfühlt, bedingungslos angenommen zu werden. In der Folge wurde mir immer mehr Selbstannahme selber möglich. Damit haben sich viele Probleme, die ich schon lange mitgeschleppt hatte, langsam aufgelöst.

    Es war mir sehr, sehr wichtig, dass ich in keine Richtung gedrängt oder geleitet wurde, sondern dass ich einfach sein durfte, wie ich war. Und die Entwicklung aus mir heraus geschah. Denn das schuf echtes Selbstvertrauen.

    Vielleicht verstehst du jetzt besser, warum für mich direktive Methoden nichts sind.

    LG
    Eva

  14. Liebe Eva

    Du hast das Thema „direktive Methode“ sehr präzise auf den Punkt gebracht. Rogers war seiner Zeit weit voraus.

    Es ist bestimmt auch ein Ideal, was du formulierst, denn um bedingungslos zu lieben, muss die eigene Person bedingungslos angenommen werden. Ja, es tut gut, auf Menschen zu treffen, die einem in schwierigen Zeiten bedingungslos annehmen und zu nichts drängen. Ich erlebe oft das Gegenteil, dass Menschen meinen, sie wüssten, was mir fehlt. Ich frag nicht mal nach Hilfe und prompt krieg ich irgendwann Ratschläge 🙂

    Manche Menschen halten belastende Gefühle nicht aus und haben einfachste Rezepte dagegen entwickelt. Ich nehme es ihnen nicht übel, denn die Welt der Gefühle verbindet uns alle, wir gehen nur anders mit ihnen um.

    Es hat doch jede(r) schon erlebt, dass wir uns sicher waren, was der Welt fehlt und was sie in Wirklichkeit braucht. So wie KB für sich eine stimmige Lösung gefunden hat und die Welt daran teil haben will, suchen wir doch auch nach Wegen, Krisen zu überwinden und andere an möglichen Lösungen teilhaben zu lassen.

    Wenn ich am Punkt ankomme, wo ich mich nicht getrennt von diesen ganzen Gurus erlebe, erlebe ich inneren Frieden. Wir sitzen alle im selben Boot und die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen führt uns auf unseren ganz eigenen Weg und unsere ganze eigene Wahrheit 🙂

    Liebe Grüsse
    Martin

  15. Hallo zusammen,
    ich denke nicht, daß spirituelle Füher überflüssig sind. Ich für mich kann sagen, daß ich aus jedem Text den ich gelesen habe irgendwas für mich mitgenommen habe und sei es nur die Erkenntnis, dass ich es anderes sehe. Allerdings ist mir sehr schnell klar geworden, dass es weder den schnellen Weg zu sich selbst gibt, noch die Universallösung und das ist glaube ich ein Problem von vielen. In unserer Zeit, in der keiner mehr Zeit hat…geschweige denn für sich…suchen zu viele die ultimative Lösung jetzt alle Probleme mit einem Schlag, möglichst noch ohne Aufwand loszuwerden. Der „Guru“ wird als Vorbild so empor gehoben, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Das eigene Denken wird weiterhin unterdrückt, weil man sich ja mit Gleichgesinnten so bestätigt fühlt. Der spirituelle Führer hat dann die schwere Aufgabe sich bei all den Bewunderern nicht zu verlieren. Wenn es dann noch ein Machtmensch ist, kann der Schuss schnell mal nach hinten losgehen. Das sieht man dann in Sekten sehr gut. Ich persönlich habe glücklicherweise ein extremes Frühwarnsystem, dass mit sofortiger Abneigung gegen Sekten und alles was auf eine Person geeigt ist reagiert. Für mich gibt es nicht nur einen Weg…wobei doch gibt es doch…nämlich meinen. Immer wenn ich wiedermal vor einem riesigen Felsbrocken auf meinen Weg stehe, suche ich eine Lösung die für mich passt. Da kann mich aber der Bettler morgens vorm Supermarkt genauso auf die Lösung bringen, wie einer von den „Gurus“ unserer Zeit. Genauso kann ich morgens aufwachen und die Lösung im Schlaf gefunden haben. Für mich ist es völlig egal woher die Lösung kommt. Ich neige aber auch nicht zu Vergötterung von anderen Menschen. Ich habe mal einen bekannten Musiker getroffen und mich nett über die Musik mit ihm ausgetauscht. Als ich dann ging ohne nach einem Autogram gefragt zu haben, fragte er verwirrt nach…da war ich wohl die Erste…ich hab nur gesagt, naja ich weiß ja das Du schreiben kannst, da brauch ich keinen Beweis für. Mir gibt sowas einfach nichts. Die Verehrung anderer Personen ist soviel leichter als sich Selbst als wunderbare Person anzunehmen. Die eigene Verehrung wird verteufelt, als Egoismus runtergemacht. Wie schlecht das für die eigene Seele ist, sieht man in der Gesellschaft. Wie hart der Kampf ist, zu sich selbst zu finden…obwohl die Gesellschaft das eigentlich verhindern will, bekomme ich grad selbst zu spüren. Es ist schon erschreckend wieviele Leute mir sagen, dass ich etwas nicht machen kann, weil tut man nicht…und das obwohl sie selbst darunter leiden. Die Angst, der Gesellschaftsdruck verlangt schon eine große Portion Mut diesen Weg trotzdem zu gehen. Wo sollen die Menschen den her haben? Wurde doch der Mut ebenfalls immer unterdrückt…der Mensch schon als Kind durch Regeln und Maßregelungen klein gehalten. Das Selbstbewusstsein gesellschaftsangepasst geformt. Um dort auszubrechen, braucht ein Mensch input. Dinge worüber er nachdenken kann um nach und nach seine eigenen Weisheiten zu entwickeln und authentisch zu werden. Schlimm ist, wenn die Menschen ein angepasstes, geregeltes Leben gegen eine andere angepasste Lebenform austauschen. Wie z.B. in Sekten. Man fühlt sich frei, weil anders als früher und merkt gar nicht, dass man in einer noch schlimmeren Hölle feststeckt. Merkt man es endlich ist der Druck, die Angst, die gesellschaftliche Ausgrenzung so hoch, dass man in der Hölle bleibt. Bei den Menschen ausserhalb von Sekten, sehe ich die Gefahr des Stillstandes ebenso wie Eva. Ich finde es interessant alles möglich zu lesen und mir das für mich passende mitzunehmen und ich gestatte mir auch dieses wieder zu verwerfen, wenn es nicht mehr passt. Das ist aber oft nicht vorgesehen. Eine gute Heilslehre gibt und lässt frei. Ich such noch 😉
    Genauso erlebe ich übrigens auch meine Therapie. Ich rede mit einem Menschen, der sich mehr mit der Psyche beschäftigt hat als ich. Ich lerne von ihr. Sie gibt mir Impulse über mein Verhalten nachzudenken, weil vieles halt anerzogen ist. Sie hilft mir ebenfalls die Depression als Krankheit zu verstehen und somit mit meiner Mutter besser umzugehen. Ich nehm immer was zum nachdenken mit, aber ob ich das so annehme oder nicht ist meine Entscheidung. Und das ist mir auch verdammt wichtig, nur so funktioniert das Ganze für mich. Ab und an kommen Dinge, die ich einfach testen muss. Da muss ich mich schon überwinden, aber wenn ich dann feststelle es passiert gar nichts…hab ich mit einem Schlag wirklich viel gelernt. Selbsterfahrung ist so verdammt wichtig und ist das was bei mir am schnellsten und vor allem nachhaltigsten Gedanken verändert.
    Ich denke wenn alle Menschen in der Lage wären, bei sich zu bleiben…zu sehen das der eigene Weg nur von einem selbst gegangen werden kann…dann wäre alle Heilslehren eine Bereicherung und es würde gar keine „Gurus“ geben, weil keiner die Meinung eines anderen als seine eigene sehen würde. Damit wäre die Grundlage, die eine Anhängerschaft ausmacht ja nicht mehr da. Was ich dabei auch toll finden würde…wieviel mehr Gedanken und Meinungen gäbe es, wenn wirklich jeder seine eigene hätte. Was wäre die Welt mit einem Schlag interessanter wenn auch noch jeder dazu stehen würde. Aber das geht wohl nur in einer Welt ohne Neid und Gier. Schade.
    Wünsche allen eine gute Nacht
    Sanny

  16. Ich bin ganz deiner Meinung, Sanny. Du siehst das alles im Grunde so wie ich auch.
    Wobei ich aber glaube, solange es Heilslehren gibt, wird es auch Anhänger und Bewunderer geben, die dieses System komplett zu ihrem machen. Daher lese ich viel lieber über verschiedene psychologische Richtungen, da wird nie so ein Hype drum gemacht.

    LG
    Eva

    P.S. Möchte mal eine richtige Pause vom Bloggen machen und wollte auch die Kommentare abschalten, habe mich dann aber doch dagegen entschieden. Kommentare bleiben offen. Habe momentan aber einfach nicht die Zeit für mehr.

  17. Liebe Eva,

    Danke für den Raum zum Reflektieren, den Du hier geschaffen hast,
    und viel Erfolg und Freude bei den Dingen, denen Du Dich jetzt widmest.

    LG, Karin

  18. Liebe Karin,

    es geht nicht nur um andere Dinge (schon auch), denen ich mich widmen möchte, sondern auch darum, dass ich auf mich aufpassen muss. Ich neige dazu, mich Dingen sehr intensiv zu widmen – so auch dem Bloggen, Kommentieren etc.. Allerdings spüre ich dann nach einiger Zeit, dass ich eine Pause brauche, um nicht zu fokussiert auf eins zu sein, sonst gerate ich aus der Balance.

    Früher konnte weniger gut damit umgehen, was mir zum Teil auch ziemlich geschadet hat. Heute kenne ich mich jedoch schon sehr gut und weiß, wie ich mit vielem umgehen muss, damit ich mir nicht selber schade.
    Denn mein ureigener Rhythmus bleibt der des sehr Intensiven mit ungeheurer Energie – und nachfolgenden „ruhigen“ Zeiten, in denen ich mich davon wieder ablöse – um irgendwann, soferne mir daran liegt, wieder einzusteigen. 🙂

    LG
    Eva

  19. Liebe Alle, Ich schreibe jetzt hier, weil ich denke,dass es ja durchaus in diese Diskussion passt:
    Vielen Dank an Eva für ihre Rezension von „Masken der Macht“. Ich halte es für sehr wichtig, sich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen.
    Für mich stellt es sich so dar, dass es um die Auseinandersetzung mit Macht und Autorität geht, und die damit verbundene Gefahr des Machtmissbrauchs und Autoritarismus, und dabei ist es für mich gleichgültig, ob er spritueller, psychologischer oder politischer Natur ist.
    LG Karin

  20. Liebe Karin,

    das wird im Buch auch so gesehen – dass es dasselbe natürlich (in inhaltlichen Abwandlungen, aber mit denselben bzw. ähnlichen Mechanismen) auch in anderen Bereichen gibt. Von der Politik wissen wir das ja alle, dass es aber auch am „spirituellen Sektor“ so ist, ist vielen weit weniger klar. Deshalb wollten sie sich dem Thema annehmen. Es ist nämlich ziemlich egal, in welchem Bereich es solche Führer-Folger-Beziehungen gibt, grundlegend basieren sie auf denselben psychologischen Mustern, wobei natürlich jeder Bereich seine Besonderheiten aufweist. Es geht, glaube ich, immer um Absolutismus, um das offene oder stillschweigende Verbot von Kritik, wovon diese Systeme leben. Anders können sie keine „Gewissheit“ bieten, nach der viele Menschen als Antwort auf ihre Probleme suchen.

    LG
    Eva


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