Verfasst von: Eva | 13/05/2014

Conchita Wurst

cwAus aktuellem Anlass möchte ich meine Gedanken zu der großen – positiven und negativen -Aufregung um Conchitas Sieg beim Eurovisions Song Contest aufschreiben.

Zuerst: ich habe mich sehr über den Sieg gefreut, obwohl mich der Song Contest eigentlich nur mäßig bis wenig interessiert. Es ist aber nicht so, dass mich in allererster Linie der österreichische Sieg gefreut hat (das natürlich auch), sondern dass sowohl Song, Stimme und Performance ein wirklich sehr stimmiges Ganzes ergaben und dass das honoriert wurde, OBWOHL Conchita so ein provokanter Paradiesvogel ist.

Die Botschaft entfaltete sich erst durch den Sieg. Hätte sie nicht gewonnen, wäre es niemals dazu gekommen. Ihre auffällige Erscheinung hätte zwar noch eine Zeitlang ein paar Pressemeldungen nach sich gezogen, aber alles in allem wäre das Ganze nie so hochgekocht.

Die Sensation war, dass sie gewonnen hat – dazu noch mit deutlichem Vorsprung. Ich halte das für gerechtfertigt, denn sie war (auch wenn man über Geschmack nicht streiten kann) wirklich gut. Aber da war noch etwas und das dürften sehr viele gespürt haben: von ihr ging eine Kraft aus, die anrührte. Die Kraft der Authentizität.

Und dafür haben Menschen feine Sensoren. Es sei denn, sie sind so in ihren Vorurteilen so gefangen, dass ihnen der Sinn dafür abhanden gekommen ist. Das wirklich Schöne war jedoch, dass europaweit sehr viele Menschen das gespürt haben.

Selbstverständlich polarisiert so ein Auftritt enorm. Diejenigen, die von vornherein ablehnend eingestellt waren und alles, was Conchita repräsentiert, hassen, hätten auch dann nicht zustimmend reagiert, wenn sie wie eine Göttin gesungen hätte – selbst wenn sie das trotz aller Ressentiments wahrgenommen hätten.

Daher denke ich, dass sie die vielen Menschen, die für sie angerufen haben, nicht zu mehr Toleranz „bekehrt“ hat, sondern dass das Thema keine Rolle mehr gespielt hat. Es ging nicht darum, dass Millionen es gut fanden, dass sie als Mann in Frauenkleidern und mit Bart aufgetreten ist, sondern dass es keine Rolle spielte.

Das ist eine Stufe, die über Toleranz hinaus geht: es ist nicht ausschlaggebend, wer wie aussieht oder welchen Lebensentwurf er lebt – er ruft ein Gefühl der Zustimmung und Begeisterung hervor. Es ist nicht wichtig, ob er hetero- oder homosexuell ist, er zählt als Mensch mit seiner Ausstrahlung und seinen Fähigkeiten.

Etwas zu tolerieren, hat noch immer ein bisschen etwas von einer privilegierten Position, von der aus Dinge, die nicht „üblich“ sind, hingenommen werden ohne feindselig zu reagieren. Es aber als selbstverständlichen Teil der großen Bandbreite menschlicher Daseinsformen anzusehen, ist mehr als Toleranz. Es ist im Grunde die Freiheit, die ich anderen (und mir selbst) zugestehe.

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