Verfasst von: Eva | 22/01/2015

Das Phänomen abrupter Kontaktabbruch

20140826_193237 (1280x960)Beziehungen sind nichts Statisches in unserem Leben. Ich meine mit Beziehungen jetzt nicht ausschließlich Partnerschaften, sondern auch Freundschaften, die Beziehung zu den eigenen Kindern, Geschwistern oder zur Ursprungsfamilie. Sie sind nicht statisch, weil weder das Leben noch die Menschen selber statisch sind. Innere Entwicklungen, äußere Umstände oder schlicht und einfach Auseinanderleben setzen manchen Beziehungen auch wieder ein Ende. Selbst wenn man es nicht so wollte, ist das nicht immer zu verhindern. Es gehört zum Lauf des Lebens.

Es gibt jedoch eine besondere Art von Beziehungsende, das nur sehr schwer zu verkraften ist und für sehr lange Zeit eine große Belastung darstellen kann: den Kontaktabbruch.

Es gilt hier jedoch zu unterscheiden, ob es sich um einen Kontaktabbruch handelt, dem lange Zeit massive Beziehungsprobleme vorausgegangen sind und damit quasi die Notbremse von einer Seite gezogen wurde – oder ob er praktisch aus dem Nichts kommt.

Jeder Mensch möchte die Dinge, mit denen er persönlich konfrontiert ist, verstehen. Andernfalls müsste er in völliger Orientierungslosigkeit leben und würde sich im Leben nicht zurechtfinden. Der Mensch braucht also Erklärungen. Ob diese Erklärungen immer realitätsgerecht sind, steht auf einem anderen Blatt, denn viele klammern sich einfach an Scheinerklärungen, weil sie keine besseren haben.

Was geschieht nun mit einem Menschen, der einen plötzlichen Kontaktabbruch erlebt?

Ich denke, die erste Reaktion ist das Nichtwahrhaben. Es ist (noch) so unvorstellbar, dass es ernst gemeint sein könnte, dass eine Zeitlang immer wieder die Kontaktaufnahme gesucht wird. Jeder kann einmal im Zorn etwas Schlimmes sagen oder Impulsives tun, das der andere nicht nachvollziehen kann.

Wenn aber tatsächlich längere Zeit keine Antwort mehr kommt (außer vielleicht noch ein paar weitere zurückweisende und harte Worte), beginnt man zu realisieren, dass das keine kurzfristige Wutreaktion war. Wenn man nach stunden- und tagelangem Grübeln einfach kein Motiv zu finden vermag, befindet man sich plötzlich in einer Orientierungslosigkeit, die kaum auszuhalten ist.

Man sucht daher weiter nach Motiven, untersucht die kleinste Kleinigkeit, die man gesagt, getan oder unterlassen haben könnte, welche den Kontaktabbruch wenigstens irgendwie erklären könnte. Aber es findet sich wieder nichts.

Wir drehen uns im Kreis, stellen tausend Vermutungen an, reden mit anderen darüber, die allerdings auch nur den Kopf schütteln können – oder weitere Vermutungen liefern. Was am Ende bleibt, ist ein schlichtes

„Ich verstehe es nicht“.

Dem Menschen, von Geburt an soziales Wesen, eine wichtige Beziehung abrupt ohne jede verständliche Erklärung zu entziehen, bedeutet jedoch eine massive Entwertung.

Die Botschaft ist deutlich: „Du bist so unwichtig, dass du es nicht Wert bist, mit dir darüber zu reden. Zugleich schwingt mit, dass alles positiv gemeinsam Erlebte null und nichtig war.

Was bringt jemanden dazu, so grausam zu sein?

Darauf gibt es eigentlich nur zwei mögliche Antworten:

Entweder war tatsächlich alles nur pure Illusion und der vermeintliche Freund ein abgebrühter und verlogener Mensch, für den man nur solange interessant war, als er sich Vorteile von einem versprach. Und als keine mehr zu erwarten waren, wurde man gleichgültig „entsorgt“. Es gibt leider etliche solcher Menschen und es ist ein schwacher Trost, dass man davon ausgehen kann, dass er an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leidet.

(Definition Wikipedia:„Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann.“)

Oder – die zweite Möglichkeit – man hat unbeabsichtigt einen dermaßen wunden Punkt im anderen getroffen, dass dieser augenblicklich alle Abwehrstrategien auffährt, die ihm zur Verfügung stehen. Damit will er die Verletzungen und/oder die Angst, die dahinter liegen, wieder zurückzudrängen. Das Phänomen könnte durch eine – für einen selbst völlig belanglose – Bemerkung, die ihn schwer getroffen hat oder auch einfach dadurch ausgelöst worden sein, dass ihm etwas Positives zu nahe ging.

Was sehr nahe geht – egal ob positiv oder negativ – stellt für Menschen, die noch viel Unverarbeitetes in sich tragen, eine enorme Bedrohung dar. Es könnte ihre „Fassade“ antasten. Fassaden entstehen aus Abwehr des Ursprünglichen und Echten in uns, weil damit zu viel Schmerzhaftes verbunden ist. Es ist keine bewusste Strategie, sondern eine, die verletzten Kindern automatisch das Überleben sichert. Was nicht ausgehalten werden kann, muss ausgeblendet werden, denn Ziel alles Lebens ist es, sich selbst zu erhalten.

Leider nehmen wir diese Strategien mit in unser Erwachsenenleben. Wenn wir uns nicht bewusst darum bemühen, dies alles zu hinterfragen, um uns damit auf tieferer Ebene verstehen zu lernen, begleiten uns diese Strategien ein Leben lang. Sie machen niemanden glücklich, ganz im Gegenteil. Aber sie geben (vermeintliche) Sicherheit – zum einen durch jahrzehntelang Gewohntes, zum anderen dadurch, nicht mehr den irgendwo tief im Inneren eingesperrten Schmerz fühlen zu müssen.

Ich weiß jedoch aus Erfahrung, dass die Angst immer schlimmer wird, je mehr man gegen sie ankämpft. Man wehrt sich praktisch mit aller Kraft, die man hat, gegen seine eigenen lebendigen Anteile. Das kann von heftigen Unruhezuständen über körperliche Symptome bis hin zu Panikattacken führen.

Das Paradoxe ist jedoch, dass wir nicht vor den alten Schmerzen Angst haben (die wir als Erwachsener durchaus vorübergehend aushalten können, vor allem, da die Befreiung und Erleichterung auf dem Fuß folgt – zudem haben wir sie ja auch als Kind überlebt), sondern wir haben am meisten Angst vor der Angst. Es ist die Angst des Kindes, das wir einmal waren, es ist nicht die Angst des Erwachsenen. Da wir aber in diesen Momenten wieder auf die Gefühlsebene des Kindes zurückfallen, können wir das nicht mehr auseinander halten. Wir fühlen dieselbe Angst wie damals und tun wieder dasselbe: wir wollen sie soweit wie möglich wegschieben.

Verdrängt ist aber nicht aufgehoben. Wir werden lebenslänglich davon begleitet, wenn wir nicht den Mut haben, uns ihr zu stellen. Der Preis dafür ist mehr als hoch. Wir dürfen uns selbst niemals nahe kommen und damit dürfen wir auch anderen niemals nahe kommen. Wir sind dazu verurteilt, ewig ein Fassadenleben zu führen und ständig allem auszuweichen, das es bedrohen könnte. Kurzum: wir führen ein extrem reduziertes Leben, wir haben nur einen Teil unserer Energie zur Verfügung.  Wir werden immer wieder mit unerklärlichen Ängsten, Beklemmungen, depressive Phasen und anderen schlimmen Symptomen zu kämpfen haben, ohne jemals zu verstehen, warum das so ist.

Dennoch – instinktiv wird jeder Mensch vor seiner Angst flüchten und alles tun, um sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Dafür wird er notfalls auch andere Menschen opfern, denn es geht in diesen Momenten um puren Selbsterhaltungstrieb.

Wohin das führt, ist aber nicht dem Leben zugewandt, sondern ganz im Gegenteil: das Lebendige wird mitsamt der Angst begraben.

Wer sich selber immer wieder auf diese Weise im Stich lässt – so wie er früher von seinen Bezugspersonen im Stich gelassen wurde, schafft es nicht, sich selber liebevoll anzunehmen. Er braucht keine lieblosen Eltern mehr, er ist es selbst geworden.

Wir lernen heutzutage sehr viel, wir häufen Wissen an wie die Verrückten. Ein Gutteil davon ist völlig nutzlos. Leider werden solche tiefen Zusammenhänge nirgendwo vermittelt (außer man macht eine psychologische Ausbildung oder bildet sich darin autodidaktisch). Dabei ist dieses Wissen immens wichtig, weil es jeden einzelnen Menschen betrifft. Es müsste nicht immer nur extremer Leidensdruck sein, der uns dazu bringt, uns endlich mit professioneller Hilfe unserem Inneren zu zuzuwenden, es könnte auch das Wissen um die Zusammenhänge sein, das uns sehr dabei hilft, sich selbst zu verstehen. Den Schmerz erspart es uns zwar nicht, aber wer keine Ahnung hat, warum was in ihm vorgeht, ist ihm ausgeliefert und sieht keinen anderen Weg der Abhilfe, als vor dem Unangehmen zu flüchten.

Fatal ist dazu noch, dass wir von so vielen Menschen umgeben sind, die nichts anderes kennen, als in ihren Abwehrstrategien zu leben. Dies wird zur „Normalität“ erhoben. Der Mensch als soziales Wesen orientiert sich aber an dem, was „normal“ gilt. Von daher steht er vor einer weiteren Hürde, will er einen anderen Weg gehen: er muss sich von dieser „Normalität“ lösen.

Deshalb kann jeder nur für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Das Wissen um psychische Zusammenhänge halte ich aber für eine Grundbedingung dafür, überhaupt  Wahlmöglichkeiten zu haben.

Wenn er sich trotzdem dafür entscheidet, bei seinen Abwehrstrategien zu bleiben, ist das zu respektieren. Jeder kann nur so, wie er eben kann und es sich zutraut. Manchmal braucht es auch mehrere Anläufe, weil der Zeitpunkt noch nicht der richtige ist. Dass für ihn aber trotzdem immer die Gefahr besteht, dass seine Abwehr irgendwann unter zu großer Belastung zusammenbricht, muss er einkalkulieren. Er könnte seine Kompensationsmöglichkeiten und äußeren Stützen unerwartet verlieren und dann auf die denkbar schlimmste Weise mit seinen Ängsten und Schmerzen konfrontiert werden. Mit einer derartigen Krisen ist nicht mehr zu spaßen, sie können tatsächlich existenzbedrohend sein.

Was bleibt also für den Menschen, der aufgrund der Abwehrstrategien eines anderen sehr verletzt wurde? Ihm bleibt leider nichts anderes übrig, als es hinzunehmen und damit zu leben. Er wird sich damit abfinden müssen, sich lange Zeit in einer Spirale aus Zuneigung, Trauer, Hoffnung und Wut im Kreise zu drehen, will er nicht selber mit Abwehrstrategien antworten (etwa, indem er den anderen nun gnadenlos entwertet). Er muss mit seinen verletzten Gefühlen leben und akzeptieren, dass:

die noch immer vorhandene Zuneigung,

die schmerzliche Trauer,

die Hoffnung auf Wiederbegegnung und

die Wut über die Verletzung

im Wechselspiel eine Weile zu seinem Leben gehören werden.  Dieser Zustand hält nicht ewig an. Mit der Zeit wird sich die Spirale langsamer drehen und die Gefühle schwächer werden. Allen Emotionen, denen man Raum gibt, ist gemein, dass sie irgendwann „ausgelebt“ sind. Eine Narbe mag bleiben, vielleicht aber auch nicht.

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Responses

  1. Danke Eva für dein Verständnis und deine Worte. Ein Sprichwort sagt: „Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.“ Auch meine Eltern haben mir früher viel aufgezwungen, weil sie glaubten, es wäre das beste für mich, was aber quatsch war. Am liebsten würde ich für ihn hoffen, dass er Frieden und Glück findet, aber derzeit ist der Schmerz darüber noch zu groß, dass er meinen Weg nicht mehr begleiten möchte. Eine letzte Frage habe ich noch: Würdest du es in Ordnung finden, wenn man sich nach einem solchen Kontaktabbruch in einem halben Jahr oder Jahr sich wieder bei der Person meldet. Nicht um weiter zu diskutieren oder wieder von vorne zu beginnen, sondern einfach nur um sich zu erkundigen, wie es ihm geht und was er so macht. Lg Lisa

    • Liebe Lisa,

      falls meine Antwort inhaltsgleich irgendwann 2x erscheint, wundere dich nicht. Ich habe gerade geschrieben und es war auf einmal weg. Also versuche ich, es zu reproduzieren.
      Ich fände es gar nicht gut, wenn du dich wieder bei ihm meldest. Es ist für dich selber schlecht, weil du dann innerlich „dran“ bleibst. Sozusagen betrügst du dich damit selber, denn dann lässt du nicht wirklich los. Ich halte den gesunden Mindestabstand für 1 Jahr. Da das aber in die Weihnachtszeit fällt (sentimentale Anwandlungen!), würde ich eher sagen, Februar 2018 wäre besser. Trag es dir einfach in den Kalender ein und du wirst ja sehen, wie dann dein Blickwinkel ist und ob du das überhaupt noch willst. Das ist jetzt eine spontane Idee, soll keine „Anweisung“ oder dringender Ratschlag sein – ich sage das sowieso nur, weil du mich danach gefragt hast. Sonst kommen wir ja in die Schiene – ich sag dir, was du tun sollst – und das fände ich gar nicht gut.
      Deine Wortwahl „dass er meinen Weg nicht mehr begleiten möchte“ ist so aussagekräftig. Wieso sollte er deinen Weg begleiten? Er muss ja seinen eigenen gehen. Wenn du reifen willst und dich von deiner Vergangenheit losstrampeln willst, kannst du das nur alleine machen. Jede Ersatz-Figur, mit der du wieder eine Symbiose eingehst, verhindert das. Begleitung kann eine gute Therapeutin sein, aber mit ihr bist du emotional nicht verstrickt und sie ist neutral. Viele verstehen den Wert dieser Neutralität und gesunden Distanz nicht, aber er ist sehr groß. Wenn das nämlich nicht der Fall ist, kommen unweigerlich die eigenen Bedürfnisse ins Spiel und man versucht den anderen, dorthin zu lenken, wo man ihn für diese eigenen Bedürfnisse haben will. Da kann sich dann im Grunde nichts mehr entwickeln, weil es die Freiheit dazu nicht gibt.
      Lisa – ich kenne viele, zähle mich auch dazu (früher) – die gute Absichten haben. Aber es sind keine guten Absichten für den anderen, sondern für sich. Wenn du das einmal wirklich begreifst, löst sich das Missionarische in dir auf und du hast einen Entwicklungssprung gemacht. Ich hatte viele Jahre eine Freundin, die praktisch bei allen wusste, was am besten für sie ist, auch bei mir. Mir ist das viel zu wenig aufgefallen, weil auch ich eine sehr bestimmende Familie hatte und daran gewöhnt war. D.h nicht, dass ich es getan habe, aber ich war immer auf der Rechtfertigungsschiene. Und als ich innerlich soweit war, das Ganze zu verstehen, habe ich reinen Tisch gemacht. Sie war so wütend auf mich, dass sich die Freundschaft aufgelöst hat. Das ging damals sogar von mir aus, weil ich es plötzlich unerträglich fand, dass sie ununterbrochen wusste, wie jeder zu leben hätte. Und bei genauerem Blick war auch klar, dass sie selber viele Baustellen hatte, für die sie ziemlich blind war. Es war einfach unmöglich geworden, noch einen Modus für eine Fortsetzung der Freundschaft zu finden. Witzigerweise entstammte sie auch einer extrem bestimmenden Familie, worüber sie sich auch sehr beklagte – aber gemacht hat sie dasselbe.
      Und so gehen wir uns selber auf den Leim, sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und laufen doch in alten Mustern, die wir natürlich mit allerlei intellektuellen Erklärungen vor uns selber schönreden. Ich kenne das aber nicht nur von anderen, sondern auch von mir selbst. Sonst würde ich darüber gar nicht reden, dann wär’s ja nur graue Theorie. 🙂

      LG
      Eva

  2. Hallo Eva, auch ich muss mich an dich wenden, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Ich habe vor ca. 8 Monaten einen Mann kennengelernt, ganz unerwartet. Ich kam frisch aus einer 13 Jährigen Ehe mit Kind (5).
    Und da war er plötzlich. Die Beziehung war von Anfang an sehr fest, so dass wir relativ schnell von „Liebe“ sprachen. Da wir die gleiche Nationalität und Weltanschauung haben hat es einfach noch besser gepasst.
    Trotz allem war die Beziehung von Anfang an mit Streit behaftet, wobei ich auch von mir sage muss, mich engt es schnell ein (durch die vorangegangene Ehe) wenn es gleich zu „ernst“ wird. Auf der anderen Seite habe ich ihn ja geliebt und wir wollten ein gemeinsames Leben aufbauen und er zog zu mir.
    Zu seiner Vorgeschichte. Eltern trennen sich, da war er 10 Jahre alt. Er und sein Bruder leben beim Vater. 1 Bruder bei der Mutter, die er aber über 4 Jahre nicht sehen darf (vom Vater aus) erst nach 4 Jahren, nur ein mal die Woche besuchen darf. Mit 19 ist er von seinen Eltern „abgehauen“ Hat sie 11 Jahre nicht mehr gesehen.

    Nun kam es immer häufiger zum Streit zwischen uns. Er EXTREM eifersüchtig auf meinen Exmann, mit dem ich aber gezwungenermaßen Kontakt haben MUSS, wegen meiner 5 Jährigen Tochter.
    Wutausbrüche deswegen. Und wenn ich mich mit Freunden traf, waren die entweder schlecht, nicht gut für mich. Und mein Sport war auch nicht gut für mich, wer weiß was ich da treibe (musste dann auch Standortangaben senden von mir aus. sonst hat er mir nicht geglaubt)
    ich bin hier seine einzige „Angehörige“ Familie wohnt im Ausland, gute Freunde sind auch weit weg.

    Seine guten Seiten waren aber unglaublich schön, Er hat sich bemüht mich glücklich zu machen und mir Freiraum zu geben, hat aber darunter gelitten.
    2 -3 Mal On/Off. Mit Kontaktabbruch (wurde überall blockiert). Und wieder mit Selbstvorwürfen….und Entschuldigungen. Ich habe das Gefühl er hat unter „sich“ selbst gelitten.

    Nun ja, treffen mit Freunden, wurden als „im Stich lassen“ von ihm genannt. Einen Tagesausflug mit Familie (während er arbeitete) ging gar nicht.
    So „traute“ ich mich auch nicht mehr Dinge zu unternehmen, da er meinte, ich will mein Leben leben, während er „leidet“. Im Gegenzug nahm er sich auch nicht frei, um mitzukommen. Er hat oft depressive Phasen, mag sich selber nicht und konnte oft nicht fassen, wie „so eine tollte Frau mit ihm zusammen ist“.
    Er hatte immer das Gefühl von innerlicher Zerrissenheit und Leere, Taubheitsgefühl. Er „spürt“ sich nicht.

    Aber so tief wie die „Tiefs“ waren, so hoch waren auch die Hochs. Wir haben eine super schöne Zeit mit einander verbracht. Sprachen von Heirat, haben die Wohnung gemeinsam eingerichtet. Alles Hand in Hand, ein Team.

    Nun kam es zwischen den Jahren zu einem Vorfall, an dem ich spontan mit meinen Geschwistern (Bruder wohnt weit weg und kommt selten ) einen Tagesausflug gemacht habe. Ich habe ihm nicht Bescheid gesagt wo hin ich fahre, habe ihn aber einen Abend vorher gefragt, ob er mit kommt, wir wollen eine Stadt besuchen.
    Das es dann Straßburg wurde, habe ich ihm von unterwegs nicht gesagt, weil er mir von der Arbeit aus schrieb, wie schlecht es ihm geht und ich wollte ihn damit nicht noch mehr verletzen und war auch im Auto bereits unterwegs ( ich bin gefahren). ich war um 19 Uhr wieder zu Hause. Er kommt gegen 20. Uhr von der Arbeit.
    Dann der Knall. Er kam warf mir unseren Schlüssel hin und war weg. Noch ein Telefonat. Er : Ich hätte ihn verraten, ich mache was ich will, ich hätte alles über seinen Kopf hin weg geplant, er wird mir jetzt zeigen was ein richtiger Mann ist“…..Telefon aus, Facebook blockiert, Whatsapp blockiert….
    Er ist weg…..Hat NICHTS mitgenommen, keines seiner Dokumente, seine Kleidung bis aufs letzte Hemd……teure Jacken, Schuhe…..alles hier.
    Seinen Arbeitsplatz (seine absolute Leidenschaft) ist er nicht mehr angetreten…..sein Material (Friseur)da gelassen.
    3 Tage später eine kurze Mail: Hi es ist schwer wieder zusammen zu kommen, ich bin außerhalb von Deutschland, Ich wünsche dir viel Glück…
    Danach nichts mehr…..

    ich mache mir RIESEIGE Vorwürfe….hätte ich dies….hätte ich das. Aber ich habe nicht schlimmes getan, ich habe einen Tagesausflug mit meinen Geschwistern unternommen, ich war abends wieder da. (Ich weiß, mein Fehler war, dass ich es nicht ordentlich abgesprochen habe, das macht man nicht)

    Trotzdem…ich stehe nun da….er hat mich, meine Tochter (die er geliebt hat) seinen Arbeitsplatz, meine Eltern (haben sich super verstanden) einfach verlassen. Ich bin Fassungslos.
    Keine Antwort. Was soll ich mit seiner Kleidung machen ?
    Mit seinen Dokumenten?
    Er hat seine Existent aufgegeben, Angeblich wegen mir.

    10 Tage ist es jetzt her und ich zermürbe mich fast. Er lässt mir keinen Raum, um mich zu erklären, mich zu entschuldigen. Darüber zu reden.

    Ich bin am Ende…..:(

    LG
    Soraya

    • Liebe Soraya,

      ich kenne diesen Mann ja nicht, von dem du schreibst. Aber wenn es ungefähr so lief, wie du schilderst, handelt es sich um einen Menschen, der große Probleme hat. Seine schwierigen Familienverhältnisse haben sicher in großem Ausmaß dazu beigetragen, aber ich fürchte, es wird dir nichts nützen, wenn du die Zusammenhänge verstehst. Der Einzige, für den das wichtig sein sollte, ist er selbst – soferne er sich damit auseinander setzen möchte. Das kannst du nicht beeinflussen und es ist nicht deine Aufgabe.
      Womit du dich aber sinnvoll auseinander setzen solltest, bist du und deine Geschichte. Mir kam spontan bei deinen Zeilen der Gedanke, dass du dich sehr schwer damit tust, zwischen einem psychisch stabilen und labilen, problembehafteten zu unterscheiden. Es mag sein, dass dieser Mann seine guten Seiten hat und dass du diese geschätzt hast, aber er hat auch eine Menge kranker Anteile, die man jetzt nicht nur als harmlose Marotten abtun kann. Mich wundert, dass du dich so von ihm hast kontrollieren lassen. Das hört sich äußerst ungesund an und hat mit Liebe überhaupt nichts zu tun. Dann das Depressive, das im Wechsel mit extremen Hochs auftaucht – das hört sich fast nach manisch-depressiv an.
      Du möchtest dich erklären, dich entschuldigen, darüber reden und bist entsetzt über seine Flucht. Diese hat aber weniger mit dir als mit ihm zu tun. Eine wirklich gesunde Reaktion deinerseits wäre, dich vor solchen Menschen fernzuhalten, um dich selbst zu schützen. Alleine schon, wenn ich deine Ausführungen lese, läuten in mir alle Alarmglocken und ich käme nie auf die Idee, das Verhalten dieses Mannes zu verharmlosen. Und schon gar nicht würde ich mich in seine kranke Welt hineinziehen lassen wollen.
      Im Grunde ist die Aufgabe, vor der du wirklich stehst, verstehen zu lernen, warum du da ganz anders reagierst. Seine Probleme sind nicht deine, aber dir scheint auch nicht klar zu sein, wie groß seine Probleme überhaupt sind. Man kann mit solchen Menschen unmöglich eine gesunde Partnerschaft führen, dazu müsste er erst einmal selber gesund werden. Aber das soll nicht von deiner Problematik ablenken – und zwar, dass du die Fehler großteils auch bei dir suchst und meinst, dich nicht gut genug verhalten zu haben. Auch wenn Nationalität und Weltanschauung verbindend waren – das ist doch nicht genug. Wenn du Freunde triffst, fühlt er sich „im Stich gelassen“, das Senden von Standortangaben, wenn du ohne ihn unterwegs warst – das ist einfach krank und dessen solltest du dir bewusst werden. Falls du die unselige Neigung vieler Frauen hast, ihn „retten“ oder „heilen“ zu können, sitzt du einer Illusion auf. Oft will man sich damit nur selber retten – aber leider auf völlig untaugliche Weise, weil man meist nur das Gegenteil damit erreicht: nämlich sich selbst so in die ungesunde Welt des anderen verstrickt, dass am Ende beide in eine Sackgasse geraten.
      Insoferne kann ich dir nur raten, setz dich mit dir selber auseinander (warum lässt du dir so viel gefallen und siehst nicht das Ungesunde an diesem Mann/dieser Beziehung?) bzw. suche dir Hilfe dabei. Das kann dir wirklich weiter helfen. Und er ist selber dafür verantwortlich, wie seine Entwicklung weiter geht – oder auch nicht.
      Alles Gute!
      LG
      Eva

  3. Hallo Eva,

    ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen. Interessant. Natürlich habe ich auch eine Geschichte mit einem Kontaktabbruch. Meine „beste Freundin“ sie 42 ich 50 kennen uns seit ca. 19 Jahren aber richtig befreundet sind wir erst seit 5 Jahren. Es gab oft Situationen wo ich immer Angst hatte, wenn ich meine Meinung äußere sie den Kontakt abbricht, da sie das wohl schon oft in ihrem Umfeld mit Freundinnen und dem Vater gemacht hat. Insoweit habe ich mich oft zurück gehalten aus Angst vor dem Abbruch, wenn ich ehrlich bin und meine Meinung Kund tue. So ist es auch letztes Jahr gewesen. Ich war mit ihr eine Woche im Urlaub und hatte schon nach Buchung der Reise ein ungutes Gefühl und habe dieses immer wieder meinem Mann gesagt, welcher immer gesagt hat das wird bestimmt toll. Nur wurde ich dieses Gefühl nie los. Nun nach drei Tagen kam es vor Ort zum großen Streit. Wir waren in den USA/NY. Ich brauchte etwas Zeit mit der Umstellung und dem Lärm und der Größe der Stadt- obwohl ich schon öfter dort war- und habe meinen Mann vermisst und bin mitten in den Wechseljahren. Alles keine Ausrede ich weiß, aber dann kam es. Wir waren im Guggenheim und ich war total begeistert über die Bilder und habe ihr einiges erklärt- sie kannte solche Art Ausstellungen nicht – und sie sagte mir ihre Mutter liebt es auch so mit der Kunst. Ich sagte mache doch mal ein Foto und schicke es deiner Mutter, was sie auch tat. Sie hatte nicht immer ein gutes Verhältnis mit ihrer Mutter und ich glaube ich habe durch den Trigger mit der Kunst einen Punkt bei ihr getroffen. Danach sind wir zurück ins Hotel und abends dann in ein Restaurant. Vorher im Zimmer sagte sie mir sie hätte Magen-Darm Probleme. Im Restaurant dann ein rumdrucksen und dann
    Sie: “ Ich weiß gar nicht wie ich es dir sagen soll, aber du bist so negativ und das zieht mich runter ich weiß nicht wie ich es sagen soll… sie hätte durch mich schon Magen-Darm Probleme.. “
    Ich: „Was genau meinst du denn“.
    Sie dann“ weiß ich nicht und überhaupt ich vermisse mein Mann und mein Sohn …
    Ich:“ Ja eben hast du mich angegriffen und ich würde gerne wissen was konkret dich stört“.
    Sie konnte es mir nicht sagen und am Schluss war sie das Opfer und ich diejenige die sie runterzog. Es holte ein Wort das andere alles was ich nie sagte habe ich aufs Tablett gebracht, wo sie mich enttäuscht hat, einfach alles was sich all die Jahre aufgestaut hat. Wir versuchten irgendwie die Reise noch auf die Reihe zu bringen, aber es ging nicht mehr. Ich habe dann auch noch eine fette Erkältung bekommen und wollte nur noch nach Hause und habe sie gefragt, ob es ok wäre, wenn ich die Reise abbreche und eher nach Hause fliege. Meine Frage an sie willst du mitkommen soll ich für die mit umbuchen.
    Antwort ihrerseits nein, ist mir zu teuer. Aber sie könnte mich total verstehen. Ich habe hin und her überlegt und gezweifelt was ich mache.
    Es war dann schon für mich so verzwickt vor Ort, dass ich nur noch geheult habe. Sie konnte nicht mit mir reden, war immer das Opfer und es gab nur Ansage, was ich von ihr erwarte. Ich empfand es ziemlich blöd, zumal sie eine Aktion gestartet hat und ich reagiert und dann auch noch die dumme war. Ich bin also 1,5 Tage eher geflogen- ich weiß hätte ich wohl aushalten können, aber es war für mich nicht mehr möglich in so engem Raum – wollte nur noch aus dieser Situation raus und habe sie mehrfach gefragt, ob sie mitkommen wollte. Es war vermutlich für uns beide unerträglich die enge des Zimmers. ( Leider konnten wir keine zwei Zimmer bekommen war alles ausgebucht ) Durch ihr Geschnarche konnte ich fast die ganze Nacht nicht schlafen und es war auch unsere erste gemeinsame Reise ohne unsere Männer. Nach vier Tagen Streit konnte ich nicht mehr und sie zog sich schon vorher zurück- wie ich es kannte – er wurde nicht mehr richtig geredet immer nur so eine Strafe durch nicht Reden ihrerseits. Das macht sie auch immer so bei ihrem Mann und Sohn und nun auch bei mir, anstatt was zu klären war Stille oder auf Fragen meinerseits Gegenfragen – wie was erwartest du…

    Mein Angebot stand Umbuchung und wenn etwas ist, könne sie sich bei mir melden ich würde ihr dann helfen. Habe sie dann per whats app gefragt, ob wir uns vor meinem Abflug noch sehen, nein sie kann das nicht. Ok. Dann zu hause? Es kamen nie wieder ansagen oder Infos von Ihr.
    Außer, dass der Fahrer der sie an dem eigentlichen Abflugtag zum Flughafen fahren sollte, sie nicht direkt vor dem Hotel abholen (Bauarbeiten)konnte und er mich nachts anrief (Zeitverschiebung) um mir dieses mitzuteilen, da er noch meine Nummer hatte. Ich gab ihm dann ihre Nummer und ich habe sie dann an getextet um ihr zu helfen und dann gab es nur so Texte: Lass mich in Ruhe und schreibe mich nicht mehr an von deinen Vorwürfen habe ich genug.. Habe dann nur geantwortet, dass ich gut zu Hause angekommen bin. Antwort von ihr, schön, wenn ich könnte würde ich applaudieren….
    Habe ich auch dann nur noch einmal von zuhause, als ich abends in einer Bar war- wo wir auch öfter ware- eine SMS geschrieben- Inhalt wo ich gerade bin und an sie gedacht habe – aber keine Reaktion. Sie hat mich überall gelöscht, Whatsapp, facebook…
    Ich hätte gerne darüber gesprochen, was eigentlich genau passiert ist, aber wie. Ich habe Angst sie anzuschreiben. Ich frage mich, ob ich sie anschreiben soll und wie -email, Post, Treffpunkt vorschlage oder nicht … Ich weiß es nicht, nur will ich es für mich auch mal abschließen und nicht immer das Gedankenkarusell haben. Ich habe mit vielen darüber gesprochen auch Leute die sie kennen und alle raten mir, lass es laufen und laufe ihr nicht hinterher. Wenn ich das jetzt so schreibe, denke ich gerade es ist so ein Kinderkram und das jetzt wo ich 50 Jahre alt bin.
    Es ist schwierig in einem Streit auseinander zugehen und nie wieder darüber mit der Betroffenen Person darüber sprechen zu können, weil sie komplett abblockt.

    • Liebe Tina,

      ganz spontan aus dem Bauchgefühl heraus: Was möchtest du mit dieser Frau denn noch klären? Bzw. glaubst du, dass es möglich ist, dass sich das Ganze noch in Wohlgefallen auflöst? Für mich sieht es nämlich absolut nicht danach aus.

      Du schreibst es in zwei Sätzen selber: „…hatte schon nach Buchung der Reise ein ungutes Gefühl…“ und
      „… alles was ich nie sagte habe ich aufs Tablett gebracht, wo sie mich enttäuscht hat, einfach alles was sich all die Jahre aufgestaut hat.“
      Offenbar habt ihr schon lange (schon immer?) Probleme miteinander. Sie mit dir und du mit ihr. Dass nur sie sich als Opfer sieht, sehe ich auch nicht, denn das tust du auch. Ich glaube, ihr seid aber beide keine Opfer, sondern zwischen euch funktioniert es einfach nicht und ihr wollt das nicht so gerne sehen. Es gibt solche Konstellationen, ich kenne das auch – da kann man praktisch machen, was man will, das wird nie gut funktionieren. Es sieht ja nicht so aus, als wäre es einmal eine innige Freundschaft gewesen, die durch irgendeinen Vorfall plötzlich abgebrochen wird, sondern eher wirkt es auf mich wie der (zu) bemühte Versuch, eine Freundschaft/Beziehung mit einem Menschen einzugehen, mit dem man (also beide – sie und du) gar nicht wirklich zurecht kommt.
      Du hast es ja ohnehin schon vor der Reise gespürt, dass es nicht passt – dein ungutes Gefühl hat Gründe. Und dann habt ihr euch alles vorgeworfen, was sich aufgestaut hat.
      Das Ganze hätte sich aller Wahrscheinlichkeit vermeiden lassen, indem du deinem unguten Gefühl vertraut hättest und es ehrlich hinterfragt hättest. Die wichtigste Frage für dich ist: Warum hast du das nicht getan?
      Es klingt sonderbar für mich als Außenstehende, wenn du mit deinem unguten Gefühl die Reise antrittst und dir trotzdem Positives davon erwartest. Warum war das so? Was dein Mann gesagt hat oder nicht, ist eigentlich egal, denn er kann ja nicht wissen, was wirklich zwischen euch läuft. Besonders dann nicht, wenn ihr immer versucht habt, die Probleme zu übergehen – dann sind die Dissonanzen für andere schon gar nicht ersichtlich.

      Ich denke, jetzt ist genau das geschehen, was vermutlich schon viel früher ehrlicher gewesen wäre: ihr seid nicht das harmonische Freundinnenpaar und nun ist es klar. Ich weiß schon, es wäre angenehmer, sich so auszusprechen, dass nur ein gutes Gefühl übrig bleibt – aber das ist ja schon Teil eures Problems miteinander, dass ihr das nicht könnt. Dazu fällt mir gleich eine Freundin (eigentlich war es auch nie eine wirkliche Freundschaft, auch wenn wir uns oft gesehen haben) ein. Wir hatten einen Modus gefunden, nett miteinander umzugehen und ein gemeinsames Thema, das uns verband. Ansonsten aber war da nicht viel an Gemeinsamkeiten, wir gingen mit Problemen fast schon gegenteilig um. Ich will alles aufklären, wissen und darüber reden – sie hasste das. Und als es einmal genau bei dem Thema, das uns verband, zu einem Konflikt kam, konnten wir diesen unmöglich beilegen. Dazu waren unser Ansätze einfach viel zu verschieden. Es war, als würden wir komplett aneinander vorbei reden. Ich habe nicht gleich begriffen, dass es tatsächlich so war. Denn wir jemand mit Problemen umgeht, kann man ihm nicht vorschreiben. Mein inneres System ist ganz anders als ihres gewesen und letztlich wurden wir nur noch mehr verärgert, als wir versuchten, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
      Ich bin sicher, wäre dieses Problem nicht aufgetreten, wären wir noch heute „befreundet“ und würden uns noch treffen. Es wäre aber trotzdem keine gute Beziehung geworden, denn dazu waren wir viel zu verschieden. Man kann jahre- oder jahrzehntelang eine sehr nette Beziehung zu jemandem haben, solange sie nicht durch bestimmte Umstände (und das ist eine gemeinsame Reise oft) zu eng wird oder plötzlich ein Konflikt auftritt, der tiefergehend ist. Man kann solange auch glauben, das wäre eine gute Beziehung. Aber das ist ein Irrtum. Man kann diese Beziehung nur in einem bestimmten Rahmen gut führen und wird dieser gesprengt, geht oft gar nichts mehr, dann kommt alles hoch, was einem schon vorher am anderen gestört hat. Genauso war es auch bei meiner Bekannten und mir. Die einzige Konsequenz, die ich sah, war, die Beziehung ganz zu beenden, denn zurück kann man nach so einem Vorfall nicht mehr, wenn die Basis sowieso nie gestimmt hat. Wenn das einmal offen liegt, ist die frühere Form des Kontakts nicht mehr möglich, die Kluft liegt klar da.

      Es ist nicht so toll, aber ich denke, alternativlos, solche Beziehungen sein zu lassen und zu akzeptieren, dass es eine Zeitlang sicher Gemeinsamkeiten, welche den Kontakt lange getragen haben, aber trotzdem wenig Substanz. Ich kann das ohne jeden Groll heute so sehen, denn es ist eben so und daran kann ich nichts ändern – und sie auch nicht.

      LG
      Eva

  4. Ich musste den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen. Sie hatten mich in der Kindheit fortgesetzt misshandelt. Ich hatte ihnen immer wieder verziehen, weil ich glaubte, dass Vergebung zu Seelenheil führt. Leider wurden sie immer respektloser, weil ich ihnen immer wieder vergab. (Ich kann nur davor warnen „Vergebung“ als Allheilmittel anzupreisen – aber das ist ein anderes Thema). Irgendwann mochte und konnte ich kein weiteres Mal vergeben – ich brach den Kontakt ab, um nicht immer wieder verletzt zu werden. Ich hatte vorher klipp und klar gesagt, was ich nicht mehr hören will und wie ich nicht mehr behandelt werden will. Leider konnten und können sie es nicht lassen!

    Nun ist mein grösstes Problem, dass sie den Kontaktabbruch nicht akzeptieren. Sein 14 Jahren versuchen sie immer wieder, an mich heranzukommen und lassen mich nicht in Ruhe. Ich habe bereits in Ratgebern betreffend Kontaktabbruch gelesen, dass man hartnäckig immer dranbleiben und sich niemals abwimmeln lassen soll. Dabei wäre ich so froh, wenn ich mal zur Ruhe kommen könnte und nicht immer wieder bedrängt würde. Es hat auch was von „sich durchsetzen“, sie wollen ja, dass ihr Kind gehorcht! Es hat etwas von „mürbe kriegen“, damit sie endlich nachgibt. Ich habe den Verdacht, dass sie darauf warten, bis ich in irgend eine Notsituation gerate, damit ich wieder Geld von ihnen brauche. Ich weiss nicht, ob sie ahnen, wie sehr ich mich an meine Arbeitsplätze klammere, wie sehr ich spare und wie sehr ich unter Druck gerate, wegen ihres Verhaltens. Je mehr und je länger sie sich aufdrängen, desto verrückter macht mich das.

    Es würde mich interessieren, ob auch heute noch das hartnäckige Kontaktsuchen empfohlen wird, oder ob es nicht besser ist, dem Kontaktabbrechenden erst mal seinen gewünschten Freiraum zu lassen…

    • Ich glaube, dass Vergebung im guten Sinn ganz anders gemeint ist – also nicht den betreffenden Menschen immer wieder nachgeben und so zu tun, als könne man alles verzeihen, sondern ein Ins-Reine-Kommen damit in sich selbst. Indem man sich all seine Gefühle zugesteht (Ärger, Wut, Enttäuschung usw.) und das Ganze dann loslässt/abhakt.

      Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man damit eine Friede-Freude-Eierkuchen-Situation herstellt. Was geschehen ist, ist geschehen und man muss lernen – vor allem um seiner selbst willen – damit zu leben, ohne dass man emotional da drin hängen bleibt. Ich würde das nicht als Vergebung bezeichnen, aber man hegt irgendwann keinen Groll mehr, weil es zur Vergangenheit gehört – die man ja bekanntlich nicht ändern kann.

      Vergebung, wie du sie verstehst, wäre eher mangelnde Selbstwertschätzung. Menschen, die einen immer wieder verletzen, sollte man tunlichst meiden, andernfalls verhält man sich wie das Kind, das immer wieder auf die heiße Herdplatte greift und nichts daraus lernt.

      Du schreibst: „Ich habe bereits in Ratgebern betreffend Kontaktabbruch gelesen, dass man hartnäckig immer dranbleiben und sich niemals abwimmeln lassen soll.“
      Was waren denn das für „Ratgeberbücher“? Das ist ja überhaupt der allergrößte Unsinn. Das ist im Grunde total übergriffig und zwanghaft. Wenn jemand mit mir nichts mehr zu tun haben möchte, dann muss ich das wohl oder übel irgendwann akzeptieren, sonst ziehe ich praktisch in einen Dauerkrieg und will dem anderen meinen Willen aufzwingen. Ich hab vollstes Verständnis dafür, dass man es eine Weile versucht, weil man nicht so schnell aufgeben möchte – aber wenn das erfolglos bleibt, sollte man schon erkennen können, dass es nichts bringt und die Tatsachen hinnehmen.
      Auch wenn die Beziehung zwischen deinen Eltern und dir negativ zu sein scheint – sie macht auf mich stark den Eindruck einer symbiotischen Beziehung. Da ist aber kein Kind mehr, sondern ihr seid alle erwachsen. Das Verhalten ist nicht mehr angemessen. Wenn du immer wieder diese „Scheinvergebung“ gelebt hast, bist du da nicht raus gekommen. Aber dein Kontaktabbruch vor 14 Jahren war eine erwachsene Antwort – die sie offenbar nicht akzeptieren wollen oder können. Das ist natürlich ein Problem, denn du wirst deine Eltern schwer ändern können, wenn sie sich an die alten Strukturen klammern und auf Biegen und Brechen wieder die alte Situaton herstellen wollen. Denn ich glaube nicht, dass sie dir auf einer reiferen Ebene entgegen kommen wollen, sondern eher, dass sie vom Alten nicht loslassen können. Da irritiert es natürlich, wenn der andere nicht mehr mitspielt und ist dann in ihren Augen „böse“.

      Ich kann deine Not sehr gut verstehen, weil man das ja nicht so einfach wegschieben kann. Es ist schon traurig genug, dass man sich überhaupt von seiner Familie lossagen muss, damit es einem besser geht – aber wenn die dann noch ständig alles unternehmen, um den Kontakt weiterzuführen, ist das noch eine zusätzliche Belastung.

      Du hast geschrieben, es ginge auch um Geld, d.h. in einer Notsituation würdest du vielleicht Geld von ihnen brauchen und sie würden darauf spekulieren. Dazu kann ich nur eines sagen: das muss natürlich klar sein, dass du selbst in einer Notsituation nicht darauf zurückgreifen würdest. Sonst bleibst du ja doch in einer gewissen Abhängigkeit. Irgendwann werden deine Eltern nicht mehr leben und dann kannst du auch nicht auf sie zurück greifen. In so schwierigen Konstellationen halte ich es nicht für sinnvoll, weiter aufeinander zu bauen. Es gibt viele Menschen, die niemanden haben, der ihnen in Notsituationen mit Geld hilft – und sie gehen nicht alle unter.

      Wie du mit dem hartnäckigen Kontaktsuchen effektiver und für dich besser umgehen könntest, weiß ich leider nicht, das finde ich wirklich schlimm. Am besten wohl, indem du hart darin bleibst und so weit wie möglich entfernt von ihnen lebst. Wahrscheinlich hilft es dir am meisten, wenn du innerlich damit ins Reine kommst, wenn du genau weißt, was du willst und nicht schwankst. Vielleicht finden sie sich dann doch irgendwann damit ab.

      LG
      Eva

  5. Hallo Eva,
    vielen Dank für Dein Statement.
    Gruss Tina

  6. Danke! Diese Aufklärung hat mir sehr geholfen meine jetzige Situation zu verstehen. Ich kann das so besser akzeptieren als einfach fallen gelassen worden zu sein. Trennungsgrund war… Er ist innerlich tot und empfindet nix mehr für mich und gab mir die Schuld warum ich das und jenes nicht gemacht habe…. Ich habe ihm im ruhigen Ton gesagt das ich immer wieder was versucht habe aber ich ihn auch zu nix zwingen kann und wollte! Er hat mir das Gefühl vermittelt egal was ich jetzt sage oder mache Interessiert ihn nicht. Er hat mich keines Blickes gewürdigt. Anfang des Jahres hatte er einen Zusammenbruch das er nicht mehr kann… Das letzt halbe Jahr in der Beziehung ist er immer launischer und aggressiver geworden keiner konnte es ihm recht machen. Je mehr ich versuchte ihn zu entlassten je schlimmer wurde es….. Er sieht sich als schlechten Menschen und macht seine Männlichkeit nieder. Besonders bei der Trennung…. Er hat zu funktionieren das ist sein Standard Spruch….
    Ich hoffe das wir eines Tages wieder reden können denn nach meinem Auszug ist absolute funkstille. Er lebt wieder in seinem Schubladen System… Problem rein Schublade zu alles wieder schick…. Ich habs versucht aber kläglich versagt. Zu mindestens glaubte ich das bis vor kurzem. Dein Text hat mir sehr geholfen!!! Danke
    Er ist ein toller Mann wenn er sich helfen lassen würde er glaubt mir das ja nicht.
    Werd ich ihn jemals wiedersehen??


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