Verfasst von: Eva | 22/01/2015

Das Phänomen abrupter Kontaktabbruch

20140826_193237 (1280x960)Beziehungen sind nichts Statisches in unserem Leben. Ich meine mit Beziehungen jetzt nicht ausschließlich Partnerschaften, sondern auch Freundschaften, die Beziehung zu den eigenen Kindern, Geschwistern oder zur Ursprungsfamilie. Sie sind nicht statisch, weil weder das Leben noch die Menschen selber statisch sind. Innere Entwicklungen, äußere Umstände oder schlicht und einfach Auseinanderleben setzen manchen Beziehungen auch wieder ein Ende. Selbst wenn man es nicht so wollte, ist das nicht immer zu verhindern. Es gehört zum Lauf des Lebens.

Es gibt jedoch eine besondere Art von Beziehungsende, das nur sehr schwer zu verkraften ist und für sehr lange Zeit eine große Belastung darstellen kann: den Kontaktabbruch.

Es gilt hier jedoch zu unterscheiden, ob es sich um einen Kontaktabbruch handelt, dem lange Zeit massive Beziehungsprobleme vorausgegangen sind und damit quasi die Notbremse von einer Seite gezogen wurde – oder ob er praktisch aus dem Nichts kommt.

Jeder Mensch möchte die Dinge, mit denen er persönlich konfrontiert ist, verstehen. Andernfalls müsste er in völliger Orientierungslosigkeit leben und würde sich im Leben nicht zurechtfinden. Der Mensch braucht also Erklärungen. Ob diese Erklärungen immer realitätsgerecht sind, steht auf einem anderen Blatt, denn viele klammern sich einfach an Scheinerklärungen, weil sie keine besseren haben.

Was geschieht nun mit einem Menschen, der einen plötzlichen Kontaktabbruch erlebt?

Ich denke, die erste Reaktion ist das Nichtwahrhaben. Es ist (noch) so unvorstellbar, dass es ernst gemeint sein könnte, dass eine Zeitlang immer wieder die Kontaktaufnahme gesucht wird. Jeder kann einmal im Zorn etwas Schlimmes sagen oder Impulsives tun, das der andere nicht nachvollziehen kann.

Wenn aber tatsächlich längere Zeit keine Antwort mehr kommt (außer vielleicht noch ein paar weitere zurückweisende und harte Worte), beginnt man zu realisieren, dass das keine kurzfristige Wutreaktion war. Wenn man nach stunden- und tagelangem Grübeln einfach kein Motiv zu finden vermag, befindet man sich plötzlich in einer Orientierungslosigkeit, die kaum auszuhalten ist.

Man sucht daher weiter nach Motiven, untersucht die kleinste Kleinigkeit, die man gesagt, getan oder unterlassen haben könnte, welche den Kontaktabbruch wenigstens irgendwie erklären könnte. Aber es findet sich wieder nichts.

Wir drehen uns im Kreis, stellen tausend Vermutungen an, reden mit anderen darüber, die allerdings auch nur den Kopf schütteln können – oder weitere Vermutungen liefern. Was am Ende bleibt, ist ein schlichtes

„Ich verstehe es nicht“.

Dem Menschen, von Geburt an soziales Wesen, eine wichtige Beziehung abrupt ohne jede verständliche Erklärung zu entziehen, bedeutet jedoch eine massive Entwertung.

Die Botschaft ist deutlich: „Du bist so unwichtig, dass du es nicht Wert bist, mit dir darüber zu reden. Zugleich schwingt mit, dass alles positiv gemeinsam Erlebte null und nichtig war.

Was bringt jemanden dazu, so grausam zu sein?

Darauf gibt es eigentlich nur zwei mögliche Antworten:

Entweder war tatsächlich alles nur pure Illusion und der vermeintliche Freund ein abgebrühter und verlogener Mensch, für den man nur solange interessant war, als er sich Vorteile von einem versprach. Und als keine mehr zu erwarten waren, wurde man gleichgültig „entsorgt“. Es gibt leider etliche solcher Menschen und es ist ein schwacher Trost, dass man davon ausgehen kann, dass er an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leidet.

(Definition Wikipedia:„Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann.“)

Oder – die zweite Möglichkeit – man hat unbeabsichtigt einen dermaßen wunden Punkt im anderen getroffen, dass dieser augenblicklich alle Abwehrstrategien auffährt, die ihm zur Verfügung stehen. Damit will er die Verletzungen und/oder die Angst, die dahinter liegen, wieder zurückzudrängen. Das Phänomen könnte durch eine – für einen selbst völlig belanglose – Bemerkung, die ihn schwer getroffen hat oder auch einfach dadurch ausgelöst worden sein, dass ihm etwas Positives zu nahe ging.

Was sehr nahe geht – egal ob positiv oder negativ – stellt für Menschen, die noch viel Unverarbeitetes in sich tragen, eine enorme Bedrohung dar. Es könnte ihre „Fassade“ antasten. Fassaden entstehen aus Abwehr des Ursprünglichen und Echten in uns, weil damit zu viel Schmerzhaftes verbunden ist. Es ist keine bewusste Strategie, sondern eine, die verletzten Kindern automatisch das Überleben sichert. Was nicht ausgehalten werden kann, muss ausgeblendet werden, denn Ziel alles Lebens ist es, sich selbst zu erhalten.

Leider nehmen wir diese Strategien mit in unser Erwachsenenleben. Wenn wir uns nicht bewusst darum bemühen, dies alles zu hinterfragen, um uns damit auf tieferer Ebene verstehen zu lernen, begleiten uns diese Strategien ein Leben lang. Sie machen niemanden glücklich, ganz im Gegenteil. Aber sie geben (vermeintliche) Sicherheit – zum einen durch jahrzehntelang Gewohntes, zum anderen dadurch, nicht mehr den irgendwo tief im Inneren eingesperrten Schmerz fühlen zu müssen.

Ich weiß jedoch aus Erfahrung, dass die Angst immer schlimmer wird, je mehr man gegen sie ankämpft. Man wehrt sich praktisch mit aller Kraft, die man hat, gegen seine eigenen lebendigen Anteile. Das kann von heftigen Unruhezuständen über körperliche Symptome bis hin zu Panikattacken führen.

Das Paradoxe ist jedoch, dass wir nicht vor den alten Schmerzen Angst haben (die wir als Erwachsener durchaus vorübergehend aushalten können, vor allem, da die Befreiung und Erleichterung auf dem Fuß folgt – zudem haben wir sie ja auch als Kind überlebt), sondern wir haben am meisten Angst vor der Angst. Es ist die Angst des Kindes, das wir einmal waren, es ist nicht die Angst des Erwachsenen. Da wir aber in diesen Momenten wieder auf die Gefühlsebene des Kindes zurückfallen, können wir das nicht mehr auseinander halten. Wir fühlen dieselbe Angst wie damals und tun wieder dasselbe: wir wollen sie soweit wie möglich wegschieben.

Verdrängt ist aber nicht aufgehoben. Wir werden lebenslänglich davon begleitet, wenn wir nicht den Mut haben, uns ihr zu stellen. Der Preis dafür ist mehr als hoch. Wir dürfen uns selbst niemals nahe kommen und damit dürfen wir auch anderen niemals nahe kommen. Wir sind dazu verurteilt, ewig ein Fassadenleben zu führen und ständig allem auszuweichen, das es bedrohen könnte. Kurzum: wir führen ein extrem reduziertes Leben, wir haben nur einen Teil unserer Energie zur Verfügung.  Wir werden immer wieder mit unerklärlichen Ängsten, Beklemmungen, depressive Phasen und anderen schlimmen Symptomen zu kämpfen haben, ohne jemals zu verstehen, warum das so ist.

Dennoch – instinktiv wird jeder Mensch vor seiner Angst flüchten und alles tun, um sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Dafür wird er notfalls auch andere Menschen opfern, denn es geht in diesen Momenten um puren Selbsterhaltungstrieb.

Wohin das führt, ist aber nicht dem Leben zugewandt, sondern ganz im Gegenteil: das Lebendige wird mitsamt der Angst begraben.

Wer sich selber immer wieder auf diese Weise im Stich lässt – so wie er früher von seinen Bezugspersonen im Stich gelassen wurde, schafft es nicht, sich selber liebevoll anzunehmen. Er braucht keine lieblosen Eltern mehr, er ist es selbst geworden.

Wir lernen heutzutage sehr viel, wir häufen Wissen an wie die Verrückten. Ein Gutteil davon ist völlig nutzlos. Leider werden solche tiefen Zusammenhänge nirgendwo vermittelt (außer man macht eine psychologische Ausbildung oder bildet sich darin autodidaktisch). Dabei ist dieses Wissen immens wichtig, weil es jeden einzelnen Menschen betrifft. Es müsste nicht immer nur extremer Leidensdruck sein, der uns dazu bringt, uns endlich mit professioneller Hilfe unserem Inneren zu zuzuwenden, es könnte auch das Wissen um die Zusammenhänge sein, das uns sehr dabei hilft, sich selbst zu verstehen. Den Schmerz erspart es uns zwar nicht, aber wer keine Ahnung hat, warum was in ihm vorgeht, ist ihm ausgeliefert und sieht keinen anderen Weg der Abhilfe, als vor dem Unangehmen zu flüchten.

Fatal ist dazu noch, dass wir von so vielen Menschen umgeben sind, die nichts anderes kennen, als in ihren Abwehrstrategien zu leben. Dies wird zur „Normalität“ erhoben. Der Mensch als soziales Wesen orientiert sich aber an dem, was „normal“ gilt. Von daher steht er vor einer weiteren Hürde, will er einen anderen Weg gehen: er muss sich von dieser „Normalität“ lösen.

Deshalb kann jeder nur für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Das Wissen um psychische Zusammenhänge halte ich aber für eine Grundbedingung dafür, überhaupt  Wahlmöglichkeiten zu haben.

Wenn er sich trotzdem dafür entscheidet, bei seinen Abwehrstrategien zu bleiben, ist das zu respektieren. Jeder kann nur so, wie er eben kann und es sich zutraut. Manchmal braucht es auch mehrere Anläufe, weil der Zeitpunkt noch nicht der richtige ist. Dass für ihn aber trotzdem immer die Gefahr besteht, dass seine Abwehr irgendwann unter zu großer Belastung zusammenbricht, muss er einkalkulieren. Er könnte seine Kompensationsmöglichkeiten und äußeren Stützen unerwartet verlieren und dann auf die denkbar schlimmste Weise mit seinen Ängsten und Schmerzen konfrontiert werden. Mit einer derartigen Krisen ist nicht mehr zu spaßen, sie können tatsächlich existenzbedrohend sein.

Was bleibt also für den Menschen, der aufgrund der Abwehrstrategien eines anderen sehr verletzt wurde? Ihm bleibt leider nichts anderes übrig, als es hinzunehmen und damit zu leben. Er wird sich damit abfinden müssen, sich lange Zeit in einer Spirale aus Zuneigung, Trauer, Hoffnung und Wut im Kreise zu drehen, will er nicht selber mit Abwehrstrategien antworten (etwa, indem er den anderen nun gnadenlos entwertet). Er muss mit seinen verletzten Gefühlen leben und akzeptieren, dass:

die noch immer vorhandene Zuneigung,

die schmerzliche Trauer,

die Hoffnung auf Wiederbegegnung und

die Wut über die Verletzung

im Wechselspiel eine Weile zu seinem Leben gehören werden.  Dieser Zustand hält nicht ewig an. Mit der Zeit wird sich die Spirale langsamer drehen und die Gefühle schwächer werden. Allen Emotionen, denen man Raum gibt, ist gemein, dass sie irgendwann „ausgelebt“ sind. Eine Narbe mag bleiben, vielleicht aber auch nicht.

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Responses

  1. Danke Eva für dein Verständnis und deine Worte. Ein Sprichwort sagt: „Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.“ Auch meine Eltern haben mir früher viel aufgezwungen, weil sie glaubten, es wäre das beste für mich, was aber quatsch war. Am liebsten würde ich für ihn hoffen, dass er Frieden und Glück findet, aber derzeit ist der Schmerz darüber noch zu groß, dass er meinen Weg nicht mehr begleiten möchte. Eine letzte Frage habe ich noch: Würdest du es in Ordnung finden, wenn man sich nach einem solchen Kontaktabbruch in einem halben Jahr oder Jahr sich wieder bei der Person meldet. Nicht um weiter zu diskutieren oder wieder von vorne zu beginnen, sondern einfach nur um sich zu erkundigen, wie es ihm geht und was er so macht. Lg Lisa

    • Liebe Lisa,

      falls meine Antwort inhaltsgleich irgendwann 2x erscheint, wundere dich nicht. Ich habe gerade geschrieben und es war auf einmal weg. Also versuche ich, es zu reproduzieren.
      Ich fände es gar nicht gut, wenn du dich wieder bei ihm meldest. Es ist für dich selber schlecht, weil du dann innerlich „dran“ bleibst. Sozusagen betrügst du dich damit selber, denn dann lässt du nicht wirklich los. Ich halte den gesunden Mindestabstand für 1 Jahr. Da das aber in die Weihnachtszeit fällt (sentimentale Anwandlungen!), würde ich eher sagen, Februar 2018 wäre besser. Trag es dir einfach in den Kalender ein und du wirst ja sehen, wie dann dein Blickwinkel ist und ob du das überhaupt noch willst. Das ist jetzt eine spontane Idee, soll keine „Anweisung“ oder dringender Ratschlag sein – ich sage das sowieso nur, weil du mich danach gefragt hast. Sonst kommen wir ja in die Schiene – ich sag dir, was du tun sollst – und das fände ich gar nicht gut.
      Deine Wortwahl „dass er meinen Weg nicht mehr begleiten möchte“ ist so aussagekräftig. Wieso sollte er deinen Weg begleiten? Er muss ja seinen eigenen gehen. Wenn du reifen willst und dich von deiner Vergangenheit losstrampeln willst, kannst du das nur alleine machen. Jede Ersatz-Figur, mit der du wieder eine Symbiose eingehst, verhindert das. Begleitung kann eine gute Therapeutin sein, aber mit ihr bist du emotional nicht verstrickt und sie ist neutral. Viele verstehen den Wert dieser Neutralität und gesunden Distanz nicht, aber er ist sehr groß. Wenn das nämlich nicht der Fall ist, kommen unweigerlich die eigenen Bedürfnisse ins Spiel und man versucht den anderen, dorthin zu lenken, wo man ihn für diese eigenen Bedürfnisse haben will. Da kann sich dann im Grunde nichts mehr entwickeln, weil es die Freiheit dazu nicht gibt.
      Lisa – ich kenne viele, zähle mich auch dazu (früher) – die gute Absichten haben. Aber es sind keine guten Absichten für den anderen, sondern für sich. Wenn du das einmal wirklich begreifst, löst sich das Missionarische in dir auf und du hast einen Entwicklungssprung gemacht. Ich hatte viele Jahre eine Freundin, die praktisch bei allen wusste, was am besten für sie ist, auch bei mir. Mir ist das viel zu wenig aufgefallen, weil auch ich eine sehr bestimmende Familie hatte und daran gewöhnt war. D.h nicht, dass ich es getan habe, aber ich war immer auf der Rechtfertigungsschiene. Und als ich innerlich soweit war, das Ganze zu verstehen, habe ich reinen Tisch gemacht. Sie war so wütend auf mich, dass sich die Freundschaft aufgelöst hat. Das ging damals sogar von mir aus, weil ich es plötzlich unerträglich fand, dass sie ununterbrochen wusste, wie jeder zu leben hätte. Und bei genauerem Blick war auch klar, dass sie selber viele Baustellen hatte, für die sie ziemlich blind war. Es war einfach unmöglich geworden, noch einen Modus für eine Fortsetzung der Freundschaft zu finden. Witzigerweise entstammte sie auch einer extrem bestimmenden Familie, worüber sie sich auch sehr beklagte – aber gemacht hat sie dasselbe.
      Und so gehen wir uns selber auf den Leim, sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und laufen doch in alten Mustern, die wir natürlich mit allerlei intellektuellen Erklärungen vor uns selber schönreden. Ich kenne das aber nicht nur von anderen, sondern auch von mir selbst. Sonst würde ich darüber gar nicht reden, dann wär’s ja nur graue Theorie. 🙂

      LG
      Eva

  2. Hallo Eva, auch ich muss mich an dich wenden, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Ich habe vor ca. 8 Monaten einen Mann kennengelernt, ganz unerwartet. Ich kam frisch aus einer 13 Jährigen Ehe mit Kind (5).
    Und da war er plötzlich. Die Beziehung war von Anfang an sehr fest, so dass wir relativ schnell von „Liebe“ sprachen. Da wir die gleiche Nationalität und Weltanschauung haben hat es einfach noch besser gepasst.
    Trotz allem war die Beziehung von Anfang an mit Streit behaftet, wobei ich auch von mir sage muss, mich engt es schnell ein (durch die vorangegangene Ehe) wenn es gleich zu „ernst“ wird. Auf der anderen Seite habe ich ihn ja geliebt und wir wollten ein gemeinsames Leben aufbauen und er zog zu mir.
    Zu seiner Vorgeschichte. Eltern trennen sich, da war er 10 Jahre alt. Er und sein Bruder leben beim Vater. 1 Bruder bei der Mutter, die er aber über 4 Jahre nicht sehen darf (vom Vater aus) erst nach 4 Jahren, nur ein mal die Woche besuchen darf. Mit 19 ist er von seinen Eltern „abgehauen“ Hat sie 11 Jahre nicht mehr gesehen.

    Nun kam es immer häufiger zum Streit zwischen uns. Er EXTREM eifersüchtig auf meinen Exmann, mit dem ich aber gezwungenermaßen Kontakt haben MUSS, wegen meiner 5 Jährigen Tochter.
    Wutausbrüche deswegen. Und wenn ich mich mit Freunden traf, waren die entweder schlecht, nicht gut für mich. Und mein Sport war auch nicht gut für mich, wer weiß was ich da treibe (musste dann auch Standortangaben senden von mir aus. sonst hat er mir nicht geglaubt)
    ich bin hier seine einzige „Angehörige“ Familie wohnt im Ausland, gute Freunde sind auch weit weg.

    Seine guten Seiten waren aber unglaublich schön, Er hat sich bemüht mich glücklich zu machen und mir Freiraum zu geben, hat aber darunter gelitten.
    2 -3 Mal On/Off. Mit Kontaktabbruch (wurde überall blockiert). Und wieder mit Selbstvorwürfen….und Entschuldigungen. Ich habe das Gefühl er hat unter „sich“ selbst gelitten.

    Nun ja, treffen mit Freunden, wurden als „im Stich lassen“ von ihm genannt. Einen Tagesausflug mit Familie (während er arbeitete) ging gar nicht.
    So „traute“ ich mich auch nicht mehr Dinge zu unternehmen, da er meinte, ich will mein Leben leben, während er „leidet“. Im Gegenzug nahm er sich auch nicht frei, um mitzukommen. Er hat oft depressive Phasen, mag sich selber nicht und konnte oft nicht fassen, wie „so eine tollte Frau mit ihm zusammen ist“.
    Er hatte immer das Gefühl von innerlicher Zerrissenheit und Leere, Taubheitsgefühl. Er „spürt“ sich nicht.

    Aber so tief wie die „Tiefs“ waren, so hoch waren auch die Hochs. Wir haben eine super schöne Zeit mit einander verbracht. Sprachen von Heirat, haben die Wohnung gemeinsam eingerichtet. Alles Hand in Hand, ein Team.

    Nun kam es zwischen den Jahren zu einem Vorfall, an dem ich spontan mit meinen Geschwistern (Bruder wohnt weit weg und kommt selten ) einen Tagesausflug gemacht habe. Ich habe ihm nicht Bescheid gesagt wo hin ich fahre, habe ihn aber einen Abend vorher gefragt, ob er mit kommt, wir wollen eine Stadt besuchen.
    Das es dann Straßburg wurde, habe ich ihm von unterwegs nicht gesagt, weil er mir von der Arbeit aus schrieb, wie schlecht es ihm geht und ich wollte ihn damit nicht noch mehr verletzen und war auch im Auto bereits unterwegs ( ich bin gefahren). ich war um 19 Uhr wieder zu Hause. Er kommt gegen 20. Uhr von der Arbeit.
    Dann der Knall. Er kam warf mir unseren Schlüssel hin und war weg. Noch ein Telefonat. Er : Ich hätte ihn verraten, ich mache was ich will, ich hätte alles über seinen Kopf hin weg geplant, er wird mir jetzt zeigen was ein richtiger Mann ist“…..Telefon aus, Facebook blockiert, Whatsapp blockiert….
    Er ist weg…..Hat NICHTS mitgenommen, keines seiner Dokumente, seine Kleidung bis aufs letzte Hemd……teure Jacken, Schuhe…..alles hier.
    Seinen Arbeitsplatz (seine absolute Leidenschaft) ist er nicht mehr angetreten…..sein Material (Friseur)da gelassen.
    3 Tage später eine kurze Mail: Hi es ist schwer wieder zusammen zu kommen, ich bin außerhalb von Deutschland, Ich wünsche dir viel Glück…
    Danach nichts mehr…..

    ich mache mir RIESEIGE Vorwürfe….hätte ich dies….hätte ich das. Aber ich habe nicht schlimmes getan, ich habe einen Tagesausflug mit meinen Geschwistern unternommen, ich war abends wieder da. (Ich weiß, mein Fehler war, dass ich es nicht ordentlich abgesprochen habe, das macht man nicht)

    Trotzdem…ich stehe nun da….er hat mich, meine Tochter (die er geliebt hat) seinen Arbeitsplatz, meine Eltern (haben sich super verstanden) einfach verlassen. Ich bin Fassungslos.
    Keine Antwort. Was soll ich mit seiner Kleidung machen ?
    Mit seinen Dokumenten?
    Er hat seine Existent aufgegeben, Angeblich wegen mir.

    10 Tage ist es jetzt her und ich zermürbe mich fast. Er lässt mir keinen Raum, um mich zu erklären, mich zu entschuldigen. Darüber zu reden.

    Ich bin am Ende…..:(

    LG
    Soraya

    • Liebe Soraya,

      ich kenne diesen Mann ja nicht, von dem du schreibst. Aber wenn es ungefähr so lief, wie du schilderst, handelt es sich um einen Menschen, der große Probleme hat. Seine schwierigen Familienverhältnisse haben sicher in großem Ausmaß dazu beigetragen, aber ich fürchte, es wird dir nichts nützen, wenn du die Zusammenhänge verstehst. Der Einzige, für den das wichtig sein sollte, ist er selbst – soferne er sich damit auseinander setzen möchte. Das kannst du nicht beeinflussen und es ist nicht deine Aufgabe.
      Womit du dich aber sinnvoll auseinander setzen solltest, bist du und deine Geschichte. Mir kam spontan bei deinen Zeilen der Gedanke, dass du dich sehr schwer damit tust, zwischen einem psychisch stabilen und labilen, problembehafteten zu unterscheiden. Es mag sein, dass dieser Mann seine guten Seiten hat und dass du diese geschätzt hast, aber er hat auch eine Menge kranker Anteile, die man jetzt nicht nur als harmlose Marotten abtun kann. Mich wundert, dass du dich so von ihm hast kontrollieren lassen. Das hört sich äußerst ungesund an und hat mit Liebe überhaupt nichts zu tun. Dann das Depressive, das im Wechsel mit extremen Hochs auftaucht – das hört sich fast nach manisch-depressiv an.
      Du möchtest dich erklären, dich entschuldigen, darüber reden und bist entsetzt über seine Flucht. Diese hat aber weniger mit dir als mit ihm zu tun. Eine wirklich gesunde Reaktion deinerseits wäre, dich vor solchen Menschen fernzuhalten, um dich selbst zu schützen. Alleine schon, wenn ich deine Ausführungen lese, läuten in mir alle Alarmglocken und ich käme nie auf die Idee, das Verhalten dieses Mannes zu verharmlosen. Und schon gar nicht würde ich mich in seine kranke Welt hineinziehen lassen wollen.
      Im Grunde ist die Aufgabe, vor der du wirklich stehst, verstehen zu lernen, warum du da ganz anders reagierst. Seine Probleme sind nicht deine, aber dir scheint auch nicht klar zu sein, wie groß seine Probleme überhaupt sind. Man kann mit solchen Menschen unmöglich eine gesunde Partnerschaft führen, dazu müsste er erst einmal selber gesund werden. Aber das soll nicht von deiner Problematik ablenken – und zwar, dass du die Fehler großteils auch bei dir suchst und meinst, dich nicht gut genug verhalten zu haben. Auch wenn Nationalität und Weltanschauung verbindend waren – das ist doch nicht genug. Wenn du Freunde triffst, fühlt er sich „im Stich gelassen“, das Senden von Standortangaben, wenn du ohne ihn unterwegs warst – das ist einfach krank und dessen solltest du dir bewusst werden. Falls du die unselige Neigung vieler Frauen hast, ihn „retten“ oder „heilen“ zu können, sitzt du einer Illusion auf. Oft will man sich damit nur selber retten – aber leider auf völlig untaugliche Weise, weil man meist nur das Gegenteil damit erreicht: nämlich sich selbst so in die ungesunde Welt des anderen verstrickt, dass am Ende beide in eine Sackgasse geraten.
      Insoferne kann ich dir nur raten, setz dich mit dir selber auseinander (warum lässt du dir so viel gefallen und siehst nicht das Ungesunde an diesem Mann/dieser Beziehung?) bzw. suche dir Hilfe dabei. Das kann dir wirklich weiter helfen. Und er ist selber dafür verantwortlich, wie seine Entwicklung weiter geht – oder auch nicht.
      Alles Gute!
      LG
      Eva

  3. Hallo Eva,

    ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen. Interessant. Natürlich habe ich auch eine Geschichte mit einem Kontaktabbruch. Meine „beste Freundin“ sie 42 ich 50 kennen uns seit ca. 19 Jahren aber richtig befreundet sind wir erst seit 5 Jahren. Es gab oft Situationen wo ich immer Angst hatte, wenn ich meine Meinung äußere sie den Kontakt abbricht, da sie das wohl schon oft in ihrem Umfeld mit Freundinnen und dem Vater gemacht hat. Insoweit habe ich mich oft zurück gehalten aus Angst vor dem Abbruch, wenn ich ehrlich bin und meine Meinung Kund tue. So ist es auch letztes Jahr gewesen. Ich war mit ihr eine Woche im Urlaub und hatte schon nach Buchung der Reise ein ungutes Gefühl und habe dieses immer wieder meinem Mann gesagt, welcher immer gesagt hat das wird bestimmt toll. Nur wurde ich dieses Gefühl nie los. Nun nach drei Tagen kam es vor Ort zum großen Streit. Wir waren in den USA/NY. Ich brauchte etwas Zeit mit der Umstellung und dem Lärm und der Größe der Stadt- obwohl ich schon öfter dort war- und habe meinen Mann vermisst und bin mitten in den Wechseljahren. Alles keine Ausrede ich weiß, aber dann kam es. Wir waren im Guggenheim und ich war total begeistert über die Bilder und habe ihr einiges erklärt- sie kannte solche Art Ausstellungen nicht – und sie sagte mir ihre Mutter liebt es auch so mit der Kunst. Ich sagte mache doch mal ein Foto und schicke es deiner Mutter, was sie auch tat. Sie hatte nicht immer ein gutes Verhältnis mit ihrer Mutter und ich glaube ich habe durch den Trigger mit der Kunst einen Punkt bei ihr getroffen. Danach sind wir zurück ins Hotel und abends dann in ein Restaurant. Vorher im Zimmer sagte sie mir sie hätte Magen-Darm Probleme. Im Restaurant dann ein rumdrucksen und dann
    Sie: “ Ich weiß gar nicht wie ich es dir sagen soll, aber du bist so negativ und das zieht mich runter ich weiß nicht wie ich es sagen soll… sie hätte durch mich schon Magen-Darm Probleme.. “
    Ich: „Was genau meinst du denn“.
    Sie dann“ weiß ich nicht und überhaupt ich vermisse mein Mann und mein Sohn …
    Ich:“ Ja eben hast du mich angegriffen und ich würde gerne wissen was konkret dich stört“.
    Sie konnte es mir nicht sagen und am Schluss war sie das Opfer und ich diejenige die sie runterzog. Es holte ein Wort das andere alles was ich nie sagte habe ich aufs Tablett gebracht, wo sie mich enttäuscht hat, einfach alles was sich all die Jahre aufgestaut hat. Wir versuchten irgendwie die Reise noch auf die Reihe zu bringen, aber es ging nicht mehr. Ich habe dann auch noch eine fette Erkältung bekommen und wollte nur noch nach Hause und habe sie gefragt, ob es ok wäre, wenn ich die Reise abbreche und eher nach Hause fliege. Meine Frage an sie willst du mitkommen soll ich für die mit umbuchen.
    Antwort ihrerseits nein, ist mir zu teuer. Aber sie könnte mich total verstehen. Ich habe hin und her überlegt und gezweifelt was ich mache.
    Es war dann schon für mich so verzwickt vor Ort, dass ich nur noch geheult habe. Sie konnte nicht mit mir reden, war immer das Opfer und es gab nur Ansage, was ich von ihr erwarte. Ich empfand es ziemlich blöd, zumal sie eine Aktion gestartet hat und ich reagiert und dann auch noch die dumme war. Ich bin also 1,5 Tage eher geflogen- ich weiß hätte ich wohl aushalten können, aber es war für mich nicht mehr möglich in so engem Raum – wollte nur noch aus dieser Situation raus und habe sie mehrfach gefragt, ob sie mitkommen wollte. Es war vermutlich für uns beide unerträglich die enge des Zimmers. ( Leider konnten wir keine zwei Zimmer bekommen war alles ausgebucht ) Durch ihr Geschnarche konnte ich fast die ganze Nacht nicht schlafen und es war auch unsere erste gemeinsame Reise ohne unsere Männer. Nach vier Tagen Streit konnte ich nicht mehr und sie zog sich schon vorher zurück- wie ich es kannte – er wurde nicht mehr richtig geredet immer nur so eine Strafe durch nicht Reden ihrerseits. Das macht sie auch immer so bei ihrem Mann und Sohn und nun auch bei mir, anstatt was zu klären war Stille oder auf Fragen meinerseits Gegenfragen – wie was erwartest du…

    Mein Angebot stand Umbuchung und wenn etwas ist, könne sie sich bei mir melden ich würde ihr dann helfen. Habe sie dann per whats app gefragt, ob wir uns vor meinem Abflug noch sehen, nein sie kann das nicht. Ok. Dann zu hause? Es kamen nie wieder ansagen oder Infos von Ihr.
    Außer, dass der Fahrer der sie an dem eigentlichen Abflugtag zum Flughafen fahren sollte, sie nicht direkt vor dem Hotel abholen (Bauarbeiten)konnte und er mich nachts anrief (Zeitverschiebung) um mir dieses mitzuteilen, da er noch meine Nummer hatte. Ich gab ihm dann ihre Nummer und ich habe sie dann an getextet um ihr zu helfen und dann gab es nur so Texte: Lass mich in Ruhe und schreibe mich nicht mehr an von deinen Vorwürfen habe ich genug.. Habe dann nur geantwortet, dass ich gut zu Hause angekommen bin. Antwort von ihr, schön, wenn ich könnte würde ich applaudieren….
    Habe ich auch dann nur noch einmal von zuhause, als ich abends in einer Bar war- wo wir auch öfter ware- eine SMS geschrieben- Inhalt wo ich gerade bin und an sie gedacht habe – aber keine Reaktion. Sie hat mich überall gelöscht, Whatsapp, facebook…
    Ich hätte gerne darüber gesprochen, was eigentlich genau passiert ist, aber wie. Ich habe Angst sie anzuschreiben. Ich frage mich, ob ich sie anschreiben soll und wie -email, Post, Treffpunkt vorschlage oder nicht … Ich weiß es nicht, nur will ich es für mich auch mal abschließen und nicht immer das Gedankenkarusell haben. Ich habe mit vielen darüber gesprochen auch Leute die sie kennen und alle raten mir, lass es laufen und laufe ihr nicht hinterher. Wenn ich das jetzt so schreibe, denke ich gerade es ist so ein Kinderkram und das jetzt wo ich 50 Jahre alt bin.
    Es ist schwierig in einem Streit auseinander zugehen und nie wieder darüber mit der Betroffenen Person darüber sprechen zu können, weil sie komplett abblockt.

    • Liebe Tina,

      ganz spontan aus dem Bauchgefühl heraus: Was möchtest du mit dieser Frau denn noch klären? Bzw. glaubst du, dass es möglich ist, dass sich das Ganze noch in Wohlgefallen auflöst? Für mich sieht es nämlich absolut nicht danach aus.

      Du schreibst es in zwei Sätzen selber: „…hatte schon nach Buchung der Reise ein ungutes Gefühl…“ und
      „… alles was ich nie sagte habe ich aufs Tablett gebracht, wo sie mich enttäuscht hat, einfach alles was sich all die Jahre aufgestaut hat.“
      Offenbar habt ihr schon lange (schon immer?) Probleme miteinander. Sie mit dir und du mit ihr. Dass nur sie sich als Opfer sieht, sehe ich auch nicht, denn das tust du auch. Ich glaube, ihr seid aber beide keine Opfer, sondern zwischen euch funktioniert es einfach nicht und ihr wollt das nicht so gerne sehen. Es gibt solche Konstellationen, ich kenne das auch – da kann man praktisch machen, was man will, das wird nie gut funktionieren. Es sieht ja nicht so aus, als wäre es einmal eine innige Freundschaft gewesen, die durch irgendeinen Vorfall plötzlich abgebrochen wird, sondern eher wirkt es auf mich wie der (zu) bemühte Versuch, eine Freundschaft/Beziehung mit einem Menschen einzugehen, mit dem man (also beide – sie und du) gar nicht wirklich zurecht kommt.
      Du hast es ja ohnehin schon vor der Reise gespürt, dass es nicht passt – dein ungutes Gefühl hat Gründe. Und dann habt ihr euch alles vorgeworfen, was sich aufgestaut hat.
      Das Ganze hätte sich aller Wahrscheinlichkeit vermeiden lassen, indem du deinem unguten Gefühl vertraut hättest und es ehrlich hinterfragt hättest. Die wichtigste Frage für dich ist: Warum hast du das nicht getan?
      Es klingt sonderbar für mich als Außenstehende, wenn du mit deinem unguten Gefühl die Reise antrittst und dir trotzdem Positives davon erwartest. Warum war das so? Was dein Mann gesagt hat oder nicht, ist eigentlich egal, denn er kann ja nicht wissen, was wirklich zwischen euch läuft. Besonders dann nicht, wenn ihr immer versucht habt, die Probleme zu übergehen – dann sind die Dissonanzen für andere schon gar nicht ersichtlich.

      Ich denke, jetzt ist genau das geschehen, was vermutlich schon viel früher ehrlicher gewesen wäre: ihr seid nicht das harmonische Freundinnenpaar und nun ist es klar. Ich weiß schon, es wäre angenehmer, sich so auszusprechen, dass nur ein gutes Gefühl übrig bleibt – aber das ist ja schon Teil eures Problems miteinander, dass ihr das nicht könnt. Dazu fällt mir gleich eine Freundin (eigentlich war es auch nie eine wirkliche Freundschaft, auch wenn wir uns oft gesehen haben) ein. Wir hatten einen Modus gefunden, nett miteinander umzugehen und ein gemeinsames Thema, das uns verband. Ansonsten aber war da nicht viel an Gemeinsamkeiten, wir gingen mit Problemen fast schon gegenteilig um. Ich will alles aufklären, wissen und darüber reden – sie hasste das. Und als es einmal genau bei dem Thema, das uns verband, zu einem Konflikt kam, konnten wir diesen unmöglich beilegen. Dazu waren unser Ansätze einfach viel zu verschieden. Es war, als würden wir komplett aneinander vorbei reden. Ich habe nicht gleich begriffen, dass es tatsächlich so war. Denn wir jemand mit Problemen umgeht, kann man ihm nicht vorschreiben. Mein inneres System ist ganz anders als ihres gewesen und letztlich wurden wir nur noch mehr verärgert, als wir versuchten, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
      Ich bin sicher, wäre dieses Problem nicht aufgetreten, wären wir noch heute „befreundet“ und würden uns noch treffen. Es wäre aber trotzdem keine gute Beziehung geworden, denn dazu waren wir viel zu verschieden. Man kann jahre- oder jahrzehntelang eine sehr nette Beziehung zu jemandem haben, solange sie nicht durch bestimmte Umstände (und das ist eine gemeinsame Reise oft) zu eng wird oder plötzlich ein Konflikt auftritt, der tiefergehend ist. Man kann solange auch glauben, das wäre eine gute Beziehung. Aber das ist ein Irrtum. Man kann diese Beziehung nur in einem bestimmten Rahmen gut führen und wird dieser gesprengt, geht oft gar nichts mehr, dann kommt alles hoch, was einem schon vorher am anderen gestört hat. Genauso war es auch bei meiner Bekannten und mir. Die einzige Konsequenz, die ich sah, war, die Beziehung ganz zu beenden, denn zurück kann man nach so einem Vorfall nicht mehr, wenn die Basis sowieso nie gestimmt hat. Wenn das einmal offen liegt, ist die frühere Form des Kontakts nicht mehr möglich, die Kluft liegt klar da.

      Es ist nicht so toll, aber ich denke, alternativlos, solche Beziehungen sein zu lassen und zu akzeptieren, dass es eine Zeitlang sicher Gemeinsamkeiten, welche den Kontakt lange getragen haben, aber trotzdem wenig Substanz. Ich kann das ohne jeden Groll heute so sehen, denn es ist eben so und daran kann ich nichts ändern – und sie auch nicht.

      LG
      Eva

  4. Ich musste den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen. Sie hatten mich in der Kindheit fortgesetzt misshandelt. Ich hatte ihnen immer wieder verziehen, weil ich glaubte, dass Vergebung zu Seelenheil führt. Leider wurden sie immer respektloser, weil ich ihnen immer wieder vergab. (Ich kann nur davor warnen „Vergebung“ als Allheilmittel anzupreisen – aber das ist ein anderes Thema). Irgendwann mochte und konnte ich kein weiteres Mal vergeben – ich brach den Kontakt ab, um nicht immer wieder verletzt zu werden. Ich hatte vorher klipp und klar gesagt, was ich nicht mehr hören will und wie ich nicht mehr behandelt werden will. Leider konnten und können sie es nicht lassen!

    Nun ist mein grösstes Problem, dass sie den Kontaktabbruch nicht akzeptieren. Sein 14 Jahren versuchen sie immer wieder, an mich heranzukommen und lassen mich nicht in Ruhe. Ich habe bereits in Ratgebern betreffend Kontaktabbruch gelesen, dass man hartnäckig immer dranbleiben und sich niemals abwimmeln lassen soll. Dabei wäre ich so froh, wenn ich mal zur Ruhe kommen könnte und nicht immer wieder bedrängt würde. Es hat auch was von „sich durchsetzen“, sie wollen ja, dass ihr Kind gehorcht! Es hat etwas von „mürbe kriegen“, damit sie endlich nachgibt. Ich habe den Verdacht, dass sie darauf warten, bis ich in irgend eine Notsituation gerate, damit ich wieder Geld von ihnen brauche. Ich weiss nicht, ob sie ahnen, wie sehr ich mich an meine Arbeitsplätze klammere, wie sehr ich spare und wie sehr ich unter Druck gerate, wegen ihres Verhaltens. Je mehr und je länger sie sich aufdrängen, desto verrückter macht mich das.

    Es würde mich interessieren, ob auch heute noch das hartnäckige Kontaktsuchen empfohlen wird, oder ob es nicht besser ist, dem Kontaktabbrechenden erst mal seinen gewünschten Freiraum zu lassen…

    • Ich glaube, dass Vergebung im guten Sinn ganz anders gemeint ist – also nicht den betreffenden Menschen immer wieder nachgeben und so zu tun, als könne man alles verzeihen, sondern ein Ins-Reine-Kommen damit in sich selbst. Indem man sich all seine Gefühle zugesteht (Ärger, Wut, Enttäuschung usw.) und das Ganze dann loslässt/abhakt.

      Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man damit eine Friede-Freude-Eierkuchen-Situation herstellt. Was geschehen ist, ist geschehen und man muss lernen – vor allem um seiner selbst willen – damit zu leben, ohne dass man emotional da drin hängen bleibt. Ich würde das nicht als Vergebung bezeichnen, aber man hegt irgendwann keinen Groll mehr, weil es zur Vergangenheit gehört – die man ja bekanntlich nicht ändern kann.

      Vergebung, wie du sie verstehst, wäre eher mangelnde Selbstwertschätzung. Menschen, die einen immer wieder verletzen, sollte man tunlichst meiden, andernfalls verhält man sich wie das Kind, das immer wieder auf die heiße Herdplatte greift und nichts daraus lernt.

      Du schreibst: „Ich habe bereits in Ratgebern betreffend Kontaktabbruch gelesen, dass man hartnäckig immer dranbleiben und sich niemals abwimmeln lassen soll.“
      Was waren denn das für „Ratgeberbücher“? Das ist ja überhaupt der allergrößte Unsinn. Das ist im Grunde total übergriffig und zwanghaft. Wenn jemand mit mir nichts mehr zu tun haben möchte, dann muss ich das wohl oder übel irgendwann akzeptieren, sonst ziehe ich praktisch in einen Dauerkrieg und will dem anderen meinen Willen aufzwingen. Ich hab vollstes Verständnis dafür, dass man es eine Weile versucht, weil man nicht so schnell aufgeben möchte – aber wenn das erfolglos bleibt, sollte man schon erkennen können, dass es nichts bringt und die Tatsachen hinnehmen.
      Auch wenn die Beziehung zwischen deinen Eltern und dir negativ zu sein scheint – sie macht auf mich stark den Eindruck einer symbiotischen Beziehung. Da ist aber kein Kind mehr, sondern ihr seid alle erwachsen. Das Verhalten ist nicht mehr angemessen. Wenn du immer wieder diese „Scheinvergebung“ gelebt hast, bist du da nicht raus gekommen. Aber dein Kontaktabbruch vor 14 Jahren war eine erwachsene Antwort – die sie offenbar nicht akzeptieren wollen oder können. Das ist natürlich ein Problem, denn du wirst deine Eltern schwer ändern können, wenn sie sich an die alten Strukturen klammern und auf Biegen und Brechen wieder die alte Situaton herstellen wollen. Denn ich glaube nicht, dass sie dir auf einer reiferen Ebene entgegen kommen wollen, sondern eher, dass sie vom Alten nicht loslassen können. Da irritiert es natürlich, wenn der andere nicht mehr mitspielt und ist dann in ihren Augen „böse“.

      Ich kann deine Not sehr gut verstehen, weil man das ja nicht so einfach wegschieben kann. Es ist schon traurig genug, dass man sich überhaupt von seiner Familie lossagen muss, damit es einem besser geht – aber wenn die dann noch ständig alles unternehmen, um den Kontakt weiterzuführen, ist das noch eine zusätzliche Belastung.

      Du hast geschrieben, es ginge auch um Geld, d.h. in einer Notsituation würdest du vielleicht Geld von ihnen brauchen und sie würden darauf spekulieren. Dazu kann ich nur eines sagen: das muss natürlich klar sein, dass du selbst in einer Notsituation nicht darauf zurückgreifen würdest. Sonst bleibst du ja doch in einer gewissen Abhängigkeit. Irgendwann werden deine Eltern nicht mehr leben und dann kannst du auch nicht auf sie zurück greifen. In so schwierigen Konstellationen halte ich es nicht für sinnvoll, weiter aufeinander zu bauen. Es gibt viele Menschen, die niemanden haben, der ihnen in Notsituationen mit Geld hilft – und sie gehen nicht alle unter.

      Wie du mit dem hartnäckigen Kontaktsuchen effektiver und für dich besser umgehen könntest, weiß ich leider nicht, das finde ich wirklich schlimm. Am besten wohl, indem du hart darin bleibst und so weit wie möglich entfernt von ihnen lebst. Wahrscheinlich hilft es dir am meisten, wenn du innerlich damit ins Reine kommst, wenn du genau weißt, was du willst und nicht schwankst. Vielleicht finden sie sich dann doch irgendwann damit ab.

      LG
      Eva

  5. Hallo Eva,
    vielen Dank für Dein Statement.
    Gruss Tina

  6. Danke! Diese Aufklärung hat mir sehr geholfen meine jetzige Situation zu verstehen. Ich kann das so besser akzeptieren als einfach fallen gelassen worden zu sein. Trennungsgrund war… Er ist innerlich tot und empfindet nix mehr für mich und gab mir die Schuld warum ich das und jenes nicht gemacht habe…. Ich habe ihm im ruhigen Ton gesagt das ich immer wieder was versucht habe aber ich ihn auch zu nix zwingen kann und wollte! Er hat mir das Gefühl vermittelt egal was ich jetzt sage oder mache Interessiert ihn nicht. Er hat mich keines Blickes gewürdigt. Anfang des Jahres hatte er einen Zusammenbruch das er nicht mehr kann… Das letzt halbe Jahr in der Beziehung ist er immer launischer und aggressiver geworden keiner konnte es ihm recht machen. Je mehr ich versuchte ihn zu entlassten je schlimmer wurde es….. Er sieht sich als schlechten Menschen und macht seine Männlichkeit nieder. Besonders bei der Trennung…. Er hat zu funktionieren das ist sein Standard Spruch….
    Ich hoffe das wir eines Tages wieder reden können denn nach meinem Auszug ist absolute funkstille. Er lebt wieder in seinem Schubladen System… Problem rein Schublade zu alles wieder schick…. Ich habs versucht aber kläglich versagt. Zu mindestens glaubte ich das bis vor kurzem. Dein Text hat mir sehr geholfen!!! Danke
    Er ist ein toller Mann wenn er sich helfen lassen würde er glaubt mir das ja nicht.
    Werd ich ihn jemals wiedersehen??

  7. Es ist immer gut, die Zusammenhänge im Groben zu kennen und dann trotzdem zu merken, wie Spuren der Mauer eines anderen Menschen auf einen Selbst abfärben und – siehe da … ist man sehr nahe dran in ebenso ein destruktives Verhaltensmuster zu verfallen, wie der geliebte zugemauerte Mensch, der von jetzt auf gleich nichts mehr von einem wissen möchte. Du warst für diesen Menschen noch Tage zuvor die wichtigste Bezugsperson, dieser Mensch für dich auch. Was resultiert daraus? Dass alles auf der Welt oberflächlich ist? Oder mickrig? Unwichtig? Oder sind wir alle eins.. Sollte man jenen, die man liebt, nur noch ein bestimmtes Maß an Bedeutung im eigenen Leben zumessen? Wenn man weiß, dass diese mächtigen Schaden aus ihrer Kindheit mitnehmen? Soll man dieses ständige Spiel zwischen öffnen und verschließen mitmachen? Was sind die schönen Dinge im Leben dann noch wert? Was ist mit den Angehörigen? Kann man Probleme lösen, indem man sie akzeptiert? Ich denke nicht.

  8. Die Gründe für Kontaktabbruch dürften wohl genauso vielfältig sein, wie es Beziehungen gibt. Den Begriff der antisozialen Persönlichkeit hier herein zu bringen ist relativ lächerlich und unverschämt.
    Grundsätzlich kann niemand in den Kopf des Anderen schauen und damit auch keine Ursachenforschung betreiben. Manchmal hilft aber allen Beteiligten einfach ein gesundes Maß an Selbstreflektion. Der Abbrecher wird sicherlich gute Gründe haben und wird vielleicht bereits im Vorfeld bemerkt haben, dass er mit seinen Bemühungen auf wenig Nährboden stößt beim Gegenüber.

    • Hallo Silvana,

      du dürftest etwas überlesen haben:
      „Es gilt hier jedoch zu unterscheiden, ob es sich um einen Kontaktabbruch handelt, dem lange Zeit massive Beziehungsprobleme vorausgegangen sind und damit quasi die Notbremse von einer Seite gezogen wurde – oder ob er praktisch aus dem Nichts kommt.“
      Es geht nicht darum, jemanden seine guten Gründe abzusprechen, der vielleicht bereits im Vorfeld schon Probleme mit seinem Gegenüber hatte. Es gibt auch Leute, die eine Menge innere Probleme haben und andere kaum als echtes Gegenüber wahrnehmen. Und so verfahren sie dann auch mit diesem: wenn Ängste oder Widerwillen oder was weiß ich was auftreten, wird der andere abrupt entsorgt. Das betrifft nur einen Teil von Kontaktabbrüchen.
      „Grundsätzlich kann niemand in den Kopf des anderen schauen“ ist natürlich richtig, aber es gibt auch Menschen, die sich weiter entwickeln und rückblickend davon erzählen, was sie bewogen hat, so zu agieren. Und es gibt auch eine Menge Bücher von Psychologen, in denen viele Fallbeispiele von Klienten erzählt werden. Aus reiner Vermutung und Spekulation schreibe ich hier keine Artikel.

      Was mir an deinem Posting auffällt, ist: du ziehst deine Schlüsse sehr oberflächlich, ohne den Text genau zu lesen und dein „Urteil“ dazu (lächerlich und unverschämt) zeugt von einer Menge Arroganz und Respektlosigkeit. So kann man leider keine Diskussion anstoßen. Ich halte Aggressionen für eine gesunde Empfindung, wenn man sie nicht an anderen ausagiert, die einem nichts getan haben. Offenbar habe ich dich mit irgendetwas wütend gemacht, worauf du sofort mit Entwertung reagierst.
      Ich vermute, dass du einen Kontaktabbruch aus sehr guten Gründen deinerseits damit verteidigen willst. Schöner wäre es allerdings gewesen, wenn du darüber sachlicher erzählt hättest. So bringt das ja nichts.

      LG
      Eva

  9. Ich habe mit großen Interesse alles gelesen, was hier geschrieben wurde
    Ich bin fast 60 Jahre
    ich bin vor 3 Monaten von heute auf morgen verlassen worden
    Nach 1,5 Jahren Fernbeziehung! Und einem liebevollen Heiratsantrag
    Was ist falsch gelaufen? Ich weiß es nicht
    Es geht mir noch nicht wieder gut und ich kann es auch noch nicht begreifen
    Ich frage mich was ich noch hier soll?
    Ich möchte den Mann verstehen aber es geht nicht
    Ich gebe mir die Schuld nur weiß nicht was falsch war.
    Am Bahnhof sagte er warte auf mich und pass auf dich auf…
    warum kommt er nicht wieder
    NIEMAND weiß Antwort
    Ich dachte das passt hierher
    lg Hilde

    • Liebe Hilde,

      es ist nicht schön, was du erlebt hast und wenn du alles hier gelesen hast – inklusive den vielen Kommentaren – wirst du ja sehen, dass du kein Einzelfall bist.
      Jedoch schreibst du „Ich frage mich was ich noch hier soll?“ und „Ich gebe mir die Schuld nur weiß nicht was falsch war.“
      Zu deiner ersten Aussage möchte ich folgendes sagen: Es ist zwar schmerzhaft und ernüchternd, wenn man verlassen wird, man kränkt sich darüber und kann auch sehr traurig sein – doch als erwachsener Mensch mit einer Menge Lebenserfahrung (denn die hat man mit sechs Jahrzehnten) nach einer 1,5 Jahre dauernden Fernbeziehung sich gleich zu fragen, was man noch hier auf der Welt soll, klingt schon sehr dramatisch. Du hast ja vor diesen 1,5 Jahren auch ein Leben gehabt und du wirst es auch danach haben. Das kann man nicht an einer anderen Person festmachen, denn das wäre dann Abhängigkeit pur. Und eine Beziehung mit so viel Abhängigkeit wäre ganz sicher keine gute Beziehung.
      Zu deiner zweiten Aussage – dass du dir sofort selber die Schuld gibst – möchte ich dich gerne fragen, wie du darauf kommst. Woher weißt du das? Niemand kann einen anderen Menschen in all seineen Facetten, Gedanken und Gefühlen komplett kennen und durchschauen, also kannst du gar nicht wissen, was in ihm wirklich vorgegangen ist und vorgeht. Zudem ist eine Fernbeziehung besonders geeignet dafür, dem anderen nur bestimmte Seiten zu zeigen, weil man ja keinen gemeinsamen Alltag bewältigen muss.

      Ich möchte dich keinesfalls verletzen oder kränken, aber das Ganze klingt für mich von beiden Seiten her etwas unreif. Vielleicht hat er einfach kalte Füße bekommen und wollte doch keine so konkrete Beziehung? Wer weiß, was er so alles gemacht hat, während ihr nicht zusammen gewesen seid? Vielleicht ist es auch einfach nur Zeit, aus einer Illusion aufzuwachen und wieder mit beiden Beinen am Boden zu landen?

      Vielleicht ist es dir ein Trost, wenn ich sage, dass ich ca. in deinem Alter bin, alleine lebe und mich recht wohl damit fühle. Ich sehe es in gewissem Sinn als Aufgabe an, mein Leben so zu gestalten, dass ich mich wohlfühlen kann und lege das nicht in die Hände von anderen. Früher war das auch anders, aber mir hat es sehr geholfen, mich mit meiner inneren Problematik, Abhängigkeiten usw. auseinander zu setzen, um mich weiter zu entwickeln und zu reifen. Das ist zwar nie sehr einfach gewesen, aber es ist zeitlich begrenzt – im Gegensatz dazu, wenn man den eigenen Kernproblemen ausweicht und dann das ganze Leben seine Probleme mitschleppt, immer in der Hoffnung, sie würden sich wie von Zauberhand von alleine (oder noch schlimmer: durch andere) lösen.

      Ich hoffe, ich konnte dich ein bisschen zum Nachdenken anregen und wünsche dir alles Gute.
      LG
      Eva

  10. Liebe Eva
    ich war fast 25 Jahre glücklich verheiratet.Bis dann eine jüngere Frau kam
    Ich habe lange alleine gelebt und dann kam dieser Mann.

    Ja du hast recht Fernbeziehung…..
    wer weiß was er so gemacht hat. Wenn er da war war er sehr liebevoll.
    Wir haben sehr intensiven Mail-Kontakt gehabt, oft telefoniert, alle 2 Wochen war er da, hat Pläne gemacht wie es weitergeht
    Auf die Frage ob er verheiratet ist kam ein klares NEIN

    Ich bin sicher, er hat kalte Füsse bekommen, sein JA war wohl zu voreilig!
    Auch wenn es von ihm kam.

    Und ja den Boden unter den Füssen suche ich noch.
    Ist ehrlich gesagt nicht ganz leicht
    Ich möchte einfach nur glücklich sein was wohl ich allein nur bewirken kann.

    danke erstmal für deine Worte

    lg Hilde

    • Liebe Hilde,

      wenn du schreibst „ich war fast 25 Jahre glücklich verheiratet.“ hast du schon mehr Schönes erlebt als viele andere.
      Das mit der jüngeren Frau (eigentlich egal, ob jünger oder nicht) ist natürlich traurig, aber 25 Jahre gutes Leben kann dir keiner mehr wegnehmen. Etwas wird ja nicht insgesamt schlecht, weil es geendet hat.
      Kann es vielleicht sein, dass du das Alte – mit neuer Besetzung – wieder aufmachen möchtest? Ich kenne einige Leute, die immer unbedingt etwas haben wollen und meinen, dann endlich würde ihr Leben richtig gut sein. Das Dumme ist nur, dass das nie eintreffen könnte oder vielleicht dann gar nicht so toll wäre wie gedacht – und sie haben jahrelang ihre Energie damit vertan, ihr „Glück“ in die Zukunft zu projizieren, während sie die Gegenwart vernachlässigt haben. So kann man natürlich auch leben, aber im Rückblick ist das dann doch ziemlich frustrierend.
      Klingt jetzt so banal, ist es aber nicht: die Gegenwart ist das Kostbarste, das wir haben. Keiner weiß, was morgen sein wird.

      LG
      Eva

  11. Hallo Ihr da draußen…
    Ich habe vor sechs Jahren in einem dieser Foren wo sich Männer&Frauen treffen einen Mann kennen gelernt. Er hatte gerade eine Trennung hinter sich. Die vorherige Partnerschaft/Ehe war sehr belastet durch drei Kinder die starben. Er betonte allerdings immer, „was wäre anders gewesen wenn sie nicht gestorben wären?“
    Er verschwand ad hoc aus diesem Forum, ich fand ihn jedoch in den sozialen Medien wieder&er freute sich darüber. Entschuldigte seine Unhöflichkeit. Es entwickelte sich ein jahrelanger Schreibkontakt. Diesen brach er immer wieder teils Monate ab. Las jedoch meine Mails. Er selbst diagnostizierte sich eine leichte Form von ASS. Im letzten Jahr kam es zu einem Treffen. Ich hatte ihn darum gebeten, da es mir wichtig war ihn endlich kennen zu lernen. Wir leben 500km voneinander entfernt&es ergab sich, dass er beruflich in der Nähe war. Dieses Treffen war, wenn auch bewußt von ihm zeitlich knapp bemessen für uns beide sehr schön. Ich war irritiert ob seiner lauten Stimme(ich war mir immer sicher, dass er eher introvertiert&ein leiser Typ ist). Zudem erzählte er mir, dass er mittlerweile ein Medikament nehmen muss, damit er überhaupt fokussieren kann. Gesprächsinhalte wirkten geplant, als hätte er sich Gedanken gemacht wie ein Gespräch ablaufen müsste…
    Der Schreibkontakt war direkt anschließend sehr intensiv, dann brach er wieder ab. Drei Monate später schrieb ich ihm wie schön ich unsere Begegnung fand. Er reagierte&meinte auch, dass es sehr schön war&wir uns wiedersehen werden.
    Ein paar Monate später sahen wir uns dann wieder. Auch bei diesem Treffen wirkte es so, als hätte er einen Ablauf der Inhalte geplant, konnte aber auf Fragen, wie z.B. was er gerne ißt keine Antwort geben. Da würden sich 25 Türen bei ihm öffnen, solche Fragen könne ich ihm nicht stellen… Als er mich am nächsten Morgen nach unzähligen Kneipen in denen wir waren wieder vor der Haustür abstellte&ich schon gehen wollte meinte er, ich solle doch endlich mal das tun worauf ich Lust hätte&ihn küssen… Das tat ich. Es war wunderschön. Danach fiel so was wie seine Maske. Sein Gesicht verfinsterte sich. Es wirkte, als könne er seine Fassade nicht mehr aufrecht halten&sei vollkommen erschöpft.
    Wir schrieben uns noch im Anschluss wie schön alles an diesem Abend war. Er betonte immer wieder, dass ich ein wunderbarer Mensch für ihn sei. Dann brach er zusammen. Schrieb, er würde nur noch auf Autopilot funktionieren. Das böse Monster, das immer dann kommt wenn er Gefühlen ausgesetzt ist&nicht weiß, ob er diese zulassen solle oder besser abwartet, bis diese vorbei sind sei da. Er brauche Ruhe&müsse sich eine Weile zurückziehen, die Mechanismen seien ihm bekannt… Er schrieb das letzte Mal im letzten November. Er meinte, es sei furchtbar nicht mehr „zusammen zu sein“. Sein inneres&sein äußeres würde nur durch eine Lüge zusammen gehalten. Nach Außen wirke er charmant, in sich ruhend, witzig, usw. während in ihm ein Krieg herrscht. Er sei auf der Suche nach dem Menschen in sich der ihm fremd ist. Er könne nicht für mich da sein. Er wüßte, dass er eine vertrauliche Beziehung mit mir führen könne, jedoch wäre es ihm nicht möglich über seinen Schatten zu springen. Dieser jahrelanger Krieg in ihm macht ihn abweisend, still, sprachlos, abwehrend… Es würde ihm schwer fallen zu lesen, aufzunehmen, zu sprechen, zu antworten…
    Dann hat er den Kontakt abgebrochen. Ich schreibe ihm dann&wann meine Gedanken. Ich kann ihn nicht vergessen. Er liest die Mails immer, jedoch kommt nie eine Antwort.
    Liebe Grüße, Andrea

    • Liebe Andrea,

      es liest sich sehr schlimm, wie dieser Mann beisammen ist. Ich denke nicht, dass da Feigheit, Egozentrik oder Härte dir gegenüber im Spiel ist, wenn er den Kontakt nicht mehr fortsetzt. Man kann ihm nur wünschen, dass er irgendwo die richtige Hilfe findet! Aber nicht in einer Beziehung, sondern professionell.
      Ich kann gut verstehen, dass du hinter all dem Müll, den er mitschleppt, auch den anziehenden Menschen spürst. Aber da liegt so viel Problematisches darüber, das würde keine Partnerin stemmen. Ich denke, es wäre besser für dich – aber auch für ihn – ihm nicht weiter zu schreiben, denn das Einzige, was ihm wirklich helfen kann, wäre die Erkenntnis, dass er unbedingt Hilfe suchen muss. Du schürst vielleicht mit deinen Nachrichten nur Bedürfnisse, die er natürlich auch haben wird, aber er sagt ja ohnehin selber, dass er nicht kann.
      Ich finde es auch in gewissem Sinn problematisch, dass du dir doch noch Hoffnungen zu machen scheinst, weil es doch recht realitätsfern ist – das muss dir doch klar sein. Ein Mensch mit solchen inneren Lasten wird nicht aufgrund einer Beziehung plötzlich gesund, ganz im Gegenteil zieht er jene, die ihm nahe stehen, mit rein. Das solltest du schon aus Selbstschutzgründen gar nicht in Erwägung ziehen. Selbst wenn du eine Affinität zur „Retterrolle“ hast, wäre das doch enorme Selbstüberschätzung. Es dauert normalerweise viele Jahre, bis sich Menschen aus solchen Löchern hoch arbeiten können und offenbar hat er ja noch nicht einmal damit angefangen, sondern setzt auf Fassade. Das geht aber nicht ewig gut.
      Wenn du ihn nicht vergessen kannst, spricht das auch dafür, dass da wahrscheinlich auch einiges an Projektion im Spiel ist. Als Außenstehende sehe ich aufgrund deiner Schilderungen nur einen psychisch schwer beschädigten Menschen, mit dem sicherlich keine gesunde Beziehung möglich ist.
      LG
      Eva

  12. Liebe Eva!!!

    Ich habe seit 3 Wochen Erklärungen gesucht, nachdem ich der Ex, die ich nur 4 Wochenenden sehen durfte (vorher 2 Monate geschrieben) , die 3 Worte gestand. Sie stand auf und ging aus dem Hotelzimmer. Wir seien zu „verschieden“. Funkstille. Einen Tag danach per whattsapp gestritten. Sie wiich meinen Fragen direkt aus. Dann wurde sie immer kälter und hat dann Dinge vorgeschoben, den Kontakt abzubrechen. Ich gelte als empathischer Mensch. Kam aber gar nimma ran. Sie ging nicht auf meine Mails ein. Keine Begründungen. Ich habe versucht zu verstehen. Das „warum“ wurde nie wirklich geliefert. Natürlich reagierte ich etwas geschockt und verwundert, dass sie meine Frage und meine Bitte nach weiteren normalen Kontakt als Grund angab, den Kontakt ganz abzubrechen. Ich hätte sie bombardiert. Sie meinte, ich hätte Vorwürfe gemacht. Freunde von mir haben ihren Vorwurf überhaupt nicht verstanden, ich hätte eh völlig normal ruhig reagiert. Lange Rede kurzer Sinn die ganzen Nouancen die in der ganzen Sache mitgeschwungen haben, finde ich in deinem Artikel 1 zu 1 wieder! Ich habe beim Lesen fast gedacht,:“ Woher weiß die Autorin, was ich erlebt habe??“ Dein Artikel gibt mir viele Erklärungen, die mir sehr sehr plausibel erscheinen. Du hast mir sehr sehr sehr geholfen dadurch! Vielen Dank für deinen Artikel !! Ich kann die ganze Sache somit besser auf ein ordnen und abschließend für mich …

    • Lieber Peter,

      freut mich, wenn dir mein Artikel zu mehr Ordnung in deinen Gedanken verholfen hat! Ich möchte aber noch etwas dazu sagen, z.T. auch aus eigener Erfahrung. Du beschreibst dich als empathischen Menschen. Das heißt auch, dass du wohl ein gefühlvoller Mensch bist. Nun ist es aber so, dass so ziemlich jeder Mensch automatisch in seinen Annahmen über andere, besonders jene, mit denen er sich gut versteht, von sich ausgeht. Das ist sehr normal, weil man ja nur eine innere Welt hat und die anderer nur aufgrund von bewussten Erfahrungen damit verstehen kann. Ganz ohne Wertung muss ich aber sagen, dass nicht jeder sehr empathisch bzw. gefühlvoll ist. Oder auch wenig Zugang zu seinen Gefühlen hat und sich darauf nicht allzu sehr einlassen möchte. An sich kann und soll man das respektieren, es wird nur problematisch, wenn man selbst anders ist als der andere (aber angenommen hat, der andere wäre nicht anders). Wenn ich deine Schilderungen lese, scheinen sie mir eine klassische Geschichte dafür zu sein. Du hast sicher schon davon gehört, dass jeder Mensch eine Art „Wohlfühlabstand“ zu anderen hat. Das drückt sich sowohl körperlich als auch seelisch aus, kann auch auf den beiden Ebenen unterschiedlich sein.
      Wenn dieser Wohlfühlabstand bei zwei Personen nicht recht ähnlich ist, passieren solche Sachen, wie du schreibst. Und derjenige, der sich mit mehr Nähe wohler fühlt, ist dann sehr enttäuscht, während der andere immer schroffer wird oder die Beziehung abbricht, weil er mit diesem Nähewunsch nichts anfangen kann (oder nicht umgehen kann und will). Insoferne kannst du noch so viele Freunde und Bekannte fragen, ob Sie dein Verhalten „normal“ finden, es wird dir nichts nützen. Denn sie kennen dich, wie du bist und sind vermutlich eher auf deiner Linie. Aber für andere ist etwas anderes normal und auch sie werden Leute kennen, die ihnen das bestätigen.
      Ich weiß, wie verletzend es ist, zurück gewiesen zu werden, aber letztendlich bringt es nichts, den anderen dafür zu verdammen, denn das geschieht aus dem Grund heraus, dass er nicht so ist, wie man selbst. Leider ist es gerade ein Merkmal von weniger Nähe liebenden Menschen, dass sie auch nicht so empathisch sind und die dann oft gar nicht verstehen, warum der andere so verletzt ist. Wie gesagt – jeder geht von seiner „Normalität“ aus.

      LG
      Eva

  13. Hallo Eva,

    Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Mensch mit mir schon jemals eine Beziehung beendet hätte. Die Menschen, zumeist Männer, gingen ohne Begründung. Dh. ich wußte nie bei einem Treffen mit einem Menschen, meldet sich dieser nochmal wieder oder nicht. Selbst anzurufen und nachfragen, dazu war ich zu stolz.

    Nach Jahren tiefer Enttäuschungen, in denen ich mich fast immer nur benutzt und ausgenutzt gefühlt hatte, ließ ich immer weniger emotional an mich heran. Wenn ich auch niemanden hinterher gelaufen bin, fiel ich zumeist in ein tiefes Loch bei Verabschiedungen. Durch die im Laufe der Zeit daraus resultierende nach außen hin zur Schau getragene Gleichgültigkeit, wurde oder wirkte ich wohl lockerer.

    Ein kleiner Teil der Kontaktabbrecher, meist schon Männer die mir auch am Herzen gelegen waren, meldete sich nach ein paar Monaten bis fünf Jahren wieder. Auf Nachfrage nach den Gründen für den Kontaktabbruch kam fast immer die gleiche Antwort bzw. für mich Ausrede: „Ich hatte keine Zeit. Ich war beschäftigt.“.

    Ein einziger Mann meinte, ich hätte Probleme gehabt. Da er mir nicht hätte helfen können, musste er gehen. Ich hatte sehr gerne mich mit ihm unterhalten, auch was unternommen und mal gekuschelt. Doch ich wollte keinen Sex mit ihm. Und das war seiner Meinung nach mein Problem. Ich denke das Problem war und ist, dass wenn ich auch viel mit Menschen rede, über die elementaren Dinge zu wenig gesprochen wird. Gerade wenn man aufgrund seiner Biografie Angst vor Zurückweisungen hat, fällt es halt (mir) schwer zu sagen was ich will oder nicht will.

    Nachdem ein Mann, der mir sehr am Herzen lag, gar dreimal auf mehrere Jahre verteilt den Kontakt mit mir abgebrochen hatte, ließ ich bei seiner vierten Kontaktaufnahme das erste Mal in einem Brief meinen Frustration und meiner Wut halbwegs freien Lauf. Als die Wut verraucht war und ich ihn sachlich nochmal klar machen wollte, was er mit seinem Verhalten bei mir auslöst, kam der Brief mit dem Vermerk „Empfänger verstorben“ zurück. Ich war absolut fertig und schämte mich, fühlte mich schuldig an seinem gemutmaßten Suizid. Im Laufe der Zeit dachte ich, die Handschrift sei der seinen doch recht ähnlich, sodass ich Nachforschungen anstellte. Er war am Leben.

    Gerade in jüngeren Jahren habe ich meine Grenzen nicht gekannt bzw. die mir bekannten nicht respektiert und viele Übergriffe zugelassen und mich sehr schlecht behandeln lassen. Ich schluckte in meiner Überangepasstheit meinen negativen Gefühle wie Ärger und Wut hinunter. Irgendwann gingen die Menschen fast immer wortlos und in seltenen Fällen explodierte, wenn auch nicht laut so doch intensiv war meine Art von Rabattmarken-Sammlung.

    Gerne möchte ich meine aktuelle Geschichte die Tage mal schreiben. Was mich so unendlich quält: unser ca. einjähriger sehr intensiver Kontakt ist seit fast einem Jahr ziemlich auf Eis gelegt. „Ziemlich“ heißt, alle paar Monate kommt von ihm was. Was jedoch kommt, empfinde ich als unklar und verwirrend. Seine mir dann teils aufgetischten Ausreden und Lügen erlebe ich als zutiefst verletztend, kränkend und entwürdigend.

    Ein klärendes Gespräch will er nicht. Begründung mit traurig klingender Stimme: „Ich bin auch nur ein Mensch.“ Dem fügte er dann hinzu, vielleicht wäre er später ja doch dazu bereit.

    Ich weiß einfach nicht was er will!
    1. Macht es ihm Freude mich zu quälen?
    2. Spielt er Machtspiele und es geht ihm nur darum wie lange ich das mitmache?
    3. Möchte er im Grunde überhaupt keinen Kontakt mehr und traut es sich nicht zu sagen, weil er ein guter Mensch sein will?
    4. Möchte er doch gerne mit mir beruflich was machen, doch die (gewesenen und nie ausgesprochenen) Konfliktsituationen ignorieren, und „nur zusammenarbeiten“?
    5. Möchte er gerne mit mir beruflich was machen, doch ich muss das Passwort / Zauberwort finden?
    6. War bzw. ist es der Auslöser ein bloßes Missverständnis?
    7. Was geht in ihm vor, wenn ich ihm schreibe, dass es mir schlecht geht, dass ich nicht mehr kann? Denkt und fühlt er was in Bezug auf mich? Habe ich allein hier ein irrsinniges Kopfkino?
    8. Kann er zwischenmenschliche Beziehungen nur in (Über-)Angepasstheit leben solange er die Situation aushält und dann „muss“ er sie abbrechen, weil er unfähig ist zu sagen wie er die Situation sieht, wie sie für ihn ist und was er braucht bzw. sich wünscht?
    9. Was tun, wenn er erfreulicherweise seine Überangepasstheit nun sein lässt, doch sich nun scheinbar gar nicht (mehr) einlassen will oder kann?

    Ciao,
    Marla

  14. Nachtrag:
    10. Loslassen (und wenn nur im Geiste) ist nicht meine Stärke. Statt Kontaktabbruch wünsche ich mir so sehr Konfliktlösungen!

    • Liebe Marla,

      offenbar erlebst du immer wieder Ähnliches. Dazu stellst du 10 Fragen, die allesamt auf „er“ bezogen sind. Was will er, was macht er, was geht in ihm vor, … usw. Ich meine, du stellst die falschen Fragen, denn damit wirst du nicht weiter kommen. Selbst wenn du Antworten finden würdest, würde es dir nicht wirklich helfen. Ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen (aber ich denke, würdest du das therapeutisch behandeln, würde es auch darauf hinaus laufen), dass du nicht Fragen über ihn, sondern an dich stellen solltest. Denn das, was dich weiter bringen wird, ist das Verständnis deiner selbst. Wie deine Geschichte war, warum du wie auf bestimmte Menschen reagierst, wo deine blinden Flecken liegen und warum du immer wieder dasselbe erlebst. Du wirst die Problematik nicht über das Verständnis des anderen auflösen, sondern nur über das Verständnis deiner selbst. Dass man damit auch andere wesentlich besser versteht, kommt ganz von alleine hinzu.
      Das heißt nicht, dass all diese Männer Unschuldslämmer sind, aber du suchst sie aus – und das ist die Essenz der Problematik. Ich weiß, es hört sich ernüchternd an, es ist auch alles andere als leicht, sich damit auseinander zu setzen. Aber tust du es nicht, wirst du weiterhin dasselbe erleben und nicht wissen, warum. Wenn du 5 Männer analysierst, wirst du 5 verschiedene Geschichten vielleicht halbwegs verstehen (soweit man das von außen überhaupt kann), aber du wirst deine eigene noch immer nicht verstehen. Doch darauf kommt es an.

      Wenn einem dasselbe immer wieder passiert, ist es wichtig, zu hinterfragen, warum das so ist. Bei einem einzigen Mal kann es ja tatsächlich ein Missgriff sein und sich über den anderen erklären lassen. Es gibt nicht nur nette Menschen. Aber wenn du wiederholt dieselbe Problematik erfährst, tust du was dazu. Ich rede keinesfalls von Schuld, denn du wirst ja nicht absichtlich etwas tun, das dir selber schadet. Es geht dabei überhaupt nicht um Schuld, es geht dabei so gut wie immer um unbewusste Muster, die man an sich selber nicht durchschaut. Diese Erfahrungen sind dann praktisch ein Teil der Symptomatik.
      Ich hoffe, du bist es dir wert, dich damit zu befassen, denn du wirst dein gesamtes Leben mit dir verbringen müssen und wenn du dich durch unbewusste Muster ins Leiden bringst, hört das nur auf, sobald du dich selber klar sehen kannst und um deine Defizite weißt. Zu 99% entstehen sie in der Kindheit, denn da kriegen wir die Brille aufgesetzt, durch die wir die Welt sehen. Sie wird so sehr zur Normalität, dass wir uns gar nicht vorstellen können, sie zu hinterfragen. Und sehr viele tun es auch ihr Leben lang nicht, laufen immer wieder in dieselben Fallen und kränken sich oft halb zu Tode über die immer wiederkehrenden Enttäuschungen. Es gibt aber nur einen Menschen, der das beenden kann: dich selbst. Alles andere ist leider eine Illusion.

      Ich wünsche dir alles Gute,
      Eva

  15. Hallo Eva,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Dass auch ich meinen Anteil habe, ist mir völlig klar. Doch leider bin ich hier ziemlich blind. Von daher mache ich wohl immer wieder den Fehler von einem Außen zu meinem Inneren kommen zu wollen. Sicherlich ist ein Aspekt Selbstverantwortung bzw. der Mangel dessen. Auch wenn ich nun in Folge von ihm bzw. uns schreibe, vielleicht hast Du ja – so Du das lesen magst – eine Inspiration / Intuition, wo ich wie bei mir ansetzen könnte?

    Dinge die ich nicht gerne tue, z.B. Steuererklärungen, kann ich schon unendlich schieben. Da wäre schon für Verzugszinsen der eine oder andere Urlaub drin. 🙂 Und bei „ihm“ habe ich das Thema extrem gemerkt. Doch wenn ich einerseits denke, auf jemanden wie ihn mein Leben lang gewartet zu haben, und dann nicht in die Gänge zu kommen, dann stimmt doch mit mir was nicht?! Es war nicht allein der Mangel an Selbstverantwortung meinen Alltagspflichten nachzukommen.

    Von Anfang an sagte ich ihm einige Male, dass ich gerne mit ihm mal streiten wollen würde bzw. eine Krise durchstehen möchte um zu wissen, ob ich mich auf ihn verlassen kann oder ob ich bei Konflikten dann (wieder mal) verlassen werde. Ich „musste“ die Konfliktsituation provozieren. Er hat ein Jahr lang sehr viel für mich getan, sehr viel mehr als wohl viele Menschen für Freunde oder gar Partner und Partnerinnen tun würden. Und dafür bin ich ihm auch sehr dankbar, gleichwohl sich nun nach und nach vieles und mehr davon wieder zerstört.

    Er hatte ja selbst gemeint, er sei sehr sehr anpassungsfähig. Ja, das ist er fürwahr, doch er will oder kann sich mit mir nicht auseinandersetzen. Das verbindet uns wohl, dass keiner von uns sich mit sich selbst scheinbar auseinandersetzen kann?

    Und ich frage mich, was mache ich falsch? Früher hatte ich die Holzhammermethode drauf, doch heute rede ich schon mit Engelszungen auf Menschen ein, wage kaum negative Gefühle wie Wut zu äußern, weil das kann man(n) in meinem Leben überhaupt nicht ertragen. Da sehe ich nur noch eine Staubwolke. Doch sogar mit sachlichen Gesprächen flüchten sie, da Kritik für meines Erachtens Narzissten ja nicht gut anzunehmen ist. Ich habe desöfteren mit meinem ganzheitlichen Hausarzt darüber gesprochen und er sieht zwar auch, dass sich viele meiner Gedanken auch um mich drehen, um mich und meine Probleme. Doch er hält mich für keine Narzisstin. Im Grunde sind das ja alles nur Vehikel um Dinge zuordnen und letztendlich besser verstehen zu können.

    Eine Selbstwertproblematik ist sicherlich auch ein Teil der Problematik, da ich Konflikte früher aus einem Harmoniebedürfnis, basierend auf Verlustangst, möglichst vermieden hatte. Heute tue ich das weitaus weniger, doch ich bemühe mich immer wieder ruhig und sachlich Probleme anzusprechen. Doch wenn jemand nicht reden will bzw. reden kann?

    So ich ihm immer wieder sagte, mit ihm mal einen Konflikt haben zu wollen um sehen zu können, ob wir eine Krise meistern und daraus lernen können, sprach er sehr sehr sehr viel von Werten. Er sei wertebasiert. Ich sei es wert, ich sei liebenswert und sein absolutes Lieblingswort ist scheinbar „Wertschätzung“.

    Dezember letzten Jahres hatten wir seit etwas über einem Jahr Kontakt miteinander und für mich war es das Beste das ich je bislang erleben durfte. Kurz vor seinem Urlaub war die Welt noch in Ordnung, doch schon als er am Flughafen war und wir miteinander telefonierten, hatte ich ein eigenartiges Gefühl. Bis dahin hatten wir in den Monaten davor teils täglich mehrmals miteinander telefoniert, was meistens von ihm ausging. Aus dem Urlaub kam dann nur alle paar Tage eine Whatsapp-Nachricht. Das beunruhigte mich bereits, gleichwohl ich parallel dachte, er muss ja keinen Rapport hier abliefern und er soll mal seinen Urlaub genießen.

    Weihnachten schrieb er, dass ich ja nun in seiner einwöchigen Abwesenheit die zu erledigenden Dinge hätte tun sollen. Ich war erstaunt, denn es war über zwei Wochen weg und ich sollte in der Zeit seiner Abwesenheit die Dinge erledigen, was ich auch größtenteils getan hatte. Doch teils war (wieder mal) was dazwischen gekommen und teils konnte ich aufgrund äußerer Umstände nicht alles wie gewünscht (von ihm und von mir) erledigen.

    Ab seinen Weihnachtsgrüßen spätestens kam von ihm nichts mehr aktiv, er reagierte nur noch. Silvester, ein Tag an dem Menschen miteinander telefonieren, die sich sonst das ganze Jahr über nicht hören, schrieb er mir per Whatsapp Neujahrswünsche. Auf meine Nachfrage was los sei, wich er aus. Er war nicht bereit sich mit mir auseinanderzusetzen. Stattdessen meinte er, ich solle doch mal seine Wünsche unkommentiert hinnehmen und heute sei „therapiefrei, auch für mich“. Ich sei eine schwierige Person. Er wünschte mir mehr Selbstvertrauen, dass ich aus mir herausgehen und aufblühen würde, dass ich bald berufliche Erfolge erzielen können soll und einiges mehr.

    Wie wäre es für Dich, wenn Du teils mehrfach täglich mit jemanden telefonierst und dann kehrt dieser aus dem Urlaub zurück und ruft nicht an?

    Wie gesagt, ich konnte nicht mehr anrufen. Da stellt sich bei mir eine Blockade ein. Ich hatte das Gefühl, ich bin es nicht wert, dass er mir von seinen Urlaubserlebnissen berichtet, dass er mich zu Silvester anruft. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was hatte sich geändert? Ich dachte er zieht sich zurück und hat nicht den Mut ehrlich zu sein, doch ich mag ihn auch nicht belästigen. Wenn er keinen Kontakt mehr mit mir will, ich laufe niemanden nach. Stolz und verletzt bin.

    Hat er jemand kennengelernt bei dem sich sein Engagement seiner Meinung nach mehr lohnt? Hat er eine neue Partnerin? Geht es hier um Machtspiele, dass er von mir angehimmelt werden will und ich ihm nachlaufen soll? Bin ich, so mein Hausarzt mutmaßte, ihm zu nahe gekommen, z.B. da er desöfteren von Verspannungen sprach und das Wort „kuschelig“ gerne verwendet, hatte ich ihm zu Weihnachten einen Gutschein für einen Kuschelabend geschenkt. Für mich wäre das nichts, doch vielleicht dachte er, mir täte das auch gut, und er wollte jedoch nicht, zusammen mit mir hingehen, und darüber geriet er angesichts dessen was er sonst so von sich gab in einen inneren Konflikt?

    Da er mir gesagt hatte, dass er viele Bekannte und Freunde habe, von denen er die meisten schon aus der Schulzeit kenne, hatte ich auf einmal bei unserem letzten persönlichen Treffen das Gefühl, dass dies eine dauerhafte Beziehung mit der von mir so sehr gewünschten Tiefe werden könne. Hat ihm das Angst gemacht? Er spricht von vielen Kontakten, doch wir hatten von Anfang an fast täglichen Kontakt, sehr intensiven Kontakt. Also, die anderen dürfte er dann wohl nicht sooft kontaktieren? Langjährige Partnerschaften hatte er bislang nicht, sprich ich empfinde ihn so, dass er Problemfrauen braucht, denen er gerne helfen möchte, bei denen er den Retter geben kann, zu denen er allerdings auch eine wie auch immer geartete Distanz einnehmen kann. (Zu) Viel Nähe kann er meinem Bauchgefühl nach nicht ertragen.

    Ab Silvester bereits hatte ich nahezu täglich migräneartige Kopfschmerzen und Ende Januar hatte ich dann kurz vorm Ersticken einen Notarzt gerufen und wurde in ein Krankenhaus unfreiwillig eingewiesen. Bis März fast durchgehend hatte ich so massive Atemprobleme, dass ich kaum noch das Haus verlassen konnte. Sprich meine Nachbarn sind größtenteils für mich einkaufen gegangen. Ein paar Menschen aus meinem Umfeld meinten, sie hätten schon längst den Kontakt mit ihm abgebrochen, dass ich Suizid auf Raten betreiben würde und keinen Selbsterhaltungstrieb hätte. Ja, gerade da er erst so gut zu mir war, soviel Gelduld und Verständnis hatte, gehe ich nun in der Selbstbetrafung auf. Wäre ich ein liebenswerter Mensch, würde man(n) mich nicht so behandeln. Dass ich mich gut behandeln sollte, gleich wie schlecht andere mich behandeln, zu der Haltung komme ich nicht mehr.

    Anfang März rief er dann an und meinte, er wolle mal nachfragen was los sei, weshalb ich mich nicht melden würde? Ich war total erstaunt über die Frage. Gleichzeitig freute ich mich so sehr über seinen Anruf und dachte, scheinbar liegt ihm ja doch was an mir. Er hatte sich doch zurückgezogen und dann soll ich ihn anrufen? Er meinte, er wäre sauer gewesen, dass ich seine Neujahrswünsche so zerpflückt hätte. Aus meiner Sicht hatte ich das nicht sondern ich wollte wissen weshalb er sich zurückzieht? Dass er dies getan hat, bestritt er. Und weshalb hatte er dann über zwei Monate nicht angerufen?

    Er redete davon, dass in den nächsten Wochen eine Veranstaltung bei mir am Wohnort sei, der er gerne beiwohnen wolle. Diese war an seinem Geburtstag, was er auch nicht direkt aussprach. Deshalb war ich auch nicht drauf eingegangen, doch überlegte mir viele Dinge mit denen ich ihn überraschen wollte.

    Eine Woche vorher bereits als ich nochmal nachfragte, wir hatten nur ca. ein bis zweimal wöchentlich noch Kontakt, meinte er, nicht sicher zu sein, ob er kommen würde. Einen Tag vor seinem Geburtstag rief er dann an und sagte ihm sei langweilig (wer will schon Kontakt zu einem Menschen der sich langweilt?!), er brauche eine berufliche neue Herausforderung, was ich als Seitenhieb verstand, endlich in die Gänge zu kommen.

    Als er das Telefonat beenden wollte, fragte ich etwas entsetzt nach, was denn mit seinem Besuch sei. Wie beiläufig tat er es ab und speiste mich mit einer üblen Ausrede ab, die offenslichtlich gelogen war. Selbst wenn sie wahr gewesen wäre, dann hätte er mich immer noch zu sich einladen können oder hätte sagen können, wir treffen uns am Wochenende oder die Woche drauf wenn er wieder in meiner Stadt ist. Hatte er jemanden gefunden mit dem er lieber seinen Geburtstag verbringen wollte oder hatte er überhaupt je vor seinen Geburtstag mit mir zu verbringen, und wollte er mich nicht nur testen und sein Ego daran aufbauen? Vielleicht dachte er auch, ich sei immer noch nicht in die Gänge gekommen und dass er unter diesen Umständen mich nicht treffen wolle.

    Doch egal was der Grund für sein Verhalten war, ich hatte ihm ja noch ein Geburtstagsgeschenk geschickt, er hätte doch wissen müssen, dass mich sein Verhalten zutiefst gekränkt hat. Es steht jedem Menschen frei seine Zeit zu verbringen mit wem er möchte, so auch den Geburtstag. Doch jemanden anlocken (so empfand ich es wenigstens) und so tun als würde man den Geburtstag mit dieser Person verbringen wollen und dann mit einer fadenscheinigen Ausrede absagen, das finde ich mies. Er hatte im Dezember noch spasseshalber mehrfach nachgefragt, was ich ihm denn zum Geburtstag schenken würde. Also, so hatte ich doch nicht ganz unbegründet angenommen, dass er angesichts seinen Aussagen auch tatsächlich seinen Geburtstag mit mir verbringen will. Oder sehe ich das falsch und er wollte wirklich ausschließlich nur der Veranstaltung wegen in meine Stadt kommen? Dennoch wäre es dann meines Erachtens nicht okay gewesen, da er sich ja durchaus hätte denken können, dass ich es so empfinde, dass er mit mir seinen Geburtstag verbringen möchte. Dann hätte er ja nichts sagen müssen bzw. erst kurzfristig nachfragen können, wenn es sicher für ihn gewesen wäre, dass er kommt.

    Gegen Ende des Telefonats, er war schon im Auflegen begriffen, fragte ich ihn noch, dass wir ja miteinander reden und was klären wollten. Daraufhin meinte er: „Wer will was klären? Du willst!“ Dann lenkte er etwas jovial ein und meinte, wir könnten ja schon mal miteinander darüber reden. Doch es kam nichts.

    In der Vergangenheit hatte er meistens angerufen und auf einmal meinte er, ich solle ihn (Kontakt im März) um X Uhr anrufen. Das fand ich total doof, denn ich mag einen Menschen anrufen wenn ich das Bedürfnis danach habe oder wenn es einen Bedarf gibt. Außerdem ist er dann nicht mal rangegangen und ich fühlte mich versuchsweise manipuliert, so als wollte er damit seine Macht demonstrieren. Ich brauche Hilfe. Er kann mir helfen. Doch dann soll ich ihm auch hinterher telefonieren. Dem muss nicht so sein, doch ich habe es so empfunden.

    Oder als ich beispielsweise ein Konzept geschrieben hatte, kam auch keine Reaktion, obwohl ich ihm das Konzept auf seine Aufforderung hin schicken sollte. Als ich dann nochmal nachhakte, kam, dass er es sehr gut fände. Zwischenzeitlich war mir jedoch Verbesserungspotenzial aufgefallen, weshalb ich ihm Fragen dazu stellte, wie er das sehen würde, welche meiner Vorschläge oder andere am zielführendsten wären? Es kam nichts mehr. Und ich hatte keine Lust ihm hinterher zu laufen, da ich diese seine Reaktion als demütigend empfand.

    Als er sich Ostern immer noch nicht wieder gemeldet hatte, er war ja angeblich bereit zu einem klärenden Gespräch, rief ich kurz drauf an. Er ging nicht ans Telefon, was sehr ungewöhnlich war und er rief auch nicht zurück. Wutentbrannt rief ich dann tagsdrauf nochmal an und er sagte mir, er mache mit einem Freund gerade einen Städtetrip. Gut, dann hätte er ja dennoch später mal kurz anrufen können oder eine Nachricht schicken können. Sonst checkt er ja auch teils mehrmals stündlich seine Nachrichten. Er war gut gelaunt und er klang so als wäre alles beim Alten. Am Wochenende wollte er mich anrufen und ich schielte ständig auf das stumme Telefon. Als dann nichts kam, dachte ich, er wolle halt keinen Kontakt mehr mit mir und kann das jedoch nicht sagen. Zwei Wochen später schickte er mir ein Bild bezüglich beruflicher Zukunft, das er bei seinem Städtetrip aufgenommen hatte. Ich fühlte mich verarscht.

    Nach einer Weilte schickte ich ihm eine Nachricht, dass ich unseren Konflikt in Sprachdateien aufgezeichnet habe, die ich ihm wahlweise über Internet oder Surfstick zukommen lassen wollte. Ich sollte die Daten per Post schicken. Als ich dann mal nach Wochen nachfragte, meinte er, es täte ihm leid, er hätte sich nicht alle Dateien anhören können. Sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen, einen Fehler bei der Aufnahme gemacht zu haben. Doch dann fiel mir ein, dass ich die Dateien in verschiedenen Formaten abgespeichert hatte und alle nochmal vor dem Absenden getestet hatte. Wochenlang hatte ich die Aufnahmen immer wieder neu überarbeitet. Daraufhin meinte er „Liebe XY…..“, ich arbeite jetzt wieder (tat er davor ja auch) und habe somit nicht mehr soviel Geduld wie noch im Dezember. Außerdem habe ich auch sonst noch was um die Ohren.“ Das war seine Antwort auf meine Frage, welche Dateien er sich denn angehört habe. Scheinbar hatte er sich keine der Dateien angehört.

    Dann war wohl wieder ziemliche Funkstille bis Juli und ich schrieb ihm dann, dass ich gerne wissen wollen würde was nun los ist, bot ihm mehrere Möglichkeiten an, dass er vielleicht gar keinen Kontakt mehr wolle, sich das aber nicht sagen traue, dass unsere Konfliktsituation auf Missverständnissen beruhen könnte, dass…. wir halt einfach miteinander reden sollten, denn das wäre für mich ein Ausdruck von gegenseitiger Wertschätzung, von der er ja soviel gesprochen hatte. Dann wüssten wir beide was los ist und können entscheiden, ob wir miteinander etwas machen oder getrennter Wege gehen. Ich schrieb ihm, dass ich das Gefühl habe wahnsinnig zu werden, dass es mich fertig macht, dass ich nicht mehr kann, dass ich nun endlich eine Klärung brauche. Einige Wochen später schickte er eine Kurznachricht mit der Frage wie es mir ginge. Als ich antwortete, dass es mir nach wie vor unverändert schlecht ginge, kam nichts mehr.

    Im Juli schickte er mir dann Bilder von einer Freizeitveranstaltung auf der er war bzw. als ich dann im August eine Leihgabe ihm per Banküberweisung rückerstattete, begann er lustige Videos und Bilder zu schicken. Was soll ich damit? Ich reagierte darauf nicht mehr.

    Das ganze Jahr über habe ich so sehr gelitten wie noch nie zu vor in meinem Leben. Es gab Situationen in denen ich dachte, ich könnte und wollte nicht mehr den Schmerz ertragen. Ich bin nicht suizidal, doch irgendwann ist einfach so ein sehr tiefer und starker Schmerz nicht mehr zu ertragen. Mein Hausarzt hatte das Anfang Februar wohl schon auf den Punkt gebracht als er meinte, er dächte nicht, dass ich mich umbringen möchte, doch da sich Er nicht melde, würde das mir die Luft zum Atmen nehmen. Ich fühle mich oft wie paralysiert, so als wäre ein geliebter Mensch gestorben. Doch so richtig mit dem Trauern kann ich auch nicht beginnen, da ja auch immer wieder mal was kommt bzw. er mir das Gefühl gibt, er würde schon wollen, wenn… Doch was er will und braucht, das kommuniziert er nicht.

    Ende September habe ich ihn versehentlich bzw. unbewusst angerufen. Im ersten Moment hatte ich noch den Impuls, das Telefonat einfach zu beenden, doch das brachte ich moralisch nicht fertig. Sofort fragte er nach, was es an positiven Entwicklungen in meinem Leben gäbe? Da hatte ich nur nicht viel zu berichten. Erneute fragte ich ihn nach einem klärenden Gespräch. Er meinte, er wolle nicht. Im Nachhinein habe ich mich sehr über mich geärgert, dass ich nochmal nachfragte. Ich konnte es einfach nicht verstehen, wie jemand der sonst so sensibel, so empathisch, so sanft und verständnisvoll immer war, und das fühlte sich echt an, nicht bereit zu einem klärenden Gespräch ist, und mich so sehr leiden lässt. Scheinbar könnte ich vor ihm sterben und es wäre ihm egal?

    Ob er oder ich, jedenfalls war die Rede davon, dass er es sich einfach mache, sehr einfach sogar. Er stimmte mir zu, doch er meinte dann mit trauriger Stimme auch nur ein Mensch zu sein. Ich verstünde so gerne was Menschen für Probleme haben sich mit jemanden auseinander setzen zu wollen? Ich könnte es ja verstehen, wenn ich ihm gegenüber sehr dominant oder abschätzig auftreten würde, doch ich bitte ihn doch einfach nur darum mit mir auf Augenhöhe ein klärendes Gespräch zu führen. Und ich fasse ihn ja eh schon symbolisch mit Samthandschuhen an! Gleichzeitig meinte er, vielleicht würde er ja später doch dazu bereit sein. Das finde ich in gewisser Weise mies, und schon wieder hat mir jemand eine Karotte hingehalten, die ich wohl nie erreichen werde. Und auch das kommt mir sehr sehr bekannt vor.

    In dem Telefonat meinte er dann noch, er habe keine Zeit. Er wolle Sommer, Sonne genießen, mit seinen Freunden Hobbies ausüben. Gleichzeitig sagte er, er wäre jetzt ja einmal die Woche bei mir in der Stadt und man könnte sich dann ja mal treffen. Leider habe ich da mal wieder nicht geschalten. Selbst hätte ich nachgefragt, und ihn um ein Treffen gebeten, ich bin mir sicher, dass er dann wieder eine andere Ausrede parat gehabt hätte. Thema Karotte.

    Wir könnten die berufliche Zusammenarbeit nochmal aufgreifen, meinte er, und er würde sich dann im Herbst bei mir telefonisch melden. Nun, für mich ist Spätherbst. Abgesehen davon, das was er mit seinen Freunden tut, hat er sonst während unseres Kontaktes auch getan. Und was ist mit der angeblichen Freundschaft zu mir und dass ich eine Seelenverwandte für ihn sei?

    Naja. Das kam sehr schnell am Anfang unseres Kontaktes bereits von ihm. Doch im Laufe des Kontakts musste ich feststellen, dass wenn ich ihn auf manche seiner Aussagen hin ansprach, er diese relativierte, wodurch mir die Aufrichtigkeit seiner Aussagen nicht sicher schien. Gleichzeitig hatte er ja sehr viel für mich getan und ich hatte schon – und das ist ein sehr seltenes Gefühl bei mir – den Eindruck, dass er mich mag. Am Anfang unseres Kontaktes meinte er, ich sollte ein Buch führen in dem ich schreibe, was ich heute getan hätte, womit ich anderen eine Freude gemacht hätte, was ich selbst plane zu tun, was ich erfolgreich erledigt habe… Als ich ihm dann eine Karte gab mit Aussagen was ich an ihm mag und schätze, begann er zu heulen, mich am Arm zu streicheln und meinte, er würde mich auch sehr mögen. Mir war das peinlich scheinbar so eine intensive Reaktion hervorgerufen zu haben, gleichwohl ich es auch schön fand. Wie kann ein Mensch der einerseits so weich ist, so grausam sein? Ich gehe hier schier kaputt. Ich will doch einfach nur mit ihm mal mich aussprechen. Doch mit bloßen Wollen oder mit dem bloßen Verstand ist hier offenbar kein Weiterkommen.

    Meinem Bauchgefühl nach, und was ich aus der Vergangenheit weiß, basiert unser Konflikt auf Mißverständnissen. Im Telefonat meinte er ja noch, er dachte wir wären in einer Sackgasse. Dann soll er halt bitte mit mir reden, was er genau meint, wie er die Sache sieht, was das mit ihm macht, was er sich wünscht… Das Schlimme ist, ich kann nicht loslassen. Ich habe das Gefühl mit ihm einfach verbunden zu sein, und das hatte ich sehr sehr selten in meinem Leben. Andere Leute aus meinem Umfeld meinten, sie hätten den Kontakt schon längst abgebrochen und dass er ja gar nichts von mir wolle, dass Dinge sich ändern würden. Ja, doch ich spüre oder meine zu spüren, dass er einerseits schon unter gewissen Voraussetzungen wieder mit mir in Kontakt gehen wollen würde. Es kommt mir so vor als er auf was Bestimmtes von mir wartet. Doch dass ich ihn anrufe, selbstbewußt, und ihn um Hilfe bitte mir beruflich zu helfen, nein, das empfände ich als eine Demütigung.

    Tja, und daran arbeite ich nun mit unter extremsten Bedingungen. Ich leide entsetzliche Qualen. Stell‘ Dir vor, da ist ein Mensch der Dir sehr am Herzen liegt, den Du als Mensch gar liebst, und von dem Du nicht weißt, meldet er sich jemals wieder oder nicht, weshalb ist der Kontakt nun auseinander gegangen, und dieser Mensch der ja soviel Wert auf Wertschätzung legt, ist nicht bereit oder nicht fähig mit Dir Dich auseinanderzusetzen? Unterstelle ich ihm, das er mich wie er mal sagte, glücklich machen wolle und dass er mein Bestes wolle, erreicht er mit seinen Handlungen nun jedoch genau das Gegenteil. Ich bin durch den Schmerz wie gelähmt und es fällt mir so sehr schwer mich immer wieder aufzuraffen und zu kämpfen meine Altlasten endlich abzuarbeiten um beruflich durchstarten zu können.

    Ansich hätte er eine Hilfe und Unterstützung sein können und auch wollen, doch nun fühle ich mich durch die Erfahrung mit ihm eher blockiert. Weshalb lernt man einen Menschen kennen, der einen Mut macht, der einen Halt gibt, der sich als Sparringspartner gibt, der einfach ein Freund ist und scheinbar die eigenen Interessen hintanstellt, was ich mehrmals bemängelte, und dann ohne ein Wort ist er weg. Es folgt physischer wie psychischer Zusammenbruch. Ich will ja was tun und ich tue auch was, vermutlich nicht alles und nicht soviel wie ich könnte und sollte, doch ich kämpfe sogut es mir möglich ist.

    Ja, vielleicht ist es in seinem Fall, dass ich nicht in die Gänge gekommen bin und vielleicht würde oder wird gar sich noch was ändern, wenn dem mal der Fall ist, dass ich demnächst alles aufgearbeitet haben werde. Doch er ist nur ein Beispiel und bei anderen Menschen, meist Männern, waren es andere Themen. Bei ihm gab es ja auch das Thema, dass er mir sehr schöne und freundliche Dinge sagte, die er später dann jeweils relativierte. Als ich mit ihm darüber sprechen wollte, war er ebenso hier ausgewichen.

    Entschuldige bitte den langen Text. Ich habe einen sehr sehr sehr großen Leidensdruck. Wenn ich das Gefühl hätte, auch wenn immer wieder Zweifel aufkeimen, er hat mir nur verarscht, dann könnte ich ihn (leichter) abhaken und wieder nach vorne blicken. Doch er ist mir sehr sehr viel wert und ich habe schon den Eindruck, dass wir gut zusammen beruflich was stemmen könnten. Und ich mag ihn auch als Mensch bzw. ich liebe ihn als Mensch. Doch ich für meinen Teil kann nicht so tun wie es Männer sich bei mir wünschen, als wäre nichts gewesen und einfach weitermachen. Das ist keine Lösung für mich. Denn ich würde noch mehr verunsichern und befürchten, wann bricht er das nächste Mal den Kontakt ab und kommt er dann wieder oder nicht? Das ist einfach keine Art und Weise wie man mit Menschen umgehen sollte. Um diesen Teufelskreislauf durchbrechen zu können, brauche ich die Auseinandersetzung auch mit einem Du. Doch vorab wohl die mit mir selbst.

    Hast Du eine Idee, wie ich mir selbst auf die Schliche kommen kann?

    Danke, falls Du durchgehalten hast alles zu lesen.

    • Liebe Maria,

      ich habe deinen gesamten Text gelesen. Es ist mir klar, dass du unter starkem Leidensdruck stehst und ich verstehe das auch sehr gut. Aber – um es nüchtern zu sagen – du lebst bis zu einem gewissen Grad in einer Scheinwelt. Dass durch diesen Mann tief verwurzelte Bedürfnisse in dir aufgebrochen sind, die du wohl schon dein Leben lang in dir trägst, kommt deutlich rüber. Du versuchst das, was alle mehr oder weniger versuchen, solange sie sich im Heute noch voll und ganz mit ihren Gefühlsmankos identifizieren: Du willst sie endlich erfüllt haben.

      Was dir (noch) nicht klar zu sein scheint: Das geht nicht! Ohne Pathos gesagt, hast du unbewusst auf ein „Objekt“ reagiert, auf das du projizierst, was das Zeug hält. Er soll dir endlich all das geben, was du zu glauben brauchst, weil da eine schmerzhafte Leere in dir ist, die danach schreit, erlöst zu werden und endlich geliebt, geschätzt, angenommen und verstanden zu werden. Und das soll er jetzt leisten.

      Eine Frage: Wie würde es dir gehen, wenn jemand an dich diesen Anspruch stellt? Denke dabei aber nicht an ihn, weil du ja durch deine Verliebtheit und Fixierung nur zu glücklich wärst, würde er das von dir wollen, da es ja zugleich deinen eigenen Bedürfnissen entgegen käme, sondern stell dir einfach vor, es wäre eine Freundin oder ein Freund, die/den zu zwar magst, aber von dem du eigentlich nichts weiter haben möchtest. Würdest du dich nicht auch total vereinnahmt fühlen – und außerdem noch, gar nicht in Wirklichkeit als Mensch gesehen zu werden?

      Ich kopiere jetzt ein paar Stellen aus deinem Text, die man eigentlich grob gesagt, in drei „Kategorien“ einteilen könnte:

      Deine Bedürfnisse, die du zu 150% auf diesen Mann richtest:
      auf jemanden wie ihn mein Leben lang gewartet zu haben,
      mit der von mir so sehr gewünschten Tiefe
      den Eindruck, dass er mich mag.
      mit ihm mal einen Konflikt haben zu wollen
      dass ich unseren Konflikt in Sprachdateien aufgezeichnet habe, die ich ihm wahlweise über Internet oder Surfstick zukommen lassen wollte

      Ehrlich gestanden – ganz brutal gesagt – ginge mir jemand, der mir so begegnet, auf die Nerven. Ich würde in ihm ein emotionales Fass ohne Boden und ohne jede gesunde Distanz sehen.

      Seine Reaktion darauf:
      Doch wenn jemand nicht reden will bzw. reden kann?
      Er war nicht bereit sich mit mir auseinanderzusetzen.
      „therapiefrei“, auch für mich
      Viel Nähe kann er meinem Bauchgefühl nach nicht ertragen.
      Daraufhin meinte er: „Wer will was klären? Du willst!“
      Sofort fragte er nach, was es an positiven Entwicklungen in meinem Leben gäbe? Da hatte ich nur nicht viel zu berichten.
      ein Buch führen in dem ich schreibe, was ich heute getan hätte, womit ich anderen eine Freude gemacht hätte, was ich selbst plane zu tun, was ich erfolgreich erledigt habe…

      Auf mich wirkt das so, als würde er dir – zwar nicht direkt – aber doch auf alle erdenklichen „schonendere“ Arten ständig sagen: Werde erwachsen, lebe selbständig, hör auf, mich für etwas einzuspannen, das du unbedingt haben willst – ich kann und will es dir nicht geben. Und ganz ehrlich: ich sehe das als ziemlich gesunde Reaktion an.

      Deine Gefühle auf sein Verhalten:
      dass es mir nach wie vor unverändert schlecht ginge, kam nichts mehr.
      Das ganze Jahr über habe ich so sehr gelitten wie noch nie zu vor in meinem Leben.
      irgendwann ist einfach so ein sehr tiefer und starker Schmerz nicht mehr zu ertragen.
      wie paralysiert, so als wäre ein geliebter Mensch gestorben.
      Scheinbar könnte ich vor ihm sterben und es wäre ihm egal?
      Wie kann ein Mensch der einerseits so weich ist, so grausam sein?

      Du reagierst darauf mit totalem Weltschmerz, dein Leben wird sinnlos, du wirst immer dramatischer, leidest furchtbar darunter, dass ein anderer Mensch dir nicht das gibt, was du haben willst. Grausam ist das gar nicht, ich finde sogar, er will dir sogar dabei bis zu einem gewissen Grad helfen, „erwachsen“ zu werden.

      Und zu guter Letzt noch, woran du die Problematik quasi „aufhängst“.
      Ich will doch einfach nur mit ihm mal mich aussprechen.
      Doch was er will und braucht, das kommuniziert er nicht.

      Dass du dich nur mit ihm „aussprechen“ willst, nehme ich dir keine Sekunde ab. Du willst ihn dort hin kriegen, wo du ihn „brauchst“ und akzeptierst gar nicht, was er sagt. Für dich ist das existenziell, es geht quasi fast schon um dein Leben. Er kommuniziert sehr wohl, was er will, aber du übergehst es. Ich finde, er ist weit weniger „grausam“ als viele Männer, die sich bei so einem Bollwerk von Bedürfnissen sofort aus dem Staub machen würden. Er scheint dich als Mensch zu mögen, aber du überforderst diese Zuneigung gnadenlos.

      Hast du eigentlich deine Thematik schon mit therapeutischer Begleitung angesehen? Ich würde dir sehr dazu raten, wenn du nicht auf Dauer denselben Schmerz ständig – mit wechselnden „Objekten“ – wiedererleben möchtest. Mir kommt vor, da schreit dein „Inneres Kind“ nach allem, was es vermisst und leidet unsäglich, wenn es wieder und wieder abgewiesen wird. Dabei wirst du blind für die Realität, denn diese ist: Du bist erwachsen und wendest dich mit deinen kindhaften Bedürfnissen an einen anderen Erwachsenen, der sich weigert, darauf einzusteigen, der dir aber trotz allem noch immer ziemlich empathisch begegnet. Es ist aber niemandes Aufgabe, deine früh offen gebliebenen Bedürfnisse zu befriedigen.

      Was noch hinzu kommt: Selbst wenn das jemand versuchen würde – es würde niemals funktionieren. Du wärst nämlich in deinem gesamten Lebensglück und Selbstwertgefühl total von dieser Person abhängig. Einerseits wäre das für dich überhaupt kein Gewinn für deine Entwicklung (es wäre nur eine temporäre emotionale Befriedigung), andererseits würde sich jeder Partner, der so sehr in eine „Elternrolle“ gedrängt wird, über kurz oder lang abwenden. Er hätte ja keine Partnerin auf Augenhöhe, die ihr eigenes Leben lebt und erwachsen agiert, sondern quasi ein emotional bedürftiges Kleinkind an der Backe, das nach Symbiose schreit.

      Versteh mich bitte nicht falsch: es liegt mir fern, dich zu verletzen. Ich weiß nur zu gut, wie du dich fühlst, weil ich mich auch einmal so gefühlt habe und den Schmerz ganz bestimmt nicht unterschätze. Und auch wenn es tausende andere gibt, die auch so einen ähnlichen Weg gehen, weil sie nicht begreifen, was da eigentlich in ihnen abläuft, wird es damit nicht besser. Bei manchen scheint es von außen besehen, sogar zu funktionieren, aber ich glaube das nicht. Die Bedingung für Liebe ist Freiheit und ganz sicher nicht Abhängigkeit. Das ist sie bei Kindern und im besten Fall erleben sie alles ausreichend, was sie brauchen, um dann in eine neue Lebensphase ohne innere Mängel zu kommen. Viele erleben es nicht ausreichend und suchen dann wie verrückt nach Ausgleich. Aber leider muss man da durch, die Mängel erkennen und den Schmerz darüber akzeptieren, dann entwickelt sich langsam, aber sicher, ein unabhängigeres Selbst, das irgendwann auch emotional in der Gegenwart ankommt.

      Der Weg dahin ist nicht leicht, aber der andere auch nicht – zumal man ja nicht weiter kommt und immer wieder dasselbe zu ertragen hat. Es ist meiner Meinung nach eine bewusste Entscheidung, welchen man gehen will, denn er verlangt auch ein hohes Durchhaltevermögen. Kurz gesagt: man muss das wollen. Ein erster Schritt dazu ist sicherlich, ein wenig Selbstdistanzierung und mit möglichst klarem Kopf sich selber dabei zuzusehen, was man da eigentlich will. Sobald man sich voll in die Gefühle hinein kippen lässt, geht gar nichts mehr, dazu sind sie meist zu stark. Deshalb bleiben ja auch viele dabei und ändern gar nichts.

      Solange du in all deinen Bestrebungen, Wünschen und Hoffnungen bei einem „Du“ bleibst, kannst du dir sicher sein, dass es zu 100% um dich geht.

      LG
      Eva


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